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	<title>Kommentare zu: Schw&#228;bische Gehirnstr&#246;me und Erziehungsfragen</title>
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		<title>Von: Jobst</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-3700</link>
		<dc:creator>Jobst</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Jun 2008 16:47:37 +0000</pubDate>
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		<description>Bin ganz begeistert von eurer Art zu diskutieren. Selten ist soviel Lesenswertes im St&#252;ck zu lesen. Meine Hochachtung und vielen Dank.</description>
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		<title>Von: Lotta</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2365</link>
		<dc:creator>Lotta</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Oct 2007 17:03:30 +0000</pubDate>
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		<description>Hallo nochmal,

Jetzt habe ich endlich Zeit auf die Dinge einzugehen, die ich in meiner vorigen Antwort nicht angesprochen habe. 
Jules, du f&#252;hrst &lt;em&gt;Dogville&lt;/em&gt; an um den nat&#252;rlichen Schweinehund der deiner Meinung nach in uns allen wohnt zu beweisen.
Wie schon &lt;em&gt;Blue-eyed&lt;/em&gt; habe ich auch auf diesen Film anders interpretiert als du. Ich finde ihn ebenfalls grandios, leider hat der zweite Teil &lt;em&gt;Manderlay&lt;/em&gt; von Lars von Triers Amerika-Trilogie mich nicht so packen k&#246;nnen wie der erste. Allerdings ist ja f&#252;r den letzten Teil &lt;em&gt;Washington&lt;/em&gt; angek&#252;ndigt, dass Nicole Kidman wieder mitwirkt und daher habe ich gewisse Hoffnung, das &lt;em&gt;Washington&lt;/em&gt; an &lt;em&gt;Dogville&lt;/em&gt; ankn&#252;pfen kann.
&lt;em&gt;Dogville&lt;/em&gt; erz&#228;hlt wie ich finde mehr als nur die Geschichte vom Sadismus der unbescholtenen B&#252;rger, des weiteren n&#228;mlich noch die eines Opfers, das lange Zeit willig in der Opferrolle verharrt und zum anderen die Geschichte wie aus dem Opfer ein T&#228;ter, gar ein Massenm&#246;rder wird. 
Man darf zudem von Trier durchaus zutrauen, dass er diesen Film, in dem er die US-amerikanische Gesellschaft portraitiert, sich &#252;ber die Machtbesessenheit, Rachelust und den Gr&#246;&#223;enwahn dieser Kultur einerseits, sowie die Minderwertigkeitskomplexe und heuchlerische Moral andererseits bewusst ist. Er schildert nicht den hervorbrechenden Sadismus irgendeines urspr&#252;nglichen Menschenstammes, der aus der&#160; Zeit gefallen w&#228;re, sondern skizziert in diesem Film bewusst das Land, das, nun ja, ich sage es mal so gro&#223;artig: Aktuell die Weltherrschaft anstrebt. 

Um mal ins Detail zu gehen: Bis kurz vor dem Ende denkt man ja Grace m&#252;sste sich vor Verfolgern verstecken, die ihr nach dem Leben trachten. Also bringt man Verst&#228;ndnis auf, wieso Grace solange in Dogville bleibt bis sie schlie&#223;lich angekettet wird und es tats&#228;chlich kein Entrinnen mehr gibt. Ich dachte damals: Die Arme, wo soll sie denn auch hin? Und die widerw&#228;rtigen Menschen aus Dogville nutzen ihre Verzweiflung aufs &#220;belste aus!
Stimmt ja, ab dem Punkt als sie glauben Macht &#252;ber die Fremde (die Grace pl&#246;tzlich wieder wird) zu haben, beginnen sie sie zu verfolgen, zu tyrannisieren und zu misshandeln. Ich dachte Grace sitzt in der Falle. Und es wurde schier unertr&#228;glich ihrem Martyrium zusehen zu m&#252;ssen. Immer hoffte ich: Sie muss doch endlich gehen! Kein M&#246;rder kann schlimmer sein als Grace&#8217; Leben in Dogville. 
Erst am Ende wurde mir klar, Grace h&#228;tte die ganze Zeit fliehen k&#246;nnen, ihr drohte von Au&#223;en keine Gefahr f&#252;r Leib und Leben. (Am Anfang von &lt;em&gt;Manderlay&lt;/em&gt; zeigt sich sogar, dass ihr Vater sie bereitwillig ihre eigenen Wege gehen l&#228;sst.) 
Nat&#252;rlich konnte Grace nicht wirklich fliehen, die Angst davor so b&#246;se zu werden wie ihr Gangster-Vater, wenn sie wieder unter seinen Fittichen st&#252;nde, ihre Sehnsucht unabh&#228;ngig von ihm zu leben, vermutlich auch der Wunsch es w&#252;rde wieder so sch&#246;n in Dogville werden, wie es zu Beginn war und sicherlich das alte Ideal der Frauenrolle, wenn man nur alles ertr&#228;gt wird es irgendwann gut, hielten Grace innerlich an Dogville gekettet. Solange bis sie tats&#228;chlich angekettet wurde, als Sklavin aller. Niemand war bereit, ihr Leid zu sehen, Grace selbst &#252;ber lange Strecken der Geschichte eingeschlossen.
Es ist wohl auch die Geschichte vieler Frauen, die sich schlagen oder anderweitig dem&#252;tigen lassen, die ertragen und abwiegeln, verleugnen und sich selber bet&#228;uben mit L&#252;gen oder S&#252;chten um weiter ertragen zu k&#246;nnen.
Insofern sehe ich in von Triers &lt;em&gt;Dogville&lt;/em&gt; besonders die Enge eines Familienregimes gespiegelt, denn auch in Familien halten innere Ketten viele Menschen so lange gefangen. Die Gedem&#252;tigten selber sind sich oft sicher keinen anderen Ausweg zu haben als zu ertragen - bis es tats&#228;chlich zu sp&#228;t ist. Am Ende stehen ewige Sucht, Selbstmord, Mord, Wahnsinn.
So endet ja auch &lt;em&gt;Dogville&lt;/em&gt;. Ich war damals sehr erleichtert, dass mit dem Tabula Rasa-Ende mein eigenes Rachebed&#252;rfnis an der Dorfgemeinschaft befriedigt wurde. Die Ausrottung der Menschen von Dogville schien mir eine gerechte Strafe f&#252;r ihren Terror gegen Grace. Ich sah in Grace immer noch nur das unschuldige Opfer, ich sah nicht ihren Anteil, den sie als erwachsene Frau lange Zeit am Opfersein gehabt hat, ich nahm nicht wahr, dass Grace auch f&#252;r die Kinder keine Gnade walten lie&#223;. &#160;
Und mal angenommen nur ein Mensch aus Dogville w&#228;re entkommen, so w&#228;re vermutlich auch er besessen gewesen davon Rache zunehmen. Auf die Art sind schon viele Konflikte, gar Kriege entstanden. Das reflektionsunf&#228;hige, traumatisierte, ehemalige Opfer sieht keine andere M&#246;glichkeit seine Trauer und das Entsetzen zu verarbeiten als diese Gef&#252;hle in destruktive Aggressionen nach Au&#223;en zu richten. Und da haben wir dann ja auch wieder das viel zitierte B&#246;se.

Jules, du beharrst immer wieder darauf es sei gef&#228;hrlich wenn man nicht eins&#228;he, dass man in sich einen gewissen Sadismus trage. 
Wie ja schon verschiedentlich deutlich wurde, finde ich es viel mehr gef&#228;hrlich, wenn man sich und anderen einredet das sei so. Dazu noch zwei Anmerkungen: Ich pers&#246;nlich habe noch keinen Sadisten erlebt, der bereit gewesen ist f&#252;r sein grauenhaftes Verhalten Verantwortung zu &#252;bernehmen. Oft genug haben solche Menschen ja ein arg bipolares Weltbild und triefen vor Selbstmitleid, sie selbst sind die Guten, Armen, Missverstandenen, Verfolgten.
Hingegen habe ich schon mehrfach erlebt, dass Menschen mit dem omin&#246;sen B&#246;sen, das angeblich in ihnen herrsche, in den Wahnsinn getrieben wurden. Sowohl durch die immensen Schuldgef&#252;hle die das angebliche B&#246;se ihres Wesens ihnen bereitete als auch die Hoffnungslosigkeit, das ein &#196;ndern unm&#246;glich sei.

Und wer kann tats&#228;chliche Verantwortung f&#252;r seine Taten &#252;bernehmen: Jemand der glaubt seine Destruktivit&#228;t sei nat&#252;rlich determiniert oder jemand der davon ausgeht, das seine Destruktivit&#228;t nicht zwangsl&#228;ufig in seinem Wesen festgeschrieben steht, sondern dass sie Ursachen hat und man verstehen kann wieso sie zustande kam und sie dadurch&#160; an Zwangsl&#228;ufigkeit und Bedrohlichkeit verliert, vielleicht sogar ganz aufgel&#246;st werden kann?
Dass es Beispiele daf&#252;r gibt, wie Sadismus und Hass aufgel&#246;st werden k&#246;nnen, schildert z.B. die Dokumentation &lt;a href=&quot;http://www.heute.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,1404026_idDispatch:5459229,00.html&quot;&gt;Ohne Skrupel&lt;/a&gt; von dem verdienten, gegen Kindesmissbrauch und im Tierschutz aktiven Filmemacher &lt;a href=&quot;http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,2380448,00.html&quot;&gt;Manfred Karremann&lt;/a&gt;. Dort wird der ehemalige Zuh&#228;lter Andreas Marquardt portraitiert. Ein Mann, der mit einer gro&#223;en Gewaltlust und extrem sadistisch &#252;ber &#8222;seine Frauen&#8220; herrschte. Karremann beschreibt dessen Lebensweg vom sadistischen Erwachsenen zum heute weitestgehend reflektierten Mann und zur&#252;ck zum grauenhaft misshandelten und missbrauchten Kind. Marquardt schaffte w&#228;hrend eines Gef&#228;ngnisaufenthaltes, mit Hilfe einer tiefenpsychologischen Therapie und der Liebe seiner Lebensgef&#228;hrtin die Kehrtwende. Heute hilft der ehemalige Zuh&#228;lter Kindern stark zu werden und sich gegen Missbrauch und Gewalt zu wehren. 
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch das Buch von der Journalistin Lore Walb &lt;a href=&quot;http://www.aufbau-verlag.de/index.php4?page=2315&amp;show=2543&amp;avsess=7&quot;&gt;Ich, die Alte &#8211; ich, die Junge&lt;/a&gt;, in dem sich Frau Walb (Jahrgang 1919) akribisch anhand alter Tageb&#252;cher mit ihrer NS-Begeisterung w&#228;hrend des Dritten Reiches auseinander setzt. 
Dokumentation wie Buch sind frei von Selbstmitleid und besch&#246;nigen kein St&#252;ck die widerw&#228;rtige Vergangenheit. Beides zeigt sehr deutlich wie Verantwortung f&#252;r das eigene Handeln und ja, die eigene Schuld &#252;bernommen wird. Eine Analytikerin sagte mir einmal, eine der schwierigsten psychische Leistung sei die Konfrontation und das nachhaltige Anerkennen der eigenen Schuld.

Und wer von sich selber sagt, er argumentiere zum Beweis der nat&#252;rlichen B&#246;sartigkeit immer mit Hitler, wie du es ja mehrfach tust, Jules, der sollte wirklich mehr &#252;ber Hitlers Entwicklung wissen, als das blo&#223;e &#8222;Der hatte halt ne schei&#223; Kindheit.&#8220; Wei&#223; man n&#228;mlich nur so viel, ist die nahe liegende Argumentation nat&#252;rlich die von dir gew&#228;hlte. 
Das ist jedoch 1. kurzsichtig und 2. geht es vollkommen an den Fakten vorbei. Es ist zwar unm&#246;glich in einem Blogkommentar treffend auf Hitlers Wahn und dessen Entstehung einzugehen, dennoch ein paar Anmerkungen: &#160;
Man kann sagen Adolf Hitler wuchs in einem totalit&#228;ren Willk&#252;r-Regime auf. Sein Vater misshandelte ihn nahezu t&#228;glich, auch dann wenn Adolf nichts Ungeh&#246;riges getan hatte. Als er 11 war pr&#252;gelte ihn der Vater fast tot. Er war das bevorzugte Opfer seines Vaters. In der Schule wurde Adolf ebenso geschlagen wie daheim. Er gew&#246;hnte sich an jeden Schlag stolz (!) mitzuz&#228;hlen. Adolfs Mutter Klara, die ebenfalls vom Vater gepr&#252;gelt wurde, zudem allerdings ebenso brutal gegen die Kinder vorging, war dem Patriarchen gegen&#252;ber eine gef&#252;gige Frau. Ein Jahr vor Adolfs Geburt starben innerhalb eines Monats Klaras erste drei Kinder. Es ist anzunehmen, dass sie dieses Trauma in keiner Weise verarbeiten konnte und mit der Geburt Adolfs die Angst, Verzweiflung, der Schmerz und die Wut neu aufbrachen. Unsicherheit, Brutalit&#228;t, Hass, Folter, Willk&#252;r und Tod beherrschten Adolfs Kindheit und Jugend. Als Hitler zehn war starb sein kleiner Bruder, sein Vater drei Jahre danach (beim Saufen in einer Wirtschaft), vier Jahre nach dem Tod des Vaters folgte die Mutter, sie starb an Brustkrebs. Nur Hitlers Schwester Paula und er &#252;berlebten dieses Familienregime. 
Das ist eine extrem grobe Skizze der Umwelt, in der sich der schlimmste mir bekannte Tyrann und Massenm&#246;rder entwickelte. Wer genaueres &#252;ber seine Entwicklung wissen will, dem empfehle ich &lt;a href=&quot;http://alice-miller.com/bucher_de.php?page=2&quot;&gt;Am Anfang war Erziehung&lt;/a&gt; von &lt;a href=&quot;http://alice-miller.com/flugblatter_de.php?page=6&quot;&gt;Alice Miller&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3776621842/httptwodnet-21?dev-t=D3FR9HVW9E5BVH%26camp=2025%26link_code=xm2&quot;&gt;Hitler, Karriere eines Wahns&lt;/a&gt; von Paul Matussek, Peter Matussek und Jan Marbach. (Diese Matusseks haben aber nichts mit dem Ekel-Matussek vom Spiegel zu tun.)
Sicherlich gibt es auch Menschen, die in &#228;hnlichem Horror wie Hitler aufwuchsen und sich anders entwickelten. Denn letztlich ist die Entwicklung eines Menschen von vielen, mitunter f&#252;r die Au&#223;enwelt kaum wahrnehmbaren Wendungen und Einfl&#252;ssen abh&#228;ngig. Auch werden bei den einen Grausamkeiten anerkannt, die bei einem anderen geleugnet oder schlicht &#252;bersehen werden. 
Manchen Kindern hilft es schon ein liebevolles Buch zu lesen, um sich ein St&#252;ckchen Hoffnung und Distanz zur Familienh&#246;lle zu erobern, andere hingegen sind bereits im Kindergarten so verzweifelt und misstrauisch, dass sie selbst aktive Hilfe von Au&#223;en nicht aufnehmen k&#246;nnen.
Im Entwicklungsverlauf sind es meines Erachtens oft kleine Zuf&#228;lle die ausschlaggebend sein k&#246;nnen ob jemand zum Menschenhasser, Gewaltt&#228;ter, Selbstm&#246;rder wird oder nicht. 

Ein idealtypisch konstruiertes Beispiel zur Verdeutlichung: Zwei kleine M&#228;dchen, Julia und Marie sind Klassenkameradinnen, beide haben depressive M&#252;tter und werden von ihren V&#228;tern missbraucht und geschlagen, auch sonst sind ihre Leben &#228;hnlich, nur in einem Punkt unterscheiden sie sich: Julia malt gerne, Marie macht lieber Musik. Nun gibt es in der Grundschule eine Lehrerin die sehr viel f&#252;r malende Kinder &#252;brig hat und durch Julias Bilder auf den Kindesmissbrauch aufmerksam wird. Die Lehrerin setzt sich f&#252;r das Kind ein, begegnet ihm mit Verst&#228;ndnis, im Idealfall wird der Missbrauch beendet und eine Familientherapie kann begonnen werden. Aber auch wenn dieser Idealfall nicht eintritt hat Julia nun Mitgef&#252;hl erlebt und die Erfahrung gemacht, dass sie ernst genommen und geachtet wird. Marie hingegen durchlebt ihre Qualen v&#246;llig alleine, sie hat keinen helfenden Zeugen, h&#228;tte sie sich jedoch f&#252;r&#8217;s Malen begeistert oder die Lehrerin f&#252;r Musik, h&#228;tte Maries Missbrauch aufgedeckt werden k&#246;nnen. Dieser Zufall f&#252;gt, dass Julia ein St&#252;ck Vertrauen erhalten hat, w&#228;hrend Marie vollkommene Isolation erlebt. Sp&#228;ter einmal wird Julia dankbar an die Lehrerin denken, Marie jedoch wird nur Einsamkeit und Qual erinnern. 
Am Ende der Grundschule bekommt Julia die Empfehlung ein Gymnasium zu besuchen, Marie wird auf Grund ihrer Konzentrationsschwierigkeiten in die Hauptschule gesteckt. W&#228;hrend Julia wieder das Gl&#252;ck hat einige nette Lehrer zu bekommen, h&#246;rt Marie nun tagt&#228;glich dass sie dumm sei, sich zusammenrei&#223;en m&#252;sse und keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Beide M&#228;dchen sp&#252;ren im Laufe der Pubert&#228;t innere Leere, Wut und Verzweiflung. W&#252;rden sie sich miteinander unterhalten, w&#252;rden sie oft feststellen m&#252;ssen, wie &#228;hnlich sie sich f&#252;hlen. Aber sie unterhalten sich nicht, denn es gibt keinen Schnittpunkt zwischen Hauptschule und Gymnasium. &#160;
Im weiteren Entwicklungsverlauf interessiert Julia sich f&#252;r B&#252;cher von Alice Miller, Marie f&#252;r Ratgeber &#252;ber Positives Denken. W&#228;hrend Julia beginnt ihre Geschichte aufzuarbeiten, bem&#252;ht Marie sich nach Kr&#228;ften zusammenzurei&#223;en und die schlechten Gef&#252;hle wegzutrainieren. Sie bekommt Schuldgef&#252;hle wegen ihres negativen Denkens, Julia hingegen entwickelt Mitgef&#252;hl f&#252;r sich. W&#228;hrend Julia eine tiefenpsychologische Therapie beginnt, beginnt Marie eine Verhaltenstherapie und die Einnahme von Psychopharmaka, sie will schnell und reibungslos funktionieren um auf dem Arbeitsmarkt als Hauptsch&#252;lerin einen Platz zu finden, da kann sie sich keine Angstzust&#228;nde, Selbstverletzendes Verhalten, Depressionen und Schlafst&#246;rungen leisten. Julia hingegen, die von denselben Problemen geplagt wird, kann diese als Symptome verstehen, die einen Sinn haben und schafft es nach einigen Jahren das Trauma ihrer Kindheit zu verarbeiten. Sie muss sich nicht mehr destruktiv verhalten, ist frei von Wiederholungszw&#228;ngen und kann ihren sp&#228;teren Kindern mit Empathie begegnen.
Marie wird fr&#252;h Mutter, sie hasst ihr Kind. Warum, wei&#223; sie nicht und es macht ihr Schuldgef&#252;hle. Ihr Lebensgef&#228;hrte ist ein Macho, der sich nicht f&#252;r Maries Gef&#252;hle interessiert. Marie glaubt von ihm abh&#228;ngig zu sein, der Lebensgef&#228;hrte hat bald genug von Maries &#8222;st&#228;ndigen Launen&#8220; und dem schreienden S&#228;ugling, er verl&#228;sst sie. Ohne einen Mann glaubt Marie nicht leben zu k&#246;nnen und auch sonst sieht sie keinen Ausweg mehr. Sie hasst alles und gibt dem Kind die Schuld an ihrem grauenhaften Leben. In ihrer rasenden Wut erschl&#228;gt sie den S&#228;ugling. Weil sie die Schuldgef&#252;hle nicht ertr&#228;gt, bringt sie auch sich um. 
&#160; 
Der Ausgangspunkt bei beiden war die Misshandlung durch die Eltern (die depressiven M&#252;tter halte ich mindestens f&#252;r Mitt&#228;ter, da sie durch ihr Wegsehen die Misshandlungen m&#246;glich gemacht haben), Julias und Maries ganze Entwicklung baut auf den Grausamkeiten, die sie daheim ertragen mussten auf. Und dennoch war die Entwicklung von beiden keine Sekunde festgeschrieben. 
Um es mit einem Liedzitat von Peterlicht aus seinem wundervollen Album &lt;a href=&quot;http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/l/licht_peter/lieder_vom_ende_des_kapitalismus/index.htm&quot;&gt;Lieder vom Ende des Kapitalismus&lt;/a&gt; zu sagen: &#8222;Du hast keine Wahl was du hast, das was du hast, ist ein offenes Ende.&#8220;
Es gibt so viele Variablen die mitverantwortlich sind daf&#252;r, was ein Mensch aufnimmt und was nicht. Und manchmal sind es eben von au&#223;en betrachtet &quot;Winzigkeiten&quot; die absolute Wendungen bewirken. Ich kann nachvollziehen wieso Marie zur Kindsm&#246;rderin wurde, ich kann auch Mitgef&#252;hl empfinden f&#252;r das verzweifelte Kind das sie war und w&#252;tend &#252;ber die Ungerechtigkeit sein, das sie so viel Pech hatte und dennoch ist Marie in meinen Augen in vollem Umfang verantwortlich und ja schuldig f&#252;r den Mord den sie begangen hat. Sp&#228;testens als ein weiterer Mensch durch ihren Selbsthass in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist sie T&#228;terin geworden. Und da liegt der Knackpunkt an dem das ehemalige Opfer  sich nicht mehr in seine Unschuld kuscheln kann. Es ist vollkommen inakzeptabel wenn eine Mutter, wie schlimm ihr Schicksal auch immer war und ist, ihr Kind missbraucht um Hass abzulassen. 
Wobei ich der Ansicht bin, dass sie auch zuvor schon T&#228;terin war, allerdings &#8222;nur&#8220; destruktiv gegen sich selber. Was in unserer Kultur allerdings (aus der immerhin das Ideal der Gewalt gegen sich selber zum S&#252;ndenerlass stammt) oft nicht ernst genommen wird. 
Zudem ist Maries Geschichte auch ein Beispiel daf&#252;r wie unsere auf Funktionieren ausgerichtete Welt einem Hilfesuchenden die guten Entwicklungsm&#246;glichkeiten verbaut. Die Gleichg&#252;ltigkeit in Maries Umgebung gegen&#252;ber ihrem Leid ist ebenso ein Faktor wieso sie zur T&#228;terin wurde. Und das ist dann unser Anteil der Verantwortung, den wir als Gesellschaft an dem Mord tragen, wir haben weggesehen, mitgestrickt am Leistungswahn und dem gef&#228;hrlichen Ideal Probleme lie&#223;en sich am besten durch Verdr&#228;ngen und Kaschieren l&#246;sen.  

