Star Trek Into Darkness (2013)

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Das letzte Mal im Kino war ich vor sehr langer Zeit gewesen. Am 7.9.2010 ungefähr, Inception auf Usedom. Nur weil ein Kinogang so ein Unikum für mich ist, halte ich es vertretbar, eine Rezension zu einem Film zu schreiben, der schon einige Wochen im Kino ist und schon längst von anderen, wichtigeren Ereignissen überholt wurde. Die Rede ist von Star Trek Into Darkness.

Warnung: Spoiler, die machen aber bei dem Film nix, finde ich.

Star Trek Into Darkness ist ein gleißender Film, trotz des Namens. Jede Armatur wirft einen Lensflare-Effekt und blendet den Zuschauer. Er besitzt sehr viel Action, seine Protagonisten springen viel und weit. Leider versäumt der Film es, dieses Anliegen mit Konsequenz vorzutragen und mengt ethische Konflikte ein, die dann leider auch monolithische Star Trek-Klischees sind: Darf man sich in das Schicksal unterentwickelter Zivilisationen einmischen? Ist das Wohl eines guten Kumpels wichtiger als das von ganz vielen anderen? Darf man die Befehle von Sternenflottenvorgesetzten ignorieren, nur weil sie eine eigene, intrigante oder gar verschwörerische Agenda verfolgen? Gähn!

Hauptprotagonisten sind ein draufgängerischer Reboot-Kirk und ein gefühlskalter Reboot-Spock, die manchmal ein bisschen wie Bud Spencer und Terence Hill wirken, meist aber eben Abziehbilder ihrer Figuren sind. Reboot-McCoy als väterlicher Vernunftvertreter und ein Reboot-Scotty, der zusammen mit seinem namenlosen Kollegen (optisch eine Mischung aus Jem’Hadar und dem Muppets-Blumenkohl) die Rolle des Slapstick-Duos im Enterprise-Exil übernimmt. Schade, Star Trek hatte diese Bulk & Skull-Passagen früher eigentlich nicht nötig. Reboot-Chekov wird nur technische Inkompetenz und sein ewiger schlechter russischer Akzent (Kijäptan, iech chaffe nicht, Liäck im Wuorpkjiärn zu cheparierän!) zugebilligt, etwa so: Ich habe zwar nur eine kleine Rolle, aber die ist wenigstens scheiße. Sulu schließlich ist leider kaum zu sehen. Die aufgesetzt wirkenden Beziehungsspannungen zwischen Uhura und Spock sind genauso wenig reizvoll wie das verdrückte Alibitränchen von Spock am Schluss glaubhaft wirkt. Aber gut – was regt man sich über die Charakterzeichnungen und -konfigurationen in einem Actionfilm auf? Schließlich gibt’s da noch einen neuen alten Feind: Khan. Khaaaaaaaan! Der wirkt dann auch ein bisschen angsteinflößender als der alte (der ja wiederum aussah wie Iggy Pop mit Fönfrisur), aber ein bisschen so, als ob er sich das Bösegucken mühevoll wochenlang im Badezimmerspiegel antrainiert hätte. Der Matrix-Mantel hilft natürlich beim Gesamteindruck der Erhatsichstetsbemühtheit.

Zum Plot könnte ich jetzt auch etwas schreiben, zum Beispiel: Eingefrorene Genmutanten, die in Photonentorpedos versteckt werden. In Photonentorpedos! Klingonen und Tribbles haben ebenfalls einen Gastauftritt, da „Kult“. Leider erinnere ich mich aber an das meiste von der Handlung sonst nicht mehr. Das liegt daran, dass mich die Optik des Films ziemlich erschlagen hat, während der Film inhaltlich eben überwiegend aus Selbstzitaten und Klischees bestand. Vielleicht bin ich mittlerweile einfach zu alt (30), aber ich fand es immer ganz gut, wenn in früheren Star Trek-Filmen auch mal verschnauft wurde, etwa bei Kirks Nexus-Musterhausküchenszene im „Treffen der Generationen“. Letztlich versagt der Film eben an seiner unmöglichen Mission, Fans zufriedenzustellen und Leute, die mit der Serie (oder zumindest dem Reboot-Zeitstrang) bislang nichts anfangen konnten.

Macht aber eigentlich alles nix; wenn man an den Film erwartungslos herangeht, dann sind das eben zwei Stunden Kinounterhaltung; ein gelungener Rahmen für den Puffmaisverzehr. Der Reiz des ersten JJ Abrams-Filmes als völlig Neues ist verflogen. Aber naja, es hat auch schon schlechtere Star Trek-Filme gegeben. Ob man das nun als Prädikat oder niederschmetterndes Urteil wertet, sei jedem selbst überlassen.

Fazit: Hirn aus, dann geht’s.

Bild: Paramount