Rasse und Intelligenz

Harvard Graduation 2006
Foto: anzowitty (cc)

Intelligenz meint, ein gegebenes Problem möglichst geschickt, also mit so geringem Aufwand wie möglich und unter Einbeziehung und Abstraktion bestehender Ressourcen und Erfahrungen, zu lösen. Würde ich sagen. Die Tatsache, dass verschiedene Kulturen unterschiedliche Arten zu Denken entwickeln mussten, um bestangepasst in ihrer Umwelt zu bestehen, ist erst einmal profan. Ein australischer Ureinwohner muss nicht viel von Algebra oder dem syntaktischen Aufbau eines Sonnets verstehen — er ist intelligent, wenn er sich geschickt anhand der Gestirne orientieren, in der Wildnis überleben und ein Feuer entfachen kann. Darüber, ob die jeweils vorteilhaften Individualeigenschaften sozial, genetisch oder in einer Mischung aus beidem vererbt werden, dürfte sich streiten lassen.

Im Deutschlandradio-Interview mit Bildungsforscher Heiner Rindermann (zum Hören: Flash | mp3) zieht der Interviewte zu dieser Frage lässig die vom Burt-Skandal geschüttelte Zwillingsforschung heran — nicht sonderlich seriös. Eine unseriöse Basis hat dessen Untersuchungsobjekt — Intelligenzunterschiede zwischen den Rassen — auch deswegen, weil, obwohl eingangs das Gegenteil behauptet wird, als Maßstab eben genau die westlich dominierte Version von Intelligenz angelegt wird. Diese sind freilich dank der omnipräsenten Skala „IQ“ schon eindimensional genug ist. Das Ergebnis, es gebe über- und damit unterlegene Rassen, ist so zwangsläufig. Metaphorisch: Man stelle sich vor, eine Flasche Moet Chandon mit einer Flasche Wodka Gorbatschow zu vergleichen und als einziges Kriterium den Alkoholgehalt heranzuziehen.

Die Grenzziehung, die Rindermann vornimmt ist eine „zwischen Weißen, zwischen Schwarzen und zwischen Asiaten als die drei Großgruppen“ und damit willkürlich, weil sie bereits auf einer rassistischen Grundannahme konsistenter kultureller Eigenschaften auf Basis der Hautfarbe, Kopfform oder sonstwas[1] beruht. Mal abgesehen davon, dass die Umwelt und Ausprägungen des Wissens eines durchschnittlichen Japaners in Tokio und der eines europäischen Großstadtbewohners heute einander wesentlich näher sind als die desselben Japaners und, etwa, eines chinesischen Bauern, lässt der Forscher auch außer Acht, dass seine Einteilung keine Übergänge, keine Mischungen der Rassen einbezieht und auch nicht der Frage nachgeht, wie groß der Anteil der genetischen Voraussetzungen, sprich: das Talent, im Vergleich zu den Faktoren Umwelt und Bildung auf die Intelligenz des Individuums sind.

Der dickste Hund allerdings ist der, dass Rindermann, anders als er sich zum Schluß verteidigt, meines Erachtens keineswegs im Sinne des Postulats wissenschaftlicher Wertfreiheit forscht.

Gut, Sie haben jetzt aber gefragt, warum man so etwas erforschen sollte. Die OECD, die macht ja beispielsweise international vergleichende Schulleistungsstudien, um festzustellen, wo Schüler mehr lernen, wo sie über höhere Kompetenzen verfügen, und man nimmt an, dass diese Kompetenzen – auch unter dem Begriff Humankapital – zum Beispiel relevant sind für Wirtschaftswachstum, für wirtschaftliche Produktivität, aber auch für andere, positiv bewertete, gesellschaftliche Phänomene wie zum Beispiel Demokratie, oder auf individueller Ebene zum Beispiel Gesundheit.

Nicht nur seien, so Rindermann, manche Völker bzw. Rassen demokratiefähiger als andere, was im Grunde schon Kulturalismus par Excellene ist. Nein — hier blitzt für einen kurzen Moment unverhohlen auf, worum es eigentlich geht. Die Nutzbarmachung des Menschen als Rohstoff, seiner Arbeitskraft, seiner Produktionseffizienz. In der Summe ein auf Rasse und Effizienz reduziertes Menschenbild das hier als positiv und Identität stiftend hingestellt wird.

Ja, sie [die Unterschiede zwischen den Kulturen] sind nicht unveränderlich, das ist höchstwahrscheinlich richtig, aber wir wissen nicht, ob nicht das Muster der Unterschiede immer gleich bleibt. Es könnte zum Beispiel sein, dass in 100 Jahren auf einem höheren Niveau weiterhin solche Unterschiede bestehen, zum Beispiel, weil Ostasiaten besonders fleißig sind und sie einer Kultur angehören, die Fleiß sehr honoriert und diese Art von Kultur ändert sich auch nicht so schnell im Vergleich zum Beispiel zur europäischen oder schwarzafrikanischen oder sonstigen Kulturen.

