findet mit folgendem Freud’schen Vertipper von Jeriko seinen Höhepunkt:
Seit heute wird aber ein Mitglied der Piratenpartei, dass sich in der Vergangenheit mehrmals kritisch zum Holocaust geäußert hat, unter der Prämisse der absoluten Meinungsfreiheit verteidigt.
Ansonsten finde ich die Diskussion überzogen. Warum? In einer Menschenansammlung von 30 Leuten findet sich mit gegen 1 tendierender Wahrscheinlichkeit ein Idiot. Und wer Dinge von sich gibt wie
Solange der Holocaust als gesetzlich vorgeschriebene Tatsache existiert, sehe ich keine Möglichkeit, diesen neutral zu beschreiben. Zur Erinnerung an vergangene Zeiten. Es gab auch mal andere Doktrinen, z. B. die “Tatsache”, dass die Erde eine Scheibe sei. Diese Doktrin unterscheidet sich von der Holocaust-Doktrin im wesentlichen durch folgende Punkte: 1.) Heute existiert diese Doktrin nicht mehr, daraus folgend konnte 2.) offen darüber diskutiert werden, und Nachforschungen angestellt werden, und daraus folgt 3.) dass festgestellt wurde, dass diese Doktrin schlicht falsch war. Soviel zum Thema Neutralität.
ist ganz offensichtlich ein Idiot. «Der Piratenpartei-Diskurs in der deutschen Blogosphäre» weiterlesen
Ich blogge, du bloggst, er sie es bloggt. Der Spiegel bringt in seiner neuesten Ausgabe (Seiten 94 und 96, kann man prima im Laden lesen) ein Feature über deutsche Blogger, mutmaßlich für die mit dem Thema weniger vertrauten Leser. Ich freue mich für den Spiegelfechter und die NachDenkSeiten über sicherlich einige tausend Besucher mehr in dieser Woche, finde den Artikel selbst aber fad. Diese mit einer Prise Häme gewürzte ewige Vergleicherei mit den ach so influentiellen US-Blogs sowie der arrogante Grundton, mit dem da mit der Nennung von Jens’ beruflicher Haupttätigkeit und Wolfgang Liebs in der Tat etwas unglücklichen Nazivergleich versucht wird, deren zum Teil hervorragende Arbeit zu diskreditieren (bei der nebenbei auch schon dem Hamburger Nachrichtenmagazin einige Lapsi nachgewiesen wurden) — ach, das geht mir auf die Nerven. Liebe deutsche Blogger, könntet ihr mir nur dieses eine Mal den Gefallen tun und aus der dort zu Recht kritisierten Spirale der Selbstreferentialität ausbrechen? Aber ich fürchte ja, da wird wieder “unser” merkwürdiges kollektives Ehrgefühl getriggert und allerorten die wegen ihrer Verstaubtheit heftigst Husten anreizende “Blogs vs. Journalismus”-Diskussion aus der Mottenkiste gekramt. Seufz. (Na gut, ich habe ja mit diesem kleinen Post im Prinzip auch schon mitgemacht…)
Ein bestimmtes Blog wird im Spiegel-Artikel übrigens “Schlamm” genannt. Eine braune, zähflüssige und übelriechende Brühe also, die manchmal Blasen wirft — das kommt schon hin für PI. [via]
Bild: Somewhat Frank (cc)
Die Ausdauer und Vehemenz, mit der im Moment diverse klassische Medien, allen voran die Süddeutsche Zeitung gerade versuchen, eine vermeintliche Irrelevanz von Blogs zu belegen, stellt ja bereits einen Widerspruch in sich dar. Dem entspricht die diffuse Stoßrichtung der Kritik, wie sie etwa der Medienwissenschaftler Geert Lovink, der sogar ein Buch über ebenjene Irrelevanz geschrieben hat, im ZEIT-Interview äußert: Sind es nun die profanen Inhalte (Katzenblogging) oder die Ünüberschaubarkeit einer Kakophonie aus vielen Millionen Stimmen, die Blogs so unzumutbar machen? Zum ersten Ansatz kann man einwenden, dass es schon einen Grund gibt, warum Menschen digital ihr Mittagessen, ihre ganz persönliche politische Philosophie oder den Zustand ihres Stuhls thematisieren. Mag sein, dass es ein naives Geltungsverlangen ist. Ein ähnliches vielleicht, das uninteressante Menschen in die zahlreichen uninteressanten Reality-TV-Formate drängt. Man muss das nicht gut finden, aber es ist falsch, diese Kritik an ein spezifisches Medium oder ein Buzzword wie das Web 2.0 zu knüpfen. Denn es sind die Menschen, die sich zum Horst machen und Horst-Blogs neben Talk- und Castingshows nur eine mögliche Ausprägung der durchaus kritikwürdigen öffentlichen Ausstellung von Doofheit in weiten Teilen der konsumistischen Unterschicht.
