Archiv für das Schlagwort ‘Datenschutz’
Junge, Junge — 17000000 Kundendaten sind T-Mobile “entwischt”. Das sind sechs Nullen hinter der Siebzehn. Ich finde es ehrlich gesagt befremdlich, dass die Telekom bereits versichert, dass die Daten nicht gekauft worden wären, obwohl sie noch nicht einmal den zuständigen Datendieb erwischt haben. Man könnte langsam eine Tageszeitung eröffnen, die ausschließlich mit Datenpannen-Berichterstattung befüllt wird[1]. Das jüngste Datenloch bei der Telekom etwa erschüttert mal wieder alle. Alle! ALLE!!!1 Ganz besonders die Granden in der großen Koalition, die publikumswirksam ausgerechnet als Gralshüter des Datenschutzes wahrgenommen werden wollen:
(SPD-Innenausschuss-Vorsitzender) Edathy forderte ebenfalls eine “Meldepflicht für Unternehmen” bei Datenmissbrauch und plädierte auch dafür, “Kundendaten in Unternehmen nur noch verschlüsselt zu speichern und eine automatische Protokollierung jedes Datenzugriffs vorzuschreiben”.
Moment mal, eine Meldepflicht für solche Fälle gibts noch nicht? Ach, dann weiß also auch der Verbraucher nicht, wenn die eigenen Adressdaten in den Händen zwielichtiger Gestalten sind? Ganz genau.
Ein zweiter Aspekt mit Änderungsbedarf sei die fehlende Benachrichtigungspflicht. Nach geltender Rechtslage müssten die Betroffenen nicht unbedingt benachrichtigt werden, wenn ihre Daten gestohlen würden.
Edathys Forderung danach, dass Kundendaten verschlüsselt werden müssen, ist sicher richtig, aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Natürlich würde es ein gewisses Mehr an Sicherheit gegenüber solchen Kräften bringen, die von externer Stelle an die Daten gelangen wollen (lies: Hacker), aber bei einem Unternehmen, das vertrauliche Daten öffentlich zugänglich und unverschlüsselt speichert, ist eh Hopfen und Malz verloren (vgl.: Beate Uhse-Gate, PricewaterhouseCoopers-Gate). Da hilft kein Gesetz, keine Strafe, das wird’s geben, so lange man SQL und PHP an der Volkshochschule lernen kann. Ein Unternehmensinterner mit ausreichenden Befugnissen — und ich nehme stark an, dass ein solcher für das T-Leak verantwortlich ist — jedoch kann auch auf verschlüsselte Daten zugreifen. Und das dürften einige sein, wenn man sich vor Augen hält, dass bei Telekommunikationsanbietern jeder Call Center-Mitarbeiter Zugriff auf sämtliche Benutzerdaten, sogar auf Rechnungsdaten und Kontoverbindung, haben dürfte. In vielen englischsprachigen Ländern wird die Kundenbetreuung bereits ins Ausland ausgelagert. Hierbei ist Kontrolle zwangsläufig noch weniger möglich, mal ganz abgesehen davon, dass deren rechtlicher Status auch eher eine Grauzone sein dürfte. Kurzum: Man muss sich meines Erachtens nicht wundern, wenn Telco-Kundendaten in dunkle Kanäle geraten.
Nicht falsch verstehen, ein Zugriff in bestimmten Grenzen für die Mitarbeiter von Telekom & Co ist nützlich, etwa um Rechnungsangelegenheiten zu besprechen. Jedoch greift hier die gute alte Regel “Der beste Datenschutz ist der, Daten nicht zu erheben” nicht, denn die Telcos brauchen nunmal diese Daten. Die einzige Art, wie potentiellen Missbrauchsfällen zumindest im Ansatz begegnet werden kann, ist den Zugriff auf sensible Daten weitestmöglich einzuschränken und genau zu protokollieren, wer wann worauf zugegriffen hat. Trotzdem bleibt das Risiko von Datendiebstählen groß, ich mutmaße mal, dass die jüngsten Fälle sich in Zukunft häufiger in ähnlichen und größeren Ausmaßen wiederholen werden.