So, das ist jetzt wieder so elend lang. Na egal, ich hab&#8217;s geschrieben also schick ich es mal ab.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo nochmal,</p>
<p>Jetzt habe ich endlich Zeit auf die Dinge einzugehen, die ich in meiner vorigen Antwort nicht angesprochen habe.<br />
Jules, du f&uuml;hrst <em>Dogville</em> an um den nat&uuml;rlichen Schweinehund der deiner Meinung nach in uns allen wohnt zu beweisen.<br />
Wie schon <em>Blue-eyed</em> habe ich auch auf diesen Film anders interpretiert als du. Ich finde ihn ebenfalls grandios, leider hat der zweite Teil <em>Manderlay</em> von Lars von Triers Amerika-Trilogie mich nicht so packen k&ouml;nnen wie der erste. Allerdings ist ja f&uuml;r den letzten Teil <em>Washington</em> angek&uuml;ndigt, dass Nicole Kidman wieder mitwirkt und daher habe ich gewisse Hoffnung, das <em>Washington</em> an <em>Dogville</em> ankn&uuml;pfen kann.<br />
<em>Dogville</em> erz&auml;hlt wie ich finde mehr als nur die Geschichte vom Sadismus der unbescholtenen B&uuml;rger, des weiteren n&auml;mlich noch die eines Opfers, das lange Zeit willig in der Opferrolle verharrt und zum anderen die Geschichte wie aus dem Opfer ein T&auml;ter, gar ein Massenm&ouml;rder wird.<br />
Man darf zudem von Trier durchaus zutrauen, dass er diesen Film, in dem er die US-amerikanische Gesellschaft portraitiert, sich &uuml;ber die Machtbesessenheit, Rachelust und den Gr&ouml;&szlig;enwahn dieser Kultur einerseits, sowie die Minderwertigkeitskomplexe und heuchlerische Moral andererseits bewusst ist. Er schildert nicht den hervorbrechenden Sadismus irgendeines urspr&uuml;nglichen Menschenstammes, der aus der&nbsp; Zeit gefallen w&auml;re, sondern skizziert in diesem Film bewusst das Land, das, nun ja, ich sage es mal so gro&szlig;artig: Aktuell die Weltherrschaft anstrebt. </p>
<p>Um mal ins Detail zu gehen: Bis kurz vor dem Ende denkt man ja Grace m&uuml;sste sich vor Verfolgern verstecken, die ihr nach dem Leben trachten. Also bringt man Verst&auml;ndnis auf, wieso Grace solange in Dogville bleibt bis sie schlie&szlig;lich angekettet wird und es tats&auml;chlich kein Entrinnen mehr gibt. Ich dachte damals: Die Arme, wo soll sie denn auch hin? Und die widerw&auml;rtigen Menschen aus Dogville nutzen ihre Verzweiflung aufs &Uuml;belste aus!<br />
Stimmt ja, ab dem Punkt als sie glauben Macht &uuml;ber die Fremde (die Grace pl&ouml;tzlich wieder wird) zu haben, beginnen sie sie zu verfolgen, zu tyrannisieren und zu misshandeln. Ich dachte Grace sitzt in der Falle. Und es wurde schier unertr&auml;glich ihrem Martyrium zusehen zu m&uuml;ssen. Immer hoffte ich: Sie muss doch endlich gehen! Kein M&ouml;rder kann schlimmer sein als Grace&rsquo; Leben in Dogville.<br />
Erst am Ende wurde mir klar, Grace h&auml;tte die ganze Zeit fliehen k&ouml;nnen, ihr drohte von Au&szlig;en keine Gefahr f&uuml;r Leib und Leben. (Am Anfang von <em>Manderlay</em> zeigt sich sogar, dass ihr Vater sie bereitwillig ihre eigenen Wege gehen l&auml;sst.)<br />
Nat&uuml;rlich konnte Grace nicht wirklich fliehen, die Angst davor so b&ouml;se zu werden wie ihr Gangster-Vater, wenn sie wieder unter seinen Fittichen st&uuml;nde, ihre Sehnsucht unabh&auml;ngig von ihm zu leben, vermutlich auch der Wunsch es w&uuml;rde wieder so sch&ouml;n in Dogville werden, wie es zu Beginn war und sicherlich das alte Ideal der Frauenrolle, wenn man nur alles ertr&auml;gt wird es irgendwann gut, hielten Grace innerlich an Dogville gekettet. Solange bis sie tats&auml;chlich angekettet wurde, als Sklavin aller. Niemand war bereit, ihr Leid zu sehen, Grace selbst &uuml;ber lange Strecken der Geschichte eingeschlossen.<br />
Es ist wohl auch die Geschichte vieler Frauen, die sich schlagen oder anderweitig dem&uuml;tigen lassen, die ertragen und abwiegeln, verleugnen und sich selber bet&auml;uben mit L&uuml;gen oder S&uuml;chten um weiter ertragen zu k&ouml;nnen.<br />
Insofern sehe ich in von Triers <em>Dogville</em> besonders die Enge eines Familienregimes gespiegelt, denn auch in Familien halten innere Ketten viele Menschen so lange gefangen. Die Gedem&uuml;tigten selber sind sich oft sicher keinen anderen Ausweg zu haben als zu ertragen &#8211; bis es tats&auml;chlich zu sp&auml;t ist. Am Ende stehen ewige Sucht, Selbstmord, Mord, Wahnsinn.<br />
So endet ja auch <em>Dogville</em>. Ich war damals sehr erleichtert, dass mit dem Tabula Rasa-Ende mein eigenes Rachebed&uuml;rfnis an der Dorfgemeinschaft befriedigt wurde. Die Ausrottung der Menschen von Dogville schien mir eine gerechte Strafe f&uuml;r ihren Terror gegen Grace. Ich sah in Grace immer noch nur das unschuldige Opfer, ich sah nicht ihren Anteil, den sie als erwachsene Frau lange Zeit am Opfersein gehabt hat, ich nahm nicht wahr, dass Grace auch f&uuml;r die Kinder keine Gnade walten lie&szlig;. &nbsp;<br />
Und mal angenommen nur ein Mensch aus Dogville w&auml;re entkommen, so w&auml;re vermutlich auch er besessen gewesen davon Rache zunehmen. Auf die Art sind schon viele Konflikte, gar Kriege entstanden. Das reflektionsunf&auml;hige, traumatisierte, ehemalige Opfer sieht keine andere M&ouml;glichkeit seine Trauer und das Entsetzen zu verarbeiten als diese Gef&uuml;hle in destruktive Aggressionen nach Au&szlig;en zu richten. Und da haben wir dann ja auch wieder das viel zitierte B&ouml;se.</p>
<p>Jules, du beharrst immer wieder darauf es sei gef&auml;hrlich wenn man nicht eins&auml;he, dass man in sich einen gewissen Sadismus trage.<br />
Wie ja schon verschiedentlich deutlich wurde, finde ich es viel mehr gef&auml;hrlich, wenn man sich und anderen einredet das sei so. Dazu noch zwei Anmerkungen: Ich pers&ouml;nlich habe noch keinen Sadisten erlebt, der bereit gewesen ist f&uuml;r sein grauenhaftes Verhalten Verantwortung zu &uuml;bernehmen. Oft genug haben solche Menschen ja ein arg bipolares Weltbild und triefen vor Selbstmitleid, sie selbst sind die Guten, Armen, Missverstandenen, Verfolgten.<br />
Hingegen habe ich schon mehrfach erlebt, dass Menschen mit dem omin&ouml;sen B&ouml;sen, das angeblich in ihnen herrsche, in den Wahnsinn getrieben wurden. Sowohl durch die immensen Schuldgef&uuml;hle die das angebliche B&ouml;se ihres Wesens ihnen bereitete als auch die Hoffnungslosigkeit, das ein &Auml;ndern unm&ouml;glich sei.</p>
<p>Und wer kann tats&auml;chliche Verantwortung f&uuml;r seine Taten &uuml;bernehmen: Jemand der glaubt seine Destruktivit&auml;t sei nat&uuml;rlich determiniert oder jemand der davon ausgeht, das seine Destruktivit&auml;t nicht zwangsl&auml;ufig in seinem Wesen festgeschrieben steht, sondern dass sie Ursachen hat und man verstehen kann wieso sie zustande kam und sie dadurch&nbsp; an Zwangsl&auml;ufigkeit und Bedrohlichkeit verliert, vielleicht sogar ganz aufgel&ouml;st werden kann?<br />
Dass es Beispiele daf&uuml;r gibt, wie Sadismus und Hass aufgel&ouml;st werden k&ouml;nnen, schildert z.B. die Dokumentation <a href="http://www.heute.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,1404026_idDispatch:5459229,00.html">Ohne Skrupel</a> von dem verdienten, gegen Kindesmissbrauch und im Tierschutz aktiven Filmemacher <a href="http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/0/0,1872,2380448,00.html">Manfred Karremann</a>. Dort wird der ehemalige Zuh&auml;lter Andreas Marquardt portraitiert. Ein Mann, der mit einer gro&szlig;en Gewaltlust und extrem sadistisch &uuml;ber &bdquo;seine Frauen&ldquo; herrschte. Karremann beschreibt dessen Lebensweg vom sadistischen Erwachsenen zum heute weitestgehend reflektierten Mann und zur&uuml;ck zum grauenhaft misshandelten und missbrauchten Kind. Marquardt schaffte w&auml;hrend eines Gef&auml;ngnisaufenthaltes, mit Hilfe einer tiefenpsychologischen Therapie und der Liebe seiner Lebensgef&auml;hrtin die Kehrtwende. Heute hilft der ehemalige Zuh&auml;lter Kindern stark zu werden und sich gegen Missbrauch und Gewalt zu wehren.<br />
Interessant in diesem Zusammenhang finde ich auch das Buch von der Journalistin Lore Walb <a href="http://www.aufbau-verlag.de/index.php4?page=2315&amp;show=2543&amp;avsess=7">Ich, die Alte &ndash; ich, die Junge</a>, in dem sich Frau Walb (Jahrgang 1919) akribisch anhand alter Tageb&uuml;cher mit ihrer NS-Begeisterung w&auml;hrend des Dritten Reiches auseinander setzt.<br />
Dokumentation wie Buch sind frei von Selbstmitleid und besch&ouml;nigen kein St&uuml;ck die widerw&auml;rtige Vergangenheit. Beides zeigt sehr deutlich wie Verantwortung f&uuml;r das eigene Handeln und ja, die eigene Schuld &uuml;bernommen wird. Eine Analytikerin sagte mir einmal, eine der schwierigsten psychische Leistung sei die Konfrontation und das nachhaltige Anerkennen der eigenen Schuld.</p>
<p>Und wer von sich selber sagt, er argumentiere zum Beweis der nat&uuml;rlichen B&ouml;sartigkeit immer mit Hitler, wie du es ja mehrfach tust, Jules, der sollte wirklich mehr &uuml;ber Hitlers Entwicklung wissen, als das blo&szlig;e &bdquo;Der hatte halt ne schei&szlig; Kindheit.&ldquo; Wei&szlig; man n&auml;mlich nur so viel, ist die nahe liegende Argumentation nat&uuml;rlich die von dir gew&auml;hlte.<br />
Das ist jedoch 1. kurzsichtig und 2. geht es vollkommen an den Fakten vorbei. Es ist zwar unm&ouml;glich in einem Blogkommentar treffend auf Hitlers Wahn und dessen Entstehung einzugehen, dennoch ein paar Anmerkungen: &nbsp;<br />
Man kann sagen Adolf Hitler wuchs in einem totalit&auml;ren Willk&#252;r-Regime auf. Sein Vater misshandelte ihn nahezu t&auml;glich, auch dann wenn Adolf nichts Ungeh&ouml;riges getan hatte. Als er 11 war pr&uuml;gelte ihn der Vater fast tot. Er war das bevorzugte Opfer seines Vaters. In der Schule wurde Adolf ebenso geschlagen wie daheim. Er gew&#246;hnte sich an jeden Schlag stolz (!) mitzuz&#228;hlen. Adolfs Mutter Klara, die ebenfalls vom Vater gepr&uuml;gelt wurde, zudem allerdings ebenso brutal gegen die Kinder vorging, war dem Patriarchen gegen&uuml;ber eine gef&uuml;gige Frau. Ein Jahr vor Adolfs Geburt starben innerhalb eines Monats Klaras erste drei Kinder. Es ist anzunehmen, dass sie dieses Trauma in keiner Weise verarbeiten konnte und mit der Geburt Adolfs die Angst, Verzweiflung, der Schmerz und die Wut neu aufbrachen. Unsicherheit, Brutalit&auml;t, Hass, Folter, Willk&uuml;r und Tod beherrschten Adolfs Kindheit und Jugend. Als Hitler zehn war starb sein kleiner Bruder, sein Vater drei Jahre danach (beim Saufen in einer Wirtschaft), vier Jahre nach dem Tod des Vaters folgte die Mutter, sie starb an Brustkrebs. Nur Hitlers Schwester Paula und er &uuml;berlebten dieses Familienregime.<br />
Das ist eine extrem grobe Skizze der Umwelt, in der sich der schlimmste mir bekannte Tyrann und Massenm&ouml;rder entwickelte. Wer genaueres &uuml;ber seine Entwicklung wissen will, dem empfehle ich <a href="http://alice-miller.com/bucher_de.php?page=2">Am Anfang war Erziehung</a> von <a href="http://alice-miller.com/flugblatter_de.php?page=6">Alice Miller</a> und <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3776621842/httptwodnet-21?dev-t=D3FR9HVW9E5BVH%26camp=2025%26link_code=xm2">Hitler, Karriere eines Wahns</a> von Paul Matussek, Peter Matussek und Jan Marbach. (Diese Matusseks haben aber nichts mit dem Ekel-Matussek vom Spiegel zu tun.)<br />
Sicherlich gibt es auch Menschen, die in &auml;hnlichem Horror wie Hitler aufwuchsen und sich anders entwickelten. Denn letztlich ist die Entwicklung eines Menschen von vielen, mitunter f&uuml;r die Au&szlig;enwelt kaum wahrnehmbaren Wendungen und Einfl&uuml;ssen abh&auml;ngig. Auch werden bei den einen Grausamkeiten anerkannt, die bei einem anderen geleugnet oder schlicht &uuml;bersehen werden.<br />
Manchen Kindern hilft es schon ein liebevolles Buch zu lesen, um sich ein St&uuml;ckchen Hoffnung und Distanz zur Familienh&ouml;lle zu erobern, andere hingegen sind bereits im Kindergarten so verzweifelt und misstrauisch, dass sie selbst aktive Hilfe von Au&szlig;en nicht aufnehmen k&ouml;nnen.<br />
Im Entwicklungsverlauf sind es meines Erachtens oft kleine Zuf&auml;lle die ausschlaggebend sein k&ouml;nnen ob jemand zum Menschenhasser, Gewaltt&auml;ter, Selbstm&ouml;rder wird oder nicht. </p>
<p>Ein idealtypisch konstruiertes Beispiel zur Verdeutlichung: Zwei kleine M&auml;dchen, Julia und Marie sind Klassenkameradinnen, beide haben depressive M&uuml;tter und werden von ihren V&auml;tern missbraucht und geschlagen, auch sonst sind ihre Leben &auml;hnlich, nur in einem Punkt unterscheiden sie sich: Julia malt gerne, Marie macht lieber Musik. Nun gibt es in der Grundschule eine Lehrerin die sehr viel f&uuml;r malende Kinder &uuml;brig hat und durch Julias Bilder auf den Kindesmissbrauch aufmerksam wird. Die Lehrerin setzt sich f&uuml;r das Kind ein, begegnet ihm mit Verst&auml;ndnis, im Idealfall wird der Missbrauch beendet und eine Familientherapie kann begonnen werden. Aber auch wenn dieser Idealfall nicht eintritt hat Julia nun Mitgef&uuml;hl erlebt und die Erfahrung gemacht, dass sie ernst genommen und geachtet wird. Marie hingegen durchlebt ihre Qualen v&ouml;llig alleine, sie hat keinen helfenden Zeugen, h&auml;tte sie sich jedoch f&uuml;r&rsquo;s Malen begeistert oder die Lehrerin f&uuml;r Musik, h&auml;tte Maries Missbrauch aufgedeckt werden k&ouml;nnen. Dieser Zufall f&uuml;gt, dass Julia ein St&uuml;ck Vertrauen erhalten hat, w&auml;hrend Marie vollkommene Isolation erlebt. Sp&auml;ter einmal wird Julia dankbar an die Lehrerin denken, Marie jedoch wird nur Einsamkeit und Qual erinnern.<br />
Am Ende der Grundschule bekommt Julia die Empfehlung ein Gymnasium zu besuchen, Marie wird auf Grund ihrer Konzentrationsschwierigkeiten in die Hauptschule gesteckt. W&auml;hrend Julia wieder das Gl&uuml;ck hat einige nette Lehrer zu bekommen, h&ouml;rt Marie nun tagt&auml;glich dass sie dumm sei, sich zusammenrei&szlig;en m&uuml;sse und keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Beide M&auml;dchen sp&uuml;ren im Laufe der Pubert&auml;t innere Leere, Wut und Verzweiflung. W&uuml;rden sie sich miteinander unterhalten, w&uuml;rden sie oft feststellen m&uuml;ssen, wie &auml;hnlich sie sich f&uuml;hlen. Aber sie unterhalten sich nicht, denn es gibt keinen Schnittpunkt zwischen Hauptschule und Gymnasium. &nbsp;<br />
Im weiteren Entwicklungsverlauf interessiert Julia sich f&uuml;r B&uuml;cher von Alice Miller, Marie f&uuml;r Ratgeber &uuml;ber Positives Denken. W&auml;hrend Julia beginnt ihre Geschichte aufzuarbeiten, bem&uuml;ht Marie sich nach Kr&auml;ften zusammenzurei&szlig;en und die schlechten Gef&uuml;hle wegzutrainieren. Sie bekommt Schuldgef&uuml;hle wegen ihres negativen Denkens, Julia hingegen entwickelt Mitgef&uuml;hl f&uuml;r sich. W&auml;hrend Julia eine tiefenpsychologische Therapie beginnt, beginnt Marie eine Verhaltenstherapie und die Einnahme von Psychopharmaka, sie will schnell und reibungslos funktionieren um auf dem Arbeitsmarkt als Hauptsch&uuml;lerin einen Platz zu finden, da kann sie sich keine Angstzust&auml;nde, Selbstverletzendes Verhalten, Depressionen und Schlafst&ouml;rungen leisten. Julia hingegen, die von denselben Problemen geplagt wird, kann diese als Symptome verstehen, die einen Sinn haben und schafft es nach einigen Jahren das Trauma ihrer Kindheit zu verarbeiten. Sie muss sich nicht mehr destruktiv verhalten, ist frei von Wiederholungszw&auml;ngen und kann ihren sp&auml;teren Kindern mit Empathie begegnen.<br />
Marie wird fr&uuml;h Mutter, sie hasst ihr Kind. Warum, wei&szlig; sie nicht und es macht ihr Schuldgef&uuml;hle. Ihr Lebensgef&auml;hrte ist ein Macho, der sich nicht f&uuml;r Maries Gef&uuml;hle interessiert. Marie glaubt von ihm abh&auml;ngig zu sein, der Lebensgef&auml;hrte hat bald genug von Maries &bdquo;st&auml;ndigen Launen&ldquo; und dem schreienden S&auml;ugling, er verl&auml;sst sie. Ohne einen Mann glaubt Marie nicht leben zu k&ouml;nnen und auch sonst sieht sie keinen Ausweg mehr. Sie hasst alles und gibt dem Kind die Schuld an ihrem grauenhaften Leben. In ihrer rasenden Wut erschl&auml;gt sie den S&auml;ugling. Weil sie die Schuldgef&uuml;hle nicht ertr&auml;gt, bringt sie auch sich um.<br />
&nbsp;<br />
Der Ausgangspunkt bei beiden war die Misshandlung durch die Eltern (die depressiven M&uuml;tter halte ich mindestens f&uuml;r Mitt&auml;ter, da sie durch ihr Wegsehen die Misshandlungen m&ouml;glich gemacht haben), Julias und Maries ganze Entwicklung baut auf den Grausamkeiten, die sie daheim ertragen mussten auf. Und dennoch war die Entwicklung von beiden keine Sekunde festgeschrieben.<br />
Um es mit einem Liedzitat von Peterlicht aus seinem wundervollen Album <a href="http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/l/licht_peter/lieder_vom_ende_des_kapitalismus/index.htm">Lieder vom Ende des Kapitalismus</a> zu sagen: &bdquo;Du hast keine Wahl was du hast, das was du hast, ist ein offenes Ende.&ldquo;<br />
Es gibt so viele Variablen die mitverantwortlich sind daf&uuml;r, was ein Mensch aufnimmt und was nicht. Und manchmal sind es eben von au&#223;en betrachtet &#8220;Winzigkeiten&#8221; die absolute Wendungen bewirken. Ich kann nachvollziehen wieso Marie zur Kindsm&ouml;rderin wurde, ich kann auch Mitgef&uuml;hl empfinden f&uuml;r das verzweifelte Kind das sie war und w&uuml;tend &uuml;ber die Ungerechtigkeit sein, das sie so viel Pech hatte und dennoch ist Marie in meinen Augen in vollem Umfang verantwortlich und ja schuldig f&uuml;r den Mord den sie begangen hat. Sp&auml;testens als ein weiterer Mensch durch ihren Selbsthass in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist sie T&auml;terin geworden. Und da liegt der Knackpunkt an dem das ehemalige Opfer  sich nicht mehr in seine Unschuld kuscheln kann. Es ist vollkommen inakzeptabel wenn eine Mutter, wie schlimm ihr Schicksal auch immer war und ist, ihr Kind missbraucht um Hass abzulassen.<br />
Wobei ich der Ansicht bin, dass sie auch zuvor schon T&auml;terin war, allerdings &bdquo;nur&ldquo; destruktiv gegen sich selber. Was in unserer Kultur allerdings (aus der immerhin das Ideal der Gewalt gegen sich selber zum S&uuml;ndenerlass stammt) oft nicht ernst genommen wird.<br />
Zudem ist Maries Geschichte auch ein Beispiel daf&uuml;r wie unsere auf Funktionieren ausgerichtete Welt einem Hilfesuchenden die guten Entwicklungsm&ouml;glichkeiten verbaut. Die Gleichg&uuml;ltigkeit in Maries Umgebung gegen&uuml;ber ihrem Leid ist ebenso ein Faktor wieso sie zur T&auml;terin wurde. Und das ist dann unser Anteil der Verantwortung, den wir als Gesellschaft an dem Mord tragen, wir haben weggesehen, mitgestrickt am Leistungswahn und dem gef&#228;hrlichen Ideal Probleme lie&#223;en sich am besten durch Verdr&#228;ngen und Kaschieren l&#246;sen.  </p>
<p>So, das ist jetzt wieder so elend lang. Na egal, ich hab&rsquo;s geschrieben also schick ich es mal ab.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Lotta</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2336</link>
		<dc:creator>Lotta</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2007 19:49:29 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2336</guid>
		<description>Hallo Bibi,
 