Fleiß (eigentlich: Fleiß im Sinne der Produktion[2] ) ist ein anerzogener bzw. gesellschaftlich oktroyierter Wert, keine genetisch beeinflusste Eigenschaft. Fleiß zu naturalisieren bedeutet, den Unfleißigen Widernatürlichkeit zu unterstellen. Wenn es nicht so abgedroschen klänge, würde ich an dieser Stelle sagen, dass die Forschung Rindermanns Ausdruck des immer totaler werdenden Primats einer nach nach ökonomischen Kriterien ausgerichteten Weltanschauung ist. Die Tatsache, dass selbst intelligente Leute zu blind sind, das nicht als Ideologie zu sehen ist Ergebnis der vollendeten Naturalisierung. Und ziemlich traurig.

  1. hab im Rassenkunde-Unterricht nicht aufgepasst [zurück]
  2. Das musste ich an dieser Stelle verdeutlichen, weil ich nämlich auch jemanden, der stundenlang vor dem PC sitzt, um seinen „World of Warcraft“-Charakter hochzuleveln, fleißig finde. Ähnlich verhält es sich mit Disziplin/ Unterordnung, die es nicht nur in Schule und Job gibt, sondern auch im Counterstrike-Clan. [zurück]

18 Kommentare

  1. Ja, das ist ekelhaft.
    Auch wenn Herr Rindermann es natürlich drauf hat Augenwischerei zu betreiben, und in dem Interview mit Lippenbekenntnissen nur so um sich schmeißt.
    Krass finde ich besonders, er gibt unumwunden zu, dass in seinen Augen nur seine also die westliche Intelligenzdefinition von belang ist und er sich für das begabte Treiben in anderen Kulturen nur interessiert wenn es nicht von unseren Normen abweicht.
    Zudem klammert dieser Intelligenz/Bildungsforscher und Entwicklungspsychologe der Uni Magdeburg psychische Ursachen komplett aus, die ja nicht eben selten dazu führen, dass Menschen ihr (Intelligenz)Potenzial nicht nutzen können. Wirklich schwer erträglich wenn Wissenschaftler so blöde sind.

    Wozu wird überhaupt eine solche Forschung betrieben? Doch wohl nur um den als minderbemittelt erkoren Rassen einmal sagen zu können: „Ihr seid nicht so klug, bei euch geht Demokratie nicht. Ihr behaltet mal schön eure Diktatur.“
    Oder: „Ach, die Rasse da in diesem afrikanischen Landstrich, die ist blöd, da können wir ruhig ein paar Atombomben testen. Das macht nichts.“
    Oder: „Mit Kraushaarigen sollten Glatthaarige keine Kinder zeugen, da kommt bloß minderwertiges Humankapital bei rum.“

    GEZ für’s Radio zahl ich leider – und finanzier sowas mit. Eine pseudokritische Interviewerin, die diesem Hanswurst von Humankapitalisten eine Plattform bietet. Mich graust’s.

  2. In der Tat sind Rindermanns Theorien ziemlich 19. Jhd.

    Aber deine Kritk daran, den IQ als Messwert zu nehmen kann ich nicht nachvollziehen. Gemessen wird die Fähigkeit zu Abstraktion, Verknüpfen und Erkennen von Strukturen – also grundlegende Eigenschaften mit je nach Prägung unterschiedlicher Form.

    Es ist ein Wert, der eine theoretische Möglichkeit zur Aneignung bestimmter Fähigkeiten darstellt.

    Akzeptiert man, dass nicht allein geistige bzw. kreative Fähigkeiten (-> IQ), sondern auch, wie ich es nenne, „seelische“ (Gefühl) und körperliche (materiell) gleichberechtigten Wert haben, so ist natürlich die alleinige Messung des IQ nicht angemessen.

    Es ist die Fragestellung, nicht der Messwert, der das Ergebnis prägt.

    Und dann kann es eben sein – ich weiß es nicht, bin kein Experte – dass Menschen mit bestimmten, herkunftsbedingten genetischen Eigenschaften intelligenter sind als andere. Natürlich ist das, was die Messung ergibt, ein Durchschnittswert, aber man muss ihn als möglich akzeptieren.

    Niemand würde behaupten, die Dominanz kenianischer Langstreckenläufer habe nichts mit deren Herkunft zu tun – denn das ist ebenso offensichtlich wie nachgewiesen. Wenn also körperliche Eigenschaften herkunftsbedingt sein können – warum nicht auch geistige? Es wäre doch geradezu eine Abwertung körperlicher Fähigkeiten, würde man bei ihnen eine derartige Unterscheidung zulassen, bei geistigen Fähigkeiten aber nicht.

