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Ihro Majestät Papst Benedikt XVI., bis heute enthaltsam gebliebener Statthalter des Vatikan und oberster Erbsenzähler in Dingen der Sexualmoral, hat bei der Ostermesse in Rom tiefe Sorge über die in weiten Teilen der unzivilisierten Welt immer noch gängige Praxis der Geburtenkontrolle geäußert. Vor Zehntausenden von Leichtgläubigen, die bei Graupel und einem von Gottvater Zeus eigens abgesandten Himmelsfeuerwerk auf dem Petersplatz ausharrten, sowie Milliarden an den Fernsehgeräten daheim (es kam nichts besseres), erinnerte er daran, dass Schwangerschaftsabbrüche nur dann weiter von der katholischen Kirche als frevelhaft verurteilt werden könnten, wenn ungewollte Schwangerschaften auch in Zukunft stattfänden. Deshalb sei die Benutzung von Verhüterlis auch "doof", so Ratzinger. Wer unbedingt sein "Stengelchen" außerehelich versenken müsse, ohne die Gefahr von Rufverlust und Vaterschaftsklage, solle sich an die vom Katechismus gebilligten Orte halten, etwa die Polöcher von Ministranten. Dies gebiete der "tiefe" Glaube "in" die Lehre der Bibel.
Nicht hinterm Berg hielt der oberste Aufsichtsrat der Katholiken auch mit seiner Meinung zur grassierenden Immunschwächekrankheit AIDS. Sie sei, so betonte der "Superschäfer", keine Folge der Nichtbenutzung von Präservativen, sondern eine Strafe Gottes für jene, die diese zuvor bereits ernsthaft in Erwägung gezogen hätten. Aus diesem Grund seien jene, oft homosexuellen, Siechenden mit dem Respekt vor Schöpfung und Würde des Menschen weit weniger gemeint als die bei der Verhütung ruchlos vergeudeten Spermien. Benedikt XVI. bezeichnete dieses tagtäglich weltweit abermillionenfach wiederkehrende Ereignis als "Massenmord" und kündigte in lupenreinem Latein an, mit seiner Politik der Wiederhinwendung zum Mittelalter fortzufahren.
"Nun, da der Exorzismus wieder tragender Stützpfeiler unserer Bewegung wird, ziehe ich in Erwägung nach Jahrhunderten der moralischen Auszehrung innerhalb der katholischen Kirche, die Inquisition wiedereinzuführen. Nur sie ist in der Lage, die Zerrüttung unserer Welt durch die Ketzerei der Verhütung aufzuhalten."
Urbi et Orbi: Der Segen "Urbi et Orbi" ist ein jährlich mehrfach stattfindendes Spektakel, über das die Medien berichten, obwohl es weiß Gott interessantere Nachrichten gibt. Er passiert in Rom und viele Menschen gucken es sich an. Im Fernsehen wird seit Jahren auf die gleiche Art Bericht erstattet: Den Hinweis, dass "Zehntausende Gläubige" bei [strahlendem Sonnenschein|strömendem Regen|klirrender Kälte|drückender Hitze] dem obersten Führer der römisch-katholischen Kirche auf dem Petersplatz lauschen. Der Papst verlangt Frieden und Gerechtigkeit in der Welt, er erzählt seine Grußbotschaft in vielen Dutzend Sprachen (muss ermüdend sein), im TV sieht man's aber nur auf Deutsch. Danach kommt dann das Neueste aus dem Koalitionsstreit oder Sport.Höhepunkt der Messe war der Segen "Urbi et Orbi" - "Der Stadt und dem Erdkreis", bei dem der alte Sack mit den markanten Augenringen traditionell Grüße in mehr als 60 Sprachen ausspricht und der in fast 70 Ländern im Fernsehen übertragen wird. Auf Deutsch sagte der Papst: "Ich habe heute früh meine Eier nicht gefunden. Wenn ich diesen Rammler erwische, dann gibt's morgen Hasen. Und zwar keinen Falschen! Mit fein Hostien dabei und 'ner Pulle Lambrusco von Lidl. Derart angerichtet lob' ich mir den Leib Christi. Müsst ihr auch mal versuchen, ihr Flachpfeifen. Frohe Ostern!"
Das Ende der zum Gähnen langweiligen Rede wurde frenetisch gefeiert. Man war sich einig auf dem Petersplatz: Wenn der Papst ein Popstar ist, dann ist er Bono.
Mit dem Segen wird allen Gläubigen, die ihn hören oder sehen und die guten Willens sind, ein vollkommener Ablass ihrer Sünden versprochen. Absurderweise glaubt das ein Großteil der Masse. Anders als sonst erteilte der Papst den Segen nicht von seinem Donnerbalken vor dem Petersdom. Wegen des Graupels blieb er stattdessen in seiner Sänfte auf der Terrasse stehen, die von 27 nackten Jungfrauen gehalten wurde. In den vergangenen Tagen waren zehntausende Touristen und Pilger nach Rom geströmt, um sich trotz des regnerisch-kühlen Wetters verarschen zu lassen.
Bereits in der Nacht zuvor hatten die traditionellen Osterfeierlichkeiten begonnen. Nachdem der Papst sein Morgengebet gesprochen, ein schönes Tässchen Kaffee gesüffelt und eine halbe Stunde auf einem nicht näher benannten Örtchen verbracht hatte, wurde der absurden Tradition des Eiersuchens in den päpstlichen Gemächern gefrönt.
Im Anschluss an die Osterfeiern im Vatikan begab sich der Papst in seine zweite Residenz nach Castelgandalfo, um dort zu chillen.
Dieser Beitrag ist ein Satireversuch von citronengras.de, hier das Original.