 Deiner Erg&#228;nzung kann ich nat&#252;rlich nur beipflichten. Da habe ich aus Gr&#252;nden der Plakativit&#228;t offensichtlich zu stark vereinfacht. :)
 
 Gru&#223;,
 Lotta</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Bibi,</p>
<p> Deiner Erg&auml;nzung kann ich nat&uuml;rlich nur beipflichten. Da habe ich aus Gr&uuml;nden der Plakativit&auml;t offensichtlich zu stark vereinfacht. <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> </p>
<p> Gru&szlig;,<br />
 Lotta</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Bibi</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2333</link>
		<dc:creator>Bibi</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Oct 2007 17:05:57 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2333</guid>
		<description>Hallo auch allerseits,

interessante Diskussion.

Ich habe Dir, Lotta, nicht viel hinzuzuf&#252;gen,
denn Du triffst im Wesentlichen den Kern, den auch ich
(selbst Mutter, selbst als Kind mi&#223;handelt worden, selbst irgendwie Opfer, kaum T&#228;ter) als den entscheidenden empfinde:
durch eine generations&#252;bergreifende und &#252;ber Generationen vererbte Destruktion ist unser aller angeblich so objektives, aber eben voneinander abgetrenntes Denken und F&#252;hlen so deformiert, da&#223; wir uns nicht einmal mehr dar&#252;ber im Klaren sind, was gut und b&#246;se &#252;berhaupt hei&#223;t geschweige denn, da&#223; wir es sehen k&#246;nnten, st&#252;nde es direkt vor uns.

Zudem habe ich auch B&#252;cher von Arno Gruen gelesen, gerade auch das von Dir erw&#228;hnte ist wirklich gehaltvoll.

Eine Erg&#228;nzung allerdings habe ich: 
es gibt nicht entweder den Hass auf andere oder den Hass auf sich selbst,
letzteres ist immer Grundvorraussetzung.
Denn wer sich selbst hasst, aber dem Schmerz &#252;ber die Ursachen nicht ins Auge sehen kann, mu&#223; den Druck der drohenden und eben schmerzhaften Erkenntnis&#160; &quot;loswerden&quot; - ihm ausweichen-
in Anf&#252;hrungsstrichen, weil nat&#252;rlich durch Hass Hass aufgebaut wird, durch Agressionsabla&#223; Agressionen entstehen.

Jule, Dein &quot;selber Denken wollen ohne &#228;u&#223;ere Einfl&#252;sse&quot; in Ehren, aber da&#223; Deine Erkenntnisse auch durch &#220;bergriffe von Au&#223;en zustande kamen, war dann doch der gewaltsamere Weg als einfach &quot;nur&quot; philosophische B&#252;cher zu lesen und dadurch beeinflusst zu werden.
Ich habe den Eindruck, da&#223; Du sehr wohl selbst entscheiden kannst, was Dir liegt, was Du an Dich heran l&#228;&#223;t und was f&#252;r Dich stimmig ist.

Zudem w&#228;re mir, ginge es mir um eine Nichtbeeinflussung,
priorit&#228;tentechnisch die ganze psychologische Literatur eher ein Graus.

(Die &lt;strong&gt;Philosophie&lt;/strong&gt; (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache&quot; title=&quot;Griechische Sprache&quot;&gt;griechisch&lt;/a&gt; &#966;&#953;&#955;&#959;&#963;&#959;&#966;ί&#945; &lt;em&gt;philosoph&#237;a&lt;/em&gt;, w&#246;rtlich die &#8222;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Liebe&quot; title=&quot;Liebe&quot;&gt;Liebe&lt;/a&gt; zur &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit&quot; title=&quot;Weisheit&quot;&gt;Weisheit&lt;/a&gt;&#8220;) (wikipedia)

klingt mir interessanter und freiheitlicher als 

&lt;strong&gt;Psychologie&lt;/strong&gt; (aus &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache&quot; title=&quot;Griechische Sprache&quot;&gt;griech.&lt;/a&gt; &lt;em&gt;&#968;&#965;&#967;&#959;&#955;&#959;&#947;ί&#945;, psycholog&#237;a&lt;/em&gt; w&#246;rtlich &#8222;Seelenkunde&#8220;; engl. &lt;em&gt;&#8222;study of the mind&#8220;&lt;/em&gt;) bezeichnet die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Empirie&quot; title=&quot;Empirie&quot;&gt;empirische&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft&quot; title=&quot;Wissenschaft&quot;&gt;Wissenschaft&lt;/a&gt; zur Beschreibung, Erkl&#228;rung und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Prognose&quot; title=&quot;Prognose&quot;&gt;Vorhersage&lt;/a&gt; des &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Erleben&quot; title=&quot;Erleben&quot;&gt;Erlebens&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Verhalten&quot; title=&quot;Verhalten&quot;&gt;Verhaltens&lt;/a&gt; des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne, sowie deren inneren und &#228;u&#223;eren Ursachen und Bedingungen. (wiki)

Aber wir Menschen leben halt im st&#228;ndigen Austausch und sind keine Laborratten, die in vorgefertigten Versuchen&#160; kleinste Lebensausschnitte erleben d&#252;rfen...

Und nur was trifft, macht betroffen, will hei&#223;en da&#223; alles , was mich anspricht auch in mir sein mu&#223;, sonst h&#228;tte es kein Echo, da&#223; mich reagieren lie&#223;e.

Und zu AD(H)s m&#246;chte ich sp&#228;ter noch etwas vermelden.
Ich bezweifle aber schonmal, da&#223; dies lediglich eine &quot;en Vogue - Symptom-B&#252;ndelung&quot; ist, aber da&#223; Diagnosen weitr&#228;umig mi&#223;braucht werden, schon gar von der herrschenden Klasse, war bereits bei der angeblichen
Hysterie bei Frauen im Mittelalter so - das Wort Hysterie wurde &#252;brigens abgeleitet von dem griechischen Wort Hystera = Geb&#228;rmutter - sind ja auch immer nur die Frauen zusammengeklappt, nur weil sie mal ein bi&#223;chen engere Kleidung tragen mu&#223;ten und etwas unfreiere Lebensbedingungen hatten. Mu&#223; man ja auch nicht gleich immer schreiend umkippen, oder?

Bis dahin,
Bibi</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo auch allerseits,</p>
<p>interessante Diskussion.</p>
<p>Ich habe Dir, Lotta, nicht viel hinzuzuf&uuml;gen,<br />
denn Du triffst im Wesentlichen den Kern, den auch ich<br />
(selbst Mutter, selbst als Kind mi&szlig;handelt worden, selbst irgendwie Opfer, kaum T&auml;ter) als den entscheidenden empfinde:<br />
durch eine generations&uuml;bergreifende und &uuml;ber Generationen vererbte Destruktion ist unser aller angeblich so objektives, aber eben voneinander abgetrenntes Denken und F&uuml;hlen so deformiert, da&szlig; wir uns nicht einmal mehr dar&uuml;ber im Klaren sind, was gut und b&ouml;se &uuml;berhaupt hei&szlig;t geschweige denn, da&szlig; wir es sehen k&ouml;nnten, st&uuml;nde es direkt vor uns.</p>
<p>Zudem habe ich auch B&uuml;cher von Arno Gruen gelesen, gerade auch das von Dir erw&auml;hnte ist wirklich gehaltvoll.</p>
<p>Eine Erg&auml;nzung allerdings habe ich:<br />
es gibt nicht entweder den Hass auf andere oder den Hass auf sich selbst,<br />
letzteres ist immer Grundvorraussetzung.<br />
Denn wer sich selbst hasst, aber dem Schmerz &uuml;ber die Ursachen nicht ins Auge sehen kann, mu&szlig; den Druck der drohenden und eben schmerzhaften Erkenntnis&nbsp; &quot;loswerden&quot; &#8211; ihm ausweichen-<br />
in Anf&uuml;hrungsstrichen, weil nat&uuml;rlich durch Hass Hass aufgebaut wird, durch Agressionsabla&szlig; Agressionen entstehen.</p>
<p>Jule, Dein &quot;selber Denken wollen ohne &auml;u&szlig;ere Einfl&uuml;sse&quot; in Ehren, aber da&szlig; Deine Erkenntnisse auch durch &Uuml;bergriffe von Au&szlig;en zustande kamen, war dann doch der gewaltsamere Weg als einfach &quot;nur&quot; philosophische B&uuml;cher zu lesen und dadurch beeinflusst zu werden.<br />
Ich habe den Eindruck, da&szlig; Du sehr wohl selbst entscheiden kannst, was Dir liegt, was Du an Dich heran l&auml;&szlig;t und was f&uuml;r Dich stimmig ist.</p>
<p>Zudem w&auml;re mir, ginge es mir um eine Nichtbeeinflussung,<br />
priorit&auml;tentechnisch die ganze psychologische Literatur eher ein Graus.</p>
<p>(Die <strong>Philosophie</strong> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">griechisch</a> &phi;&iota;&lambda;&omicron;&sigma;&omicron;&phi;ί&alpha; <em>philosoph&iacute;a</em>, w&ouml;rtlich die &bdquo;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liebe" title="Liebe">Liebe</a> zur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weisheit" title="Weisheit">Weisheit</a>&ldquo;) (wikipedia)</p>
<p>klingt mir interessanter und freiheitlicher als </p>
<p><strong>Psychologie</strong> (aus <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache" title="Griechische Sprache">griech.</a> <em>&psi;&upsilon;&chi;&omicron;&lambda;&omicron;&gamma;ί&alpha;, psycholog&iacute;a</em> w&ouml;rtlich &bdquo;Seelenkunde&ldquo;; engl. <em>&bdquo;study of the mind&ldquo;</em>) bezeichnet die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Empirie" title="Empirie">empirische</a> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft" title="Wissenschaft">Wissenschaft</a> zur Beschreibung, Erkl&auml;rung und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prognose" title="Prognose">Vorhersage</a> des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erleben" title="Erleben">Erlebens</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verhalten" title="Verhalten">Verhaltens</a> des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne, sowie deren inneren und &auml;u&szlig;eren Ursachen und Bedingungen. (wiki)</p>
<p>Aber wir Menschen leben halt im st&auml;ndigen Austausch und sind keine Laborratten, die in vorgefertigten Versuchen&nbsp; kleinste Lebensausschnitte erleben d&uuml;rfen&#8230;</p>
<p>Und nur was trifft, macht betroffen, will hei&szlig;en da&szlig; alles , was mich anspricht auch in mir sein mu&szlig;, sonst h&auml;tte es kein Echo, da&szlig; mich reagieren lie&szlig;e.</p>
<p>Und zu AD(H)s m&ouml;chte ich sp&auml;ter noch etwas vermelden.<br />
Ich bezweifle aber schonmal, da&szlig; dies lediglich eine &quot;en Vogue &#8211; Symptom-B&uuml;ndelung&quot; ist, aber da&szlig; Diagnosen weitr&auml;umig mi&szlig;braucht werden, schon gar von der herrschenden Klasse, war bereits bei der angeblichen<br />
Hysterie bei Frauen im Mittelalter so &#8211; das Wort Hysterie wurde &uuml;brigens abgeleitet von dem griechischen Wort Hystera = Geb&auml;rmutter &#8211; sind ja auch immer nur die Frauen zusammengeklappt, nur weil sie mal ein bi&szlig;chen engere Kleidung tragen mu&szlig;ten und etwas unfreiere Lebensbedingungen hatten. Mu&szlig; man ja auch nicht gleich immer schreiend umkippen, oder?</p>
<p>Bis dahin,<br />
Bibi</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Lotta</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2331</link>
		<dc:creator>Lotta</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Oct 2007 22:20:35 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2331</guid>
		<description>Hallo allerseits,

eine Sache, die mir in Bezug auf B&#246;sartigkeit, und wie sie zustande kommt, ziemlich wichtig erscheint wurde bisher noch gar nicht thematisiert. N&#228;mlich der Blick in andere Gesellschaften als die unsere. 
Ich habe schon verschiedentlich &#252;ber die Beobachtung gelesen, dass es Naturv&#246;lker gibt, die kaum Aggressionen haben, keinen Konkurrenzdruck, Egoismus oder &#228;hnliches was uns aus unserer Kultur heraus ganz selbstverst&#228;ndlich, ja dem Menschen naturgegeben vorkommt. 
Eindrucksvoll im Ged&#228;chtnis geblieben ist mir Arno Gruens Schilderung &#252;ber einen Jesuitenpater, der im 17. Jhd zur Missionierung im heutigen Kanada unterwegs war. Der Pater klagte &#252;ber gro&#223;e Schwierigkeiten bei der Missionsarbeit: &lt;em&gt;Diese Primitiven machen es uns unm&#246;glich, ihren Kindern etwas beizubringen. Sie lassen nicht zu, dass ihre Kinder gez&#252;chtigt werden, sie erlauben nur eine einfache R&#252;ge. (&#8230;) Ich m&#246;chte die Kinder von ihren Eltern getrennt an einem anderen Ort unterrichten, weil diese Barbaren es nicht aushalten, dass ihre Kinder bestraft oder auch nur gescholten werden. Sie schaffen es nicht, einem weinenden Kind irgendetwas zu verweigern. Sie w&#252;rden sogar so weit gehen und ihre Kinder bei dem kleinsten Vorwand aus dem Unterricht entfernen.&#160; &lt;/em&gt;
Gruen merkt dazu an: &lt;em&gt;F&#252;r diese &#8222;Primitiven&#8220; war der Schmerz ihrer Kinder eine Richtschnur f&#252;r elterliches Verhalten. Wir dagegen tun alles, um dem Willen des Kindes keinen freien Lauf zu lassen. Daraus entsteht ein Machtkampf, den wir uns aber nicht eingestehen. Denn er w&#252;rde uns an unseren eigenen, lange zur&#252;ckliegenden Schmerz erinnern und uns dazu zwingen, ihn zu erkennen.&lt;/em&gt;
Dieser Machtkampf erzeugt bereits bei S&#228;uglingen enorme Frustration und das Gef&#252;hl von Grund auf verkehrt zu sein. Denn urspr&#252;nglich sind die S&#228;uglinge mit sinnvollen empathischen F&#228;higkeiten und sozusagen in der Erwartung auf die Welt gekommen, dass sie wahrgenommen und liebevoll umsorgt werden. (Die von Mo angemerkten F&#228;lle von pr&#228;nataler Traumatisierung mal au&#223;en vor gelassen.)
Und eben jene Frustrationen, (die sich in der Regel im Familiensystem ja weiter fortsetzen und selten auf die Missachtung der urspr&#252;nglichsten Bed&#252;rfnisse beschr&#228;nkt bleiben) sind es, die in meinen Augen dazu f&#252;hren k&#246;nnen, dass ein Mensch psychische Defizite erleidet, sei es dass er depressiv wird, essgest&#246;rt, sonst wie suchtkrank, autistisch, Borderline usw. - oder eben &#8222;b&#246;se&#8220;. Welche Defizite das sind und wie stark ausgepr&#228;gt, h&#228;ngt meiner Meinung nach sowohl von der individuellen Pers&#246;nlichkeit als auch vom Umfeld (famili&#228;ren, wie gesellschaftlich) ab - ob der Betroffene z.B. stellenweise merken kann und darf, wie sehr missachtet wird usw. Wie der Mensch allerdings als Erwachsener mit seinen Defiziten umgeht liegt vollkommen in seiner Verantwortung.

In der Tat bin ich schon lange von der Meinung abgekommen, Rechtsradikale und sonstige hassverseuchte politische Gruppen w&#252;rden vor allem eine besonders eklige Form der politischen Ausrichtung vertreten. Sie tragen schlicht und ergreifend ihre psychische St&#246;rung als Weltbild vor sich her (ebenso wie es Neocons tun, radikale Gl&#228;ubige usw.). Das ist gef&#228;hrlich und widerw&#228;rtig, aber man kann nachvollziehen, wieso sie so werden. W&#252;rde also die Bereitschaft, nachvollziehen zu wollen, wieso es solche b&#246;sartigen Menschen gibt in der breiten &#214;ffentlichkeit vorherrschen, g&#228;be es &#8211; da bin ich mir sicher &#8211; kein derartiges Problem mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gewalt. 
Oder: Immer wenn ein neuer Amoklauf durch die Medien geistert und es in einem Nachsatz zu den Motiven hei&#223;t: &quot;Der T&#228;ter war vermutlich auch psychisch krank.&quot; Da bin ich jedes Mal sprachlos ob so viel geballter Ignoranz. &quot;Vermutlich auch psychisch krank&quot;?! Ja, Himmelherrgott, was glauben die denn wieso der Junge Amok lief &#8211; weil er psychisch gesund war?

