Gerhard Schröder muss man weiß Gott nicht mögen, aber die Kommentierung dieses Videos bei SPON ist ja mal fette Sahne “Aktuelle Kamera”-Niveau. So eine dümmliche Süffisanz, da bleibt mir echt die Spucke weg. Deswegen kommentiere ich das auch nicht weiter. [via Peter bei twitter]
Ich blogge, du bloggst, er sie es bloggt. Der Spiegel bringt in seiner neuesten Ausgabe (Seiten 94 und 96, kann man prima im Laden lesen) ein Feature über deutsche Blogger, mutmaßlich für die mit dem Thema weniger vertrauten Leser. Ich freue mich für den Spiegelfechter und die NachDenkSeiten über sicherlich einige tausend Besucher mehr in dieser Woche, finde den Artikel selbst aber fad. Diese mit einer Prise Häme gewürzte ewige Vergleicherei mit den ach so influentiellen US-Blogs sowie der arrogante Grundton, mit dem da mit der Nennung von Jens’ beruflicher Haupttätigkeit und Wolfgang Liebs in der Tat etwas unglücklichen Nazivergleich versucht wird, deren zum Teil hervorragende Arbeit zu diskreditieren (bei der nebenbei auch schon dem Hamburger Nachrichtenmagazin einige Lapsi nachgewiesen wurden) — ach, das geht mir auf die Nerven. Liebe deutsche Blogger, könntet ihr mir nur dieses eine Mal den Gefallen tun und aus der dort zu Recht kritisierten Spirale der Selbstreferentialität ausbrechen? Aber ich fürchte ja, da wird wieder “unser” merkwürdiges kollektives Ehrgefühl getriggert und allerorten die wegen ihrer Verstaubtheit heftigst Husten anreizende “Blogs vs. Journalismus”-Diskussion aus der Mottenkiste gekramt. Seufz. (Na gut, ich habe ja mit diesem kleinen Post im Prinzip auch schon mitgemacht…)
Ein bestimmtes Blog wird im Spiegel-Artikel übrigens “Schlamm” genannt. Eine braune, zähflüssige und übelriechende Brühe also, die manchmal Blasen wirft — das kommt schon hin für PI. [via]
Bild: Somewhat Frank (cc)
Hagen Rether über die Islam-Paranoia in Deutschland. Großartig.
[via]
Wegen eines hochrassistischen Titels sowie des mit Verschwörungstheorien und Unwahrheiten gespickten zugehörigen Artikels über “Die gelben Spione” hat jetzt eine Vereinigung chinesischer Studentenbünde gegen die Illustrierte “Der Spiegel” Anzeige erstattet. Ich befürworte das.
Näheres und interessante Auszüge aus der Anzeigeschrift gibt’s bei SpiegelKritik.
Ich hab’s heute erst gesehen. China! Spione! Hacker! Trojaner! Mir schwant… Es droht ein neues Buch vom Kampfzonenausweiter Steingart Gabor, gell? Falls ja, ist euch die Crosspromotion diesmal besonders gut geglückt, wenn sogar das Bundeskanzleramt mitmacht. Und gleich mal noch ein Lob hinterhergeschoben: Mit der neuen Titelstory ist euch mal wieder ein superber Eyecatcher gelungen. Solltet ihr demnächst mal gegen Entwicklungshilfe in Afrika polemisieren wollen, würde ich mich analog freuen, wenn mir vom Bahnhofskiosk die Schlagzeile “DIE BRAUNEN NEHMER – Wie Simbabwe deutsche Hilfsgüter einfach aufißt” entgegenlächelte.
Danke jedenfalls für diese Titelstory. Endlich mal ein klares leitmediales Statement in der aktuellen Rassismus-Debatte.
Leser, die sich über diesen Artikel ärgerten, mochten auch diese Artikel nicht:
Zwei Nachträge: Bei SpiegelKritik wird der Artikel entkleidet und – oho – es steckt drin, was draufsteht. Kunterbunt gemischte Ressentiments mit schlechter Rechercheleistung und berechtigter Kritik in einen Topf geworfen.
Hm, Oliver Gehrs ist mir in seinem wöchentlichen “Blattschuss”-Videopodcast hingegen etwas zu freundlich mit dem Ding.
