Reclaim your subculture!

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(groß?) Cokes neue Brause: Unter dem Pflaster, ja da liegt das Geld

Wir sahen ihn gerade noch wegfahren, diesen schwarzen Van, der entfernt an die Karre vom A-Team erinnerte. „Coke Zero“ stand drauf.
Überall auf der Straße waren Stencils zu sehen, obiges eines davon. Die Menschen, die im Van saßen, mussten sie dahingesprüht haben*.

Ich werde jetzt nicht allzu viele Worte darüber verlieren, dass die Coca Cola Company in Kolumbien Gewerkschaftler ermorden und entführen lässt. Dazu sei an dieser Stelle nur auf den entsprechenden Spreeblick-Artikel und die Kampagnenwebsite killercoke.org verwiesen.

„Zero Kehrseiten“ würde ich den indischen Bauern wünschen, deren Brunnen Coke leerpumpt. Diese müssen, ihrer Lebensgrundlage beraubt, bei Coke anheuern, allerdings ohne jegliche Arbeiterrechte, mies bezahlt und unversichert. Ein „Super Leben“ hatten die Angestellten von Coke in einer sowieso schon strukturschwachen Gegend im Osten Deutschlands auch die längste Zeit gehabt, nämlich solange bis ihre Arbeitsplätze vom Mutterkonzern nach Polen verlagert wurden.

Ein paar nicht ganz so prominente Beispiele, wen und was die Herrschaften aus Atlanta auf dem Altar der Globalisierung schächten, finden sich in der interessantenen Dokumentation Nichts geht ohne Coca-Cola – Wie ein Konzern die WM dominiert. Der Titel ist etwas irreführend, es geht kaum um die WM.

Im direkten Vergleich mit Mord, Menschenrechtsverletzungen und Verarschung am Kunden (Bonaqua zum Beispiel ist Tafelwasser, also mit CO² versetztes Kraneberger Leitungswasser) ist diese Guerilla Marketing-Aktion höchstens blanker Hohn. Aber dennoch finde ich die Vorstellung ekelhaft, wie gelackte „Werbeprofis“ an ihren Macintosh-Computern sitzen, sich Gedanken machen, was für ein Image das neue Produkt haben soll und welche Jugendkultur diesmal ausgeschlachtet werden soll, um das Gesöff begehrt zu machen.

Und wie schmeckt Coke Zero? Laut Riesenmaschine „wie ein Plastiklutscher mit Chemieunfallaroma“. Okay, ich trink eh nur noch in äußersten Notsituationen was von der Firma**.

Wer echte Street Art sehen will, hier drei Tip(p?)s:


* Oder es waren die evangelikalen Nachwuchschristen, die sich gerade in der Auferstehungskirche nebenan versammelt hatten. Dieses Wochenende war da offenbar Missionierungsworkshop, wie man am hysterischen Praise the Lord!– und Halleluja!-Gerufe hören konnte, das uns der Wind mehrmals mehrere hundert Meter bis auf den Balkon zutrug. Aber – nein – sowas würde ich nichtmal denen zutrauen.
** Nach mehr als vier Stunden auf der Arbeit, wenn all meine Körperteile kanonisch das Klagelied der Koffeinarmut singen und ich keine Zeit mehr hatte, mir vorher eine Vita Cola zu kaufen, dann – ja dann – greife ich gegen mein Gewissen zu Coke.

3 Kommentare

  1. Sehr interessanter Beitrag, was mich allerdings wundert auch CocaCola begeht damit Sachbeschädigung, denn allgemein gilt Graffiti als Sachbeschädigung…

    ..allerdings wäre das mal ein Fall wo die Kripo nicht lange nach dem Verursacher suchen muss…

  2. Ist wirklich seltsam. Ich hab schon überlegt, mal nachzufragen, ob sie dafür eine Lizenz haben.

  3. Ihr könnt euch ja sicher vorstellen, was ich von solch kapitalistischen Unterwanderungen von StreetArt halte, und leider ist Coca Cola nicht die einzige Firma, die Sachbeschädigung (;-) als Werbeplattform nutzen. Auch adidas und Nike bedienen sich meiner Lieblingssubkultur; die Seuche breitet sich verdammt schnell aus.

    (Und danke für die Verlinkung! Noch ein StreetArt-Tipp: Streetsy.com und WoosterCollective.com)

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