meist manchmal, selten oft

Zur Abwechslung nun mal etwas völlig unwichtiges:
Partially inspired by Johnnys “Löwen unter sich“, hier meine Lieblings-Spieler der WM. Ich kenne sie nicht persönlich, nur von Panini-Bildern.

  • Nuno Valente (Panini-Code 288) weil der ein so symphatisches Kinn hat und offenbar bei seiner Gewichtsangabe schummelte (man vergleiche mit Nachbar 289 – nur 2 kg mehr?).
  • Roque Junior (386), weil er seine Frisur eindeutig beim Ovo (24) geklaut hat.
  • Tony Popovic (422), weil man seinen Namen auch anders, nämlich mit “f” und “k” aussprechen kann. Ich weiss, das ist jetzt Pubertätshumor.
  • Djibril Cisse (468), weil er aussieht wie ein junger Kofi Annan in blond
  • Lee Dong-Gook (507), weil er ja wohl der wiedergeborene Bruce Lee ist.
  • Abdulaziz Khatran (594 rechts). Wegen des Bartes.
  • Sonderpreis für Prachtfrisuren/Frisurenpracht gehen an Edgar Barreto (nomen est omen, 121) und Diego Gavilan (124).
  • Sonderpreis für am-nervigsten-seiend: Bernd Schneider (30). Jetzt hab ich den schon zum vierten Mal gezogen! Irgendwann tapezier ich mal das Wohnzimmer mit all meinen Bernd Schneiders.

—–

Die Schweine!

Ich geh’ jetzt reverten. =)

Das Fuckup-Blog weist nicht zu unrecht auf das Wohlbefinden hin, in das einen ein komplett werbefreier Webbrowser (nämlich der Mozilla Firefox) versetzen kann. Nett, dass nicht nur Werbebanner und -Flashanimationen rausgefiltert werden, sondern gar Werbe-JavaScripts.
(Wobei, die nicht gerade scharfe Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung auf bild.t-online.de wird leider nicht berücksichtigt. Aber diese Seite muss man wahrhaft auch nicht besuchen.)

Das können SIE auch erfahren! Garantiert, schnell, zuverlässig. Tun Sie es jetzt, die Gelegenheit ist günstig! Hier eine idiotensichere Anleitung.

Erstmal auf die Seite von Adblock gehen. “Install” -> “Dev Builds”. Unten auf der Seite steht ein Link “Adblock 0.sowieso, Nightly Bla Sowieso”. Draufgeklickt.
Normalerweise wird jetzt oben im Browserfenster eine Meldung angezeigt. Der Firefox meckert, dass er die Erweiterung nicht installieren will. Aus Sicherheitsgründen. Aber: Auf den Button dort klicken und “adblock.mozdev.org” als erlaubte Adresse für Erweiterungen hinzufügen. Jetzt klicken wir noch einmal auf den Link für die Erweiterung und – voilà – Adblock installiert sich.

Das war aber nur die halbe Miete. Zum Adblocker müssen wir noch eine sich selbst aktualisierende “Schwarzliste” installieren, den “Adblock Filterset.G Updater”. Dazu auf dieser Seite den “Install now”-Link anklicken und das Spielchen von eben wiederholen. Nach der Installation den Firefox neugestartet, die Meldung lesen oder auch nicht und…

fertig! Nie wieder Online-Casinos und -Dating, halb bis ganz nackte Frauen (zumindest in Werbebannern), gefakete Fehlermeldungen, nervöses Geblinke und… weisst schon.
—–

Spätestens heute hat die Saison für Freiluft-Beerdigungen begonnen. Gemerkt hat man’s am plötzlichen Trompeten, das vom großen Friedhof hier in Berlin Friedrichshain (vom Balkon aus in Spuckweite) herüberschall. Trompeten sind zu Traueranlässen beliebt. Das haben wir in den nunmehr 2 Jahren und 2 Wochen, die wir hier wohnen (Stand: Ende 04/06), herausgefunden. Irgendwann, nämlich exakt dann, wenn man sonntagmorgens zum dritten Mal mit “Time to say Goodbye”, mundgeblasen, ist’s dann auch mit der Pietät vorbei.