Was mich auf die Palme bringt ist, wenn sich jene Politiker jetzt in puncto Datenschutz profilieren wollen, die Onlinedurchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriff und das weite Feld der Maßnahmen durchwinken, die vor einigen Jahren undenkbar waren, heute aber als wichtige Mittel im Kampf gegen einen diffusen Begriff von Terror durchgewunken werden. Wasser predigen, Schnaps kippen! Ich warte ja nur darauf, dass irgendein parlamentarischer Naseweis öffentlich erklärt, man könne Datenmissbrauchsfälle dank der Vorratsdatenspeicherung zukünftig viel besser verfolgen.
Ach übrigens…
Bild “Car Telephone”: Brian Josefowicz (cc)
- Wer Gefallen an dieser Vorstellung findet und ausreichend Frustrationsresistenz besitzt, kann sich ja mal den englischsprachigen Datenpannenaggregator PogoWasRight anschauen [zurück]

Bild: Gabriele Kantel / schockwellenreiter (cc)
Jetzt habe ich also dieses One Year Ago-Plugin installiert und dann kommen nur Tage, an denen ich auch im letzten Jahr nix geschrieben habe und der zeigt deswegen da auch nix an, nur die Überschrift. Toll! Ihr müsst mich ja für total debil halten:
“Steht da jetzt ‘Lange her’ in der Sidebar beim maloXP (ach nee, der heißt ja jetzt anders) und nüscht drunter. Is’ aber auch verdamp’ lang her, dass da überhaupt mal was Gutes kam bei dem. Die fliegt jetzt aus meinem Feedreader, die Franksau, die alte!”
Tja liebe Leser, im Hirn ist Tundra. Oder Taiga? Ich könnte ja was schreiben, über die bescheuerten Kommunisten und die hysterischen Antikommunisten, aber mehr über ersteres, weil diese Stasi-Checker, ’schuldige, -Tscheka ja wirklich Idioten sind, von denen ich welche persönlich kenne, die auch mal abgedrehte Kommentare in diesem Blog hinterlassen, aber der Bock vergnügt sich gerade auf einer anderen Wiese und ich vergrab’ mich lieber in irgendwelche Themefrickeleien für noch ungeborene Projekte, als dass ich meine lange nicht gewartete Assoziationsmaschine und den inneren Thesaurus anwerfe. Ist besser so, denn die Tante — sie wirkt auf mich wie eine Alkoholikerin, gerade auf dem Sprung von Bier auf Schnaps — ist ja nun auch aus der SED Niedersachsen geschmissen worden. Pardon: Geworfen worden. Worüber sich also aufregen? Ist doch auch völlig egal, ob sie nun die Stasi gemeint hat oder nicht, wichtig waren die Dinge, die sie sonst noch gesagt hat. Beziehungsweise nicht gesagt! Alles opportun für Totalitaristen, die nicht totalitär wirken wollen: Wir verteidigen uns ja nur selbst. Aber gegen wen denn eigentlich? Die Leute, für die der Sozialismus gedacht war? Musste man sie also zwingen zu ihrem Glück? Die DDR war ein Regime ohne demokratische Partizipation, ohne einen Austausch von differierenden Meinungen, ein System, dass Misstrauen und Denunziantentum institutionalisierte. Viele haben es gehasst, nicht dorthin fahren zu können, wohin man einfach fahren wollte, nicht die Tagesschau gucken zu dürfen, das Neue Deutschland dem Spiegel vorziehen zu müssen — allein Kritik daran zu äußern konnte einem jedoch schon eine “Befragung” in Hohenschönhausen einbringen, eine Akte, ein wachsames Auge von Freunden, Nachbarn und Bekannten. Deswegen haben alle die Klappe gehalten, deswegen gab es keine Räume zur freien Entfaltung: weil jede offene Kritik gleich staatsfeindlich und Konspiration war. Das gesamte ideologische Gebilde der DDR fußte auf der Lüge vom systemtreuen Bürger, letzten Endes einer enormen Verdrängungsleistung der Eliten. Die, die heute noch daran glauben, wirken auf mich wie einer jener Ladenbesitzer, der die ehedem bunte Luftballondekoration nicht abnehmen will, obwohl die meisten Ballons doch schon erschlafft, luftleer und zerknittert an der Markise hin und her baumeln. Ich habe die DDR noch bewusst erlebt und bilde mir ein, dieses Urteil fällen zu können, abseits von Lippenbekenntnissen und symbolischer Betroffenheiten. Es gibt keinen Grund für Realsozialismus-Romantik. Ja klar, alle hatten was zu essen. Dafür musste man aber bei Franz-Josef Strauß nach Krediten betteln gehen, Würde ist was anderes. Worauf ich hinauswollte: Hätte die Linkspartei weiterhin mit dieser Kadertrulla geliebäugelt, meine durchaus vorhandene Sympathie für die Leute wäre ins Nichts, und zwar das aus der Unendlichen Geschichte, verpufft.
