SPONtaner Boykottaufruf

Wenn ich dienstags in meinen Freistunden den Blick über die Laptop-Bildschirme der in der Mensa sitzenden Studierenden schweifen lasse, bewegen sich 80 % der Leute auf den Seiten von StudiVZ oder Spiegel Online. Das wirft kein gutes Licht auf meine Zunft, wobei man das natürlich unterschiedlich bewerten muss.

Während der Besuch einer Seite, deren Nutzen in erster Linie in beängstigenden synergetischen Selbstbespaßungsprozessen besteht, im Sinne von „Ist mir scheißegal, wenn ich hier meinen Klarnamen angeben muss und die Seite eine datenschutzrechtlich unfassbare Historie hat, solange ich die Idioten aus meiner Vorschulzeit wiederfinde, meine politische Einstellung per Mitgliedschaft in der Gruppe ‚Henryk M. Broder Fans‘ mitteile und mir Fotos von Cindys wochenendlichem Großraumdisko-Erbrechen geliefert werden“ mir zwar unverständlich, letztlich aber egal ist, hat der Besuch von SpOn eine andere Qualität.

Meines Erachtens hinkt die Qualität der Onlineausgabe sogar der Printversion hinterher. Reißerische Sex&Crime-Schlagzeilen, völlig irrelevante „News“ frisch vom Boulevard, hämische Kommentare von Malzahn und Broder, schlecht recherchierte oder manipulative Artikel stehen der „Bild“ in nichts nach – ausser dem immerhin-noch-ein-bißchen-seriös-Nimbus, der das Angebot ungerechtfertigt umgibt – und werfen ein schlechtes Licht auf jeden Nutzer der Seite. Hin und wieder ein gutes oder zumindest interessantes Artikelchen sind wohl die berühmte Schwalbe, die noch längst keinen Sommer macht. Die letzten zwei SpOn-Märchen (eins, zwei), die der Spiegelfechter ausgrub, sprechen für sich. Es ist eine Schande, dass Spiegel Online auch in der deutschen Blogosphäre nach der Wikipedia das meistverlinkte Onlinemedium ist. Herrje, warum lassen sich die Leute von diesem Webseite gewordenen Wurmfortsatz der „RTL Aktuell“-News bloß Relevanz und Seriösität vorgaukeln? Ich finde das unverzeihlich, will das einfach nicht mehr mit ansehen und gelobe hiermit folgendes:

  1. Ich will nicht mehr auf Spiegel Online verlinken. Es gibt genug seriösere Alternativen, etwa zeit.de, sueddeutsche.de usf. sowie Sekundärquellen, auf die ich zur Kommentierung aktueller Ereignisse zurückgreifen kann – unter anderem in der Blogosphäre.
  2. Falls es wirklich keine Alternative gibt, will ich den SpOn-Link mit den Diensten tinyurl.com und anonym.to (in dieser Reihenfolge) verschleiern, um sie nicht noch mit technorati-Authority oder Google-Pageranking zu versorgen
  3. Auf sämtliche in meinem Blog zu findende SpOn-Links wende ich innerhalb der nächsten sieben Tage die Regeln 1 und 2 an[1].

Vielleicht macht ja jemand mit? Kann man übrigens – nebenbei – auch mal wieder drauf verweisen:

  1. Zumindest unter WordPress reicht es, „spiegel.de“ in die Suche einzugeben, um alle Artikel mit Links auf SpOn aufzulisten [zurück]

56 Kommentare

  1. Full Ack und deswegen lese ich schon seit Jahren Spon nicht. Ich glaube auch nicht, dass irgendwo in unserem Blog ein Sponlink rumhinkt. Falls doch, dann ist mir das aber auch wurscht.
    Immer wenn jemand mich fragt: „Hast Du das auch bei Spon gelesen, dass …?“, muss ich sagen „Nein, aber ein bisschen vorher schon bei …“. Dass Spon von vielen als Leitmedium angesehen wird, verstehe ich überhaupt nicht. Ebensowenig wie die Blöd bei den Printmedien. Irgendwer hat das mal gegackert und seither glauben es alle.

  2. Nachtrag: Jetzt habe ich doch noch geschaut. Einmal tagesspiegel.de (Obacht!), einmal spiegel.de als ein Link unter vielen und zweimal hat’s der Kollege eingebaut. Bei über dreihundert Beiträgen kein schlechter Schnitt, finde ich.