Deshalb, hier und jetzt die offiziellen Friedhof-Friedrichshain-Beerdigungs-Trompeten-Charts. Wird regelmäßig upgedatet. Prognosen für den Stand am Jahresende dürfen in den Kommentaren abgegeben werden.

  • Don’t cry for me, Argentina: 1x

—–

Ich habe neulich mal wieder eine Ausgabe in die Hände bekommen. Die Ausgabe 12 von letzter Woche, um genau zu sein. Ich weiß nicht genau, wie ich das sagen soll – Entweder ich habe Dich früher einfach nicht bewusst genug gelesen oder Du bist tatsächlich zu einem neokonservativen Propagandaorgan geworden.

Ich hatte schonmal einen Anlauf genommen, diesen Beitrag zu verfassen, aber irgendetwas blockierte mich, weiterzuschreiben. War es die große Resignation, die Verblüffung über eine Erkenntnis, die ich vielleicht schon früher errungen hatte, sich jetzt aber endlich massiv ihren Weg aus dem Unterbewusstsein bahnte? Ich war erschlagen von den massiven Manipulationskampagnen, mit denen Deine Redakteure meine Sicht der Realität zu ändern suchen. Einsicht alleine nützt wenig – man muss anderen davon erzählen. Andere sind korrumpierter als ich.

Pathos, vielleicht. Könnte auch einfach Faulheit gewesen sein. Dennoch: Ich muss das jetzt tun.

Auf Seite 18 bringst Du eine, soweit unerhebliche, Kurzmeldung über Susanne Osthoff. Auffällig ist aber, dass die Dame

  • einmal “Susanne Osthoff”
  • einmal “die Archäologin”
  • fünfmal, Überschrift und Bildunterschrift eingerechnet, schlicht “Osthoff”

genannt wird. Mag sein, dass das zum journalistischen Grundrepertoire der Diskreditierung gehört, das kann aber keine Entschuldigung sein. Das Große spiegelt sich im Kleinen.
Wo fängt Menschenwürde an, wo hört sie auf? Kann eine Medienkampagne jemals zu Ende gehen?

Egal, weiter.

Über deine Berichterstattung zu den CPE-Protesten in Frankreich habe ich mich ja schonmal geärgert. Meine Prognose einer weitaus radikaleren Meinung im pseudoobjektiven Gewand ist dann auch eingetroffen (Seite 126 ff). Tendentiös wirfst Du Dinge zusammen, die nicht zusammengehören. Natürlich ist aus deiner Sicht, SPIEGEL, “eine Lockerung des Arbeitsmarktes (…) dringend nötig”. Die Millionen protestierenden Menschen seien in erster Linie gewaltbereit und blockierten Frankreichs Reformierbarkeit. Gerade die letzten drei Absätze des Artikels zeichnen ein sehr negatives Bild der Protestierenden.

Vor allem den Unterprivilegierten hätte der Ersteinstellungsvertrag von Villepin helfen sollen. Für junge Akademiker, so sieht es Léo Roche, 22-jähriger Geschichtsstudent an der Sorbonne, “bedeutet dieser Vertrag nur Ungleichheit und Unsicherheit”.
Er lehnt ihn ab, genau wie alles, was von dieser Regierung kommt. Roche hat Protesterfahrung. Vor drei Jahren war er schon in Evain dabei, um gegen den G8-Gipfel zu demonstrieren, er ist Mitglied bei Attac und überzeugter Pazifist.
Er sitzt auf einer abgewetzten Holzbank in einem Universitätshörsaal im V. Arrondissement. 200 Studenten haben sich nach den Krawallen hier getroffen, um Bilanz zu ziehen und das weitere Vorgehen zu planen. Sie brauchen eine Stunde, um eine Sitzungsleitung zu wählen, sie diskutieren über Abstimmungsverfahren, über den Diskussionsmodus, über die richtigen Gesten, um Zustimmung zu signalisieren – es ist alles, wie es immer schon war.
Nur dass diese Rebellen nicht wie die junge Hoffnung der Nation wirken, eher wie eine schlechte Kopie derer, die sie bekämpfen wollen. (…)

