meist manchmal, selten oft

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Das “Sieg Heil” in Wien, darauf folgendes Jubelgeschrei und ein Straßenbahnfahrer, der sich für eine Entgleisung entschuldigt. Krass.

[via Sebastian bei Twitter]

[Update:] Das Video ist offline, aber anderswo in Kopie vorhanden.

schmidtHelmut Schmidt äußert eine interessante Analogie zu Oskar Lafontaine und pflanzt einen neuen Setzling in das gut bewässerte Beet der albernen Dämonisierungen:

“Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.”, fügte Schmidt hinzu. Zudem verglich der Sozialdemokrat Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen. “Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon”, sagte der Alt-Kanzler.

So ein Gehobel gehört sich natürlich im, äh, Feuilleton der Bild am Sonntag. Ich will da jetzt mal gar nicht den Godwin herbeizitieren, das wird ja auch irgendwann langweilig. Nur so viel: Apfelmus hat eine breiige Konsistenz. Durchfall auch. Und nicht nur Hitler hatte einen an der Klatsche. Ex-Kanzler, die sich in den widerlichsten Auswucherungen der deutschen Boulevard-Landschaft zum Leitwolf der Intellektualität hochjazzen lassen, ebenso.

Nachtrag: Chris von F!XMBR setzt das Schmidt-Zitat ins Verhältnis zu einem von vor zehn Jahren. Hm. Was… Geschwätz… gestern…

Foto vom Gemälde: thbl (cc)

Reichsparteitag 1934
Reichsparteitag ‘34: Wo ist denn da die Tropfenform?

Der “Führer” war nicht nur ein Arschloch, sondern in seinen Reden auch notorisch verquast. Fürstlich gefeiert habe ich, als mir meine Freundin gestern Abend folgende Passage vorlas:

Noch vor zwanzig Jahren war die künstlerische Darstellung der Schnelligkeit eines Körpers verbunden mit der Konstruktion der Spitze nach vorn und der Verdickung nach rückwärts. In zwanzig Jahren, von heute ab gerechnet, wird das Schönheitsempfinden gebieterisch die umgekehrte Tropfenform identisch finden mit der Vorstellung von Schnelligkeit. Der Künstler ist daher in der inneren Ahnung solcher Naturgesetzlichkeiten sowohl der Wissenschaft wie damit überhaupt der Menschheit stets voraus. Er hat die Pflicht, seine ihm von Gott gegebene Ahnung und Einsicht einer nachstrebenden Menschlichkeit als Richtpunkt nach vorn aufzustellen und nicht diese wieder nach rückwärts zu führen.

Aus Hitlers “großer Kulturrede” auf dem Nürnberger Reichsparteitag 1934. Zitiert nach der Sammlung von Thomas Manns BBC-Radiosendungen aus dem Exil, “Deutsche Hörer!”.

Bild
Auch ein Herman

Über Eva Hermans Geschlechterrollenrevisionismus habe ich mich vor anderthalb Jahren mal in einem Kommentar im FUCKUP-Blog ausgelassen. Muss ich dazu noch etwas ergänzen? Eigentlich nicht, denn das Thema ist ja auch schon wieder “durch” auf der Karte der Tagesaktualitäten, aber trotzdem – ich finde, da muss noch etwas Mostrich meinerseits drauf.

Grundsätzlich vertritt Eva Herman – mit einem “r” und einem “n” – also die Position, es gäbe eine metaphysisch (weiß nicht ob sie das religiös oder genetisch begründet) legitimierte Geschlechterordnung und jemand – natürlich die doofen 68er – trügen Schuld am Fall jener Mauer zwischen den durch die Evolution unverrückbar eingepflegten spezifisch männlichen und weiblichen Verhaltensweisen.

Das ist nicht nur völliger Blödsinn, das ist auch eine komplett illiberale Einstellung. Denn Herman plädiert somit nicht für die Wahlfreiheit des Lebensstils, sondern für Unterordnung in eine externe Ordnung. Frauen sollten ihr zuliebe nicht die Möglichkeit haben – platt ausgedrückt – sich für den Herd zu entscheiden, sondern hätten sich gefälligst in die Vorbestimmung zu fügen. Dass sie das als Normativ versteht, verkleidet sie passabel, aber die Militanz, mit der sie den (bei weitem nicht optimalen) Status Quo der Gleichstellung von Frauen und Männern angreift, enttarnt’s doch.

«Mutterwertschätzung is the new Autobahn» weiterlesen