    Nur die Schlussfolgerung, dass deshalb ein Mensch besser oder schlechter sei ist eben unzulässig. Denn jeder Mensch ist immer Individuum und eben als solches zu beurteilen. Dass er nicht ohne Prägung in das Leben eintritt macht ihn nicht dadurch allein zu der Person, die er ist. Das zu behaupten, wäre die Verneinung menschlicher Existenz – denn was ist ein Mensch, wenn er nicht mehr Individuum ist?

    Nicht die Forschungsergebnisse sind schlecht, sondern ihre Deutung.

  3. Und auch noch zur unterstellten Demokratie-Unfähigkeiten „der“ Afrikaner:

    Tatsache ist, dass es erstaunlicherweise keine längerfristig funktionierenden demokratischen Strukturen in Afrika gibt. Dass das etwas mit der kulturellen Entwicklung zu tun hat ist wohl nicht zu verneinen – aber es ist eben eine Frage von dieser Entwicklung, von Strukturen und nicht von Veranlagung.

  4. Der IQ ist eben deswegen eine eindimensionale Maßzahl, weil er ganz verschiedene Fähigkeiten wie Sprachfähigkeit, räumliches Denken, Mathematik usw zusammenfasst (kenne die Regularien nicht im einzelnen, aber so wird’s wohl sein). Gleichmäßig ausgeprägte Begabung ist selten, der IQ sagt nun gar nix drüber aus, ob Du ein Mathe-As bist, Gedichte schreiben oder besser Brücken konstruieren kannst. Dazu kommt, dass das Ergebnis auch immer abhängig ist von deiner Tagesform zur Testzeit. Hast Du Kopfschmerzen? Hunger? Bist Du ausgeschlafen? Ist halt ’ne ganz nette Geschichte, wenn man einen hohen IQ hat und damit was, was auf die Visitenkarte draufkann, aber nicht viel mehr. Kreativität, mal jetzt losgelöst von Problemlösungsfähigkeit (Abstraktion) halte ich nicht für messbar, weil ebenso wie Kunst Sache des Betrachters.

    Die Kenianer (eine Handvoll von vielen hundert Tausend) laufen deshalb so schnell, weil sie ihr ganzes Leben laufen mussten. Vielleicht hatten sie aber auch nur die richtige Zahnpasta (bitte melden, falls einer diesen Running Gag versteht). Warum sind die Deutschen so dominant im Biathlon und im Rodeln? Die Gene? Gelegenheit macht Training macht Olympia-Medaillen.

    Die vermeintliche Demokratieunfähigkeit der Afrikaner dürfte wohl am ehesten mit mehreren Jahrhunderten Kolonialismus zusammenhängen. Guckst dir dir Gemeinschaften auf Stammesebene an, ist das schon ziemlich egalitär.

    Würde gerne länger antworten, bin aber hundemüde. 🙂

  5. Zahnpasta Running Gag , gröhl, meld. 🙂

    Schön das wir in ganz Europa (ohne Vatikan) auch seit dem 1. Juli 1984 das Frauenwahlrecht haben.

    Glück auf!

    Von dem Rest krieg ich Übelkeit.

  6. Wie man nun Intelligenz definiert, ist echt die Frage. Als ich das hier gelesen habe: http://www.big-foot.de/dummheit_hat_zukunft.htm habe ich mich auch gefragt, was ist jetzt eigentlich genau Intelligenz, bin aber dann auch zu dem Schluss gekommen, dass westliche Wert Intelligenz nicht viel mit Effektivität im Leben zu tun hat.
    Wenn Asiaten alle fleißig wären, dann hieße das ja, die Japaner wären es auch. Die machen aber soweit ich weiß deshalb so viele Überstunden, weil die in der regulären Arbeitszeit nicht ihre Arbeit erledigt kriegen, weil sie so viel Zeit mit sozialem „verschwenden“.
    Arbeitsplätze, die einem so gut gefallen, dass man gerne länger auf der Arbeit bleibt… so was fehlt hier echt^^

    Ich frage mich aber wirklich, zu welchem Zweck solche Studien gemacht werden. Es ist ja nicht wirklich so, dass die Wirtschaft noch mehr intelligente Menschen bräuchte, im Gegenteil, es gibt in der westlichen Welt schon viel zu viele Akademiker, die die Wirtschaft gar nicht gebrauchen kann. Aber wer weiß, vielleicht wollen sie ja wissen, wo auf der Welt es genug dumme Arbeitskräfte gibt.