Wahnsinn, SPIEGEL. In so wenigen Zeilen Studenten-Bashing, Demonstrations-Bashing, Basisdemokratie-Bashing und Attac-Bashing unterzubringen, ist schon eine Leistung. (Man möge mir den Begriff verzeihen, aber “Bashing” ist ein fester Begriff im SPIEGEL-Kampagnen-Jargon).
Wenn man nicht genau hinschaut, bemerkt man gar nicht, wie hier Demonstrationen mit Krawallen gleichgesetzt werden. Und aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass – ehe ich mich mit den Inhalten der Organisation beschäftigte – ich ein sehr negatives Bild von Attac hatte. Heute weiss ich, dass dieses Image mediengesteuert und erwünscht war. Jeder ist ein Manipulationsopfer! Ich frage mich aber auch, wie man die Abschaffung von Arbeitnehmerrechten allen Ernstes als Instrument zur Chancenerhöhung von Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt sehen kann! Ich bin kein Ökonom, aber die volkswirtschaftlichen Folgen einer solchen Deform kann man sich doch auch als Laie logisch herleiten: Ständig in der Gefahr leben zu müssen, gekündigt zu werden, schafft Nervosität und wird die französische Konjunktur schädigen weil die jungen Menschen nicht wissen können, ob sie in einem Monat, in einer Woche ihren Job noch haben. Die Geburten werden aus eben diesem Grund zurückgehen. Junge Angestellte werden unter völliger Selbstaufgabe immer mehr Leistung für das gleiche Geld erbringen müssen, um im gnadenlosen Wettbewerb zwischen den unter-25-jährigen nicht die ersten zu sein, die gekündigt werden. Das wird tendentiell die Anzahl der Arbeitsplätze verringern, da die Arbeitgeber für das gleiche Geld mehr Leistung bekommen.
Politisch vermutlich gewollt hingegen: Die beeindruckende Solidarität zwischen älteren und jüngeren Franzosen wird beginnen zu bröckeln, weil Unternehmen häufiger unterpriveligierte Jugendliche zu Dumpingtarifen einstellen werden, anstatt auf erfahrenere Kräfte zu setzen, die aber Arbeitnehmerrechte haben. Das schafft Konfliktpotential.

Warum, SPIEGEL, (ich weiß – ich wiederhole mich) beschäftigst Du dich überhaupt nicht mit dem Inhalt und den Konsequenzen von CPE, sondern nur mit den Protesten? Und wieso werden diese so einseitig dargestellt? Wie kannst Du es wagen, protestierende Studenten als Menschen darzustellen, die bei der Bestzung der Sorbonne “das Leben in vollen Zügen” genossen, die vom Rektor gestohlenen Champagner trinkend und einem Klavierkonzert lauschend den Sternenhimmel betrachteten? Neben der Frage, ob das überhaupt stimmt, stelle ich mir auch die, warum Du solche Details so stark betonst. Natürlich weiß ich die Antwort.
Und: Was hat der (Partikular-)Fall eines antisemitisch motivierten Mordes in Frankreich, den Du “irgendwie” mit den Protesten in Zusammenhang bringst, damit zu tun?

Fazit: Es kotzt mich an, dass der Abbau von Arbeitnehmer-, ja – Bürgerrechten, dieser Tage nur in des Kaisers Kleid, den wertfreien Begriff “Reform” gehüllt werden muss, und plötzlich ist alles geil. Die bittere Pille muss halt geschluckt werden, auch wenn sie Zyankali enthält. Wie scheiße seid ihr, Medien? Wie blöde sind wir, dass wir so etwas überwiegend unhinterfragt stehen lassen, Bürger? Beides: Sehr.

