Somalia

somaliaAchtung: Die folgenden Sätze enthalten keine Erkenntnisse, sie schildern bloß wortreich meine eigene Ahnungslosigkeit hinsichtlich aktueller Weltpolitik.

Ich weiß nicht viel über Somalia. Ein „Failed State“, die Hauptstadt ist Mogadischu, deutsche Truppen sind im Land (vor der Küste?) stationiert, das Land sieht aus wie eine Sieben, es ist im Prinzip politisch dreigeteilt und es hat deswegen Probleme.

Nun also hört man in den Nachrichten, dass Äthiopien die Islamisten in Somalia mit einem Verteidigungskrieg bekämpft. Die wichtigste Front gegen den Terror usw. Abgesehen davon, werde ich beim Hören der Nachrichten im rbb-InfoRadio (deckungsgleich: Der Artikel auf tagesschau.de) oder beim Lesen der diversen Agenturmeldungen auch nicht wesentlich schlauer. So oft, wie hier in den Medien die Wiedererlaubnis der Kaudroge Khat wiedergekaut wird, die Wiedereinführung der Popmusik besungen, so ein merkwürdiges Gefühl habe ich bei der Sache.

Wesentlich kleinlauter wird nämlich en passant erwähnt, dass die Warlords, die im Sommer diesen Jahres verschwanden, nun zusammen mit den Äthiopiern wieder einmarschieren. Die „Freiheit“ wird also nicht nur mit 1000 toten (selbstverständlich ausschließlich:) Islamisten erkauft, sondern auch mit der Gefahr eines Rückschritts in alte, anarchische Zustände. Dass nun zur Friedenssicherung das Kriegsrecht verhängt wird und die von Islamisten abgelegten Waffen für Schleuderpreise auf den „freien Markt“ gelangen, lassen Befürchtungen in mir reifen, dass dort demnächst das Justizsystem „Darwin“ an die Stelle der Scharia tritt.

Überhaupt, der Islamismus. Die viel zitierten Verbindungen der Somalis zu al-Qaida beschränken sich auf einzelne Personen. Freilich schlimm genug, aber gesagt wird auch immer viel. Nach dieser Logik (Achtung, Ironie) hätten die USA auch Hamburg bombardieren können, wegen Atta und so. Die „Union islamischer Gerichte“ ist nun keineswegs durchgängig ein illiberaler Sauhaufen, zumindest wenn man der Wikipedia Glauben schenkt. Und auch wenn es unserem westlichen Kulturverständnis widersprechen mag, sind einige Verbote gepaart mit Durchsetzungskraft immer noch besser als eine völlige Anomie. Realpolitisch gesehen halt. Nicht zuletzt ist Islamismus seit dem 11. September ein evidentes Argument zur Legitimierung von Gewalt gegen islamische Länder geworden, jedoch liegt auch die Definitionsmacht über den Begriff „Islamismus“ meist bei den angreifenden Staaten. Das macht mich nervös.

Überhaupt, Äthiopien. Mit diesem Land verbinde ich noch weniger als mit Somalia. Allerdings drängt sich mir das Bild eines hungernden Kindes mit dickem Bauch und Fliegen in den Augen auf, wenn ich den Namen höre. Ist das nur ein blödes Klischee? Es mag nicht so recht mit der Tatsache zusammenpassen, dass Äthiopien Kampfflugzeuge hat.

Aber vielleicht weiß jemand von euch mehr oder kann mich von davon überzeugen, dass meine vagen Meinungen falsch, das Grummeln im Bauch unbegründet sind? Ich, beileibe kein Afrika-Experte, bitte in dem Fall ganz ironiefrei um Aufklärung, auch andere ratlose Äußerungen sind willkommen.

1 Kommentar

  1. Ich bin selber genauso ratlos, lese mich aber grade durch verschiedene News und Blogs zum Thema. Bei den vielen Kriegen kommt man ja mit dem ins Thema einlesen nicht mehr hinterher. Hier zwei Interessante Artikel, die ich ganz gut fand:

    Eine Chronologie der Ereignisse:

    http://www.dailykos.com/story/2006/11/10/22256/333

    Infos über Somalias jüngste Geschichte;

    http://austrolabe.com/2006/12/29/somalia-is-anarchy-the-solution-or-the-problem/

    Was die Verbindingen zu al-Qaida angeht… Die werden mittlerweile von jedem Möchtegern-Freiheitskämpfer angegeben, der einen auf groß und gefährlich machen möchte.

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