  7. Danke für die treffende Antwort, MaloXP, bezüglich des Kommentars von Simon Columbus.
    In einem Punkt möchte ich widersprechen: Wenn man Intelligenz, einen dermaßen abstrakten und durchaus kontrovers interpretierbaren Wert „messen“ kann, warum sollte man Kreativität nicht messen können? Warum sollte es dafür nicht ebensolche Kriterien geben, warum sollten nicht ebenfalls ein paar Eierköpfe bestimmen dürfen, was Kreativität ist und wie man sie, an allgemeinen Kriterien messend, erkennen und ihren Wert bestimmten kann? Die Wahrheit ist, dass es wesenstlich mehr überdurchschnittlich intelligente Menschen gibt als überdurchschnittlich kreative Menschen; letzte Eigenschaft macht ja wesentlich weniger her, so auf der Visitenkarte, und ist gesellschaftlich und wirtschaftlich nicht wirklich zu gebrauchen. Daher heißt es kurzerhand: Ach, absolut unmessbar! Aber einen Durchschnitt, der deine geistigen Fähigkeiten spiegeln soll, aus einem Test zu errechnen, der zu 90 % aus Mathematik- und Logikaufgaben besteht (schaut euch nur die Tests im Internet an), findet kaum einer fragwürdig. Meiner Meinung nach liegt dem ganzen System eine absolut ungerechte Wertung zu Grunde, die rechnerisches, logisches, naturwissenschaftliches TALENT einfach als das effizientere, wertvollere, wichtgere erachtet, weshalb auch die Intelligenz-Tests von vor 50 Jahren noch gänzlich aus Matheaufgaben bestanden. Menschen, denen besagtes Talent abgeht, die aber ausgeprägte Fähigkeiten auf dem Gebiet von Sprache, Ausdrucksfähigkeit, Vorstellungsvermögen und Kreativität aufweisen, fallen gnadenlos durch das Raster. Ich bin wegen Mathe und Physik zweimal sitzengeblieben, aber in Deutsch und Kunst hatte ich immer meine eins, und mir wurde beim jährlichen Literaturcafé der Schule eine eigene Dichterlesung eingeräumt. Von der 5. Klasse an gab mir jeder Mathe-Lehrer deutlich zu verstehen, wie minderbemittelt und zurückgeblieben ich sei, weil ich mich mit den einfachsten Aufgaben schwer tat – die Jungs hingegen, die sonst nix konnten, konnten aber Mathe und wurden wie kleine Genies behandelt.
    Wen kümmerte es da, dass ich seit der 6. Klasse meine Rechtschreibfähigkeiten vollendet hatte, aber diese hochgelobten Experten keinen geraden Satz schreiben konnten, geschweige denn in der 12. Klasse weder den Konjunktiv noch die Tempi noch die simpelsten Rechtschreib- und Kommaregeln beherrschten und einen Wortschatz von max. 120 Wörtern hatten?? „Rechtschreibung, na klar, das kann ja keiner so richtig“, das ist Konsens, da drückt man gern ein Auge zu, stimmt’s? Aber nicht rechnen zu können = unintelligent. In einem gängigen IQ-Test käme ich auf das Ergebnis „minderbegabt“. Dankeschön.
    (Sorry, OT.)