Thema Menschenrechte. Auf Seite 68 und den Folgenden befasst Du, SPIEGEL, dich mit der Global(l)isierung anhand eines Beispieles der pakistanischen Stadt Sialkot, in der 60% der Fussbälle weltweit produziert werden. Die Maxime des Artikels muss ich kaum zusammenfassen – das machst Du bereits an exponierter Stelle – in groß und grün – auf Seite 70:

DER SPIEGEL zum Thema Kinderarbeit

Populistisch und kaum chiffriert ist, entspricht diese Aussage genau dem Tenor des Artikels. Kinderarbeit sei, im Sinne der globalisierten Konkurrenz, legitim. Lästige Prinzipien sollten aus ökonomischen Gründen schonmal über Bord geworfen werden dürfen – der Zweck heiligt schließlich die Mittel. Nur diese Menschenrechtsorganisationen, die das – nicht gerade werbewirksam – an die Öffentlichkeit bringen und die Konzerne, die aus Imagegründen darauf reagieren müssen, die nerven. Aber Du lässt auch mal eine der Näherinnen zu Wort kommen:

Wenn Akhtar und ihre Nachbarinnen hören, dass in Deutschland Kinder in den Betrieben ihrer Eltern mitarbeiten, dass Bauernsöhne im Stall helfen, bei der Ernte, fragt sie empört: “Wie kann das möglich sein? Ihr nehmt uns einen Teil unseres Einkommens, ihr verbietet unseren Kindern, auch nur einen einzigen Ball zu nähen, nach der Schule, aber ihr gestattet euren Kindern, dass sie ihre Familien unterstützen?”

Ist das vergleichbar? Gibt es in Deutschland auch für Bauernkinder eine Schulpflicht? Wie viele Kinder sind das überhaupt noch? Der deutsche Agrarsektor liegt doch brach! Gibt es nicht trotzdem sehr straffe arbeitsrechtliche Bedingungen für familiäre Mithilfe? Ist nicht vielleicht sogar das deutsche Recht in dieser Hinsicht verurteilenswert? Wird den Kindern “gestattet” zu arbeiten, oder ist es nicht vielmehr so, dass es den Eltern “gestattet” wird, ihre Kinder auszubeuten? Und Du, SPIEGEL, äußerst nicht mal, was für eine Belastung es für ein Kind sein muss, unter dem Leistungsdruck der Schule als einziger Chance und gleichzeitig dem Druck, die Familie miternähren zu müssen, zu stehen. Warum hast Du kein einziges Näherkind interviewt?
Diese Art von Berichterstattung ist schändlich und ekelhaft. Pfui, SPIEGEL!

Deine Titelstory, “W@RE LIEBE – Das Online-Geschäft mit der Sehnsucht”, scheint dagegen geradezu harmlos zu sein. Nackte Tatsachen auf der Titelseite machen sich in letzter Zeit auch bei Dir ganz gut als Verkaufsargument. Egal, Du wirst schon wissen, an welche Zielgruppe Du dich richten möchtest. Max Goldt nannte diese einst nicht umsonst “Dr. Lieschen Müller”. Zwei Sachen sind mir dann aber doch aufgefallen.

  • Als erstes: Dass sich momentan unter der Rubrik “Surftipps” (Anzeige) auf Spiegel-Online überall Werbelinks auf die Online-Singlebörse “parship” befinden
  • Und zweitens: Dass diese Berichterstattung irgendwie schon das von Dir proklamierte Bild der kinderlosen Gesellschaft unterstützen zu scheint. Okay, Du schaffst es schließlich sogar, in einer Polemik auf die diesjährige Echoverleihung den Satz “Die Menschen hier werden immer älter, es werden so wenig Kinder geboren wie noch nie seit 1945, es gibt Probleme mit dem demographischen Faktor” unterzubringen. Aber man meint irgendwie schon, da will einem jemand eine Ideologie einhämmern, die nachweislich alarmistischer Schrott und Schleichwerbung für Schirrmachers neues Machwerk ist. Dazu: Gerd Bosbach, hr2 – “der Tag” als MP3 zum Anhören