Ja klar, die Diskussion ist trotzdem verlogen. Wenn konservative Idioten neben Rassismus auch eine McCarthyeske Angst vor den Roten einsetzen, um einen emotionalen Wahlkampf zu führen. Und was ist mit der Angst des Staates vor dem Bürger, ist heute besser als gestern, ist Schäuble ein wackerer Rechtstaatler als UlbrichtHoneckerKrenz? Mal ehrlich, wir torkeln sehenden Auges in einen totalen Überwachungs- und Sicherheitsstaat hinein, nur dass der global ist, die Staatssicherheit anders heißt, vernetzt und wesentlich besser organisiert ist. Omar war Opfer des staatshysterischen Terrorwindmühlenkampfes und hat etwas Kluges geschrieben:
Es ist höchst interessant zu beobachten, wie … Christel Wegner von allen Seiten kritisiert wird, wenn man sich vergegenwärtigt, in welcher datenschutzrechtlichen Realität wir heute – dank Teilen der Abgeordneten, die heute Frau Wegner kritisieren – leben. Ich finde es gut, wenn eine Abgeordnete mit einer solchen Einstellung zu Freiheit aus dem Landtag verschwindet, aber müssten dann nicht ehrlicher weise viele andere Abgeordnete aus Landtag und Bundestag ebenfalls verschwinden?
Aber wir sind inzwischen nichts anderes gewohnt: Kritik an der Symbolik und Zustimmung in der Praxis..
Man möge sich als datenschutzrechtlich halbwegs aufgeklärter Bürger für eine halbe Minute die Frage stellen, was für Daten von/über Leute wie Omar in irgendwelchen Datenbanken irgendwo auf der Welt gespeichert sind. Einfach nur, weil sie bspw. männliche Muslime sind, und in ein bestimmtes Raster fallen, da mag er als einzelner noch so ein netter Kerl sein. Na? Biometrie, Fluggastdaten, Telekommunikation, Bewegungsprofile per Handyüberwachung und CCTV, Konsumprofile mit Paybackschrott, vielleicht “Terrordatei”, Mautdaten und so weiter. Huch, das meiste davon betrifft ja auch Otto Normal! Und das sind nur die Daten, von denen wir etwas ahnen. Was wir wissen über die, die alles wissen wollen, ist doch nur die Spitze des Eisbergs.
Ach, es ist doch immer wieder dieselbe Leier. Ich geb’s ja zu — kann’s auch nicht mehr hören. Es ist traurig, “Stasi 2.0″ war ein nettes Schlagwort zu einem netten Reizthema, aber der nächste “Stern” hat schon wieder einen neuen Titel. Volkskrankheit Kopfweh oder so. Was kann man denn noch mehr predigen als den zivilen Ungehorsam, der heute ja schon darin besteht, seine Daten zu verschlüsseln und nicht CSPDU, some people know them as the lesser evil , zu wählen? Vor allem, wenn alle Appelle in Bälde vom Winde verweht werden?
