Schon krass, wie die SPD

SPD: Logo_neueinen verdienten Veteranen wie Albrecht Müller vor den Kopf stößt. Müller hatte schon im Wahlkampfteam von Willy Brandt mitgewirkt, verdingt sich heute als Buchautor, ist ein kluger Volkswirtschaftler mit Bodenhaftung (soweit ich das beurteilen kann, habe ihn mal live gesehen und viel von ihm gelesen) und macht zusammen mit Wolfgang Lieb die NachDenkSeiten. Inhaltlich nehmen sie dort unter anderem die merkwürdig geschichtsvergessene Metamorphose der SPD zu einer, in Teilen, elitären, sozialspalterischen Partei mit Tendenz zum Wirtschaftstotalitarismus auseinander. Weißt schon, das was man heute neoliberal nennt. Dieses Engagement ist der Führung wohl zuviel. In der SPD-Mitgliedzeitschrift „vorwärts“ ist eine Anzeige für das von Müller und Lieb herausgegebene „Kritische Jahrbuch 2007“ abgelehnt worden, wie’s scheint auf Geheiß von ganz oben.

Traurig, liebe SPD. Ich hab mir ja einige Beulen aufgrund zu heftiger Tischkantenkollissionen geholt, bei dem was in den letzten Jahren von euch kam und was ihr mitgetragen habt. Aber das ist einfach nur noch armselig.

6 Kommentare

  1. ist doch irgendwo verständlich. wer soll einen denn noch finanzieren, wenn man einem lobbyismuskritiker ein forum in der eigenen parteizeitung schafft? 😉
    die SPD als partei des kleinen mannes ist tot. es lebe die partei der… ähm… wen vertreten die eigentlich?

  2. Abgesehen davon, dass ich Müllers Wiki-Bild für ein Ölgemälde gehalten habe:

    Die Vorwärts liest sowieso keiner. Die landet hier ungelesen im Altpapier, und so geht es auch bei allen anderen hier im Orstverein. Das liegt daran, dass die belangloser ist als das ADAC-Vereinsblatt, von der großen Reform, die die Zeitung wieder als Diskursmacht etablieren wollte, ist jedenfalls nichts zu merken.

    In diesem Umfeld würde die Anzeige viel zu gewagt, ja geradezu revoluzzerhaft herausstechen, da kann man das schon verstehen.

    (Wenn jetzt hier noch ein sehr ähnlicher Kommentar von mir auftaucht, liegt das an meinem Browser, der sich nach dem letzten Kommentar verabschiedet und meine erste Version ins Datennirvana geschossen hat.)

  3. Abgesehen davon, dass ich Müllers Wiki-Bild für ein Ölgemälde gehalten habe:

    Es ist wirklich kein schönes Foto.

    Die Vorwärts liest sowieso keiner. Die landet hier ungelesen im Altpapier, und so geht es auch bei allen anderen hier im Orstverein. Das liegt daran, dass die belangloser ist als das ADAC-Vereinsblatt, von der großen Reform, die die Zeitung wieder als Diskursmacht etablieren wollte, ist jedenfalls nichts zu merken.

    In diesem Umfeld würde die Anzeige viel zu gewagt, ja geradezu revoluzzerhaft herausstechen, da kann man das schon verstehen.

    Da bin ich anderer Meinung. Zum einen finde ich „Das würde da nicht reinpassen“ ist keine gute Begründung. Zum anderen: Ich bin nun mit den SPD-Interna nicht vertraut, aber würde schon die Frage gestellt wissen, warum die „vorwärts“ so schlecht ist und nicht ernstgenommen wird. Vielleicht eben weil ein Diskurs durch den redaktionellen Weichspuler und rigide Kontrolle von oben nicht möglich ist. Schwanz beißt Hund!

    Letztlich läufts ja doch wieder auf die gute alte Erkenntnis hinaus, dass die SPD-Basis in weiten Teilen eigentlich gut, links, engagiert ist, aber leider strunzdoofe Opportunistenschweine an die Macht bringt, merkwürdige Verbünde wie den Seeheimer Kreis in ihren Reihen duldet und nicht mal Charakterschweine wie Schröder, Clement oder Schily abzusägen imstande ist. Stattdessen wird Kurt „Bussi“-Beck hofiert, der zwar warme Worte für jeden übrig hat, ansonsten aber die personifizierte Blässe ist. Und das Pariah-Verhältnis zur Linkspartei verglichen mit den Kopulationen mit der CDU, seufz… (Siehe auch die letzten Einträge im sehr empfehlenswerten Oeffinger Freidenker)

    Herrschaftszeiten, die SPD wäre echt wählbar, wenn, ja wenn…

  4. Nicht falsch verstehen, ich wollte das Vorgehen der Vorwärts ja nicht gutheißen. Selbstverstädnlich ist „würde nicht reinpassen“ keine gute Begründung, nur meine steile These 🙂
    Aber es scheint echt so zu sein, dass Meinungspluralismus in dem Blatt nicht gewünscht ist, was für ein Parteiorgan ja ehehr suboptimal ist.

    Mit dem Aspekt Basis vs. Spitze hast Du ja sowas von recht. Und es ist im Kleinen gut beobachtbar, wie die Mechanismen funktionieren, mit denen die, hm, „Unsympathen“ nach oben gespült werden.
    Ich will die Klappe nicht zu weit aufreissen, da ich mich inzwischen doch ziemlich raushalte aus dem Laden hier (und nur noch hier und da was bei den wirklich, wirklich guten hiesigen JuSos mache), aber es sind wirklich einfach die „Karrieremenschen“, die sich richtig in die Sachen reinknien, die grade angesagt sind und dementsprechend dann schon aus Pflichtgefühl in die Vorstände oder Ämter gewählt werden. Nur leider sind die angesagten Sachen nicht unbedingt die wichtigsten.

  5. Pingback: Dauerfeuer Verarsche » Blog Archive » Bashing Party mit Party-Bashing

  6. Zensur gegen Vertreter der eigenen Richtung. Wie dämlich. Klingt nach: „SPD der Nullerjahre„.

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