Statistiken sind immer gut. Sie können oftmals beliebig zur Untermauerung einer gewünschten These verwendet werden. Ein gutes Beispiel sind die Grafiken und Statistiken in Deinem, SPIEGEL, Leitartikel. Wäre der Duktus des Artikels etwa gewesen “Der Begriff der Singlegesellschaft ist überschätzt, es gab in den letzten Jahren einen höchstens kaum bemerbar höheren Anteil an Singles in der Bevölkerung”, hätte die Grafik auf Seite 81 das sehr gut illustrieren können. Freilich hätte man die blaue Kurve (“Einpersonenhaushalte in Deutschland” dabei weglassen müssen – aber die hat eh nichts mit dem Thema zu tun. Bei der roten Kurve “Einpersonenhaushalte der 25- bis 44-jährigen” hätte man, zur Makulatur, einen weniger besorgnisverursachenden Maßstab auf der Y-Achse wählen und auf der X-Achse die verfälschenden Jahresdaten von 1961 bis 1990 weglassen können. Dem Statistikör ist nichts zu schwör.
So oder so, man sieht – wenn man die Zahl der Einpersonenhaushalte tatsächlich als Bemessungsgrundlage für die Ausprägung einer Singlegesellschaft heranziehen will (ich wollte es nicht), man erkennt, dass es nur minimal mehr Einpersonenhaushalte von 25- bis 45-Jährigen als Mitte der 90er gibt: Heute 4,5%, das sind 45 von 1000!
Auch Deine niedlichen Grafiken (Prozentuale Steigerung vor Herzchenhintergrund) auf Seite 92 zur Teilnehmersteigerung beim Online-Dating seit 2003 wirken weit weniger imposant, wenn man bedenkt, dass auch die Zahl der deutschen Haushalte mit Internetanschluss immens gestiegen ist. Komischerweise hast Du diesen Faktor neulich in deinem Artikel über das vermeintliche Aussterben der Internet-Tauschbörsen mit einfließen lassen. Na gut, eines will ich dir zugestehen: Vielleicht ist Online-Dating ein Trend, aber sicher kein gesellschaftsumwälzender, der dieser Tage einen Leitartikel wert wäre.

Der größte Aufreger SPIEGEL 12/06, für mich, ist die Art und Weise, wie Du Stimmung gegen den Islam machst. Damit beschäftige ich mich allerdings später.

Bis bald!
maloXP

Dank der Umstellung Berlins auf DVB-T und fehlendem Geld waren wir seinerzeit gezwungen, den Fernseher verstauben zu lassen und, später, wegzugeben. Erst dann begann ich, mich für Politik, abseits von Allgemeinplätzen und SPIEGEL-Propaganda zu interessieren. Wenn ich heute wo zu Besuch bin und ein Fernseher läuft, erkenne ich nachher, wie hypnotisch dieses Medium wirkt. Selbst den größten Scheiss, von Supernanny bis Bohlens Egowichse, tu ich mir an, weil’s kurzfristig unterhaltsam ist.

Es gibt so viele Möglichkeiten, diese Zeit besser zu nutzen.

Die TV-Macher sind sich dieses Effekts sicher bewusst und gestalten ihr Programm so, dass Inhalte stark vereinfacht dargestellt werden (wer fernsieht, will nicht denken). Eine Verzerrung der Realität findet statt, und die Medien wissen das auch für politische Zwecke zu missbrauchen.
Ein Beispiel: Bei den Ver.di-Streiks wurde jüngst in den Tagesthemen das Porträt einer Mutter skizziert, die aufgrund der Streiks ihr Kind nicht in den Kindergarten schicken konnte. Fast hätte sich Mutti extra einen (unproduktiven) freien Tag nehmen müssen, aber gottseidank war Omi ja da und hat sich um’s Töchterchen gekümmert. Motive für den Streik, die Art und Weise, wie sich Nullrunden oder Tariferhöhungen volkswirtschaftlich auswirken, die unter der Inflation liegen: Fehlanzeige. Stattdessen, ein emotionaler, einseitiger, subjektiver Teilausschnitt der Konsequenzen. Aber das ist eine Sprache, die jeder versteht.

Jetzt kommt’s: Vorhin habe ich auf InfoRadio (RBB-Nachrichtensender) ein Feature zu den CPE-Protesten in Frankreich und den damit einher gehenden Streiks gehört. Erzählt wurde von einer, namentlich genannten, jungen Mutter, die sich fast einen Tag frei nehmen musste, wenn sie ihr Kind nicht zur Oma hätte geben können.

Wer will mir erzählen, es stecke kein System dahinter?