Vor knapp zehn Jahren hatte ich einen Haufen Brieffreundschaften. Da schrieben wir immer TW und das hieß nicht etwa Torwart, sondern: Themawechsel, ein Verlegenheitskürzel, wenn ein Thema nervte oder schlicht nicht pointiert zu Ende gebracht werden konnte. TW. Theme-Frickeleien. Die hasst der Goron. Allein die Syntax für Uhrzeit und Datum bei der Übersetzung des Theme von Englisch nach Deutsch. O Tempora, o data! Goron hasst aber auch Blogs überhaupt. Das geht schon klar. Man sollte sich diese ganze chrommetallbesetzte und zuckerwatteunterfütterte Luftblase jedoch auch nicht ganz verknusen, sonst verpasst einer wieder mal so gute Artikel wie den, nein, die vom Alarmschrei-Sebastian. Moment… Nur gut? Ja, ich verwende hier absichtlich kein Superlativ, denn die benutze ich viel zu oft — ich werde versuchen mich zukünftig all den fantastischs, grandios’ und unfassbars zu widersetzen, auch wenn’s hart wird, aber in Zeiten des allgegenwärtigen Sprachgigantismus, vor allem in Blogs, heißt es ja auch mal zu opponieren. Also: Gegen die vulgäre Aufweichung von Wertungen, für einfach auch mal “gut”. Gut sowieso, dass es Hagen Rether gibt. [via]
Oh, jetzt habe ich ja doch was geschrieben.
Jetzt schlägt’s dreizehn. Der Staatsschutz ermittelt und ermittelt (und wird nicht kompetenter). Das Ziel ist diesmal eine Gießener Punkband.
Die Punkformation [Mono für Alle] aus Gießen stand aufgrund von kritischen Texten etwa beim Lied “Hallo Verfassungsschutz” schon einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit der bayerischen Staatsschützer, welche die Löschung der Songprosa von der Homepage der Musikgruppe verlangte. Nun meldet MfA, dass auch die Staatsanwaltschaften Stuttgart und Gießen seit knapp einem Jahr gegen sie aufgrund des Lieds “Amoklauf” ermittle. Demnach soll der mit dem Fall beauftragte Staatsschutz das Umfeld der Bandmitglieder observiert, Schulakten durchforscht und Konzertveranstalter kontaktiert haben. Zudem habe sich ein Fahnder mit einer extra angelegten E-Mail-Adresse im Fanklub von MfA angemeldet. (…) Laut der inzwischen erfolgten Akteneinsicht starteten die Verdachtsmomente im Dezember 2006, als die Polizeidirektion Waiblingen auf den Song “Amoklauf” gestoßen sei und diesen in einer E-Mail an die Stuttgarter Staatsanwaltschaft als “sehr aggressiv und aufreißerisch” beschrieben haben soll. (…) Der Fall wandert an die Staatsanwaltschaft Gießen weiter, welche den Staatsschutz mit weiteren Ermittlungen beauftragt. Dieser unterstellt der Band ein “extrem konspiratives Vorgehen”, da es “keinerlei Anhaltspunkte zur Identifizierung der Mitglieder” gebe. (…) Erst acht Monate nach dem Beginn der Ermittlungen kommen die Staatsschützer laut der Akte auf die Idee, eine Whois-Abfrage über die Domain der Band-Webseite zu stellen.
(heise online 16.11.2007, Hervorhebung von mir)
“Dieses Objekt wird durch Video geschützt” stand auf dem Schild an der Tankstelle. Was beunruhigte mich daran? Sicherlich nicht die Vorstellung einer mannshohen VHS-Cassette, die mit Büttelmütz, Uniform und Knüttel in der Hand kraft ihrer Autorität potentiellen Delinquenten die Lust an den noch zu verrichtenden Untaten vertrieb. Nein, es war etwas anderes. Geschützt, nicht überwacht. Die Illusion von Sicherheit ist zur Ware geworden. Kameras lassen Anzahl und Ausmaß der Straftaten nicht zurückgehen, erleichtern allenfalls im Nachhinein die Identifikation des Täters. So weit, so bekannt. Das Gefühl, ständig beobachtet zu werden aber legt sich unbewusst auf unsere Arten zu Reden und zu Handeln, wie ein Film, der eventuelle Unebenheiten ausgleicht. So wie man sich im Angesicht eines Polizisten in voller Montur immer ein wenig schuldig fühlt. Das andere Ende dieser Entwicklung könnte eine allgemeingültige Bewertung jedes abweichenden Handelns als anti-social, da nicht kontrollierbar bedeuten. Dies bedacht, ist die unbedachte Phrase auf dem Schild in all ihrer Deutlichkeit höchstens als Wunsch zu interpretieren, dessen Erfüllung noch ansteht. Der Satz “Du als Subjekt wirst durch Video bedroht” freilich fehlt.
