meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Arbeitslose’

Vor allem nicht denen im Staatsdienst. FAZ: 3,2 Millionen Arbeitslose gelten nicht als arbeitslos. Na sowas. Neu ist das nicht, aber die vom Aufschwung am Arbeitsmarkt Besoffenen krakeelen halt meist lauter.

Arbeitsamt
Bild: Moe_ (cc)

Wir Ego-Spritzpistolen der Blogosphäre! Während man hier in dieser Ecke des Schulhofs Internets in großen Lettern und abgerundeten Kästchen bis zum Erbrechen Für und Wider der neuesten Designentscheidungen aus dem Hause Apple abwiegt, leider nicht nur im Frühling selbstreferentielle Meta-Stasen explosionsartig erblühen, den begeisterten Scharen täglich neu lustige Videoschnipsel präsentiert werden und das obendrein den Printmedien noch als journalistische Revolution verkauft wird …

… währenddessen führen hunderte, vielleicht tausende andere Leute ihre Threads in themenspezifischen Foren exakt so wie ein Weblog, aber kaum jemand nimmt Notiz davon.

Ein krasses Beispiel ist “Kein Geld, viele Probleme, falsche Reaktionen”. Ein Thread im Erwerbslosenforum, auf den meine Liebste per Zufall stieß. Mario, 26jähriger Ex-Student, schildert dort im völlig schmucklosen schwarz-weiß-grauen Forenlayout die Unfassbarkeit seiner Korrespondenz mit Jobcenter und Arbeitsagentur (in der Hauptsache) sowie seine prekäre Lebenssituation (nebenbei). Es ist lesens- und bewundernswert, wie sich einer das abringt, diesen täglichen Kampf auszufechten, nicht klein bei zu geben, mit Galgenhumor der Scham zu trotzen und das auch noch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Gerade gefunden: Mit Nudeln kennen wir uns aus – noch eine Leidensgenossin. Mittlerweile lassen wir die Nudeln höchstens noch auf Stufe 3 (eher 2) und mit Deckel drauf aufquellen. Im Sommer könnte man sich auch eine Vorrichtung mit Parabolspiegel bauen, um den Topf zu beheizen. Ich stelle mir das etwa so vor, wie auch das Olympische Feuer entzündet wird. Fragt sich nur, aus welchem Kleingeld-Nutellaglas ich die Aufwendungen dafür bezahlen könnte. Oder demnächst gibt’s Nudeln als Knabbersnack. Zwar funktioniert das nur mit Spaghetti aufgrund der Dicke und der Bisskraft der menschlichen Schneide- und Backenzähne, aber wir wollen mal nicht wählerisch sein. Immerhin spart man sich dann den gesamten Strom für die Zubereitung. Das Geld lässt sich dann effektiv für Einschreiben und diverse andere lebensbereichernde Maßnahmen verwenden. (19.12.2007)

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contempt
Foto: petulant_seraph (cc)

Die neue “Deutsche Zustände”-Studie von Wilhelm Heitmeyer, die sich mit gruppenbezogener Abwertung und Menschenfeindlichkeit befasst, ist veröffentlicht.

Während in der medialen Verarbeitung die Ergebnisse letztes Jahr eine Besorgnis erregende Zunahme der Islamophobie zentrale Beachtung fand, konzentriert sich die Aufmerksamkeit dieses Jahr auf die in der Studie neu integrierten Langzeitarbeitslosen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Abwertung dieser häufig falsch mit Hartz IV-Empfängern gleichgesetzten Gruppe zunimmt, je niedriger der soziale Status des Befragten. Es scheint ein starker Wille zur Distinktion “nach unten” zu bestehen.

Ebenfalls beachtenswert ist die generelle Zunahme ökonomistischer Einstellungen, welche sich z.B. dadurch auszeichnen dass Menschen zuvorderst nach ihrem gesellschaftlichen Nutzen bzw. persönlichem Vorteil bewertet werden.

Der forcierte Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft zeigt sich darin, dass ökonomistische Prinzipien wie Effizienz und Nützlichkeit das soziale Leben durchdringen und andere, nicht marktrelevante Grundsätze wie Empathie und Fürsorglichkeit überformen oder gar zurückdrängen. Ökonomistisches Denken ist die subjektive Verankerung kapitalistischer Logik in der Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass sich ökonomistisches Denken in breiten Bevölkerungskreisen entwickelt und verankert hat. Ein Indikator ist dabei der von den Menschen wahrgenommene Flexibilitätszwang. Damit meinen wir, dass auch die Elemente des gesellschaftlichen Zusammenlebens, etwa soziale Beziehungen, einer Gewinnkalkulation unterzogen werden. (Heitmeyer in der Zeit)