Manipulation ist nicht bloßes Lügen. Es ist der Versuch, eine subjektive Ansicht, eine Meinung, als objektiv darzustellen. Das Instrumentarium ist vielfältig:
Auslassen bestimmter Teilaspekte eines Sachverhalts, Überbetonung anderer, suggestive Bilder, Untermauerung von Argumenten durch vermeintliche Experten, die Formulierung von Meinungen als rhetorische Frage, Statistiken (die häufig in beliebige Richtungen interpretiert werden können), emotionale Berichterstattung, das Präsentieren des “Gegners” auf herabwürdigende Weise (“Blaming”, “Bashing”), die Neudefinition positiv besetzter Begriffe (z.B. “sozial”, “Reform”), die negative Neudefinition von vom “Gegner” besetzte Begriffen (“Solidarität”, “Sozialstaat”), die Konstruktion eines “WIR” (damit gleichzeitig: Konstruktion eines “DIE”), eigentlich kontroverse Ansichten unkommentiert als evident – also in sich logisch und selbsterklärend – hinzustellen (Beispiele: In Berlin-Kreuzberg sei die Integration gescheitert, nachzulesen im SPIEGEL oder in der FAZ; Wir stünden vor einer demographischen Katastrophe, nachzulesen überall), und so weiter.

Wer das so nicht sieht, sollte sich wachen Auges mal mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschäftigen, die gute Kontakte in die Journalismusschmieden pflegt. Aber ein reflektierter Blick in BILD oder SPIEGEL reicht auch.

Anlass: René im Spreeblick-Blog: Die Rückkehr des Wortes.


Kleines Update: Auch der marktradikale Alibi-Grüne und INSM-Botschafter Oswald Metzger nutzt in seiner Propaganda-Kolumne seinem Blog bei Focus.de die Kindergarten-Mutti-Tränendrüsen-Argumentationslinie gegen die Streiks. Ach, wat isser doch bürgernah, der Ossi (“Ja, sind sie von Attac bezahlt?”). Nachtjall, ick hör Dir trapsen.

Wenn Du von ganz unten kommst
ist Gewinnen nicht alles …

(bedeutungsschwangere Pause)

Es ist das Einzige.

Gesehen auf dem DVD-Cover von “Friday Night Lights”.

Grandios: Edmund Stoiber erzählt aus seinem Leben. Klick und das MP3 runterladen. Gefunden dank Side Effects.

Oje, jetzt gibt’s diese tollen MP3-Player schon seit einiger Zeit – und jetzt darf ich, V for Verbraucher, sie nicht mehr betanken. Das Aushebeln von Kopierschützen ist jetzt nämlich nicht mehr Bagatellbulette, sondern ein Verbrechen höheren Ranges.

Was nu?

  • Verzweifeln?
  • Statt “Mit dem Mofa nach England” mal mit dem Laptop nach Frankreich – Parkbank in Paris, den Tramper-Rucksack mit dem Gros sämtlicher erworbenen kopiergeschützten CDs gebuckelt und im rechtlich unfragwürdigen Milieu nach und nach in MP3 umwandeln? Wird ja auch gerade Frühling, ich seh da eine Marktlücke für die Tourismusindustrie!
  • CDs versehentlich so unsachgemäß lagern, dass sie mit herkömmlichen Mitteln ehwieso nicht mehr abspielbar sind. Ja, wieso denn das?

Zumindest für die letzten beiden genannten Taktiken gibt es da eine Möglichkeit. Zuerst sollte man wissen, dass Kopierschutzmaßnahmen für CDs reichlich unausgefuchst sind. Das Ding ist, es gibt noch Player von vor 20 Jahren, einer Zeit, in der an Kopierschütze noch längst nicht zu denken war. Damals gab’s zwar schon Auf-MC- und Radiomitschnittpiraterie, aber komischerweise hat die Industrie damals das enorme kriminelle Potential von Musikliebhabern noch gründlich unterschätzt. CDs müssen also auch auf alten Playern laufen, die mit Kopierschützen nicht umgehen können.