Bild: le Korrigan (cc)
Der Frage, inwieweit das bloße Schreiben über den eigenen Alltag in einem Blog bereits Dissidenz sein kann, darf nun auch hierzulande nachgegangen werden. Annalist ist die Frau des unter Terrorverdacht stehenden Berliner Stadtsoziologen Andrej H. und berichtet über ihr Leben zwischen Gericht und Komplettüberwachung durch’s BKA.
Vor fast genau zwei Monaten brach das Berliner LKA morgens um sieben in unsere Wohnung ein, schmiss meinen Liebsten auf den Boden, stürmte unser Schlafzimmer und die Zimmer unserer Kinder mit gezogenen Waffen und seitdem steht unser Leben Kopf. Ich kann nicht sagen, dass ich mich daran gewöhnt hätte, insbesondere, weil weiterhin die Behörden alles tun, keine Normalität aufkommen zu lassen (das ist ja vielleicht auch Sinn der Sache). Deswegen und weil ich nicht mehr ganz so fassungslos bin wie am Anfang, habe ich beschlossen, den alltäglichen Wahnsinn zu dokumentieren. (aus dem Post “Sicherheitsknoten”)
Schnell hin und lesen. Demnächst ist VDS, da macht einen das verdächtig, wenn man solche Seiten besucht. [via]
Spricht einer von euch entrosteter Latein als ich und kann mir sagen, ob der Satz “Ceterum censeo gentrificationem esse exclamanda”, der so oder ähnlich ab heute meinen Blogfooter zieren wird, grammatisch in Ordnung ist? Das soll soviel heißen wie “Im übrigen bin ich der Meinung, dass Gentrification ausgerufen werden muss”, ist ein bißchen albern und hat hiermit Schrägstrich hiermit zu tun. Ich mag mich vor den Ermittlungsbehörden ja nicht mit falschen AcI oder Gerundiva blamieren, also los – sprecht.
Der Satz steht da nur symbolisch. Das ist der Ausdruck meines kleinen Protests (trotz, normalerweise, Mitmachaktionsmuffligkeit) gegen eine Sache, von der die meisten schon gehört haben dürften, die aber, finde ich, auch in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss. Dass jemand eingebuchtet wird aufgrund absolut fadenscheiniger Indizien, dass da Paragraph 129a und die Definition von Terror momentan so gedehnt wird, dass man bereits als entschiedener Gegner von Komplettüberwachung verdächtig ist, dass willkürlich Verdächtigungen und Durchsuchungen stattfinden und allerlei mehr – das hat für mich in der Tat nicht alleine etwas mit Studienfach-Solidarität gegenüber Andrej H. zu tun, sondern einer grundsätzlichen Angst um westliche Werte rechtsstaatliche Prinzipien, wie die Unschuldsvermutung, den Schutz vor Willkür und Gesinnungsjustiz. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist wichtig. Terror ist schlimm, aber nicht alles ist Terror. Wenn sich die gegenwärtige Zersetzung eines gesunden Grundvertrauens zwischen Staat und Bürger sowie der strukturellen Trennung der drei Gewalten im gleichen Maße fortsetzen, wäre das ein Kantersieg für die, denen die Maßnahmen ursprünglich gelten sollten.