  3. Pingback: SLEEP NOW WITH THE FIRE » Na da mach ich doch mal mit

  4. Ist schon komisch was ihr für Ansprüche an den Spiegel stellt. Sollen immer die ersten sein, und dann am besten mit einem perfekt recherchierten Artikel. Am besten noch mit Expertenmeinungen und einer geschichtlichen Einordnung. Denke da leistet die Zeit und die Süddeutsche im Verhältnis von Zeit und Qualität auch nicht mehr.

    Also ich wäre schon froh wenn wir die Bild und Co. losbekommen…

  5. So ganz verstehe ich die Gründe für deinen Boykott nicht. Für einen Boykottaufruf ist das jedenfalls etwas wenig. Meinst du nicht, dass wenn du schon auf SpOn verlinkst, sie diesen Link auch verdient haben? Wäre das nicht fair?

    Erklärung, damit hier kein falsches Bild über mich entsteht: Ich finde Spiegel Online auch nicht besonders toll.

  6. Im politischen Ressort mögen SZ und Zeit ja eine Alternative sein, was aber Internet und neue Medien betrifft, blamiert sich gerade die SZ mit beständiger Regelmäßigkeit.

  7. Pingback: Tales from the Mac Hell » Spiegel, wirds nicht langsam peinlich?

  8. Pingback: DER DISSIDENT » Blog Archive » SPIEGEL-Boykott

  9. Leute,

    dass ich das noch miterleben darf… KLASSE Aktion!

    Beste Grüße,

    CP

  10. Ich bin deiner Meinung. Auch ich als Schweizer habe mich oft auf den Spiegel berufen und ihn auch hin und wieder zitiert. Aber der Trend zeigt eindeutig zum Boulevard-Journalismus unterer Schublade. Das ist schlecht. Deinen Boykottaufruf kann ich nur soweit unterstützen, dass ich selber auch nicht auf SpOn verlinke. Ich bin oft mit meinem Nestlé-Boykott beschäftigt und muss beim Einkaufen immer genau hinschauen, dass mir nicht ein Produkt von dieser Firma unterkommt.

  11. Pingback: fimpern.de

  12. das einzig wirklich seriös lesenswert bei spon sind die texte von franz walter dem göttinger politologie prof.

    ansonsten mein reden seit langem – focus ist der spiegel für bildzeitungsleser, während der spiegel die bildzeitung für akademiker ist.

    das problem besteht darin das es im deutschsprachigen raum einfach kein vernünftiges nachrichtenmagazin gibt, so wie der spiegel mal eins war vor einem viertel jahrhundert.

  13. Ich bin kein Benutzer des StudiVZ und auch NOSP lese ich nur gelegentlich. Ein paar wenige Male habe ich darauf verlinkt, aber nach dem was man so hört frage ich mich, wer überhaupt noch einen Link und den Anspruch auf irgend eine Wahrheit verdient hat.

  14. Pingback: blogdoch.net — jetzt wird zurückgeblogt - Zahlenspiele

  15. Ich lese Spiegel Online. Warum lese ich Spiegel Online?

    1. Macht Spaß
    2. Es gibt m. E. doch noch einige Schwalben.
    3. Es gibt eine Sidebar, die mir übersichtlich zeigt, was geboten wird. Ich bin nämlich STINKEFAUL und laienhaft programmierte Blogs und unabhängige Medien verwirren mich sehr.
    4. Mich interessieren die Themen, die Spiegel Online regelmäßig bringt. Es werden auch durchaus viele Dinge in den einzelnen Ressorts angesprochen.

    Was tue ich, wenn ich einen Artikel von Spiegel Online gelesen habe, der mich interessiert hat?

    1. Ich kucke bei Wikipedia
    2. Ich kucke bei Google
    3. Ich kucke bei Spreeblick
    4. Ich kucke in anderen Blogs
    5. Ich überlege mir, was an dem Spiegel Online Artikel unsinnig scheint, beziehungsweise schlecht recherchiert.

    Was soll also schlimm daran sein, Spiegel Online zu lesen?

    1. Spiegel Online tut so als seien sie seriös.
    2. Spiegel Online macht mehr Rechtschreibefehler als ich in der fünften Klasse.
    3. Spiegel Online recherchiert PEINLICH schlecht.
    4. Spiegel Online kann noch nicht einmal übersetzen, selbst wenn es „nur“ vom Englischen ins Deutsche ist.
    5. Spiegel Online erweckt den Eindruck ausreichend zu informieren und mittlerweile machen sie mit ihrem beknackten Forum auch noch auf Blog.

    Gut, das weiß ich alles. Das habe ich immer im Hinterkopf, wenn ich mich da „reinzoome“. Ich bin eben auch gerne einfach mal Konsument und lese gelegentlich tatsächlich gerne, dass sich Paris Hilton an Tag zwei im Knast einen Psychiater bestellt hat. So what? Man muss doch nicht immer gleich als verbannen.