    Zu dem Rest möchte ich noch anmerken, dass in Japan eine extrem auf Leistung fixierte Gesellschaft vorherrscht, die Menschen von klein auf dazu erzieht, im Dienste ihrer Gesellschaft ihr Bestmöglichstes zu tun, d.h. so viel und so gut wie möglich zu arbeiten, immer mehr zu leisten als die anderen, seine eigenen individuellen Interessen hintenanzustellen bzw. ihnen keine Wichtigkeit zuzugestehen und sie den gesellschaftlichen Interessen unterzuordnen.
    Immer mehr Menschen zerbrechen daran, weil daraus ein ungeheuerer psychischer und sozialer Druck erwächst. Bringt man das Leistungspensum nicht auf, gilt man als Versager, Verlierer, Verräter an der Gesellschaft. In Japan werden Schüler gemobbt, nicht wenn sie zu viel leisten („Streber“), sondern wenn sie zu wenig leisten. Japan hat meines Wissens die höchste Selbstmordrate unter Angestellten und Jugendlichen weltweit (oder hatte sie zumindest noch vor ein paar Jahren). In Japan unterziehen Mütter ihre Kinder tlw. schon im Mutterleib einem Förderprogramm zur kontinuierlichen Steigerung der Intelligenz, eine Mutter antwortete auf die Frage nach dem Grund: „Ich möchte, dass mein Kind einmal ein wichtiges Mitglied der Gesellschaft wird und so viel wie möglich für die Gesellschaft tun kann.“
    Das kann man wohl kaum als angeborenen Fleiß oder Spaß an der Arbeit bezeichnen. Betrachtet man sich die Umstände in den Schwellen- und Entwicklungsländern, fällt es unschwer zu erkennen, dass die meisten Menschen darauf angewiesen sind, zu ackern WIE DIE TIERE, um ihr klägliches Minimum an Lebensunterhalt zu sichern. Keiner kann mir erzählen, dass sie sich aus purer Lust genauso kaputt schuften würden, wenn sie mit dem Luxus gesegnet wären, den wir hierzulande genißen.
    Und, lieber Herr Columbus: Manche Menschen sind durchaus intelligenter als andere (wie auch immer man „intelligent“ definiert), das mag sein, aber du wirst nie beweisen können, dass manche VÖLKER oder RASSEN intelligenter sind als andere.
    Wenn eine Volksgruppe aufgrund ihrer langfristigen Lebensumstände eine bestimmte Fertigkeit entwickelt, eine Geschicklichkeit in einer bestimmten Sache, ist das natürlich; wenn ein afrikanischer Nomadenstamm keine Ahnung von Computerchips hat, weil er nie welche gesehen hat, ebenfalls; aber anzunehmen, dass diese Volksgruppe als heterogene Masse kollektiv weniger intelligent ist, weil sie, sagen wir mal, ihr Dasein in der Wüste verbringt, ist bestenfalls ignorant. Das würde ja heißen, keiner von den Menschen aus dieser Volksgruppe könnte seine Umgebung verlassen, sich auf einer Universität weiterbilden und Programmierer werden, weil seine genetische Veranlagung es nicht zulässt. Schwachsinn, halt.

  8. @ Jules

    Ich glaube was Japan angeht verwechselst Du was. Deine Beschreibung trifft eher auf China zu.
    Zumindest kenne ich Berichte von Leuten, die in Japan leben, die etwas völlig anderes besagen und denen schenke ich einfach mal mehr Glauben als irgendwelche stereotypen Beschreibungen, wie sie hier gerne in den Medien vorkommen. Gerade was Japan angeht, wird hier in den Medien viel scheiße geredet.
    Es gibt sicher auch solche Fälle, wo es von Klein auf um Leistung geht, das ist aber eher bei elitären Familien so und im Prinzip genau das Gleiche wie hierzulande.
    Außerdem wird man in Japan keinesfalls als Arbeitskraft ausgebeutet. Die Gehälter sind dort sehr hoch, ebenso die Lebensqualität. Davon kann Deutschland nur träumen. Bitte NICHT mit China verwechseln!

  9. @Jules
    guter Text, kann ich unterschreiben. Bin auch so eine Mathe/Physik Versagerin. 😉

    @Myrddin
    Sie verwechselt da nichts, das hab ich auch schon öfters so gehört, aber es scheint wohl so zu sein, dass Selbstmorde in Japan einfach eher ein Medienaufsehen erregen als hierzulande und daher der Eindruck entsteht, es würde häufiger vorkommen, dabei ist die Rate etwa gleich hoch.

    Zurück zum Thema:
    Hatte vor Jahren mal eine Art Intelligenztest an einem Klinikum mitgemacht, da haben sie doch tatsächlich Allgemeinwissen fragen gestellt. In etwa „Wer war Christoph Kolumbus“.. sowas bescheuertes!

  10. @ Lotta: Du bringst da noch einen wichtigen Punkt ins Spiel. Wem nützt dieses Applizieren des westlichen Intelligenzschemas auf „unzivilisierte“ Gesellschaften? Es ist ja hier kein wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn erkennbar, es wird kein neues Wissen geschaffen — es geht nur darum, bestehendes Wissen zu „strukturieren“, also letztendlich so schematisieren, dass es in Zeitgeist oder Ideologie hineinpasst.

    @ Corax: Nicht in ganz Europa.

    Am 27. November 1990 führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, gegen den Willen der Stimmbürger.
    Wikipedia: Frauenstimmrecht (Schweiz)

    @ Jules und Myrddin: Was Japan angeht, ohne da sonderlich belesen zu sein, möchte ich auf Geert Hofstede verweisen. Der hat die Unternehmenskulturen verschiedener Länder in ein und derselben international agierenden Firma (glaube, es war IBM) verglichen und indexiert. Bezogen auf Japan kam er auf eine stark „männliche“ Unternehmensstruktur, also hierarchisch und autoritär, sowie deindividualisiert und wettbewerbsorientiert. Gute, aufopfernde Arbeit wird dort geschätzt, allerdings ist die Firma in Japan mehr als Brötchengeber, nämlich ein integraler individueller Identifikationsstifter und wird in bestimmten Hinsichten als „Familie“ gesehen.

