Papstverkündungen und Handyfotos

papstwahl 2005 vs. 2013

Kürzlich ging ein Bild durch die Internetrohre, das den Petersplatz in Rom zur Papstverkündigung 2005 mit derselben Situation von 2013 vergleicht. Glaube, zuerst hatte ich es bei reddit gesehen.

Die Message hat nichts mit Religion (oder Reljohn, wie meine Lehrer immer gesagt haben) zu tun, eher mit Technikkritik. 2005: ein einziges verirrtes Klapphandy. 2013: überall Smartphones und, räusper, Tablets, die den Balkon ins Visier nehmen, auf dem alte Männer, die tagelang schwarzen Rauch eingeatmet haben, sich gerade als MCs betätigen.

Mal ganz abgesehen davon, dass man argumentieren könnte, dass vor acht Jahren Handys eben eine unterirdische Fotoqualität hatten (ich weiß das, ich bin dagewesen), ist das Bild auch – es folgt ein PSA – gefälscht. Sozusagen. Oder zumindest eine Übertreibung.

Das Bild von 2005 entstand gar nicht bei der Ratzinger-Bekanntgabe, sondern nach der Trauerzeremonie für Papst Woytila. Das heißt: Selbst wenn es – dem etwas anderen Anlass zum Trotz – für die Menge etwas zu fotografieren gegeben hätte, wäre es schwierig geworden: Während Päpste nämlich, genau wie Republiken und Monarchenvermählungen, gerne vom Balkon aus verkündet werden, findet eine Beisetzung „weiter unten“ statt. Da muss man entweder ganz nah dran sein oder extrem groß, um ein Sargfoto machen zu können.

Betrachtet man sich Bilder und Filmaufnahmen aus dieser Zeit, kann man sehr wohl etliche Digitalkameras und Handys erkennen. Das Foto entstand zwar nicht bei der Wahl, aber ebenfalls 2005, rund ein halbes Jahr später.

ratzingerfoto

In einem Washington Post-Blog gibt’s noch andere Fotos, die zeigen, dass auch 2005 schon bei der Papstpräse Leute die Kamera gezückt haben.

Das ist jetzt natürlich ein harter Schlag für jeden technikverdrossenen Fortschrittsfeind, aber ich denke sogar, wenn’s vor 2000 Jahren oder so schon Hosentaschen gegeben hätte, in denen handliche Fotoapparate gesteckt hätten, dann gäb’s heute auch genug Bildmaterial von den 15 Benedikten und allen anderen Päpsten, Päpstinnen und Gegenpäpsten davor.

Also: Nicht so schlimm das Ganze. Nur das mit dem Tablet, das geht mal gar nicht.

[via Washington Post]

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