  16. Wie schon gesagt: SPON kannste dir SPORN (sparen)!
    SPON: Wegbereiter des INSM-Kapitalismus, Bild-Zeitung des Finanzkapitals.

  17. Aaargh!

    MaloXP will mir mein „Lieblingsspielzeug“ nehmen 😉

    Mit den Verlinkungen hast Du zu 100% recht – wenn ein anderes Medium einen themengleichen Artikel bringt, so sollte man die Alternative verlinken.

    btw.: Die Netzeitung ist auch zu gebrauchen!

    Ob ich die Maus von SPON lassen kann, wage ich zu bezweifeln. Erstmal brauche ich ein gewisses Maß an Aufregung und man muß ja auch sehen, was der „Feind“ so macht 😉

  18. In positiver und informierender Form, verpflichte ich mich hiermit, den Spiegel nicht mehr zu erwähnen!

  19. Pingback: MedienGAU Rostock [Update III] - Der Spiegelfechter

  20. Pingback: Chronologie einer Falschmeldung II auf F!XMBR

  21. Pingback: Nur mein Standpunkt » Praktisch mache ich das doch schon…

  22. @ fredge:
    Ist ja alles schön und gut; aber wenn Du Dir die ganze Mühe machst, dann schicke die Ergebnisse Deiner Recherche, falls Du – wider erwarten 😉 – Fehler findest an Spiegelkritik, an Niggemeier und an den Spiegelfechter. Einer von denen wird das dann schon publizieren.
    Wenn nicht, schicke Deine Erkenntnisse an SpOn. Die nahezu garantierte (ich habe es mehrmals ausprobiert) nicht-Reaktion und die damit verbundene nicht-Lernfähigkeit wird Dich dazu bringen, noch mehr Ideen zu entwickeln, die Wahrheit(TM) zu kommunizieren…

  23. Pingback: // to be different than the Tellerrand » Blog Archive » Boykott ist schwer

  24. Pingback: filapper » Nix ist heilig auf dem Damm

  25. Pingback: links for 2007-06-06 | Endl.de | Zielpublikum Weblog

  26. datt is prima, da simma dabei.

    ich gelobe, dass mein (neuer blog) auf ewig spon-link-frei bleiben wird. versprochen

  27. Pingback: neues aus der roiberhöhle » Blog Archive » my non-committal recommendation for Juni 4th through Juni 6th

  28. Pingback: Wieder einer mehr » Code Candies

  29. Pingback: Was ein Pressehaus und ein Autohersteller gemeinsam haben « Spritkopf

  30. Pingback: NOSP » just madchiq!

  31. Pingback: Meine ich schon lange - NO SP » bENNIEbUNNIE

  32. Pingback: G8-Gipfel: Beste Bilder von den Protesten rund um Heiligendamm at 1 + 1 = 1

  33. Pingback: links for 2007-06-07 at tinokissig.de

  34. Ganz klar, ich mach auch mit… naja, tue ich schon länger
    und die Printausgabe kauf ich mir seit langer Zeit auch nicht mehr.

  35. Pingback: musiqua

  36. Gute Sache, aber m.E. eine nicht gerade frühe Erkenntnis. Der Niedergang des Print-SPIEGELs währt nun schon 10 Jahre, und SPON war von Anfang an nie wirklich toll. In meinem Blog (für das ich leider viel zu wenig Zeit habe) hieß der SPIEGEL ergo von Anfang an „das ehemalige Nachrichtenmagazin“ („NATIONALHEILIGTUM VOLLKORNBROT – Unsere dunkle, körnige Seele“), welches BILD offensichtlich in nichts mehr nachsteht.

    T-Shirt mit dem Logo wäre trotzdem cool.

  37. Pingback: Gedankenbörsen-Blog » :::SpOntaner Boykottaufruf:::

  38. Spon lesen (es gibt es ja nix Besseres und deshalb sind wir darauf angewiesen, wenn wir schnell und gut informiert werden wollen) und moppern geht irgendwie nicht. Die größten Kritiker wissen blöderweise immer, was Spon gerade veröffentlicht hat – und die allergrößten Kritiker der Print-Ausgabe, da bin ich mir nicht unsicher, nehmen das Blatt offensichtlich selten in die Hand. Blöder Aufruf!

  39. > schnell und gut informiert

    geht nicht immer gut zusammen. wenn dann noch so tendenziöser bullshit wie vorm gipfel dazukommt… auf second life- und it-girl-berichterstattung kann ich ebenso verzichten.