Seit diese Diskussion hier l&#228;uft ist mir immer wieder aufgefallen, wie h&#228;ufig und selbstverst&#228;ndlich verbreitet wird, westliche Forscher k&#246;nnten die Natur des Menschen allumfassend mit ihren Versuchen erkl&#228;ren. Sei es in Filmen, Anekdoten unter Freunden, Boulevard-Magazine im Fernsehen, die Vermischtes-Seite in der Zeitung oder sonstige &#8222;News&#8220;-Umschlagpl&#228;tze. &#8222;Forscher haben heraus gefunden, dass&#8230;&#8220; und dann folgen beliebige menschliche Eigenschaften, die angeblich nat&#252;rlich determiniert seien.&#160; Bspw. sei der Mensch von Natur aus egoistisch, w&#252;rde attraktive Menschen besser finden (wobei attraktiv symmetrische, von Computern berechnete &#8222;Sch&#246;nheit&#8220; meint), neige generell zum L&#228;stern und Ger&#252;chte verbreiten, oder eben: Trage schon als kleines Kind Sadismus in sich, denn Forscher fanden heraus es sei eine ganz normale kindliche Entwicklungsstufe, wenn Kinder gerne Tieren qu&#228;lten.
Wie passend: Grad googelte ich, um diese Tierqu&#228;lermeldung mal kurz zu belegen und was fand ich? &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/specials/101451/index.html&quot;&gt;Folgendes&lt;/a&gt;: &quot;Nicht jedes Kind, das dem Familienhund am Schwanz zieht oder die Katze &#228;rgert, wird sp&#228;ter kriminell. Dieses kindliche Ausprobieren ist sogar ein St&#252;ck weit normal, denn im fr&#252;hen Alter wissen die Kinder oft noch nicht, dass Tiere Schmerzen empfinden k&#246;nnen. &lt;em&gt;Die Kinder m&#252;ssen erst lernen, Empathie f&#252;r andere Lebewesen aufzubringen.&lt;/em&gt;&quot;
Ja, na toll, da m&#252;hen sich die gehorsamen Eltern ihrem Kind s&#228;mtliche Empathie abzuerziehen und dann soll der kleine Mensch das alles wieder neu lernen m&#252;ssen?! An Absurdit&#228;t kaum zu &#252;berbieten. 
Solche blindfleckigen &#8222;Erkenntnisse&#8220;, besonders deren gedankenlose Verbreitungen, strotzen vor (vermutlich oft unbewusster) Arroganz. Denn sie lassen keinen Raum f&#252;r andere Gesellschaften und Lebensweisen, es wird stur vorausgesetzt unsere oberfl&#228;chliche, streng hierarchische Leistungsgesellschaft sei die einzig m&#246;gliche Lebensweise. Hingegen w&#252;rde ein Blick auf die wenigen heute noch existenten Naturv&#246;lker zeigen, dass es sehr wohl Gesellschaften gibt, die gr&#246;&#223;tenteils frei von Frustration sind und somit auch sehr friedlich und gl&#252;cklich. Wie z.B. Jean Liedloff in &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/verlorenen-Zerst%C3%B6rung-unserer-Gl%C3%BCcksf%C3%A4higkeit-Kindheit/dp/340645724X/ref=pd_bbs_sr_1/303-6092886-5237814?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1193090823&amp;sr=8-1&quot;&gt;ihrer Feldstudie&lt;/a&gt; bei den Yequana-Indianern in Venezuela beobachtet und dokumentiert hat. 
Ich halte die Vorstellung, der Mensch sei nat&#252;rlicherweise &#8211; zumindest in Ans&#228;tzen - sadistisch/b&#246;se/unempathisch (wie auch immer man das nennen will) f&#252;r eine ideologische Meisterleistung, sie ist nicht totzukriegen. Wurde sie Jahrtausende lang religi&#246;s begr&#252;ndet, versuchen heute viele Wissenschaftler zum einen Gef&#252;hle auf plumpe Gehirnstr&#246;me zu reduzieren, zum anderen unangenehme Auspr&#228;gungen der zwischenmenschlichen Interaktion, wie Egoismus, Oberfl&#228;chlichkeit, Dem&#252;tigung anderer und fehlende Empathie, als naturgegeben zu zementieren. Und damit verunm&#246;glichen sie es verschiedene Auspr&#228;gungen und Entwicklungen von ein und demselben Problem zu verstehen. Dieses Problem l&#228;sst sich meines Erachtens als das Fehlen jeglicher Empathie gegen&#252;ber den urspr&#252;nglichen menschlichen Bed&#252;rfnissen zusammenfassen.
&#160;
Wie weit dieses Fehlen von Empathie in der deutschen Gesellschaft verbreitet ist, hat mir im vergangenen Jahr der Jubelsturm bewiesen, der wegen Bernhard Buebs (ein Theologe, der aus Kolonialherrschaftsfamilie stammt) &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Disziplin-Eine-Streitschrift-Bernhard-Bueb/dp/3471795421/ref=pd_bbs_sr_1/303-6092886-5237814?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1193091354&amp;sr=8-1&quot;&gt;Lob der Disziplin&lt;/a&gt; aufbrandete. Feuilletonisten waren sich einig und die meisten Deutschen stimmten mit ein: Endlich sollte mit dem 68er-Mist Schluss sein und endlich gab es da einen vern&#252;nftigen, besonnen Mann, &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bernhard_Bueb&amp;oldid=36721288#Zitate&quot;&gt;der Sachen sagte, wie&lt;/a&gt;: &quot;Ein Kind braucht Unterordnung, um die Freiheit zu finden.&quot; Oder: &quot;Es ist der Natur des Menschen gem&#228;&#223;, dass er lange Zeit bereit ist, sich unterzuordnen.&quot; Oder: &quot;Jede Generation von Babys gleiche einem Einfall von Barbaren, hat Sigmund Freud einmal festgestellt. Ihnen mangelt es an Kultur, Einsichtsf&#228;higkeit und Disziplin. Zu ihrer Kultivierung bedarf es einer klaren Autorit&#228;t und der Bereitschaft, Unterordnung zu fordern.&quot;
In Deutschland Anno 2006 sind es solche S&#228;tze, die der Mehrheit aus dem Herzen sprechen. Und ganz ehrlich, das macht mir Angst. Besonders in Hinblick auf die rasant wachsende Islamophobie (und sonstige Menschenfeindlichkeit), in Anbetracht unserer vulg&#228;rkapitalistischen Eliten und dem erschreckend ausgepr&#228;gten Anpassungswillen der jungen Generation.
So, das erst mal ganz allgemein noch zum Thema. 

Dann will ich aber noch mal zur&#252;ck zu deinem langen Text kommen, Jules. 
Du hast geschrieben, dass du annimmst, die meisten, die vom &#8222;guten Menschen&#8220; ausgehen, seien sicherlich welche mit einem schicken &#8222;bruchlosen&#8220; Leben. 
Tja, nun, auch wenn du in deinen Antworten durchaus zum Ausdruck brachtest, ich sei wohl ein dusseliges Gutmenschchen, das gar nicht aus Erfahrung sprechen k&#246;nne, muss ich dich entt&#228;uschen. 
Sadismus, Selbstmorde, Alkoholismus, Depressionen, Essst&#246;rungen, Verleugnung, Gewalt, Selbsthass, Isolation, Borderline, Psychosen, Menschenhass, Masochismus. Alles Worte die meine Familiengeschichte und Lebenserfahrung umrei&#223;en. Das klingt jetzt zwar pathetisch, aber so gro&#223;e Worte sind mir lieber als ins Detail zu gehen.
Jedenfalls, bin ich gerade deshalb sicher, dass es keine b&#246;se geborenen Menschen gibt. Denn bei allen Sadisten, Als-Ob-Menschen und Arschl&#246;chern die mir untergekommen sind, war keiner dabei, dessen Geschichte nicht Aufschluss dar&#252;ber gab, wieso er so geworden ist. 
Und deine Annahme, alle anderen hier in der Runde haben ein wolkenweiches Pluschelleben, nur du habest gehaltvolle Erfahrungen gemacht und k&#246;nntest beurteilen worum es geht, finde ich - nun ja - ein wenig &#252;berheblich. ;)
&lt;blockquote&gt;Und hierbei sind es nicht die Irren, die Kranken, die Verr&#252;ckten, die mir Angst machen - sondern gerade die gew&#246;hnlichen, die &quot;normalen&quot; Menschen, die braven B&#252;rger, die einfach zu stumpf oder unreflektiert sind, um zu hinterfragen, was sie tun, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet.&lt;/blockquote&gt;
Ja, in der Tat, das sind die, die Hitler gro&#223; machten, die, mitverantwortlich sind, dass die EU eine Diktatur wird, die, die zulassen, das wir bald unter Total-&#220;berwachung stehen. Und vor allem das sind die Irren, Kranken, Verr&#252;ckten, vor denen man Angst haben muss, denn ihre Gleichg&#252;ltigkeit ist in der Masse mindestens so gef&#228;hrlich wie ausf&#252;hrende Gewalten es nur sein k&#246;nnen. 
Aber all diese gleichg&#252;ltigen, mit dem Aggressor identifizierten, strebsamen, egoistischen Menschen m&#252;ssten meines Erachtens nicht so sein. W&#252;rden sie nicht am Anfang ihrer Entwicklung gezwungen ihre Inneres zu zerhackst&#252;cken, um die allzu fadenscheinige F&#252;rsorge der Eltern zu bekommen. 

Ganz allgemein: 
Ich finde es ist ein riesiger Unterschied zu sagen: Manche werden eben b&#246;se geboren. Und: In uns allen steckt nat&#252;rlicher Sadismus aka innerer Schweinehund, der ab und an entfesselt wird.
Oder: Jeder Mensch reagiert anders auf ein Trauma und manche werden im Laufe dieser Reaktion eben b&#246;sartig. 
&lt;blockquote&gt;Wenn ein missbrauchter, schwer traumatisierter Mann seine P&#228;dophilie auslebt, ist das etwas anderes, als wenn jemand sich aus purem Machtrausch dazu entschlie&#223;t, kleine Kinder zu qu&#228;len.&lt;/blockquote&gt;
Das ist in meinen Augen einer der Knackpunkte, wegen denen wir die ganze Zeit aneinander vorbei schreiben. Du setzt in vielen F&#228;llen voraus der Mensch war schon so. Wie in diesem Fall es g&#228;be bei manchen Menschen &#8211; warum auch immer &#8211; ein nat&#252;rliches Machtbed&#252;rfnis. Deine Vorraussetzung kann ich weder aus eigener Erfahrung, noch durch sonstiges Wissen best&#228;tigen. Jedem mir bekannten Machtstreben liegt das Gef&#252;hl der eigenen Minderwertigkeit zugrunde. Und auch die Behauptung es g&#228;be Sadisten die nicht selber als Kinder gequ&#228;lt wurden ist, so weit ich wei&#223;, unhaltbar. 
Im &#220;brigen w&#252;rde es in der Frage der Verantwortung auch keinen Unterschied machen ob der P&#228;dophile selber missbraucht wurde oder nicht. Denn Fakt ist, er ist zum T&#228;ter geworden und also verantwortlich f&#252;r sein Verhalten und schuldig f&#252;r das Leid, das er verursacht. 

Verstehst du Jules, es geht mir weder darum, den von dir so genannten inneren Schweinehund (btw: ich halte dieses Wort f&#252;r einen linguistischen Rotz der Leistungsgesellschaft)&#160; zu entschuldigen, auch nicht Hitler wegen seiner Kindheit zu bemitleiden oder gar zu verharmlosen. 
Aber was mir insgesamt sauer aufst&#246;&#223;t - du bist in dem Fall die vor der ich es &#228;u&#223;ern kann, weil du zur Diskussion bereit bist - ist dieser gleichg&#252;ltige, plumpe Konsens unserer Gesellschaft: Manche sind halt b&#246;se, manche depressiv, manche bindungsunf&#228;hig blablabla. Da kann man halt nix machen.
Nein, die Menschen sind nicht zwangsl&#228;ufig so, ihr nat&#252;rliches Wesen wurde durch die Erziehung und durch die Anspr&#252;che/Traumata/Traditionen unserer Gesellschaft teilweise und manchmal komplett deformiert. Und erst diese Deformationen - oder Defizite - f&#252;hren bei manchen zum Hass gegen andere und bei manchen zum Hass gegen sich selber. Der Grund, warum sie hassen ist aber derselbe.
&lt;blockquote&gt;Und dass zumindest Menschen wie Hitler, Goebbels, Stalin, Milosevic oder auch jemand so perfides wie Dr. Mengele, eine h&#246;here Veranlagung zum B&#246;sen mitbringen als die durchschnittliche Masse, ist in meinen Augen nicht nur nicht gef&#228;hrlich, sondern notwendig einzusehen.&lt;/blockquote&gt;
M&#246;glich, dass es dann und wann Menschen gibt, die destruktiv geboren werden, vielleicht in etwa der Gr&#246;&#223;enordnung wie die der Geburtenrate Siamesischer Zwillinge. Jedoch k&#246;nnten die paar Destruktiven locker ausgeglichen werden und m&#252;ssten niemals zu 6 Millionen Toten, Folter und Unmenschlichkeit f&#252;hren, wenn die breite Masse endlich begreifen w&#252;rde, das Destruktivit&#228;t - welcher Art auch immer - kein biologisch determinierter menschlicher Wesenszug ist.