    @ Myrddin:

    Es ist ja nicht wirklich so, dass die Wirtschaft noch mehr intelligente Menschen bräuchte, im Gegenteil, es gibt in der westlichen Welt schon viel zu viele Akademiker, die die Wirtschaft gar nicht gebrauchen kann.

    Ich glaube hier machst Du einen Denkfehler. Wissenschaft ist per Definitionem nicht der Wirtschaft untergeordnet, also so dass sie nur durch sie Legitimation erhält. Dass Wissenschaft effizient sein muss und ökonomisch einträglich ist das Ergebnis einer Entwicklung, die erst in den letzten drei, vier Jahrzehnten eingesetzt hat.

    Aber wer weiß, vielleicht wollen sie ja wissen, wo auf der Welt es genug dumme Arbeitskräfte gibt.

    Wenn „dumm“ = „leicht auszubeuten“, dann: Ja. Darum geht es 100prozentig. Nennt sich Globalisierung.

  11. @ Malo:

    in der tat ist der IQ ein kummulierter Wert – allerdings lassen sich durchaus verschiedene Richtungen einzeln ausdifferenzieren. Genau kann ich dir das nicht sagen, aber es kann u.a. sprachliche und mathematische Begabung einzeln gewertet werden.

    Auch ist der IQ eben NICHTS für die Visitenkarte – denn er sagt in der Tat nichts über die Fähigkeiten eines Menschen aus, sondern über sein Potenzial auf bestimmten Gebieten.

    Kreativität ist nicht wie Kunst Ansichtssache – die Fähigkeit, Neues zu entwickeln, hängt von bestimmten Faktoren ab, das Ergebnis ist absolut.

    Und dann noch:

    „Die vermeintliche Demokratieunfähigkeit der Afrikaner dürfte wohl am ehesten mit mehreren Jahrhunderten Kolonialismus zusammenhängen. Guckst dir dir Gemeinschaften auf Stammesebene an, ist das schon ziemlich egalitär.“

    Nunja, in anderen ehemaligen Kolonialgebieten gibt es langlebige Demokratien. Kein Kulturraum hat so große Probleme auf diesem Gebiet wie Schwarzafrika. Das mag auch am Kolonialismus liegen, aber diesen als einzigen Grund zu nennen enthebt die Bevölkerung dieser Staaten aus ihrer Verantwortung.
    „Egalitäre“ Stammesregeln kann ich dort nicht wirklich entdecken – hierarchisch-patriarchische Systeme dominieren.

    Und deine Argumentation was körperliche Fähigkeiten angeht ist nicht zutreffend – Kenia und Äthiopien sind nicht die einzigen Länder, in denen Menschen häufig lange Strecken zu Fuß zurücklegen müssen.
    Es gibt nunmal genetische Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Oder willst du behaupten, die sog. Pygmäen-Völker unterschieden sich nicht von den umliegenden Volksgruppen?

  12. @ maloXP

    Ups… so meinte ich das auch gar nicht mit der Wirtschaft und der Wissenschaft.
    Ich meine ja gerade, dass die Studie nicht den Zweck haben kann rauszufinden, wie man an mehr intelligente Menschen kommt um dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil zu erzielen.

    Autorität hierzulande und in Japan ist schwer zu vergleichen. Ich habe Kyokushinkai-Karate bei einem Japaner gemacht und habe es erlebt. Der Umgang ist einfach ein völlig anderer. Hier ist man meistens eher menschlich distanziert und autoritär, beim Karate zumindest habe ich es so erlebt, dass man der Autorität vertraut und sie deshalb auch als Autorität anerkennt und sich dann quasi unterordnet um möglichst effektiv voranzukommen.
    Ansonsten trifft doch die Beschreibung von Geert Hofstede genauso zu 100% auf Deutschland zu, zumal da nicht viele Details drin sind, sondern nur sehr allgemeine Begriffe, die viel Interpretationsraum lassen. Jedenfalls so wie sie hier steht.

  13. @Liyah: danke.