[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008
Geehrter Herr Broder,
an dieser Stelle beglückwünsche ich Sie zur Verleihung des Börne-Preises durch Helmut Markwort. Jemand, über den die FAZ meint, “nein, nein, richtig lügen tut er nicht” muss durchaus einiges an kreativem und/oder stilistischem Potential besitzen, um noch als ehrbarer Journalist durchzugehen, gar Preise zu erhalten. Und weil ich ein wohlwollender Mensch bin, unterstelle ich ihnen auch im folgenden zitierten Abschnitt aus einem nagelneuen SPON-Artikel “nur” Recherchefehler, die in ihrer ja ausdrücklich nichtgutmenschlichen und Gonzo-journalistischen Methode durchaus mal durchschlüpfen können.
Während in Teheran und Islamabad die britischen Botschafter zur Entgegennahme von Protestnoten “einbestellt” und auf Massendemos in iranischen und pakistanischen Städten britische Flaggen und Puppen von Königin Elizabeth und Salman Rushdie verbrannt wurden, war das offizielle London von Ausmaß und Heftigkeit der Reaktionen “überrascht”. (Henryk M. Broder in Spiegel Online, 25.06.07, Hervorhebung von mir)
Vermutlich halten Sie mich für einen Korinthen-Ausscheider, wenn ich frage, welche Massendemonstrationen im Iran sie meinen? Bei mir ist davon jedenfalls nichts angekommen. Über das unfassbar geringe Ausmaß der hierzulande unfassbar wichtig genommenen Proteste in Pakistan und Kashmir hatte ich in diesem Blogbeitrag schon berichtet. Haben Sie sich eigentlich schonmal Gedanken gemacht, warum es von den Massenprotesten keine Luftbilder gibt? Gut, “Massenprotest” ist kein fest definierter Begriff, aber dann müssten im Verhältnis auch die allmontäglichen Hartz IV-Demos am Berliner Alexanderplatz immer noch als solcher durchgehen. Oder die ebenfalls ehrbaren Zusammenkünfte für die Abschaffung der Jagd.
Da wir dabei sind, bitte erklären sie mir diese Passage genauer:
Und was müsste künftig alles (im Westen -mXP) unterbleiben, um solche Reaktionen zu vermeiden? Der Genuss von Alkohol und der Verzehr von Schweinefleisch? Frauenfußball im Beisein von Männern und Schönheitswettbewerbe mit Bikini-Mädchen? Gemischter Sport- und Schwimmunterricht? (ebd.)
Ich verstehe hier nach wie vor nicht, was die Situation von Muslimen in Pakistan oder dem Iran mit unseren weltlichen Gewohnheiten in Europa zu tun hat, bzw. den ihrerseits halluzinierten Bestrebungen, diese durch die Hand radikaler Muslime abzuschaffen. Dazu die wilde Mischung mit der – sicherlich zum Teil gerechtfertigten Kritik – an allzu politisch korrekten Slogans in Politik und Medien, die in ihren Augen anscheinend jenen inexistenten Kräften in die Hand spielen sollen, welche die Scharia und flächendeckende Kopfbetuchung in Deutschland einführen wollen. Es ist ein lustiger Unfug, den sie da verbreiten, aber auch ein gefährlicher. Mag sein, dass Sie sich von einer Handvoll freundlich in die Kameras von Associated Press lächelnden Islamisten einschüchtern lassen, wenn diese dabei Strohpuppen verbrennen, die, wie auch immer das funktionieren mag, wie die Queen oder Salman Rushdie aussehen sollen. Und genau das ist ja auch das Ziel dieser paar Dutzend Demonstranten am anderen Ende der Welt – Angst, oder zumindest Eindruck, zu machen. Bloß legitimiert das immer noch nicht, dass Sie dem einen oder anderen Rechtsextremen hierzulande polemisch Legitimation von apokalyptisch-islamophoben Meinungen zuschustern.
Übrigens hatte ich vor noch zehn Jahren tatsächlich getrennten Sport- und Schwimmunterricht in der Schule. Das war in der grundsätzlich schwierigen Zeit der Pubertät und viele von uns Schülern waren dankbar dafür. Muslime gab es damals allerdings keine in meiner Klassenstufe.
Mit Verlaub, aber wenn man ihnen die Fähigkeit attestiert, ein “begnadeter Polemiker” zu sein, kann ich als als einzige Gnade, die ihnen gewährt worden scheint, die Nachsicht ihrer Arbeitgeber und Fans bei kleinen Fehlern und großen Vereinfachungen ausmachen. Hier allerdings,
Das Muster findet man schon bei Max Frisch: Die Brandstifter zündeln, und Biedermann will es nicht wahrhaben.
und damit möchte ich versöhnlich schließen, gebe ich Ihnen recht.