Gut, jetzt habe ich mich gef&#252;hlte 180mal wiederholt und bin doch auf vieles nicht eingegangen, auf das ich eingehen wollte. Egal, hier h&#246;re ich erstmal auf. 
Ach so, Jules, in meinem Namen ist wirklich kein e. ;)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo allerseits,</p>
<p>eine Sache, die mir in Bezug auf B&ouml;sartigkeit, und wie sie zustande kommt, ziemlich wichtig erscheint wurde bisher noch gar nicht thematisiert. N&auml;mlich der Blick in andere Gesellschaften als die unsere.<br />
Ich habe schon verschiedentlich &uuml;ber die Beobachtung gelesen, dass es Naturv&ouml;lker gibt, die kaum Aggressionen haben, keinen Konkurrenzdruck, Egoismus oder &auml;hnliches was uns aus unserer Kultur heraus ganz selbstverst&auml;ndlich, ja dem Menschen naturgegeben vorkommt.<br />
Eindrucksvoll im Ged&auml;chtnis geblieben ist mir Arno Gruens Schilderung &uuml;ber einen Jesuitenpater, der im 17. Jhd zur Missionierung im heutigen Kanada unterwegs war. Der Pater klagte &uuml;ber gro&szlig;e Schwierigkeiten bei der Missionsarbeit: <em>Diese Primitiven machen es uns unm&ouml;glich, ihren Kindern etwas beizubringen. Sie lassen nicht zu, dass ihre Kinder gez&uuml;chtigt werden, sie erlauben nur eine einfache R&uuml;ge. (&hellip;) Ich m&ouml;chte die Kinder von ihren Eltern getrennt an einem anderen Ort unterrichten, weil diese Barbaren es nicht aushalten, dass ihre Kinder bestraft oder auch nur gescholten werden. Sie schaffen es nicht, einem weinenden Kind irgendetwas zu verweigern. Sie w&uuml;rden sogar so weit gehen und ihre Kinder bei dem kleinsten Vorwand aus dem Unterricht entfernen.&nbsp; </em><br />
Gruen merkt dazu an: <em>F&uuml;r diese &bdquo;Primitiven&ldquo; war der Schmerz ihrer Kinder eine Richtschnur f&uuml;r elterliches Verhalten. Wir dagegen tun alles, um dem Willen des Kindes keinen freien Lauf zu lassen. Daraus entsteht ein Machtkampf, den wir uns aber nicht eingestehen. Denn er w&uuml;rde uns an unseren eigenen, lange zur&uuml;ckliegenden Schmerz erinnern und uns dazu zwingen, ihn zu erkennen.</em><br />
Dieser Machtkampf erzeugt bereits bei S&auml;uglingen enorme Frustration und das Gef&uuml;hl von Grund auf verkehrt zu sein. Denn urspr&uuml;nglich sind die S&auml;uglinge mit sinnvollen empathischen F&auml;higkeiten und sozusagen in der Erwartung auf die Welt gekommen, dass sie wahrgenommen und liebevoll umsorgt werden. (Die von Mo angemerkten F&auml;lle von pr&auml;nataler Traumatisierung mal au&szlig;en vor gelassen.)<br />
Und eben jene Frustrationen, (die sich in der Regel im Familiensystem ja weiter fortsetzen und selten auf die Missachtung der urspr&uuml;nglichsten Bed&uuml;rfnisse beschr&auml;nkt bleiben) sind es, die in meinen Augen dazu f&uuml;hren k&ouml;nnen, dass ein Mensch psychische Defizite erleidet, sei es dass er depressiv wird, essgest&ouml;rt, sonst wie suchtkrank, autistisch, Borderline usw. &#8211; oder eben &bdquo;b&ouml;se&ldquo;. Welche Defizite das sind und wie stark ausgepr&auml;gt, h&auml;ngt meiner Meinung nach sowohl von der individuellen Pers&ouml;nlichkeit als auch vom Umfeld (famili&auml;ren, wie gesellschaftlich) ab &#8211; ob der Betroffene z.B. stellenweise merken kann und darf, wie sehr missachtet wird usw. Wie der Mensch allerdings als Erwachsener mit seinen Defiziten umgeht liegt vollkommen in seiner Verantwortung.</p>
<p>In der Tat bin ich schon lange von der Meinung abgekommen, Rechtsradikale und sonstige hassverseuchte politische Gruppen w&uuml;rden vor allem eine besonders eklige Form der politischen Ausrichtung vertreten. Sie tragen schlicht und ergreifend ihre psychische St&ouml;rung als Weltbild vor sich her (ebenso wie es Neocons tun, radikale Gl&auml;ubige usw.). Das ist gef&auml;hrlich und widerw&auml;rtig, aber man kann nachvollziehen, wieso sie so werden. W&uuml;rde also die Bereitschaft, nachvollziehen zu wollen, wieso es solche b&ouml;sartigen Menschen gibt in der breiten &Ouml;ffentlichkeit vorherrschen, g&auml;be es &ndash; da bin ich mir sicher &ndash; kein derartiges Problem mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gewalt.<br />
Oder: Immer wenn ein neuer Amoklauf durch die Medien geistert und es in einem Nachsatz zu den Motiven hei&szlig;t: &#8220;Der T&auml;ter war vermutlich auch psychisch krank.&#8221; Da bin ich jedes Mal sprachlos ob so viel geballter Ignoranz. &#8220;Vermutlich auch psychisch krank&#8221;?! Ja, Himmelherrgott, was glauben die denn wieso der Junge Amok lief &ndash; weil er psychisch gesund war?</p>
<p>Seit diese Diskussion hier l&auml;uft ist mir immer wieder aufgefallen, wie h&auml;ufig und selbstverst&auml;ndlich verbreitet wird, westliche Forscher k&ouml;nnten die Natur des Menschen allumfassend mit ihren Versuchen erkl&auml;ren. Sei es in Filmen, Anekdoten unter Freunden, Boulevard-Magazine im Fernsehen, die Vermischtes-Seite in der Zeitung oder sonstige &bdquo;News&ldquo;-Umschlagpl&auml;tze. &bdquo;Forscher haben heraus gefunden, dass&hellip;&ldquo; und dann folgen beliebige menschliche Eigenschaften, die angeblich nat&uuml;rlich determiniert seien.&nbsp; Bspw. sei der Mensch von Natur aus egoistisch, w&uuml;rde attraktive Menschen besser finden (wobei attraktiv symmetrische, von Computern berechnete &bdquo;Sch&ouml;nheit&ldquo; meint), neige generell zum L&auml;stern und Ger&uuml;chte verbreiten, oder eben: Trage schon als kleines Kind Sadismus in sich, denn Forscher fanden heraus es sei eine ganz normale kindliche Entwicklungsstufe, wenn Kinder gerne Tieren qu&auml;lten.<br />
Wie passend: Grad googelte ich, um diese Tierqu&auml;lermeldung mal kurz zu belegen und was fand ich? <a href="http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/specials/101451/index.html">Folgendes</a>: &#8220;Nicht jedes Kind, das dem Familienhund am Schwanz zieht oder die Katze &auml;rgert, wird sp&auml;ter kriminell. Dieses kindliche Ausprobieren ist sogar ein St&uuml;ck weit normal, denn im fr&uuml;hen Alter wissen die Kinder oft noch nicht, dass Tiere Schmerzen empfinden k&ouml;nnen. <em>Die Kinder m&uuml;ssen erst lernen, Empathie f&uuml;r andere Lebewesen aufzubringen.</em>&#8221;<br />
Ja, na toll, da m&uuml;hen sich die gehorsamen Eltern ihrem Kind s&auml;mtliche Empathie abzuerziehen und dann soll der kleine Mensch das alles wieder neu lernen m&uuml;ssen?! An Absurdit&auml;t kaum zu &uuml;berbieten.<br />
Solche blindfleckigen &bdquo;Erkenntnisse&ldquo;, besonders deren gedankenlose Verbreitungen, strotzen vor (vermutlich oft unbewusster) Arroganz. Denn sie lassen keinen Raum f&uuml;r andere Gesellschaften und Lebensweisen, es wird stur vorausgesetzt unsere oberfl&auml;chliche, streng hierarchische Leistungsgesellschaft sei die einzig m&ouml;gliche Lebensweise. Hingegen w&uuml;rde ein Blick auf die wenigen heute noch existenten Naturv&ouml;lker zeigen, dass es sehr wohl Gesellschaften gibt, die gr&ouml;&szlig;tenteils frei von Frustration sind und somit auch sehr friedlich und gl&uuml;cklich. Wie z.B. Jean Liedloff in <a href="http://www.amazon.de/verlorenen-Zerst%C3%B6rung-unserer-Gl%C3%BCcksf%C3%A4higkeit-Kindheit/dp/340645724X/ref=pd_bbs_sr_1/303-6092886-5237814?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1193090823&#038;sr=8-1">ihrer Feldstudie</a> bei den Yequana-Indianern in Venezuela beobachtet und dokumentiert hat.<br />
Ich halte die Vorstellung, der Mensch sei nat&uuml;rlicherweise &ndash; zumindest in Ans&auml;tzen &#8211; sadistisch/b&ouml;se/unempathisch (wie auch immer man das nennen will) f&uuml;r eine ideologische Meisterleistung, sie ist nicht totzukriegen. Wurde sie Jahrtausende lang religi&ouml;s begr&uuml;ndet, versuchen heute viele Wissenschaftler zum einen Gef&uuml;hle auf plumpe Gehirnstr&ouml;me zu reduzieren, zum anderen unangenehme Auspr&auml;gungen der zwischenmenschlichen Interaktion, wie Egoismus, Oberfl&auml;chlichkeit, Dem&uuml;tigung anderer und fehlende Empathie, als naturgegeben zu zementieren. Und damit verunm&ouml;glichen sie es verschiedene Auspr&auml;gungen und Entwicklungen von ein und demselben Problem zu verstehen. Dieses Problem l&auml;sst sich meines Erachtens als das Fehlen jeglicher Empathie gegen&uuml;ber den urspr&uuml;nglichen menschlichen Bed&uuml;rfnissen zusammenfassen.<br />
&nbsp;<br />
Wie weit dieses Fehlen von Empathie in der deutschen Gesellschaft verbreitet ist, hat mir im vergangenen Jahr der Jubelsturm bewiesen, der wegen Bernhard Buebs (ein Theologe, der aus Kolonialherrschaftsfamilie stammt) <a href="http://www.amazon.de/Disziplin-Eine-Streitschrift-Bernhard-Bueb/dp/3471795421/ref=pd_bbs_sr_1/303-6092886-5237814?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1193091354&#038;sr=8-1">Lob der Disziplin</a> aufbrandete. Feuilletonisten waren sich einig und die meisten Deutschen stimmten mit ein: Endlich sollte mit dem 68er-Mist Schluss sein und endlich gab es da einen vern&uuml;nftigen, besonnen Mann, <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bernhard_Bueb&#038;oldid=36721288#Zitate">der Sachen sagte, wie</a>: &#8220;Ein Kind braucht Unterordnung, um die Freiheit zu finden.&#8221; Oder: &#8220;Es ist der Natur des Menschen gem&auml;&szlig;, dass er lange Zeit bereit ist, sich unterzuordnen.&#8221; Oder: &#8220;Jede Generation von Babys gleiche einem Einfall von Barbaren, hat Sigmund Freud einmal festgestellt. Ihnen mangelt es an Kultur, Einsichtsf&auml;higkeit und Disziplin. Zu ihrer Kultivierung bedarf es einer klaren Autorit&auml;t und der Bereitschaft, Unterordnung zu fordern.&#8221;<br />
In Deutschland Anno 2006 sind es solche S&auml;tze, die der Mehrheit aus dem Herzen sprechen. Und ganz ehrlich, das macht mir Angst. Besonders in Hinblick auf die rasant wachsende Islamophobie (und sonstige Menschenfeindlichkeit), in Anbetracht unserer vulg&auml;rkapitalistischen Eliten und dem erschreckend ausgepr&auml;gten Anpassungswillen der jungen Generation.<br />
So, das erst mal ganz allgemein noch zum Thema. </p>
<p>Dann will ich aber noch mal zur&uuml;ck zu deinem langen Text kommen, Jules.<br />
Du hast geschrieben, dass du annimmst, die meisten, die vom &bdquo;guten Menschen&ldquo; ausgehen, seien sicherlich welche mit einem schicken &bdquo;bruchlosen&ldquo; Leben.<br />
Tja, nun, auch wenn du in deinen Antworten durchaus zum Ausdruck brachtest, ich sei wohl ein dusseliges Gutmenschchen, das gar nicht aus Erfahrung sprechen k&ouml;nne, muss ich dich entt&auml;uschen.<br />
Sadismus, Selbstmorde, Alkoholismus, Depressionen, Essst&ouml;rungen, Verleugnung, Gewalt, Selbsthass, Isolation, Borderline, Psychosen, Menschenhass, Masochismus. Alles Worte die meine Familiengeschichte und Lebenserfahrung umrei&szlig;en. Das klingt jetzt zwar pathetisch, aber so gro&szlig;e Worte sind mir lieber als ins Detail zu gehen.<br />
Jedenfalls, bin ich gerade deshalb sicher, dass es keine b&ouml;se geborenen Menschen gibt. Denn bei allen Sadisten, Als-Ob-Menschen und Arschl&ouml;chern die mir untergekommen sind, war keiner dabei, dessen Geschichte nicht Aufschluss dar&uuml;ber gab, wieso er so geworden ist.<br />
Und deine Annahme, alle anderen hier in der Runde haben ein wolkenweiches Pluschelleben, nur du habest gehaltvolle Erfahrungen gemacht und k&#246;nntest beurteilen worum es geht, finde ich &#8211; nun ja &#8211; ein wenig &uuml;berheblich. <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
<blockquote><p>Und hierbei sind es nicht die Irren, die Kranken, die Verr&uuml;ckten, die mir Angst machen &#8211; sondern gerade die gew&ouml;hnlichen, die &quot;normalen&quot; Menschen, die braven B&uuml;rger, die einfach zu stumpf oder unreflektiert sind, um zu hinterfragen, was sie tun, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet.</p></blockquote>
<p>Ja, in der Tat, das sind die, die Hitler gro&szlig; machten, die, mitverantwortlich sind, dass die EU eine Diktatur wird, die, die zulassen, das wir bald unter Total-&Uuml;berwachung stehen. Und vor allem das sind die Irren, Kranken, Verr&uuml;ckten, vor denen man Angst haben muss, denn ihre Gleichg&uuml;ltigkeit ist in der Masse mindestens so gef&auml;hrlich wie ausf&uuml;hrende Gewalten es nur sein k&ouml;nnen.<br />
Aber all diese gleichg&uuml;ltigen, mit dem Aggressor identifizierten, strebsamen, egoistischen Menschen m&uuml;ssten meines Erachtens nicht so sein. W&uuml;rden sie nicht am Anfang ihrer Entwicklung gezwungen ihre Inneres zu zerhackst&uuml;cken, um die allzu fadenscheinige F&uuml;rsorge der Eltern zu bekommen. </p>
<p>Ganz allgemein:<br />
Ich finde es ist ein riesiger Unterschied zu sagen: Manche werden eben b&ouml;se geboren. Und: In uns allen steckt nat&uuml;rlicher Sadismus aka innerer Schweinehund, der ab und an entfesselt wird.<br />
Oder: Jeder Mensch reagiert anders auf ein Trauma und manche werden im Laufe dieser Reaktion eben b&ouml;sartig. </p>
<blockquote><p>Wenn ein missbrauchter, schwer traumatisierter Mann seine P&auml;dophilie auslebt, ist das etwas anderes, als wenn jemand sich aus purem Machtrausch dazu entschlie&szlig;t, kleine Kinder zu qu&auml;len.</p></blockquote>
<p>Das ist in meinen Augen einer der Knackpunkte, wegen denen wir die ganze Zeit aneinander vorbei schreiben. Du setzt in vielen F&#228;llen voraus der Mensch war schon so. Wie in diesem Fall es g&auml;be bei manchen Menschen &ndash; warum auch immer &ndash; ein nat&uuml;rliches Machtbed&uuml;rfnis. Deine Vorraussetzung kann ich weder aus eigener Erfahrung, noch durch sonstiges Wissen best&auml;tigen. Jedem mir bekannten Machtstreben liegt das Gef&uuml;hl der eigenen Minderwertigkeit zugrunde. Und auch die Behauptung es g&auml;be Sadisten die nicht selber als Kinder gequ&auml;lt wurden ist, so weit ich wei&szlig;, unhaltbar.<br />
Im &Uuml;brigen w&uuml;rde es in der Frage der Verantwortung auch keinen Unterschied machen ob der P&auml;dophile selber missbraucht wurde oder nicht. Denn Fakt ist, er ist zum T&auml;ter geworden und also verantwortlich f&uuml;r sein Verhalten und schuldig f&uuml;r das Leid, das er verursacht. </p>
<p>Verstehst du Jules, es geht mir weder darum, den von dir so genannten inneren Schweinehund (btw: ich halte dieses Wort f&uuml;r einen linguistischen Rotz der Leistungsgesellschaft)&nbsp; zu entschuldigen, auch nicht Hitler wegen seiner Kindheit zu bemitleiden oder gar zu verharmlosen.<br />
Aber was mir insgesamt sauer aufst&ouml;&szlig;t &#8211; du bist in dem Fall die vor der ich es &auml;u&szlig;ern kann, weil du zur Diskussion bereit bist &#8211; ist dieser gleichg&uuml;ltige, plumpe Konsens unserer Gesellschaft: Manche sind halt b&ouml;se, manche depressiv, manche bindungsunf&auml;hig blablabla. Da kann man halt nix machen.<br />
Nein, die Menschen sind nicht zwangsl&auml;ufig so, ihr nat&uuml;rliches Wesen wurde durch die Erziehung und durch die Anspr&uuml;che/Traumata/Traditionen unserer Gesellschaft teilweise und manchmal komplett deformiert. Und erst diese Deformationen &#8211; oder Defizite &#8211; f&uuml;hren bei manchen zum Hass gegen andere und bei manchen zum Hass gegen sich selber. Der Grund, warum sie hassen ist aber derselbe.</p>
<blockquote><p>Und dass zumindest Menschen wie Hitler, Goebbels, Stalin, Milosevic oder auch jemand so perfides wie Dr. Mengele, eine h&ouml;here Veranlagung zum B&ouml;sen mitbringen als die durchschnittliche Masse, ist in meinen Augen nicht nur nicht gef&auml;hrlich, sondern notwendig einzusehen.</p></blockquote>
<p>M&ouml;glich, dass es dann und wann Menschen gibt, die destruktiv geboren werden, vielleicht in etwa der Gr&ouml;&szlig;enordnung wie die der Geburtenrate Siamesischer Zwillinge. Jedoch k&ouml;nnten die paar Destruktiven locker ausgeglichen werden und m&uuml;ssten niemals zu 6 Millionen Toten, Folter und Unmenschlichkeit f&uuml;hren, wenn die breite Masse endlich begreifen w&uuml;rde, das Destruktivit&auml;t &#8211; welcher Art auch immer &#8211; kein biologisch determinierter menschlicher Wesenszug ist.</p>
<p>Gut, jetzt habe ich mich gef&uuml;hlte 180mal wiederholt und bin doch auf vieles nicht eingegangen, auf das ich eingehen wollte. Egal, hier h&ouml;re ich erstmal auf.<br />
Ach so, Jules, in meinem Namen ist wirklich kein e. <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Jules</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2316</link>
		<dc:creator>Jules</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 22:25:58 +0000</pubDate>
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		<description>Danke. Ich f&#252;hlte mich nicht &quot;als Person&quot; angegriffen, sondern ich war lediglich besorgt, dass ihr hinter meiner Argumentation irgendwen Radikales oder Gef&#228;hrliches vermuten k&#246;nntet. Das wollte ich nur klar stellen. Ich m&#246;chte auch niemaden von seiner Meinung abbringen, um Gottes Willen. -Es macht halt Spa&#223;. ;-)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke. Ich f&uuml;hlte mich nicht &quot;als Person&quot; angegriffen, sondern ich war lediglich besorgt, dass ihr hinter meiner Argumentation irgendwen Radikales oder Gef&auml;hrliches vermuten k&ouml;nntet. Das wollte ich nur klar stellen. Ich m&ouml;chte auch niemaden von seiner Meinung abbringen, um Gottes Willen. -Es macht halt Spa&szlig;. <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: maloXP</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2315</link>
		<dc:creator>maloXP</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 14:03:19 +0000</pubDate>
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		<description>Zur &quot;stalinistischen&quot; jungen Welt nur kurz: Im Zuge des arg skandalisierten Gru&#223;worts von Christian Klar an die Rosa-Luxemburg-Konferenz Anfang des Jahres lie&#223; sich der K&#246;lner Stadtanzeiger dazu hinrei&#223;en, die jW n&#228;mlich genau so zu nennen. Das fand ich so lustig, dass ich das von Zeit zu Zeit ironisch einflie&#223;en lasse. No Offense. Das gilt &#252;brigens auch f&#252;r den Rest der Diskussion. Ich glaube, niemand will dich hier an ein Kreuz nageln oder so. Es geht doch um die Sache. In dem Sinne f&#228;nd ich es sogar gut, wenn noch mehr Leute, die deiner Meinung sind hier mitdiskutierten. Ich f&#252;r meinen Teil habe mich etwas (im Sinne von: nicht viel, aber durchaus mehr als z.B mit Ottomotoren und Photosynthese) mit dem Thema besch&#228;ftigt und habe eine bestimmte Meinung, die ich hier vertrete. Das hat aber nix mit dir als Person zu tun.

Zum Rest sp&#228;ter was.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zur &quot;stalinistischen&quot; jungen Welt nur kurz: Im Zuge des arg skandalisierten Gru&szlig;worts von Christian Klar an die Rosa-Luxemburg-Konferenz Anfang des Jahres lie&szlig; sich der K&ouml;lner Stadtanzeiger dazu hinrei&szlig;en, die jW n&auml;mlich genau so zu nennen. Das fand ich so lustig, dass ich das von Zeit zu Zeit ironisch einflie&szlig;en lasse. No Offense. Das gilt &uuml;brigens auch f&uuml;r den Rest der Diskussion. Ich glaube, niemand will dich hier an ein Kreuz nageln oder so. Es geht doch um die Sache. In dem Sinne f&auml;nd ich es sogar gut, wenn noch mehr Leute, die deiner Meinung sind hier mitdiskutierten. Ich f&uuml;r meinen Teil habe mich etwas (im Sinne von: nicht viel, aber durchaus mehr als z.B mit Ottomotoren und Photosynthese) mit dem Thema besch&auml;ftigt und habe eine bestimmte Meinung, die ich hier vertrete. Das hat aber nix mit dir als Person zu tun.</p>
<p>Zum Rest sp&auml;ter was.</p>
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	<item>
		<title>Von: mo</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2313</link>
		<dc:creator>mo</dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 13:34:04 +0000</pubDate>
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		<description>@jules:

erstmal vielen dank f&#252;r deine ausf&#252;hrliche antwort - und vor allem daf&#252;r, dass du deine pers&#246;nlichen erfahrungen sehr transparent gemacht hast, was das verst&#228;ndnis deiner argumentation zumindest f&#252;r mich leichter nachvollziehbar macht. ich werde vermutlich leider einige tage brauchen, um meinerseits zu antworten - aber ich werde antworten.

bis dahin.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@jules:</p>
<p>erstmal vielen dank f&uuml;r deine ausf&uuml;hrliche antwort &#8211; und vor allem daf&uuml;r, dass du deine pers&ouml;nlichen erfahrungen sehr transparent gemacht hast, was das verst&auml;ndnis deiner argumentation zumindest f&uuml;r mich leichter nachvollziehbar macht. ich werde vermutlich leider einige tage brauchen, um meinerseits zu antworten &#8211; aber ich werde antworten.</p>
<p>bis dahin.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: Jules</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2309</link>
		<dc:creator>Jules</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Oct 2007 23:52:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2309</guid>
		<description>Hi guys. 

In der Hoffnung, dass das hier noch jemanden interessiert, bin ich jetzt hier im Caf&#233; mit extra viel Zeit &amp; extra viel Geld, um euch anst&#228;ndig zu antworten. 

Zuvor habe ich jedoch das Bed&#252;rfnis, einiges loszuwerden. 
Erstens: Danke f&#252;r&#160;eure Beitr&#228;ge, es macht Spa&#223; mit euch, auch wenn ich einen derartigen Sturm im Wasserglas wahrlich nicht erwartet habe. 

Zweitens: ACHTUNG - ich glaube, dieser Beitrag wird &lt;em&gt;extrem lang&lt;/em&gt;. 
Wenn jemand das Bed&#252;rfnis hat, mit mir weiterzudiskutieren und sich dabei auf meine Ansichten zu beziehen, m&#246;chte ich denjenigen bitten, sich vorher wirklich alles durchzulesen, wie ich es selbstverst&#228;ndlich auch bei euch tue. Ich hatte das Gef&#252;hl bei dir, Mo, dass du es dir recht leicht gemacht hast, indem du nur auf den j&#252;ngsten kurzen Kommentar eingegangen bist. Er ist so kurz und patzig ausgefallen, weil ich nerv&#246;s war, ich dachte, wenn ich mich noch weiter &#252;ber dieses OT-Thema auslasse, schmei&#223;t mich MaloXP raus. Sorry. 

Drittens: 
Ich muss ehrlich sagen, ich f&#252;hle mich hier ein wenig ans Kreuz geschlagen aufgrund meiner Ansichten &amp; wage daher zu vermuten, dass der Vehemenz des Widerspruchs eine gewisse Angst - oder sagen wir: Vorsicht zugrunde liegt. Ich habe das Gef&#252;hl, es ist gar nicht so sehr meine Argumentation, gegen die ihr Sturm lauft, sondern es ist, als w&#252;rdet ihr bef&#252;rchten, ich geh&#246;rte zu denen, die hier normalerweise &quot;auf der anderen Seite&quot; stehen. 
Deshalb ist es mir wichtig, hier einmal etwas klar zu stellen, auch wenn ich daf&#252;r die Grenze zum Privaten &#252;berschreiten muss: 
Ich bin eine 100%ige Pazifistin und eine absolute Gegnerin der Todesstrafe. Ich rechnete mich noch nie einer politischen Richtung zu, sondern habe mir die skeptische Distanz zu allem Ideologischen als Leitfaden und Maxime auserkoren. Am ehesten sehe ich mich als Demokratin, wenn schon eine Begrifflichkeit hermuss. Weil ich Halbrussin bin, haben beide Seiten meiner Verwandschaft unter grausamen Regimen gelitten, mein Gro&#223;vater v&#228;terlicherseits kam in einem Gulag ums&#160;Leben, mein Vater wurde als Dissident vom KGB mehrfach verh&#246;rt und ausspioniert (weshalb ich &#252;brigens bei Hinweisen wie den auf die &quot;junge stalinistische Zeitung&quot;, MaloXP, arg zusamenzucke, nur nebenbei). 
&lt;em&gt;Aus den Ansichten, die ich hier dargelegt habe, erw&#228;chst also weder tats&#228;chlich noch ideell (bez&#252;glich auf meine private Person) etwas Radikales, Bedrohliches, Gef&#228;hrliches, &lt;/em&gt;falls das irgend jemand hier bef&#252;rchtet hat. Ich hatte das Bed&#252;rfnis, das einmal zu sagen. 

