Der Staat hat heute keine Fürsorgepflicht dem Bürger gegenüber mehr. Es mag vielen nicht aufgefallen sein, aber im Zuge der Arbeitsmarktreformen dürfen jemandem, der mehrmals Jobs ablehnt, sämtliche Leistungen aberkannt werden. Zu Deutsch: Dem Staat ist’s egal, ob jemand psychisch krank ist, beim Job gemobbt wird, ob der Sachbearbeiter den “Klienten” leiden kann oder nicht – wenn man der Stelle fernbleibt, für die jemand anders definiert, dass sie zu einem passt, gibt’s kein Geld mehr, nach dem Gusto “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen”. Das hat Konsequenzen. Vor Hartz IV war das nicht denkbar – Vater Staat durfte niemanden willentlich verhungern lassen. Heute… naja, den ersten “tragischen Einzelfall” gab es bereits – und da werden vermutlich noch mehr kommen. Wie gut, dass es die vom Metall-Arbeitgeberverband mit vielen Millionen Euro Jahresetat ausgestattete PR-Agitprop-Initiative für die Totalökonomisierung der Gesellschaft, INSM gibt. Deren hochbezahlter Professor Mengele Oberender ließ nämlich bereits im Dezember einen ebenso einfachen wie nützlichen marktregulierten Lösungsweg für das genannte Dilemma verlauten:
Wenn jemand existenziell bedroht ist, weil er nicht genug Geld hat, um den Lebensunterhalt seiner Familie zu finanzieren, muss er meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einem geregelten Verkauf von Organen haben.
Jawoll. Man muss den Untermenschen Menschen die Freiheit geben, sich eigenverantwortlich gegen den Hungertod zu entscheiden und mit einem Abverkauf des eigenen Organkapitals als Sekundäreffekt die Wertschöpfungskette des Humankapitals zu optimieren. Denn Freiheit, ja – Freiheit, ist unser wichtigstes Gut. Durchgewunken, weitergemacht. [via]