    > Die größten Kritiker wissen blöderweise immer, was Spon gerade veröffentlicht hat

    ich les den mist ja auch. wenn ich drauf hingewiesen werde.

    > die allergrößten Kritiker der Print-Ausgabe, da bin ich mir nicht unsicher, nehmen das Blatt offensichtlich selten in die Hand

    ich nehme. ein- bis zweimal im monat. das soll’s dann aber auch sein. mein rechtfertigungshaushalt ist für diesen monat erschöpft. er tickt schon auf kleinschreibungsmodus…

  40. Also ich lese SPON schon lange nicht mehr, nur noch ab und zu, wenn mich interessiert, welche Propaganda gerade dort „in“ ist. Ansonsten kann man das Online-Angebot wirklich in die Tonne treten. Da spar ich mir lieber die Zeit des Lesens am Monitor und versuche mich über andere Quellen zu informieren. Deshalb finde ich den Boykottaufruf gut, denn SPON wird zu Unrecht als seriöse und zuverlässige Quelle für Nachrichten gehandelt.

  41. Pingback: leet-wg.blog » 2007 » Juni » 10. » NOSP

  42. Pingback: 37.6-Blog

  43. Pingback: Vom Tiefflieger zum Terroristen « Bornheim-Blog

  44. Pingback: Neuauflage die zweite » CalganX.net

  45. Pingback: filapper

  46. … und das SPON-Forum ist eine reine Farce. Anfangs habe ich an Fehler beim Übertragen von Posts geglaubt, tatsächlich wird dort aber derart massiv zensiert, dass es keine Freude bereitet dort zu diskutieren. Alles was nicht ins gingernagelgroße linke Weltbild des sysops passt wird gnadenlos zensiert. Man erhält nicht einmal eine Mail darüber. Schöne Pressefreiheit. Eigentlich tut es mir im Nachhinein um die Zeit leid, die ich auf diesen Seiten verbracht habe. No more SPON!

  47. Ueber Meinungen kann und soll man streiten, aber sie nicht zensieren!
    Daher habe ich weniger ein Problem mit den Artikeln des Spiegel sondern eher damit wie man sich dort mit den Reaktionen auf die Artikel auseinander setzt!
    Leider wird bei SPON konsequent zensiert. Das KO Argument der Netikette ist natuerlich Unsinn. Denn es werden deutlich reisserischere Beitraege durchgelassen. Betrachtet man das Zensurverhalten von SPON mal mit einigem Abstand erkennt man das offenbar ein bestimmter thematischer Diskussionsverlauft gewollt ist.
    Das nennt man Medien bzw. Meinungsmanipulation!
    Ein Teil der Zensur und eine Folge der Zensur.

    Wenn man nun davon ausgeht das SPON Redakteure nud Mods nicht gerade dumm sind, dann muss man Vorsatz unterstellen. Das allerdings macht die Sache nicht besser sondern eher noch schlimmer.

    Simon

  48. @ Simon:

    Ueber Meinungen kann und soll man streiten, aber sie nicht zensieren!
    Daher habe ich weniger ein Problem mit den Artikeln des Spiegel

    Moment. Wir reden hier über eines der größten Presseerzeugnisse Deutschlands. Eine gewisse Verantwortung gegenüber den Lesern dahingehend, Meinungen als solche auch kenntlich zu machen, darf man schon erwarten.

    Von der Löschpraxis im SPON-Forum habe ich schon gehört. Sowas gehört sich in der Tat nicht. Im Zweifel würde ich das Forum, genau wie die Seite insgesamt, einfach nicht mehr nutzen. Die Macht des Marktes ist die letzte uns gebliebene.

  49. Der Spiegel ist zum reinen Boulevard verkommen.
    Ich glaube es kann Deutschland nicht schaden, wenn man dem Spiegel keine Beachtung mehr schenkt.

    Gut zu wissen das ich nicht die einzigste PErson bin die dies erkannt hat!

    Spiegel Online, Ihr seit einfach nur Peinlich!

  50. Naja, heute seh ich das auch nicht mehr so eng. Finde es aber interessant, dass es immer wieder Personen gibt, die den Seriösitätsmangel des SPIEGEL neu entdecken. Wer weiß, vielleicht gab’s den ja schon immer? Ich glaub, Oliver Gehrs war es, der mal einen Video-Podcast dazu gemacht hat, dass der Spiegel selbst zu den Zeiten, als Augstein eingeknastet wurde, schon ein zotiges Wurstblatt war. Leider gibt’s das Video nicht mehr, scheint’s. 🙁

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