Es gibt höchstens rudimentäre Behinderungen, eine kopiergeschützte CD auszulesen und gegebenenfalls umzuwandeln. Das erste sind kleine Programme, die sich im Datenteil einer CD befinden können, und bei Installation das ordnungsgemäße Auslesen der Scheibe blockieren. Lustig: Oft sind diese Programme nur in Windows-Versionen auf den CDs vorhanden. Nicht zuletzt dank des riesigen Medienskandals um Sonys XCP-Rootkit, bei dem es sich eigentlich um genau so einen kleinen “Blockierer” handelte, der sich aber zum Scheunentor für Viren entpuppte, ist vielen Verbrauchern bewusst, dass sich solche kleinen Satansbraten von Progrämmchen besser gar nicht erst von selbst installieren. Was soll ich sagen – die CD-Autostartfunktion abschalten mit, z.B., XP-Antispy sollte man sowieso.

Das andere ist ein manipulierter TOC. TOC heißt Table of Content, also Inhaltsverzeichnis. Darin stehen Informationen über Länge, Start und Ende der Tracks sowie Titelinformationen. CD-Player lesen den TOC überwiegend nicht aus, viele (aber nicht alle) Autoradios und Laufwerke schon.
Die Industrie kam auf die Idee, TOCs so “umzuschreiben”, dass sie fehlerhafte Informationen enthalten. Mit dem Ergebnis, dass – wie erwünscht – die CDs in Laufwerken nicht mehr abgespielt werden können. Doch: Denkste! Einige CD-/DVD-Laufwerke lesen ihn einfach nicht aus. Dieses Feature ist legal, darf aber nicht beworben werden. Linux schert sich sowieso einen Dreck um den TOC, Macs genauso. Aber auch unter Windows gibt es eine Möglichkeit.

Das Programm Exact Audio Copy ist dafür gedacht, defekte – also zerkratzte CDs – so weit wie möglich zu “retten” und in ein Audioformat nach Wahl umzuwandeln. Dazu kann ein beliebiger Encoder verwendet werden, der extern eingebunden werden muss. Für MP3 z.B. ist der Lame-Codec empfehlenswert. Zur Routine gehört, neben dem mehrfachen und verlangsamten Auslesen von fehlerhaften Stellen auf der CD, auch den TOC zu überlesen.
EAC ist nicht gerade einfach zu installieren und zu konfigurieren, aber dafür gibt es auch umfangreiche Tutorials online. Und: einmal installiert, ist das Tool wahrhaft mächtig. Mit einer Online-Verbindung kann man sich sogar die lästige Eingabe von CD- und Tracktiteln ersparen, da sich das Programm die Informationen eigenständig aus der freedb-Datenbank holt.

Der Gesetzgeber gibt nicht an, ob ein fehlerhafter TOC tatsächlich einen wirksamen Kopierschutz darstellt, da er ja nicht auf sämtlichen Betriebssystemen und auch nicht in allen Laufwerken wirksam ist. So ist das Auslesen und Umwandeln einer CD mit EAC (ein Programm, dessen Hauptzweck Datenrettung ist) meiner Meinung nach immer noch eine rechtlichen Grauzone. Das sollte man ausnutzen.

Da liegt man gemütlich in der Badewanne, denkt an nichts Böses, hört die Bundesliga-Konferenz, Bochum – Braunschweig 4:0, jipieh! Und dann kommen die Nachrichten.

Etwa eine Million Menschen hatten sich gestern (in Frankreich, d.Verf.) nach Gewerkschaftsangaben an den landesweiten Kundgebungen beteiligt. Die Proteste richteten sich gegen die von der Regierung geplante Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger. (nachzulesen auf inforadio.de)

Lockerung des Kündigungsschutzes? Mir geht der Hut hoch! Es handelt sich um eine Abschaffung!

Frisch abgetrocknet und an den Rechner gesetzt. Mal sehen, was die anderen Massenmedien so absondern.

Spiegel Online beschäftigt sich mit dem neuen Zusammenhalt der französischen Gewerkschaften, mit den taktischen Optionen Villepins in Hinsicht auf die Präsidentschaftswahlwahl und der Unmöglichkeit, die französischen Bürger von der “Notwendigkeit von Reformen” zu überzeugen. Sämtliche erdenklichen Aspekte dieses Themenkomplexes also. Nur die Motive der Millionen, die demonstrieren, werden in der “Analyse” (Selbstbezeichnung SpOn) außen vor gelassen. Lediglich eine Inkohärenz ihrer Interessen, mit Ausnahme ihres “Dagegenseins”, wird festgestellt und eine Entschuldigung der “Unreformierbarkeit” im taktisch unklugen Vorgehen Villepins sowie der historisch institutionalisierten französischen Protestkultur gefunden. Hm. Ich prognostiziere: Demnächst kommen die Demonstranten und ihre Anliegen, auch im SPIEGEL, noch schlechter weg. Auf’s “Blaming” und “Bashing” versteht man sich da ja gut.