    @Myrddin: Entschuldigung, ich muss in meiner unendlichen Beschränktheit und Leichtgläubigkeit den fundierten Arte-Beitrag von vor ein paar Jahren falsch verstanden haben – wahrscheinlich ging es tatsächlich die ganze Zeit um China, du wirst recht haben. Ein kapitalistisch orientierter Inselstaat ist ja auch unglaublich leicht mit einem kommunistischen „Großreich“ zu verwechseln, der fast einen Drittel der Weltbevölkerung stellt; vor allem, wenn man Halbrussin, also kommunistisch mitgeprägt ist.
    Beide Systeme haben Ähnlichkeiten, meiner Meinung nach ist jedoch China wiederum etwas VÖLLIG anderes, da die Bevölkerung z.B. wesentlich weniger Möglichkeiten hat, den sozialen Druck abzubauen, weil alles, was auch nur von weitem nach (zu ausgeprägter) Individualität riecht, nicht wirklich gern gesehen ist, um es gelinde auszudrücken. – Anderen Leuten auch ein Gehirn zutrauen, bitte!!
    Ich schaue mir auch kein Stern-TV im Fernsehen an und springe sofort ans Telefon, um die unglaublichen, in einer hastigen halben Stunde zusammengeschnittenen, reißerischen Neuigkeiten unter meinen Bekannten zu verbreiten, danke schön – aber vielleicht solltest du ein wenig kritischer mit den Berichten deiner Bekannten umgehen, oder waren die alle vereidigt, als sie dir davon erzählt haben?
    (Übrigens, Liyah – das mit der vermehrten Berichterstattung habe ich nachträglich auch gehört, aber ich bin da eher misstrauisch. In der japanischen Sprache gibt es ein spezielles Wort extra für „Kinderselbstmord“. Oder kann mir jemand einen Gegenbeweis liefern? Ich bin offen.)

    Und was die Kunst-Sache angeht – ich bin ebenfalls nicht der Meinung, dass Kunst „Ansichtssache“ ist; das scheint eher die bevorzugte Meinung von Leuten zu sein, die nicht die Zeit, die Lust oder das Interesse haben,s ich wirklich mit Kunst zu beschäftigen, aber trotzdem nicht gänzlich dumm dastehen wollen, wenn sie etwas nicht verstehen – also, leicht gemacht: „Ansichtssache“ eben, der eine mag’s, der andere nicht, so muss man gar nicht erst diskutieren ;-).

  14. Hallo Julez,

    mag sein, dass Du glaubst hier einem Allgemeinplatz von Kunstverächtern und -banausen auf die Spur gekommen zu sein glaubst. Nun, ich bin da anderer Meinung, habe selbst durchaus klare Vorstellungen von Kunst und Ästhetik. Klar, dass die mit denen von anderen kollidieren. Ist doch überall so! Tu mir den Gefallen und schau dir diesen Ausschnitt aus dem Literarischen Quartett an.

    Und dann nenn mir doch noch bitte ein, zwei objektive Kriterien für etwas, das Kunst ist.

    btw.: China ist kommunistisch in erster Linie auf dem Papier, da geb ich ausnahmsweise Gabor Steingart recht. Das, was wir im Westen Individualität nennen ist in den Augen von 99% der Bevölkerung nichts weiter als die Wahlfreiheit, welches Konsumbedürfnis als nächstes befriedigt, in welche Subkultur sich auf diesem Weg als nächstes eingeordnet wird.