Mit Grüßen,
mXP
[Nachtrag Januar 2008:] Folgende zwei Kommentare aus dem Artikel im nunmehr gelöschten “Watchblog Islamophobie” halte ich in diesem Zusammenhang für so relevant, dass ich sie hier noch einmal zitieren möchte.
anonym64 sagt:
Juni 25, 2007 um 12:09 nachmittagsStichwort: Massendemos. Zahlen wurden z.B. von einer pakistanischen Zeitschrift genannt, in dem Artikel “2,000 rally across country against Rushdie’s knighthood” (). Danach waren es am Fr. 22.6.2007: 1000 in Karachi,
300 in Islamabad, 50 in Lahore, 300 in Quetta und mehrere 100 in der gesamten Region Srinagar. Die meisten der Städte sind Millionenstädte!Quelle: dailytimes.com.pk
bigberta sagt:
Juni 25, 2007 um 12:33 nachmittagsDanke! Dein Kommentar hat mich doch inspiriert, die Einwohnerzahlen mal nachzuschauen:
Du zitierst:
“2,000 rally across country against Rushdie’s knighthood” , das wären also:
2000 von mindestens 166 Millionen,
1000 in Karachi wären: 1000 von 11,6 Millionen
300 in Islamabad wären 300 von 1.169.000,
50 in Lahore wären 50 von fast 8 Millionen
300 in Quetta von 650.000,
Also bewegen sich die “Massen” im Promillebereich. Ähnliches hatte Urich Tilgner ja schon mal für die “Massen” in Teheran nachgewiesen.
Sebastian von alarmschrei.de dokumentiert / kommentiert aktuellen Info-Borschtsch auf SpOn. Lecker gekichert nochmal vorm Schlafengehen.

(Bild: F!XMBR)
Der SPIEGEL bleibt mit großem Vorsprung das Blatt, das die politische Debatte in Deutschland mehr als jedes andere bestimmt.
Aus dem Editorial des Spiegel vom 14. August 2006
Geglaubt hätt’ ich’s unbewiesen und “Schlimm genug” in meinen nicht vorhandenen Bart gegrummelt. Trotzdem: So einer gleißenden Selbstversicherung – die Formulierung allein! – an prominenter Stelle im Blatt haftet etwas Gewolltes und Unseriöses an. Als ob der SPIEGEL sich verteidigen müsste. Kann natürlich sein, dass ich da ein bisschen sensibel bin. Na schauen wir mal genauer hin. Weiter heißt es da:
Mit 1051 Zitaten war der SPIEGEL laut einer Erhebung des Bonner Instituts Media Tenor im ersten Halbjahr 2006 die meistzitierte unter 39 Publikationen. „Focus“ (605) und „Bild“ (601) kamen auf die Plätze zwei und drei.
Schade. Sich selbst ein Bein gestellt und den statistischen Taschenspielertrick entlarvt: Die Zitationsquote hat eben doch nichts mit Qualität zu tun, oder ist BILD etwa ein Qualitätsblatt?
Das Institut Media Tenor ist zudem in der Vergangenheit nicht gerade durch transparente Methoden der Datenerhebung aufgefallen. So heißt es beispielsweise in der ZAPP-Sendung “Datenmanipulation – Die Kampagnen des Medien Tenor” vom NDR:
Professor Michael Haller, Kommunikationswissenschaftler, sagt: “Herr Schatz manipuliert Daten.” Michael Haller darf das sagen, gedeckt durch ein Gerichtsurteil. Der Leipziger Professor wurde von “Medien Tenor” verklagt, nachdem er deren Arbeit als unseriös entlarvte. Er hatte durch eigene Analysen die Behauptung des “Medien Tenor” widerlegt, dass Zeitungen mit SPD-Beteiligungen in Einzelfällen tendenziöser berichteten als andere. Sein Urteil über die Arbeit des “Medien Tenor”: “Offensichtlich benutzt der Eigentümer des “Medien Tenors”, Herr Schatz, diese Daten in manipulativer Absicht, er will offensichtlich bestimmte Aussagen, die politisch sozusagen bedeutsam oder folgenreich sind, will er machen, und wenn das eben die Daten nicht hergeben, dann werden sie eben entsprechend manipuliert.”
Wie viel sind also Erhebungen von “Medien Tenor” wert?
Im wissenschaftlichen Beirat der Firma sitzt ein gewisser Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und auch privat anscheinend ganz gut bekannt mit SPIEGEL-Chef Aust.
Hier schließt sich auch der Kreis. Die mehr oder weniger bekannten Seilschaften zwischen den Chefs der FAZ, Bild (+ Welt) und des Spiegel sorgen dafür, dass man sich, gerade in politischen Themen, aufeinander bezieht: Durch gegenseitiges Zitieren.