Weiterhin ist es mir enorm wichtig, klar zu stellen, dass ich KEINE psychologischen Grundlektionen &#224; la &quot;T&#228;ter-Identifikation&quot; ben&#246;tige, weil ich wirklich die LETZTE bin, die die Psychologie als Wissenschaft in Frage stellt oder nicht begreift. Darum ist es mir nie gegangen, ich habe auch versucht, das von Anfang an klar zu stellen.&#160;

Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr in psychotherapeutischer Behandlung, es fing an als eine Auflage von der Schule;&#160;ich setzte sie fort, weil sie mich &#252;berzeugt hat. Ich glaube an die Psychologie als Wissenschaft und an ihre Effizienz wie sonst niemand, den ich kenne. Man muss mir nicht die psychologischen und psychosozialen (Wiederholungs-)Mechanismen innerhalb eines Menschen oder eines gesellschaftlichen Systems auseinanderpfl&#252;cken. Ich bin reflektiert genug, um nicht durch die Welt zu laufen und jeden, der mir &lt;em&gt;aua &lt;/em&gt;macht, als &quot;b&#246;se&quot; einzustufen. So einfach mache ich es mir nicht. 
Und um eine Negierung des psychologischen Aspektes, um eine Negierung der Tatsache, das Menschen oft so gemacht werden, wie sie sind, durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, dass es eine nachvollziehbare Geschichte geben kann, ist es mir nie gegangen, ich betone das NOCHMAL. Und ich m&#246;chte nicht, dass man meine Beitr&#228;ge unter diesem Aspekt liest. Vielleicht habe ich mich auch nicht exakt genug ausgedr&#252;ckt. 

Weiter m&#246;chte ich einen ebenfalls grunds&#228;tzlichen Standpunkt von mir darstellen: Ich habe noch NIE, noch NIE IN MEINEM LEBEN ein philosophisches Fachbuch gelesen. Einerseits steckt da die vielleicht paranoid angehauchte Vorstellung dahinter, dass etwas Fremdes meinen Kopf okkupieren k&#246;nnte, andererseits lege ich zuviel Wert darauf, mir meine eigenen Gedanken zu machen, anstatt die eines anderen in mich hineinzuschlingen und zu &#252;bernehmen. Ich kann psychologische Fachb&#252;cher lesen oder Biografien oder B&#252;cher &#252;ber Kunstgeschichte, aber ich glaube, ich werde es nie fertig bringen, ein rein philosophisches Werk zu lesen, weil ich nicht m&#246;chte, dass irgend jemand mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: &quot;Darauf bist du nicht selber gekommen, du hast das &amp; das Buch gelesen&quot;. Ich lese haupts&#228;chlich LITERATUR, weil ich die Vermutung hege, dass das Erbe an Kunst auf dieser Welt weitaus Weiseres, Tiefgr&#252;ndigeres, Scharfsinnigeres und Interessanteres &#252;ber sie zu offenbaren hat als die kompaktisierten Ansichten Einzelner. Deshalb sind die Links f&#252;r mich auch nur bedingt interessant, weil ich so den Eindruck habe, jemand m&#246;chte sich vor einer selbst herbeigef&#252;hrten Einsicht/Erkenntnis dr&#252;cken. Ich behaupte nicht, dass das der Fall ist, ich will damit eigentlich nur sagen, ihr k&#246;nnt euch die ganzen Theorie-Links eigentlich sparen - selbst wenn ich mir alle diese Texte durchlesen w&#252;rde, w&#252;rde das kaum etwas &#228;ndern, weder an meiner Meinung, die auf Erfahrung beruht, noch am Stand der Diskussion. Allenfalls honoriere ich sie als interessante Anregungen. 
Ein bisschen unfair ist es auch, weil ich nat&#252;rlich keine Denker kenne, die meine Ansicht untermauern, geschweige denn wei&#223;, wo man nach ihnen suchen muss und wie man einen Link setzt. Ich kann nur &lt;em&gt;vermuten&lt;/em&gt;, dass mir Nietzsche und Sartre zustimmen w&#252;rden, w&#252;rde euch das als Antwort-Namedropping reichen? 

Ok. Jetzt zum Wesentlichen. 
Liebe(r?) Mo, 
mir hat deine Argumentation bez&#252;glich der Verantwortungsf&#228;higkeit gefallen, auch wenn ich mit dem Fazit, das daraus zu ziehen ist, nicht &#252;bereinstimme. 
Zun&#228;chst einmal l&#228;sst sich etwas wie Verantwortung oder Verantwortlichkeit nicht mit einer unbeeinflussbaren nat&#252;rlichen Gewalt vergleichen. Dass jeder erwachsene Mensch, der seines Verstandes m&#228;chtig ist, eine Verantwortung f&#252;r seine Taten zu tragen hat, habe nicht ich mir ausgedacht, sondern darauf basiert das menschliche Zusammenleben, seit es so etwas wie menschliche Kultur gibt. Mag sein, dass du mit den internen Mechanismen, nach denen diese Kultur funktioniert, nicht einverstanden bist, aber deswegen jedem Menschen eine Grundverantwortung abzusprechen, finde ich meinerseits nicht nur gef&#228;hrlich, ich finde das fatal (und beachtlich, dass hier keiner darauf eingeht). Wenn man sich deinen Beitrag durchliest, k&#246;nnte man zu dem Schluss gelangen, kein Mensch, der nicht aus einer innerlich &amp; &#228;u&#223;erlich v&#246;llig intakten Umgebung hervorgeht, sei irgendwie f&#252;r irgendetwas zur Verantwortung zu ziehen. Und wenn man, sagen wir, einem Menschen wie Hitler zugesteht, dass er nicht verantowortlich f&#252;r seine Taten ist, weil, sagen wir, sein Papi fr&#252;h abgehauen ist und seine Mami ihn ungesund erzogen hat und er ein kleiner Loser war, impliziert das zwei Dinge: Erstens: &quot;Aus diesen Gr&#252;nden war er - und zwar wie die Nacht dem Tage folgen muss - GEZWUNGEN, 6 Millionen Juden zu ermorden, weil er nicht anders konnte. &quot; (Das finde ICH gef&#228;hrlich.) Und zweitens: Einem anderen Kerl, dem ebenfalls der Papi fr&#252;h abgehauen ist und der von seiner Mami ungesund erzogen wurde und sp&#228;ter ein kleiner Loser war, muss man demnach auch jede Verantwortung absprechen f&#252;r alles, was er getan hat - und was ist mit Menschen, die etwas Schlimmeres erlebt haben? Darauf hat mir keiner von euch eine wirklich &#252;berzeugende Antwort geliefert. 
(Jeder, der kein Hitler wurde, hat schlicht Gl&#252;ck gehabt, nur er allein einfach zu viel Pech, kein funktionierendes soziales Netz? Unbefriedigend. Ich komme &#252;brigens immer mit Hitler, weil&#160;an Extremen, die jeder kennt,&#160;leichter zu erkl&#228;ren ist, was ich meine.)
Mag sein, dass das System schei&#223;e ist, aber wir sitzen immerhin alle mehr oder weniger im selben Boot dadurch, dass JEDER ein Kind des Systems ist, und ebenso hat JEDER eine Verantwortung zu tragen, und ohne Verantwortung funktioniert die Gesellschaft nicht. Vielleicht m&#252;ssen die Wertigkeiten der Verantwortung anders verteilt werden, aber egal, wie wir sie verteilen, man wird nicht um sie herumkommen. 
Mag sein, dass es Menschen gibt, die ihre Verantwortung nicht als solche begreifen (k&#246;nnen), trotzdem haben sie sie zu tragen (es sei denn nat&#252;rlich, sie sind geistig umnachtet). 

Wenn du findest, meine Argumentation laufe auf eine Absolution aller krankmachenden gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisse aus, hast du mich ganz sicher falsch verstanden. Ich vertrete meine Ansicht, wie bereits oben dargelegt, in &lt;em&gt;keinen ideologischen Kontext &lt;/em&gt;eingebettet, sondern ziehe lediglich eine Lehre aus meiner pers&#246;nlichen Erfahrung, die mir kein Sachbuch dieser Welt herausargumentieren kann. Ich versuche die Welt und die Menschen m&#246;glichst realistisch zu sehen, wobei &quot;realistisch&quot; die Konsequenz aus der Summe s&#228;mtlicher von mir gemachter, aktiver wie passiver Erfahrungen bedeutet. 
Da w&#228;ren wir auch schon beim Wichtigsten Punkt: 
ICH &quot;vergesse&quot; alle Autoaggressiven, Mo??? (Was immer du damit meinst...) &lt;em&gt;Muahahahahaaaa!... &lt;/em&gt;
Das w&#228;re sehr seltsam, ich war n&#228;mlich insgesamt fast ein halbes Jahr station&#228;r wegen SVV und trage aktuell einen Verband, weil mein letzter Schnitt aus Versehen so tief ging, dass er gen&#228;ht werden musste. (Willste&#039;n Foto?) &lt;em&gt;*mich out*&lt;/em&gt;
(Oh BITTE, wenn das jemand vorhat, erspart mir eitle Pseudo-Analysen meiner Person, weil ich mich n&#228;mlich schon bis zum Erbrechen mit mir, der Krankheit im Allgemeinen und ihrem Bezug auf mich besch&#228;ftigt habe, au&#223;erdem w&#228;re das billig. Nehmt einfach mal an, dass ich trotzdem ein objektiv denkender Mensch sein kann, ok?) 
Wie du schon sagst, krepieren wir, ohne wen gro&#223; zu st&#246;ren (au&#223;er vielleicht euch, hier ;-) ), und ich&#160;vergesse dieses Element nicht nur nicht, sondern &lt;em&gt;ich gehe davon aus&lt;/em&gt;. Es gibt Menschen, die Entsetzliches durchmachen, aber die Aggressionen lieber gegen sich selber richten, ob bewusst oder unbewusst, anstatt jemanden fertig zu machen. Da rede ich durchaus nicht in erster Linie von mir. Ich habe einfach schon zu viel gesehen. 
Ich nehme mal ganz dreist an, dass die meisten hier ein absolut anderes Leben f&#252;hren &amp; gef&#252;hrt haben, als ich es tue. Und ich habe die Theorie, dass Menschen mit einem, sagen wir... eher &lt;em&gt;bruchlosen &lt;/em&gt;Lebensweg &#246;fter dazu neigen, die Ansicht vom gut geborenen&#160;Menschen zu vertreten, als Menschen, die wirklich realen Kontakt hatten mit dem, was wir hier das B&#246;se oder die dunkle Seite des Menschen nennen. Aus der sicheren intellektuellen Ferne dar&#252;ber Theorien aufzustellen ist nat&#252;rlich einfach. W&#228;re ich geh&#228;ssig, k&#246;nnte ich sagen, Menschen, denen noch niemals etwas Schlimmeres passiert ist, als dass sie von der Freundin sitzengelassen wurden oder der narzisstische Professor sie mal ungerecht benotet hat, k&#246;nnen meinen Standpunkt gar nicht nachvollziehen. Aber ich bin nicht geh&#228;ssig, sondern ich bin &#252;berzeugt davon, dass hier viele sehr intelligente, umseitig gebildete und gutherzige Menschen zusammen kommen, die an die M&#246;glichkeit einer &quot;guten Welt&quot; glauben wollen. Daran, dass, wenn man es nur schaffen w&#252;rde, &#252;ber einige Generationen hinweg Kinder absolut perfekt und liebevoll zu erziehen, dass es dann nichts Schlechtes auf der Welt g&#228;be. Wenn ihr das glauben k&#246;nnt, bitte tut das. Vielleicht brauchen wir genau das. 
Ich kann das nicht mehr und daran wird kein Link etwas &#228;ndern. Ich bin durchaus bereit, etwas dazuzulernen, wenn ich den Eindruck habe, dass der Autor eines Buches eine tiefere Einsicht hat, intensivere Erfahrungen gemacht, sich mehr Gedanken gemacht hat als ich - ich revidiere und erweitere oft meine Meinungen durch B&#252;cher, die ich lese, aber kein Buch und keine Argumentation hat es je geschafft, mich davon zu &#252;berzeugen, dass das B&#246;se nicht im Menschen selbst liegt. (Ja, Buffy, MaloXP ;-) - deshalb hasse ich die 7. Staffel so leidenschaftlich, weil ich dieses typisch amerikanische Unterhaltungs-M&#228;rchen vom gro&#223;en, b&#246;sen B&#246;sen, das immer nur von au&#223;en kommt, mittlerweile nicht mehr sehen kann. Es gibt einen&#160; Satz in dieser Staffel, der eigentlich ihre gesamte wacklige Logik aufheben m&#252;sste, w&#252;rde er wirklich so gemeint sein, da sagt das manifestierte B&#246;se: &quot;Du kannst mich nicht besiegen, ich werde immer da sein, ich bin &#252;berall, ich bin in jedem Kopf, in jedem Herzen, in jedem menschlichen Gedanken und in den Tr&#228;umen jedes Kindes&quot; oder so &#228;hnlich.) 
MaloXP: Ich wurde zu meinem Standpunkt nicht intellektuell &quot;verf&#252;hrt&quot;, falls das noch nicht klar geworden ist, sondern ich musste mich meinen Erfahrungen beugen. Im Gegenteil, ich habe lange versucht, mich vom Gegenteil zu &#252;berzeugen. 
Mo: Gerade WEIL ich viele viele Menschen und Lebenswege kenne, die wirklich unter Grausamkeit zu leiden hatten, und weil ich wei&#223;, wie unterschiedlich sich die Menschen daraufhin nicht nur entwickeln, sondern welch unterschiedliche ENTSCHEIDUNGEN sie treffen, gerade deswegen br&#252;lle ich: Verantwortung. Ja, das tue ich. 
MaloXP: Du gehst das Ganze so herrlich trocken an. 
Wozu sollte es das B&#246;se geben? Evotionsbiologisch unlogisch? Mag sein, aber was am Menschen ist bitte evotionsbiologisch logisch (- logisch :-) )au&#223;er das, was wir mit dem Tier gemein haben? Wenn wir logisch w&#228;ren, w&#228;ren wir keine Menschen, wir w&#228;ren nur eine weitere Tierart. Wieso ist es f&#252;r die normale, gesunde Entwicklung des unber&#252;hrten blauen Planeten &#252;berhaupt &quot;n&#246;tig&quot; gewesen, dass wir entstehen? Wozu ist Phantasie n&#246;tig? Warum ist es n&#246;tig, dass Menschen sich Dinge vorstellen, die sie nie gesehen oder erfahren haben? Auch Einf&#252;hlunsgverm&#246;gen geh&#246;rt in diese Kategorie. Wozu gibt es Genussf&#228;higkeit? Die seelische und geistige Genussf&#228;higkeit? Warum ist es n&#246;tig, dass ein paar jungen Leuten, die besser daran w&#228;ren, sich zu paaren und sich&#160;mit Nestbau zu besch&#228;ftigen, einer abgeht, wenn sie virtuell und anonym miteinander &#252;ber v&#246;llig unn&#246;tige Fragestellungen diskutieren? Warum hat der weibliche K&#246;rper vorne diesen winzigen magsichen Knopf, der erwiesenerma&#223;en KEINE ANDERE FUNKTION HAT au&#223;er die, die Frau in (an sich v&#246;llig unn&#246;tige) k&#246;rperliche Extase zu versetzen? Meiner bescheidenen Meinung nach sind das die Dinge, die uns vom Tier unterscheiden - und auch unterscheiden sollen. Es ist &quot;Luxus&quot;, wenn du so willst - Kreativit&#228;t, Phantasie, Vorstellungsverm&#246;gen und Genussf&#228;higkeit sind Luxusartikel, sie wurden uns geschenkt, als Dreingabe sozusagen, und mit ihrer Hilfe sind wir im Stande, Wundervolles zu schaffen, und ebenso Schreckliches. Beide Veranlagungen tr&#228;gt der Mensch, davon bin ich fest &#252;berzeugt, in sich, und das macht ihn zu diesem r&#228;tselhaften, ambivalenten Wesen, das er ist. Wozu wir &#252;berhaupt da sind und ob unser eigentlicher Zweck nicht darin besteht, einen Seinsabschnitt zu durchlaufen, der in einer letztendlichen Selbstzerst&#246;rung m&#252;nden soll, wird niemand ergr&#252;nden, niemand beweisen k&#246;nnen. Woher wei&#223;t du, dass die Selbstzerst&#246;rung nicht von Anfang an impliziert ist, dass das B&#246;se nicht gerade deshalb da ist, damit die Menschen sich damit irgendwann selbst ausl&#246;schen? (Gut, ich sehe schon, das artet ein bisschen aus. Ist vielleicht nicht der richtige Ort. Weites Feld.)
Ich m&#246;chte, um auf dich einzugehen, noch einmal betonen, dass ich niemals die Korrelation von Mensch und Umwelt, ich habe nichts gegen die psycho-physischen Gesetzm&#228;&#223;igkeiten vorgebracht, und ich leugne keineswegs, dass Aggressoren oft &#160;ein Defizit haben. 
(You still miss the point.)
Auch wollte ich nicht sagen, dass belletristische B&#252;cher Antworten &#160;geben (das sollen sie auch gar nicht), sondern betone nochmals, dass ich lediglich meine Weltsicht in ihnen wiederfinde. Ich kann hier noch einmal Humbert Humbert anf&#252;hren - das Beachtliche dieser Figur ist, dass es zwar einen Vorfall in seiner Kindheit gab, der ihn zum P&#228;dophilen machte - der wichtige Unterschied jedoch ist, dass er NICHT irgendwie versucht, dagegen anzuk&#228;mpfen oder aus Frust zum Alkoholiker wird - nein, er BESCHLISST, diesem Verlangen nachzugeben, und zwar von Anfang an. Er steht morgens mit dem Vorsatz auf, irgendwann dieses M&#228;dchen zu ficken. Und der Punkt ist: Es ist nicht unrealistisch. Ich glaube nicht, dass jemand es liest und dann behaupten k&#246;nnte: &quot;Ach, solche Leute gibt es ja gar nicht&quot;. Das ist es, was man aus Kunst lernen kann. Oder was ich daraus lerne. Manchmal, ein oder zwei Mal, habe ich tats&#228;chlich kurz etwas wie Mitleid mit diesem Menschen gehabt, aber Nabaokov l&#228;sst (meisterhaft, &#252;brigens) die ganze Zeit keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einem absoluten Scheusal zu tun haben, der auch anders handeln k&#246;nnte, wenn er wollte. DAS ist es, was ich mit Verantwortung meine. 
Bei dem &quot;M&#228;dchenorchester von Auschwitz&quot; hatte ich &#252;berhaupt nicht die T&#228;ter, die Nazis, im Kopf, sondern viel interessanter fand ich die Opfer selbst und wie sie sich unter den extremen Bedingungen verhalten haben: Etwa dieses verhuschte s&#252;&#223;e junge M&#228;dchen, etwas naiv, sch&#252;chtern, sanft, das der Ich-Erz&#228;hlerin am Anfang treuherzig ewige Freundschaft schw&#246;rt. Gegen Ende des Buches hat sie sich in eine habgierige Furie verwandelt, die f&#252;r eine Brotrinde alle Freunde zu verraten und verkaufen bereit ist, und das ohne anderen &#228;u&#223;eren Anlass au&#223;er den Selbsterhaltungstrieb, dem aber jede unterworfen war, viele, ohne so zu werden.&#160; 
Ich empfehle hier sehr warm den Film &quot;Dogville&quot; von Lars von Trier, wie ich finde, der genialste lebende Regisseur. Um die innere Boshaftigkeit dieser einfachen, hartarbeitenden, normalen Menschen durchbrechen zu lassen, bedurfte es nicht einmal der extremen Bedingungen - kein KZ, kein Krieg, kein Regime. Nur simple Macht. Wenn man aus keinem anderen &#228;u&#223;eren Anlass ein Sadist, ein Arschloch, ein (Seelen-)M&#246;rder ist au&#223;er aus dem, die Macht (und moralische Erlaubnis) dazu zu haben - dann entscheidet man sich daf&#252;r, bewusst, und dann kann man und sollte man zur Verantwortung gezogen werden. Und Menschen tun das, sie tun das jeden Tag. Vielleicht nicht im Dogvill&#039;schen Ausma&#223;, aber in kleinen Dingen. Und hierbei sind es nicht die Irren, die Kranken, die Verr&#252;ckten, die mir Angst machen - sondern gerade die gew&#246;hnlichen, die &quot;normalen&quot; Menschen, die braven B&#252;rger, die einfach zu stumpf oder unreflektiert sind, um zu hinterfragen, was sie tun, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet. Und nicht, weil sie jemand misshandelt hat oder dazu zwingt. Diesen Kern, diese F&#228;higkeit, Uns&#228;gliches zu tun, ohne einen anderen Anlass als die Macht, es zu tun, tr&#228;gt meiner Meinung nach jeder Mensch in sich, und das ist ein winziges Bruchst&#252;ck von dem ganzen Kollektiven &quot;B&#246;sen&quot;. Man kann es unterdr&#252;cken, in sich und in anderen, man kann ein Leben f&#252;hren, ohne dass es jemals zum Ausbruch kommt, aber dennoch ist es da. 
Wenn es euch darum geht, dass wenn man ein Kind wirklich so liebevoll und gut erzieht, wie es sein m&#252;sste, dass es dann h&#246;chstwahrscheinlich kein Arschloch wird, meinetwegen, das will ich nicht abstreiten. Das kann sein. Aber das &#228;ndert nicht das geringste an dem Kern. 
Und dass &lt;em&gt;zumindest&lt;/em&gt; Menschen wie Hitler, Goebbels, Stalin, Milosevic oder auch jemand so perfides wie Dr. Mengele, eine h&#246;here Veranlagung zum B&#246;sen mitbringen als die durchschnittliche Masse, ist in meinen Augen nicht nur nicht gef&#228;hrlich, sondern notwendig einzusehen. 
MaloXP: Deine Ausf&#252;hrungen und Argumente haben mir sehr gefallen und in den meisten w&#252;rde ich dir zustimmen. Aber kann ein soziokulturell anerzogener, gesellschaftlich implizierter Gehorsam wirklich all das Bestialische erkl&#228;ren, wozu Menschen f&#228;hig sind? Ich frage nochmal, MUSSTE Hitler 6 Mio. Juden umbringen? War er damit gehorsam? Wem? 
Wenn ein missbrauchter, schwer traumatisierter Mann seine P&#228;dophilie auslebt, ist das etwas anderes, als wenn jemand sich aus purem Machtrausch dazu entschlie&#223;t, kleine Kinder zu qu&#228;len. Ich habe bereits gesagt, ich glaube an die Psychologie, aber jeder&#160;Psychologe wird dir best&#228;tigen, dass auch sie keinen Absolutheitsanspruch (ist das ein Wort?) hat, will sagen, keine Gesetzm&#228;&#223;igkeit aufweist, die genau so, genau gleich, immer und 100%ig funktionieren, eben weil jeder unterschiedliche Veranlagungen mitbringt.
(Alice Miller - zum Linken ist die Zeit zu knapp&#160;- ist das die mit &quot;Ich sehe in den Spiegel &amp; sehe meine Mutter&quot; und &quot;Das Drama des begabten Kindes&quot;??)
&#160;
Ich gebe euch ein leicht verfremdetes Beispiel aus meinem Leben. Ihr seid viel gebildeter und h&#246;chstwahrscheinlich intelligenter als ich, m&#246;glicherweise habt ihr Recht, vielleicht k&#246;nnt ihr mir das erkl&#228;ren. 
Zwei M&#228;nner in meiner unmittelbaren Umgebung, beide Anfang vierzig. 
&#220;ber beide Lebensl&#228;ufe habe ich intensive Erkundungen eingezogen, von ihnen selbst und von nahestehenden Dritten, aber, weil ich es verstehen wollte. 
Der erste, nennen wir ihn Hans,&#160;ist auf dem Land aufgewachsen, inmitten von einer recht wilden Natur, vielen Tieren &amp; zwei Geschwistern. Ja, der Vater war sehr streng, die Mutter hat sich nicht eingemischt, und der Vater hat durchaus schon mal zugehauen, hat aber heute und immer dennoch den vollen Respekt und die Achtung seines Spr&#246;sslings. Hans schloss die Schule ab und begann ein Studium. Dann zog die gesamte Familie in die BRD um, Hans beeindete sein Studium und lebte so lange bei seinen Eltern, bis meine Mutter beschloss, ihn als dritten Mann zu ehelichen. 
Dieser Mensch ist das widerlichste, sadistischste, b&#246;seste Arschloch, das mir jemals untergekommen ist, und ich kenne einige. Bei den meisten allerdings kann ich nachvollziehen, ja, durchaus, warum sie so sind wie sie sind, ich sehe ihre Komplexe und ihre Selbstt&#228;uschungen und ich sehe die Menschen, die sie vielleicht w&#228;ren, w&#228;re ihr Leben anders Verlaufen. Mein Onkel, zum Beispiel. Ein totales Arschloch, zum F&#252;rchten, aber dennoch w&#252;rde ich ihm keine&#160;&#252;berdruchschnittliche B&#246;sartigkeit attestieren. Meine Mutter, ebenfalls ein Riesen-Arschloch, aber Gott, ich wei&#223; heute, warum sie so ist. 
Aber dieser Mensch - wozu dieser Mensch f&#228;hig ist, erspare ich euch, denn ihr w&#252;rdet es weder wissen wollen noch glauben, und es ist NICHT P&#228;dophilie. Vielleicht reicht ja als Ma&#223;stab, dass mein kleiner Bruder, er ist jetzt 13, von seinem siebten Lebensjahr an eine vierj&#228;hrige Jugendtherapie machen musste, weil er seine Wutanf&#228;lle nicht kontrollieren konnte. Er wurde &#252;brigens (negativ) auf ADHS getestet und ich musste Mutter mehrmals davon abhalten, ihn in eine Kinderpsychiatrie abzuschieben. Hans arbeitet &#252;brigens in einem Job, den er mag, verdient gut und ist f&#252;r die &#252;brige Verwanschaft sowie f&#252;r den Rest der Welt au&#223;erhalb seiner kleinen Familie ein netter, treusorgender Ehemann und Vater, der sich noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen. 
So. Jetzt der Zweite, nennen wir ihn - Leo. Leo ist als j&#252;ngster Sohn ineiner sehr kleinen Wohnung mit drei Schwestern aufgewachsen. Leo wurde vom fr&#252;hesten Kindesalter an regelm&#228;&#223;ig von seinem Onkel sexuell missbraucht. Sein Vater war starker Trinker und verpr&#252;gelte regelm&#228;&#223;ig die gesamte Familie. Mit 13 landete Leo nach einem Streit auf der Stra&#223;e, nahm Drogen, beteiligte sich an Einbr&#252;chen und verbrannte sich jede freie Stelle an seinem K&#246;rper mit Zigaretten. In dieser Zeit war es auch, als er in blinder Wut einen Dealer in den Rollstuhl pr&#252;gelte, weil er ihn dabei erwischt hatte, wie der seine (14j&#228;hrige) Freundin vergewaltigte. Jugendknast, raus auf Bew&#228;hrung. 
Irgendwann holte ihn seine Mutter von der Stra&#223;e und er schaffte es, ein Ausbildung anzufangen und abzuschlie&#223;en. Das Abitur hat er nie nachgeholt, was er immer wollte. Leo f&#252;hrt heute ein Leben, das ihn befriedigt, er hat einen sicheren Job und geht seinen Hobbies nach. Und obwohl er verst&#228;ndlicherweise eine absolute Bindungsunf&#228;higkeit sowie Konfliktunf&#228;higkeit aufweist, ist er f&#252;r mich einer der liebsten und liebenswertesten Menschen, die ich kenne, der nicht einmal ein Insekt zerquetschen mag. 
Das ist nur ein Beispiel. Ich wei&#223;, ich mache mich wahrscheinlich l&#228;cherlich,&#160; und ich sollte das nicht tun, egal, ich frage euch, wenn ich falsch liege, dann bitte erkl&#228;rt mir schl&#252;ssig, wo HIER die Logik liegen soll, wie man diese Diskrepanz erkl&#228;ren kann wenn nicht mit einer &quot;b&#246;seren&quot; Veranlagung? Wisst ihr das? MaloXP? Mo? Lotte? Anne? 