Die Welt beschränkt sich in ihrer Berichterstattung überwiegend auf die ausgiebige Schilderung der “Krawalle”.

Interessant, was die Bild-Online-Redaktion zu sagen hat: nichts! Ich suchte die gesamte Start- und Newsseite ab, blieb an einigen Titten und bunt bebilderten Unterschichtskatastrophen hängen, zu CPE jedoch kein Wort. Ich gab “politik” in die interne Suche ein, aber ausser der Erkentniss, dass der Internetauftritt der INSM bei den Suchergebnissen (“Sponsored Link”) an erster Stelle steht – nichts. Ganz so schnell wollte ich jedoch noch nicht aufgeben. So suchte ich nach “frankreich”. Heureka! Ein Ergebnis. Jedoch sofortige Enttäuschung: Mir wird auf der vermeintlichen Artikelseite zwar der übliche BILD-Müll offeriert, aber nix zu den Protesten. Unerwünschter Inhalt vielleicht? Ein Schelm wer böses dabei denkt… Das sind sicher nur technische Störungen.

Merkwürdiges Suchergebnis bei bild.t-online.de

Nächste Station: Die Webseite der ZDF-heute-Nachrichten. Unter dem Titel Gewerkschaft droht nach Protesten mit Generalstreik wird dem Leser direkt mal das Bild von Magnesiumfackeln werfenden Autonomen entgegengeschmettert, damit er weiss, womit er’s zu tun hat. Ansonsten bewegt sich die tendentiöse Berichterstattung im normalen Rahmen von überwiegend auf die Nennung von Verletztenzahlen und Sachschäden fixierter Meinungsmache.
Bemerkenswert höchstens: Das ZDF befragt einen Experten.

“Eine radikale Veränderung bedeutet das Gesetz nicht”, sagt Wolfgang Neumann vom Deutsch-Französischen-Institut in Ludwigsburg zu heute.de. Die Ursachen für die Proteste lägen tiefer. “Die Arbeitswelt ändert sich und die jungen Leute spüren das. Sie werden es in Zukunft nicht einfach haben und sie befürchten, dass der so genannte Ersteinstellungsvertrag nur der Anfang ist und eine Reihe von Lockerungen nach sich zieht.”

Nach etwas Recherchearbeit eine Überraschung: Wolfgang Neumann ist kein offizieller INSM-Botschafter! Lässt man aber den Blick über seine Veröffentlichungen schweifen, ereilt einem schon der Anflug einer Ahnung, wes Geistes Kind der Herr ist.
Berichterstattung in der “seriösen” Tagespresse: Süddeutsche, Zeit und FAZ: Variationen ein und derselben dpa-Meldung. Im Preis inbegriffen: historisch-selbststilisierendes Rumgewichse von Daniel Cohn-Bendit. Würg.

Kontextfremd frage ich mal in den Raum: Ist Deutschland noch zu retten? Zumindest, was das Ausmaß der markt(schrei)liberalen Medien in Deutschland angeht, offenbar nicht. Okay, immerhin gibt es ja noch die Bloggerszene und alternativen, kritischen Journalismus (wie die hervorragenden NachDenkSeiten von Albrecht Müller oder die, manchmal etwas kruden, aber oft auch hervorragenden Artikel eines G. Wisnewski. Nur leider kratzen diese Angebote leider nicht mal am Mainstream. Immerhin, die taz beweist, dass man sie doch manchmal lesen kann und die Berliner Zeitung, wie so oft, dass sie chronisch unterschätzt wird.

Nicht ganz, aber irgendwie doch passend: Ein Essay von Werner Schlegel zur Abschreibementalität in den deutschen Redaktionen, auch im Vergleich zur Situation in Frankreich. Doch Pierre Bourdieu hat vor Jahren selbst die französische Presse für exakt die gleichen Zustände kritisiert.