- Pilotversuch: Lügendetektortests für Sozialhilfeempfänger [via]
- Gestern in Kraft getreten: De-Facto-Verbot von Datenverschlüsselung [via]
- Früher sagte man Pranger dazu: Anti Social Behaviour Orders [via]
- Flächendeckend: Das Haus, in dem Orwell “1984″ schrieb, wird heute dutzendfach videoüberwacht, überwiegend von Privatbürgern. [via]
- Staatlich gefördert: Videoüberwachung, live ins Internet und Lokalfernsehen übertragen
- Die lieben Kleinen: Lehrer dürfen
Schüler wieder schlagenSchülern gegenüber maßvolle physische Gewalt anwenden; britische Schulen dürfen biometrische Daten ihrer Schüler erfassen, ohne die Eltern zu fragen - Yeah, Precrime: Scotland Yard will über Persönlichkeitsprofile und Risikoanalysen die Menschen identifizieren und präventiv unter Beobachtung stellen, die eine schwere Gewalttat begehen könnten
God save the people.
Leider hört man viel zu selten das vielleicht wichtigste Argument gegen die innenpolitischen Amokläufe der Regierung (man sollte nicht nur Schäuble dazu zählen). So illiberal-undemokratisch man die gegenwärtigen Entwicklungen auch einschätzen mag, von einem totalitären System sind wir noch ein ganzes Stück weit entfernt. Was aber, wenn genau das einst wieder eintrifft? Wenn sich ein Gaukler für die bräsige Masse findet und ihnen die absolute Sicherheit gegen ein paar Zugeständnisse im Bereich Freizügigkeit und Privatsphäre im Tausch verspricht? Wollen wir diese durchaus im Bereich des Möglichen liegende Entwicklung dadurch unterstützen, dass wir den heute nur mäßig verantwortlich Regierenden das Instrumentarium dafür in die Hand drücken, für ein trügerisches Gefühl abstrakter Sicherheit vor gleichsam astrakter Gefahr die Bürgerrechte einzuschränken? Wenn es auch 2010 nur zehn Online-”Durchsuchungen” geben mag – wer garantiert denn, dass sich die Anwendung dieser Maßnahme nicht ein paar Jahre später exponentiell vervielfacht hat? Schon heute sieht man schließlich, wie nachlässig deutsche Richter die Notwendigkeit des so genannten “Großen Lauschangriffs” überprüfen und durchwinken.
Die Demo Freiheit statt Angst morgen in Berlin ist nicht nur deswegen ein Segen, weil sie in der Masse an linkem Demonstrationsgut doch endlich mal ein recht konkretes Thema angeht, sondern auch weil sie zur Abwechslung mal zu einer humaneren Zeit, nämlich 14:30 Uhr ab Brandenburger Tor stattfindet. Und das Wetter soll auch gut werden. Also hin da.
[Update:] Fotos habe ich keine gemacht, erschien mir persönlich irgendwie dem Anlass nicht angemessen. Gefallen haben mir die Aktivisten von der Hedonistischen Internationale, deren Redner sehr gut war und die es [Initiating Phrasendresch-Sequence... Ready] geschafft haben, politische Inhalte und Spaß in kreativem Ausdruck zu verknüpfen[1] [Terminating Phrasendresch-Sequence... Done]. Der schwarze Block, naja… Ich war ja beim G8-Protest nicht dabei, aber die fand ich hier schon recht stark repräsentiert. Jedenfalls, ich mag die nicht. Die Polizei war so teils, teils – während hüben die Antikonfliktleute einen okayen Eindruck machten und auch mal für ein Spässken zu haben waren, schoben uns drüben diverse giftgrüne Robocöppe in voller Montur vor sich her, als ob wir Luft wären. Normal eben.
Bemerkenswert ist in meinen Augen noch, dass dataloos “Schäublone” überall zu sehen war. Ich war schon vor Wochen leicht verwundert weil der halbe Friedrichshain damit tapeziert schien. Eine klammheimliche Erfolgsgeschichte, die zu einem Markenzeichen besonderer Art geworden ist. Auch wenn mir der “Clou” etwas zu plump, der historische Bezug zu leichtsinnig erscheint, gilt es der Tatsache dieser viralen Verbreitung spätestens jetzt Respekt zu zollen.
Ein schöner Tag war’s. So und so.