So, das war&#039;s. Ich bin m&#252;de und pleite, meine Finger sind ganz steif. 
Sorry, das musste einfach alles raus, ich kann mich nicht st&#228;ndig wiederholen, ich hatte das Gef&#252;hl, ich muss konkret werden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hi guys. </p>
<p>In der Hoffnung, dass das hier noch jemanden interessiert, bin ich jetzt hier im Caf&eacute; mit extra viel Zeit &amp; extra viel Geld, um euch anst&auml;ndig zu antworten. </p>
<p>Zuvor habe ich jedoch das Bed&uuml;rfnis, einiges loszuwerden.<br />
Erstens: Danke f&uuml;r&nbsp;eure Beitr&auml;ge, es macht Spa&szlig; mit euch, auch wenn ich einen derartigen Sturm im Wasserglas wahrlich nicht erwartet habe. </p>
<p>Zweitens: ACHTUNG &#8211; ich glaube, dieser Beitrag wird <em>extrem lang</em>.<br />
Wenn jemand das Bed&uuml;rfnis hat, mit mir weiterzudiskutieren und sich dabei auf meine Ansichten zu beziehen, m&ouml;chte ich denjenigen bitten, sich vorher wirklich alles durchzulesen, wie ich es selbstverst&auml;ndlich auch bei euch tue. Ich hatte das Gef&uuml;hl bei dir, Mo, dass du es dir recht leicht gemacht hast, indem du nur auf den j&uuml;ngsten kurzen Kommentar eingegangen bist. Er ist so kurz und patzig ausgefallen, weil ich nerv&ouml;s war, ich dachte, wenn ich mich noch weiter &uuml;ber dieses OT-Thema auslasse, schmei&szlig;t mich MaloXP raus. Sorry. </p>
<p>Drittens:<br />
Ich muss ehrlich sagen, ich f&uuml;hle mich hier ein wenig ans Kreuz geschlagen aufgrund meiner Ansichten &amp; wage daher zu vermuten, dass der Vehemenz des Widerspruchs eine gewisse Angst &#8211; oder sagen wir: Vorsicht zugrunde liegt. Ich habe das Gef&uuml;hl, es ist gar nicht so sehr meine Argumentation, gegen die ihr Sturm lauft, sondern es ist, als w&uuml;rdet ihr bef&uuml;rchten, ich geh&ouml;rte zu denen, die hier normalerweise &quot;auf der anderen Seite&quot; stehen.<br />
Deshalb ist es mir wichtig, hier einmal etwas klar zu stellen, auch wenn ich daf&uuml;r die Grenze zum Privaten &uuml;berschreiten muss:<br />
Ich bin eine 100%ige Pazifistin und eine absolute Gegnerin der Todesstrafe. Ich rechnete mich noch nie einer politischen Richtung zu, sondern habe mir die skeptische Distanz zu allem Ideologischen als Leitfaden und Maxime auserkoren. Am ehesten sehe ich mich als Demokratin, wenn schon eine Begrifflichkeit hermuss. Weil ich Halbrussin bin, haben beide Seiten meiner Verwandschaft unter grausamen Regimen gelitten, mein Gro&szlig;vater v&auml;terlicherseits kam in einem Gulag ums&nbsp;Leben, mein Vater wurde als Dissident vom KGB mehrfach verh&ouml;rt und ausspioniert (weshalb ich &uuml;brigens bei Hinweisen wie den auf die &quot;junge stalinistische Zeitung&quot;, MaloXP, arg zusamenzucke, nur nebenbei).<br />
<em>Aus den Ansichten, die ich hier dargelegt habe, erw&auml;chst also weder tats&auml;chlich noch ideell (bez&uuml;glich auf meine private Person) etwas Radikales, Bedrohliches, Gef&auml;hrliches, </em>falls das irgend jemand hier bef&uuml;rchtet hat. Ich hatte das Bed&uuml;rfnis, das einmal zu sagen. </p>
<p>Weiterhin ist es mir enorm wichtig, klar zu stellen, dass ich KEINE psychologischen Grundlektionen &agrave; la &quot;T&auml;ter-Identifikation&quot; ben&ouml;tige, weil ich wirklich die LETZTE bin, die die Psychologie als Wissenschaft in Frage stellt oder nicht begreift. Darum ist es mir nie gegangen, ich habe auch versucht, das von Anfang an klar zu stellen.&nbsp;</p>
<p>Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr in psychotherapeutischer Behandlung, es fing an als eine Auflage von der Schule;&nbsp;ich setzte sie fort, weil sie mich &uuml;berzeugt hat. Ich glaube an die Psychologie als Wissenschaft und an ihre Effizienz wie sonst niemand, den ich kenne. Man muss mir nicht die psychologischen und psychosozialen (Wiederholungs-)Mechanismen innerhalb eines Menschen oder eines gesellschaftlichen Systems auseinanderpfl&uuml;cken. Ich bin reflektiert genug, um nicht durch die Welt zu laufen und jeden, der mir <em>aua </em>macht, als &quot;b&ouml;se&quot; einzustufen. So einfach mache ich es mir nicht.<br />
Und um eine Negierung des psychologischen Aspektes, um eine Negierung der Tatsache, das Menschen oft so gemacht werden, wie sie sind, durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, dass es eine nachvollziehbare Geschichte geben kann, ist es mir nie gegangen, ich betone das NOCHMAL. Und ich m&ouml;chte nicht, dass man meine Beitr&auml;ge unter diesem Aspekt liest. Vielleicht habe ich mich auch nicht exakt genug ausgedr&uuml;ckt. </p>
<p>Weiter m&ouml;chte ich einen ebenfalls grunds&auml;tzlichen Standpunkt von mir darstellen: Ich habe noch NIE, noch NIE IN MEINEM LEBEN ein philosophisches Fachbuch gelesen. Einerseits steckt da die vielleicht paranoid angehauchte Vorstellung dahinter, dass etwas Fremdes meinen Kopf okkupieren k&ouml;nnte, andererseits lege ich zuviel Wert darauf, mir meine eigenen Gedanken zu machen, anstatt die eines anderen in mich hineinzuschlingen und zu &uuml;bernehmen. Ich kann psychologische Fachb&uuml;cher lesen oder Biografien oder B&uuml;cher &uuml;ber Kunstgeschichte, aber ich glaube, ich werde es nie fertig bringen, ein rein philosophisches Werk zu lesen, weil ich nicht m&ouml;chte, dass irgend jemand mit dem Finger auf mich zeigt und sagt: &quot;Darauf bist du nicht selber gekommen, du hast das &amp; das Buch gelesen&quot;. Ich lese haupts&auml;chlich LITERATUR, weil ich die Vermutung hege, dass das Erbe an Kunst auf dieser Welt weitaus Weiseres, Tiefgr&uuml;ndigeres, Scharfsinnigeres und Interessanteres &uuml;ber sie zu offenbaren hat als die kompaktisierten Ansichten Einzelner. Deshalb sind die Links f&uuml;r mich auch nur bedingt interessant, weil ich so den Eindruck habe, jemand m&ouml;chte sich vor einer selbst herbeigef&uuml;hrten Einsicht/Erkenntnis dr&uuml;cken. Ich behaupte nicht, dass das der Fall ist, ich will damit eigentlich nur sagen, ihr k&ouml;nnt euch die ganzen Theorie-Links eigentlich sparen &#8211; selbst wenn ich mir alle diese Texte durchlesen w&uuml;rde, w&uuml;rde das kaum etwas &auml;ndern, weder an meiner Meinung, die auf Erfahrung beruht, noch am Stand der Diskussion. Allenfalls honoriere ich sie als interessante Anregungen.<br />
Ein bisschen unfair ist es auch, weil ich nat&uuml;rlich keine Denker kenne, die meine Ansicht untermauern, geschweige denn wei&szlig;, wo man nach ihnen suchen muss und wie man einen Link setzt. Ich kann nur <em>vermuten</em>, dass mir Nietzsche und Sartre zustimmen w&uuml;rden, w&uuml;rde euch das als Antwort-Namedropping reichen? </p>
<p>Ok. Jetzt zum Wesentlichen.<br />
Liebe(r?) Mo,<br />
mir hat deine Argumentation bez&uuml;glich der Verantwortungsf&auml;higkeit gefallen, auch wenn ich mit dem Fazit, das daraus zu ziehen ist, nicht &uuml;bereinstimme.<br />
Zun&auml;chst einmal l&auml;sst sich etwas wie Verantwortung oder Verantwortlichkeit nicht mit einer unbeeinflussbaren nat&uuml;rlichen Gewalt vergleichen. Dass jeder erwachsene Mensch, der seines Verstandes m&auml;chtig ist, eine Verantwortung f&uuml;r seine Taten zu tragen hat, habe nicht ich mir ausgedacht, sondern darauf basiert das menschliche Zusammenleben, seit es so etwas wie menschliche Kultur gibt. Mag sein, dass du mit den internen Mechanismen, nach denen diese Kultur funktioniert, nicht einverstanden bist, aber deswegen jedem Menschen eine Grundverantwortung abzusprechen, finde ich meinerseits nicht nur gef&auml;hrlich, ich finde das fatal (und beachtlich, dass hier keiner darauf eingeht). Wenn man sich deinen Beitrag durchliest, k&ouml;nnte man zu dem Schluss gelangen, kein Mensch, der nicht aus einer innerlich &amp; &auml;u&szlig;erlich v&ouml;llig intakten Umgebung hervorgeht, sei irgendwie f&uuml;r irgendetwas zur Verantwortung zu ziehen. Und wenn man, sagen wir, einem Menschen wie Hitler zugesteht, dass er nicht verantowortlich f&uuml;r seine Taten ist, weil, sagen wir, sein Papi fr&uuml;h abgehauen ist und seine Mami ihn ungesund erzogen hat und er ein kleiner Loser war, impliziert das zwei Dinge: Erstens: &quot;Aus diesen Gr&uuml;nden war er &#8211; und zwar wie die Nacht dem Tage folgen muss &#8211; GEZWUNGEN, 6 Millionen Juden zu ermorden, weil er nicht anders konnte. &quot; (Das finde ICH gef&auml;hrlich.) Und zweitens: Einem anderen Kerl, dem ebenfalls der Papi fr&uuml;h abgehauen ist und der von seiner Mami ungesund erzogen wurde und sp&auml;ter ein kleiner Loser war, muss man demnach auch jede Verantwortung absprechen f&uuml;r alles, was er getan hat &#8211; und was ist mit Menschen, die etwas Schlimmeres erlebt haben? Darauf hat mir keiner von euch eine wirklich &uuml;berzeugende Antwort geliefert.<br />
(Jeder, der kein Hitler wurde, hat schlicht Gl&uuml;ck gehabt, nur er allein einfach zu viel Pech, kein funktionierendes soziales Netz? Unbefriedigend. Ich komme &uuml;brigens immer mit Hitler, weil&nbsp;an Extremen, die jeder kennt,&nbsp;leichter zu erkl&auml;ren ist, was ich meine.)<br />
Mag sein, dass das System schei&szlig;e ist, aber wir sitzen immerhin alle mehr oder weniger im selben Boot dadurch, dass JEDER ein Kind des Systems ist, und ebenso hat JEDER eine Verantwortung zu tragen, und ohne Verantwortung funktioniert die Gesellschaft nicht. Vielleicht m&uuml;ssen die Wertigkeiten der Verantwortung anders verteilt werden, aber egal, wie wir sie verteilen, man wird nicht um sie herumkommen.<br />
Mag sein, dass es Menschen gibt, die ihre Verantwortung nicht als solche begreifen (k&ouml;nnen), trotzdem haben sie sie zu tragen (es sei denn nat&uuml;rlich, sie sind geistig umnachtet). </p>
<p>Wenn du findest, meine Argumentation laufe auf eine Absolution aller krankmachenden gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse aus, hast du mich ganz sicher falsch verstanden. Ich vertrete meine Ansicht, wie bereits oben dargelegt, in <em>keinen ideologischen Kontext </em>eingebettet, sondern ziehe lediglich eine Lehre aus meiner pers&ouml;nlichen Erfahrung, die mir kein Sachbuch dieser Welt herausargumentieren kann. Ich versuche die Welt und die Menschen m&ouml;glichst realistisch zu sehen, wobei &quot;realistisch&quot; die Konsequenz aus der Summe s&auml;mtlicher von mir gemachter, aktiver wie passiver Erfahrungen bedeutet.<br />
Da w&auml;ren wir auch schon beim Wichtigsten Punkt:<br />
ICH &quot;vergesse&quot; alle Autoaggressiven, Mo??? (Was immer du damit meinst&#8230;) <em>Muahahahahaaaa!&#8230; </em><br />
Das w&auml;re sehr seltsam, ich war n&auml;mlich insgesamt fast ein halbes Jahr station&auml;r wegen SVV und trage aktuell einen Verband, weil mein letzter Schnitt aus Versehen so tief ging, dass er gen&auml;ht werden musste. (Willste&#39;n Foto?) <em>*mich out*</em><br />
(Oh BITTE, wenn das jemand vorhat, erspart mir eitle Pseudo-Analysen meiner Person, weil ich mich n&auml;mlich schon bis zum Erbrechen mit mir, der Krankheit im Allgemeinen und ihrem Bezug auf mich besch&auml;ftigt habe, au&szlig;erdem w&auml;re das billig. Nehmt einfach mal an, dass ich trotzdem ein objektiv denkender Mensch sein kann, ok?)<br />
Wie du schon sagst, krepieren wir, ohne wen gro&szlig; zu st&ouml;ren (au&szlig;er vielleicht euch, hier <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ), und ich&nbsp;vergesse dieses Element nicht nur nicht, sondern <em>ich gehe davon aus</em>. Es gibt Menschen, die Entsetzliches durchmachen, aber die Aggressionen lieber gegen sich selber richten, ob bewusst oder unbewusst, anstatt jemanden fertig zu machen. Da rede ich durchaus nicht in erster Linie von mir. Ich habe einfach schon zu viel gesehen.<br />
Ich nehme mal ganz dreist an, dass die meisten hier ein absolut anderes Leben f&uuml;hren &amp; gef&uuml;hrt haben, als ich es tue. Und ich habe die Theorie, dass Menschen mit einem, sagen wir&#8230; eher <em>bruchlosen </em>Lebensweg &ouml;fter dazu neigen, die Ansicht vom gut geborenen&nbsp;Menschen zu vertreten, als Menschen, die wirklich realen Kontakt hatten mit dem, was wir hier das B&ouml;se oder die dunkle Seite des Menschen nennen. Aus der sicheren intellektuellen Ferne dar&uuml;ber Theorien aufzustellen ist nat&uuml;rlich einfach. W&auml;re ich geh&auml;ssig, k&ouml;nnte ich sagen, Menschen, denen noch niemals etwas Schlimmeres passiert ist, als dass sie von der Freundin sitzengelassen wurden oder der narzisstische Professor sie mal ungerecht benotet hat, k&ouml;nnen meinen Standpunkt gar nicht nachvollziehen. Aber ich bin nicht geh&auml;ssig, sondern ich bin &uuml;berzeugt davon, dass hier viele sehr intelligente, umseitig gebildete und gutherzige Menschen zusammen kommen, die an die M&ouml;glichkeit einer &quot;guten Welt&quot; glauben wollen. Daran, dass, wenn man es nur schaffen w&uuml;rde, &uuml;ber einige Generationen hinweg Kinder absolut perfekt und liebevoll zu erziehen, dass es dann nichts Schlechtes auf der Welt g&auml;be. Wenn ihr das glauben k&ouml;nnt, bitte tut das. Vielleicht brauchen wir genau das.<br />
Ich kann das nicht mehr und daran wird kein Link etwas &auml;ndern. Ich bin durchaus bereit, etwas dazuzulernen, wenn ich den Eindruck habe, dass der Autor eines Buches eine tiefere Einsicht hat, intensivere Erfahrungen gemacht, sich mehr Gedanken gemacht hat als ich &#8211; ich revidiere und erweitere oft meine Meinungen durch B&uuml;cher, die ich lese, aber kein Buch und keine Argumentation hat es je geschafft, mich davon zu &uuml;berzeugen, dass das B&ouml;se nicht im Menschen selbst liegt. (Ja, Buffy, MaloXP <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  &#8211; deshalb hasse ich die 7. Staffel so leidenschaftlich, weil ich dieses typisch amerikanische Unterhaltungs-M&auml;rchen vom gro&szlig;en, b&ouml;sen B&ouml;sen, das immer nur von au&szlig;en kommt, mittlerweile nicht mehr sehen kann. Es gibt einen&nbsp; Satz in dieser Staffel, der eigentlich ihre gesamte wacklige Logik aufheben m&uuml;sste, w&uuml;rde er wirklich so gemeint sein, da sagt das manifestierte B&ouml;se: &quot;Du kannst mich nicht besiegen, ich werde immer da sein, ich bin &uuml;berall, ich bin in jedem Kopf, in jedem Herzen, in jedem menschlichen Gedanken und in den Tr&auml;umen jedes Kindes&quot; oder so &auml;hnlich.)<br />
MaloXP: Ich wurde zu meinem Standpunkt nicht intellektuell &quot;verf&uuml;hrt&quot;, falls das noch nicht klar geworden ist, sondern ich musste mich meinen Erfahrungen beugen. Im Gegenteil, ich habe lange versucht, mich vom Gegenteil zu &uuml;berzeugen.<br />