  15. Ich einem „Allgemeinplatz von Kunstbanausen“ etc…. –WAS?!? Wo hab ich das denn gesagt?
    Du hast als Erster das Wort „Kunst“ benutzt, und zwar als Teil einer allgemeinen Aussage („Kreativität ist ebenso wie Kunst Sache des Betrachters“); ich hab mir nur die Freiheit genommen, dem zu widersprechen und Myrddins gegensätzlicher Meinung zuzustimmen.
    Das auch teilweise, weil ich diese Binsenweisheit, die sich wirklich jeder Depp aneignen kann, nicht mehr hören kann und sie zu oft als Alibi benutzt wird, um sich nicht mit den „großen Fragen“, eben was Kunst genau ist und warum das eine Kunst ist und das andere nicht, etc. zu beschäftigen.
    Da fängt es eben an: Kunst stellt Fragen und Anforderungen an den Betrachter und Kunst WILL Fragen stellen und herausfordern – was auch immer herausfordern: den Intellekt, die Phantasie, die Seele, den Geist, den Geschmack… Nur leider entziehen sich dem die meisten Menschen, mal mehr, mal weniger geschickt. Ich habe dir nicht explizit unterstellt, dass du zu ihnen gehörst, anderen Leuten hier schon gar nicht.
    Wenn man’s genau nimmt, hat Myrddin eine wesentlich kontroversere Aussage gemacht, nämlich „Das Ergebnis ist absolut“. Warum fragst du i h n (sie?!) nicht nach den zwei Kunst-Kriterien??
    Dass jeder Mensch etwas anderes „schön“ findet, war mir auch klar; das wird daran liegen, das wir alle Individuen sind, zumindest per se. Das ändert nichts daran, dass manche Kunstwerke Jahrhunderte lang Menschen immer wieder begeistern und Kreative, die nichts anderes als Kitschpostkarten malen können, niemals Eingang in die Kunstlexika finden.
    -Im übrigen habe ich mich über das Video gefreut, ich musste mir den Streit damals nämlich nachträglich erzählen lassen. Ich habe trotzdem nicht die geringste Ahnung, was du mir damit sagen willst (außer, es sollte tatsächlich so simpel sein wie: „Es gibt halt unterschiedliche Ansichten darüber, was Kunst ist und was nicht“ – danke, das ist echt die Erleuchtung, die ich in meinem Leben noch gebraucht habe).
    Da du das Ding nunmal ausgegraben hast, nehme ich mir die Freiheit, meine Meinung dazu kundzutun: nämlich, dass ich Hellmuth Karasek noch nie habe ernst nehmen können, dass er meiner Meinung nach nichts von Literatur, sondern nur etwas von Medien versteht, weshalb er sich seit dem Niedergang des Quartetts auch mit Lust zu einer Hure derselbigen degradierte, oder möglicherweise auch erhob. Zum Marcel habe ich eine durchwachsen-gespaltene Meinung, und die Löffler habe ich als ein gesundes Gegengewicht zu Letzterem geschätzt, weil die sich als einzige wenigstens mal traute, richtig den Mund aufzumachen und ihm zu widersprechen; wie man sieht, hat das blankes, blasphemisch brüskiertes Entsetzen ausgelöst, dann hat man sie ja flugs durch die glatte, niedliche, durchaus handliche, kamera-kompatible Frau Radisch ersetzt, die mehr Kritikerin spielt als dass sie sich traut, eine zu sein. Wem so um den Bart gegangen wird wie Ranicki, wer so bereitwillig auf einen zufällig gerade leerstehenden Thron gesetzt und anschließend in den Olymp gehoben wird, egal, ob zu recht oder zu unrecht, muss, glaube ich, ohnehin eine Art narzisstische Neurose entwickeln, auch bekannnt als „Letztes-Wort-Phänomen“. Da ist es kein Wunder, wenn selbst andere erwachsene Männer Probleme haben, dem apodiktisch geäußerten Wort des vermeintlichen Meisters anders als ehrfürchtig zu begegnen. Fehlt gar einer Frau die katzbuckelnde Ehrfurcht, kommt das natürlich einem Sakrileg gleich. – Alles meine ureigene Meinung, die unter anderem auf dem schönen Buch basiert: „…und alle Fragen offen“, jawohl, mit akribischen Transkriptionen aller Quartett-Gespräche, die ich mir seinerzeit fast alle durchgelesen habe…
    –Darüberhinaus werde ich nicht denselben Fehler zweimal machen („Kunstkriterien“) – ich habe keine Lust auf eine fruchtlose Grundsatzdiskussion… Ich schreib lieber ein Buch, als dass ich Zeit und Kraft darein investiere, fremden Menschen per Blog-Comment auseinanderzusetzen, worüber ich mir ununterbrochen Gedanken mache, seit ich 12 bin.
    Und was China betrifft: Ich hoffe, dass dir der Unterschied zwischen der Volksrepublik und der Bundesrepublik dennoch bewusst ist, das ist nämlich kein unwesentlicher. Und wir hier haben zumindest die WAHL, den Konsum zu verweigern oder zumindest die Möglichkeit, so eine Meinung zu entwickeln und zu äußern. Das ist auch etwas wert.

  16. Jules, nur weil jemand deiner Meinung widerspricht, musst du dich nicht gleich derart angegriffen fühlen. Auch wenn ich Myrddins Meinung nicht zustimmen würde, hat er doch okay argumentiert, während Du gleich in die Luft gegangen bist wie ein HB-Männchen. Deine Kommentare ufern häufig aus (mein Fehler damit angefangen zu haben, aber deine Meinung zu Hellmut Karrasek gehört hier bspw. überhaupt nicht rein) und sind im Grunde eigene Beiträge. Wogegen im Grunde nichts einzuwenden wäre — ich freue mich, wenn meine Gedanken aufgenommen/ behandelt werden — aber sie führen vom Thema weg und schrecken andere ab, zu kommentieren. Schau, auf wordpress.com kannst Du dir ein eigenes Weblog einsteigersicher, mit wenigen Klicks und einer Adresse deinwunschname.wordpress.com einrichten. Dort ist in jedem Fall genug Raum, dich und deine Standpunkte zu präsentieren. Wenn Du etwas/jemanden naiv findest und das äußerst, wirst Du an solcher Stelle garantiert auch besser wahrgenommen als hier.

    Ich habe indes keine Lust, diese Diskussion weiterzuführen und mache deshalb die Kommentare zu.

  17. Pingback: “Diese These, das eine Volk ist intelligenter als das andere, das wird ganz schnell rassistisch interpretiert.” | Aufgesetzter Nihilismus

  18. Pingback: pantoffelpunk » Blog Archiv » “Meine Freunde sind homosexuell…”