- Bei der Websuche nach der Hedonistischen Internationale bin ich auf einen turbodialektischen Bashartikel bei indymedia gestoßen, der in seiner stockfischigen Ödnis deren Ansatz ironischerweise ganz gut stützt. [zurück]
Irgendwie ist mir dieses Mauspfeilverfolgungsaufnahmegerät für’s Blog gruselig. Warum? Einfach so. Ich denke ich werde mir angewöhnen, fortan schweinische Bildchen mit dem Mauspfeil zu zeichnen, wenn ich eine Seite lese von der ich weiß, dass das da verwendet wird. Har Har.
Nee, ich werf das gleich in meinen Adblocker. Da ist noch ein Platz frei, direkt neben Google Analytics.
[via]

Bild: Marc Bernet (cc)
Mal nebenbei erwähnt, ich habe mich endlich mit E-Mail-Verschlüsselung auseinandergesetzt und ausgestattet. Nicht ganz trivial war das für einen Laien wie mich, vor allem das Konzept mit den öffentlichen und privaten Schlüsseln zu verstehen – deswegen hat es auch erst im dritten Anlauf geklappt. Jetzt aber geht das einigermaßen und endlich kann ich wirklich guten Gewissens an unserem Herrn Bundesinnenminister und den anderen Datenschutzgauleitern herumkritteln.
Das doofe ist, Verschlüsselung mit GnuPG /OpenPGP funktioniert nur, wenn Sender und Empfänger das gleichsam einsetzen. Deswegen ab jetzt auch von mir die bekannte Litanei: Schlüssel deine Mails ver! Aber warum sollte man das überhaupt tun? Nun, erstens kann dir jedes Würmchen böswillig eine E-Mail mit falschem Absender unterjubeln. Wenn Du Lokführer bist und eine Mail von mehdorn@bahn.de bekommst, in der steht, dass Du gefeuert bist und du dich deswegen vor dein Arbeitsgerät wirfst, dann ist das unter Umständen ein Fall für die Rubrik “dumm gelaufen”. Mit Signierung weißt Du immerhin, dass die Mail tatsächlich vom Bahnchef stammt.
Dazu kommt als noch zentralerer Punkt, dass eine Mail zwischen Sender und Empfänger einige Zwischenstationen durchläuft und für jeden im Klartext lesbar ist, wenn sie nicht verschlüsselt ist. Darunter möglicherweise das US-amerikanische globale Überwachungssystem Echelon und/oder das BKA. Schon gewusst, jeder deutsche E-Mailprovider mit mehr als 1000 Kunden muss eine Schnittstelle für unsere Freunde in grün einrichten. Juchheissa, wer jetzt ruft, er habe ja nix zu verbergen – ja, aufgeklärte Masse, solche Leute gibt’s – poste doch bitte in die Kommentare die pikantesten Stellen der privaten Korrespondenz mit seinem Lebensabschnittsgefährten. Ich verspreche, die Erkenntnisse nur für den Kampf gegen den Internassjorismus[1] zu verwenden. Lechz.
Nee, mal ernsthaft. E-Mail-Encryption ist das, was ein Briefumschlag für Briefe ist. Alles was über das Niveau einer Kreuzworträtsellösungsgewinnspieleinsendung oder Urlaubspostkarte hinausgeht, wird im herkömmlichen Briefverkehr eingetütet, weil das ja nicht jeder Honk mitlesen soll. Analoges sollte im Digitalen ebenfalls gelten: Verschlüsselt gehört, was verschlüsselt geht. Auch und gerade unwichtige Mails. Schalte in den Widerstandsmodus. Bewirf jeden mit faulen Eiern und Tomaten, der sich weigert dies zu tun.
Ich will mich gar nicht blamieren, indem ich sage, das geht so und so, installier dir das und das. Eine leicht verständliche Anleitung für die populäre Kombination [Windows - Mozilla Thunderbird - blutiger Anfänger] gibt es bei Gulli. Plugins gibt es aber auch für alle gängigen Mailprogramme auf allen gängigen Betriebssystemen und sogar Browserplugins für Webmailer wie Google Mail. Auch hier also leider: Keine Ausrede.
- Dergestalt abgeschliffen spricht jeder Innenminister, der etwas auf sich hält “Internationaler Terrorismus” aus. [zurück]