Mo: Gerade WEIL ich viele viele Menschen und Lebenswege kenne, die wirklich unter Grausamkeit zu leiden hatten, und weil ich wei&szlig;, wie unterschiedlich sich die Menschen daraufhin nicht nur entwickeln, sondern welch unterschiedliche ENTSCHEIDUNGEN sie treffen, gerade deswegen br&uuml;lle ich: Verantwortung. Ja, das tue ich.<br />
MaloXP: Du gehst das Ganze so herrlich trocken an.<br />
Wozu sollte es das B&ouml;se geben? Evotionsbiologisch unlogisch? Mag sein, aber was am Menschen ist bitte evotionsbiologisch logisch (- logisch <img src='http://citronengras.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' />  )au&szlig;er das, was wir mit dem Tier gemein haben? Wenn wir logisch w&auml;ren, w&auml;ren wir keine Menschen, wir w&auml;ren nur eine weitere Tierart. Wieso ist es f&uuml;r die normale, gesunde Entwicklung des unber&uuml;hrten blauen Planeten &uuml;berhaupt &quot;n&ouml;tig&quot; gewesen, dass wir entstehen? Wozu ist Phantasie n&ouml;tig? Warum ist es n&ouml;tig, dass Menschen sich Dinge vorstellen, die sie nie gesehen oder erfahren haben? Auch Einf&uuml;hlunsgverm&ouml;gen geh&ouml;rt in diese Kategorie. Wozu gibt es Genussf&auml;higkeit? Die seelische und geistige Genussf&auml;higkeit? Warum ist es n&ouml;tig, dass ein paar jungen Leuten, die besser daran w&auml;ren, sich zu paaren und sich&nbsp;mit Nestbau zu besch&auml;ftigen, einer abgeht, wenn sie virtuell und anonym miteinander &uuml;ber v&ouml;llig unn&ouml;tige Fragestellungen diskutieren? Warum hat der weibliche K&ouml;rper vorne diesen winzigen magsichen Knopf, der erwiesenerma&szlig;en KEINE ANDERE FUNKTION HAT au&szlig;er die, die Frau in (an sich v&ouml;llig unn&ouml;tige) k&ouml;rperliche Extase zu versetzen? Meiner bescheidenen Meinung nach sind das die Dinge, die uns vom Tier unterscheiden &#8211; und auch unterscheiden sollen. Es ist &quot;Luxus&quot;, wenn du so willst &#8211; Kreativit&auml;t, Phantasie, Vorstellungsverm&ouml;gen und Genussf&auml;higkeit sind Luxusartikel, sie wurden uns geschenkt, als Dreingabe sozusagen, und mit ihrer Hilfe sind wir im Stande, Wundervolles zu schaffen, und ebenso Schreckliches. Beide Veranlagungen tr&auml;gt der Mensch, davon bin ich fest &uuml;berzeugt, in sich, und das macht ihn zu diesem r&auml;tselhaften, ambivalenten Wesen, das er ist. Wozu wir &uuml;berhaupt da sind und ob unser eigentlicher Zweck nicht darin besteht, einen Seinsabschnitt zu durchlaufen, der in einer letztendlichen Selbstzerst&ouml;rung m&uuml;nden soll, wird niemand ergr&uuml;nden, niemand beweisen k&ouml;nnen. Woher wei&szlig;t du, dass die Selbstzerst&ouml;rung nicht von Anfang an impliziert ist, dass das B&ouml;se nicht gerade deshalb da ist, damit die Menschen sich damit irgendwann selbst ausl&ouml;schen? (Gut, ich sehe schon, das artet ein bisschen aus. Ist vielleicht nicht der richtige Ort. Weites Feld.)<br />
Ich m&ouml;chte, um auf dich einzugehen, noch einmal betonen, dass ich niemals die Korrelation von Mensch und Umwelt, ich habe nichts gegen die psycho-physischen Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten vorgebracht, und ich leugne keineswegs, dass Aggressoren oft &nbsp;ein Defizit haben.<br />
(You still miss the point.)<br />
Auch wollte ich nicht sagen, dass belletristische B&uuml;cher Antworten &nbsp;geben (das sollen sie auch gar nicht), sondern betone nochmals, dass ich lediglich meine Weltsicht in ihnen wiederfinde. Ich kann hier noch einmal Humbert Humbert anf&uuml;hren &#8211; das Beachtliche dieser Figur ist, dass es zwar einen Vorfall in seiner Kindheit gab, der ihn zum P&auml;dophilen machte &#8211; der wichtige Unterschied jedoch ist, dass er NICHT irgendwie versucht, dagegen anzuk&auml;mpfen oder aus Frust zum Alkoholiker wird &#8211; nein, er BESCHLISST, diesem Verlangen nachzugeben, und zwar von Anfang an. Er steht morgens mit dem Vorsatz auf, irgendwann dieses M&auml;dchen zu ficken. Und der Punkt ist: Es ist nicht unrealistisch. Ich glaube nicht, dass jemand es liest und dann behaupten k&ouml;nnte: &quot;Ach, solche Leute gibt es ja gar nicht&quot;. Das ist es, was man aus Kunst lernen kann. Oder was ich daraus lerne. Manchmal, ein oder zwei Mal, habe ich tats&auml;chlich kurz etwas wie Mitleid mit diesem Menschen gehabt, aber Nabaokov l&auml;sst (meisterhaft, &uuml;brigens) die ganze Zeit keinen Zweifel daran, dass wir es hier mit einem absoluten Scheusal zu tun haben, der auch anders handeln k&ouml;nnte, wenn er wollte. DAS ist es, was ich mit Verantwortung meine.<br />
Bei dem &quot;M&auml;dchenorchester von Auschwitz&quot; hatte ich &uuml;berhaupt nicht die T&auml;ter, die Nazis, im Kopf, sondern viel interessanter fand ich die Opfer selbst und wie sie sich unter den extremen Bedingungen verhalten haben: Etwa dieses verhuschte s&uuml;&szlig;e junge M&auml;dchen, etwas naiv, sch&uuml;chtern, sanft, das der Ich-Erz&auml;hlerin am Anfang treuherzig ewige Freundschaft schw&ouml;rt. Gegen Ende des Buches hat sie sich in eine habgierige Furie verwandelt, die f&uuml;r eine Brotrinde alle Freunde zu verraten und verkaufen bereit ist, und das ohne anderen &auml;u&szlig;eren Anlass au&szlig;er den Selbsterhaltungstrieb, dem aber jede unterworfen war, viele, ohne so zu werden.&nbsp;<br />
Ich empfehle hier sehr warm den Film &quot;Dogville&quot; von Lars von Trier, wie ich finde, der genialste lebende Regisseur. Um die innere Boshaftigkeit dieser einfachen, hartarbeitenden, normalen Menschen durchbrechen zu lassen, bedurfte es nicht einmal der extremen Bedingungen &#8211; kein KZ, kein Krieg, kein Regime. Nur simple Macht. Wenn man aus keinem anderen &auml;u&szlig;eren Anlass ein Sadist, ein Arschloch, ein (Seelen-)M&ouml;rder ist au&szlig;er aus dem, die Macht (und moralische Erlaubnis) dazu zu haben &#8211; dann entscheidet man sich daf&uuml;r, bewusst, und dann kann man und sollte man zur Verantwortung gezogen werden. Und Menschen tun das, sie tun das jeden Tag. Vielleicht nicht im Dogvill&#39;schen Ausma&szlig;, aber in kleinen Dingen. Und hierbei sind es nicht die Irren, die Kranken, die Verr&uuml;ckten, die mir Angst machen &#8211; sondern gerade die gew&ouml;hnlichen, die &quot;normalen&quot; Menschen, die braven B&uuml;rger, die einfach zu stumpf oder unreflektiert sind, um zu hinterfragen, was sie tun, wenn sich ihnen die Gelegenheit dazu bietet. Und nicht, weil sie jemand misshandelt hat oder dazu zwingt. Diesen Kern, diese F&auml;higkeit, Uns&auml;gliches zu tun, ohne einen anderen Anlass als die Macht, es zu tun, tr&auml;gt meiner Meinung nach jeder Mensch in sich, und das ist ein winziges Bruchst&uuml;ck von dem ganzen Kollektiven &quot;B&ouml;sen&quot;. Man kann es unterdr&uuml;cken, in sich und in anderen, man kann ein Leben f&uuml;hren, ohne dass es jemals zum Ausbruch kommt, aber dennoch ist es da.<br />
Wenn es euch darum geht, dass wenn man ein Kind wirklich so liebevoll und gut erzieht, wie es sein m&uuml;sste, dass es dann h&ouml;chstwahrscheinlich kein Arschloch wird, meinetwegen, das will ich nicht abstreiten. Das kann sein. Aber das &auml;ndert nicht das geringste an dem Kern.<br />
Und dass <em>zumindest</em> Menschen wie Hitler, Goebbels, Stalin, Milosevic oder auch jemand so perfides wie Dr. Mengele, eine h&ouml;here Veranlagung zum B&ouml;sen mitbringen als die durchschnittliche Masse, ist in meinen Augen nicht nur nicht gef&auml;hrlich, sondern notwendig einzusehen.<br />
MaloXP: Deine Ausf&uuml;hrungen und Argumente haben mir sehr gefallen und in den meisten w&uuml;rde ich dir zustimmen. Aber kann ein soziokulturell anerzogener, gesellschaftlich implizierter Gehorsam wirklich all das Bestialische erkl&auml;ren, wozu Menschen f&auml;hig sind? Ich frage nochmal, MUSSTE Hitler 6 Mio. Juden umbringen? War er damit gehorsam? Wem?<br />
Wenn ein missbrauchter, schwer traumatisierter Mann seine P&auml;dophilie auslebt, ist das etwas anderes, als wenn jemand sich aus purem Machtrausch dazu entschlie&szlig;t, kleine Kinder zu qu&auml;len. Ich habe bereits gesagt, ich glaube an die Psychologie, aber jeder&nbsp;Psychologe wird dir best&auml;tigen, dass auch sie keinen Absolutheitsanspruch (ist das ein Wort?) hat, will sagen, keine Gesetzm&auml;&szlig;igkeit aufweist, die genau so, genau gleich, immer und 100%ig funktionieren, eben weil jeder unterschiedliche Veranlagungen mitbringt.<br />
(Alice Miller &#8211; zum Linken ist die Zeit zu knapp&nbsp;- ist das die mit &quot;Ich sehe in den Spiegel &amp; sehe meine Mutter&quot; und &quot;Das Drama des begabten Kindes&quot;??)<br />
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Ich gebe euch ein leicht verfremdetes Beispiel aus meinem Leben. Ihr seid viel gebildeter und h&ouml;chstwahrscheinlich intelligenter als ich, m&ouml;glicherweise habt ihr Recht, vielleicht k&ouml;nnt ihr mir das erkl&auml;ren.<br />
Zwei M&auml;nner in meiner unmittelbaren Umgebung, beide Anfang vierzig.<br />
&Uuml;ber beide Lebensl&auml;ufe habe ich intensive Erkundungen eingezogen, von ihnen selbst und von nahestehenden Dritten, aber, weil ich es verstehen wollte.<br />
Der erste, nennen wir ihn Hans,&nbsp;ist auf dem Land aufgewachsen, inmitten von einer recht wilden Natur, vielen Tieren &amp; zwei Geschwistern. Ja, der Vater war sehr streng, die Mutter hat sich nicht eingemischt, und der Vater hat durchaus schon mal zugehauen, hat aber heute und immer dennoch den vollen Respekt und die Achtung seines Spr&ouml;sslings. Hans schloss die Schule ab und begann ein Studium. Dann zog die gesamte Familie in die BRD um, Hans beeindete sein Studium und lebte so lange bei seinen Eltern, bis meine Mutter beschloss, ihn als dritten Mann zu ehelichen.<br />
Dieser Mensch ist das widerlichste, sadistischste, b&ouml;seste Arschloch, das mir jemals untergekommen ist, und ich kenne einige. Bei den meisten allerdings kann ich nachvollziehen, ja, durchaus, warum sie so sind wie sie sind, ich sehe ihre Komplexe und ihre Selbstt&auml;uschungen und ich sehe die Menschen, die sie vielleicht w&auml;ren, w&auml;re ihr Leben anders Verlaufen. Mein Onkel, zum Beispiel. Ein totales Arschloch, zum F&uuml;rchten, aber dennoch w&uuml;rde ich ihm keine&nbsp;&uuml;berdruchschnittliche B&ouml;sartigkeit attestieren. Meine Mutter, ebenfalls ein Riesen-Arschloch, aber Gott, ich wei&szlig; heute, warum sie so ist.<br />
Aber dieser Mensch &#8211; wozu dieser Mensch f&auml;hig ist, erspare ich euch, denn ihr w&uuml;rdet es weder wissen wollen noch glauben, und es ist NICHT P&auml;dophilie. Vielleicht reicht ja als Ma&szlig;stab, dass mein kleiner Bruder, er ist jetzt 13, von seinem siebten Lebensjahr an eine vierj&auml;hrige Jugendtherapie machen musste, weil er seine Wutanf&auml;lle nicht kontrollieren konnte. Er wurde &uuml;brigens (negativ) auf ADHS getestet und ich musste Mutter mehrmals davon abhalten, ihn in eine Kinderpsychiatrie abzuschieben. Hans arbeitet &uuml;brigens in einem Job, den er mag, verdient gut und ist f&uuml;r die &uuml;brige Verwanschaft sowie f&uuml;r den Rest der Welt au&szlig;erhalb seiner kleinen Familie ein netter, treusorgender Ehemann und Vater, der sich noch nie etwas hat zuschulden kommen lassen.<br />
So. Jetzt der Zweite, nennen wir ihn &#8211; Leo. Leo ist als j&uuml;ngster Sohn ineiner sehr kleinen Wohnung mit drei Schwestern aufgewachsen. Leo wurde vom fr&uuml;hesten Kindesalter an regelm&auml;&szlig;ig von seinem Onkel sexuell missbraucht. Sein Vater war starker Trinker und verpr&uuml;gelte regelm&auml;&szlig;ig die gesamte Familie. Mit 13 landete Leo nach einem Streit auf der Stra&szlig;e, nahm Drogen, beteiligte sich an Einbr&uuml;chen und verbrannte sich jede freie Stelle an seinem K&ouml;rper mit Zigaretten. In dieser Zeit war es auch, als er in blinder Wut einen Dealer in den Rollstuhl pr&uuml;gelte, weil er ihn dabei erwischt hatte, wie der seine (14j&auml;hrige) Freundin vergewaltigte. Jugendknast, raus auf Bew&auml;hrung.<br />
Irgendwann holte ihn seine Mutter von der Stra&szlig;e und er schaffte es, ein Ausbildung anzufangen und abzuschlie&szlig;en. Das Abitur hat er nie nachgeholt, was er immer wollte. Leo f&uuml;hrt heute ein Leben, das ihn befriedigt, er hat einen sicheren Job und geht seinen Hobbies nach. Und obwohl er verst&auml;ndlicherweise eine absolute Bindungsunf&auml;higkeit sowie Konfliktunf&auml;higkeit aufweist, ist er f&uuml;r mich einer der liebsten und liebenswertesten Menschen, die ich kenne, der nicht einmal ein Insekt zerquetschen mag.<br />
Das ist nur ein Beispiel. Ich wei&szlig;, ich mache mich wahrscheinlich l&auml;cherlich,&nbsp; und ich sollte das nicht tun, egal, ich frage euch, wenn ich falsch liege, dann bitte erkl&auml;rt mir schl&uuml;ssig, wo HIER die Logik liegen soll, wie man diese Diskrepanz erkl&auml;ren kann wenn nicht mit einer &quot;b&ouml;seren&quot; Veranlagung? Wisst ihr das? MaloXP? Mo? Lotte? Anne? </p>
<p>So, das war&#39;s. Ich bin m&uuml;de und pleite, meine Finger sind ganz steif.<br />
Sorry, das musste einfach alles raus, ich kann mich nicht st&auml;ndig wiederholen, ich hatte das Gef&uuml;hl, ich muss konkret werden.</p>
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		<title>Von: Anna</title>
		<link>http://citronengras.de/schwaebische-gehirnstroeme-und-erziehungsfragen/#comment-2307</link>
		<dc:creator>Anna</dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Oct 2007 17:01:45 +0000</pubDate>
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		<description>Tolle Diskussion! War sehr interessant zu lesen. Einen Satz aus maloXPs letzten Beitrag muss ich hervorheben, denn er bringt m.E. alles auf den Punkt:

&quot;Und jemand, der qu&#228;lt und foltert, mobbt und tyrannisiert, schl&#228;gt und verachtet, der lebt nicht seine dunkle Seite aus - der hat ein &lt;strong&gt;Defizit&lt;/strong&gt;.&quot;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Tolle Diskussion! War sehr interessant zu lesen. Einen Satz aus maloXPs letzten Beitrag muss ich hervorheben, denn er bringt m.E. alles auf den Punkt:</p>
<p>&quot;Und jemand, der qu&auml;lt und foltert, mobbt und tyrannisiert, schl&auml;gt und verachtet, der lebt nicht seine dunkle Seite aus &#8211; der hat ein <strong>Defizit</strong>.&quot;</p>
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