meist manchmal, selten oft

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Terrorgefahr Public Viewing
Terrorgefahr “Public Viewing”. Bild: tetedelacourse (cc)

Heute spielen die Türken gegen Schland. Dabei ist natürlich von Terror Massenzusammenkünften auszugehen. Am besten dürfte sein, man geht heute gar nicht auf die Straße, wenn man der US-Botschaft glauben schenkt:

Menschenmassen, die bisherige Deutsche oder Türkische Siege gefeiert haben, blockierten bereits Straßen und schüttelten Autos, welche versuchten, durch sie hindurchzukommen. Wir erinnern die Amerikanischen Bürger daran, dass selbst Massenzusammenkünfte und Demonstrationen, die eigentlich friedlich sein sollen, konfrontativ werden und möglicherweise in Gewalt ausarten können. Amerikanische Bürgern sind daher aufgefordert, Gegenden solcher Demonstrationen zu vermeiden und Vorsicht walten zu lassen, wenn sie sich in der Nähe solcher Umgebungen befinden. Amerikanische Bürger sollten sich mit Hilfe der Medienberichterstattung über örtliche Ereignisse auf dem Laufenden halten und sich stets ihrer Umgebung gewahr bleiben. (Übersetzung: ich)

Also, liebe US-Bürger: Heute abend stets das Transistorradio am Ohr (wegen Public Viewing-Gefahr, Ausschreitungen), keinen Döner kaufen (biologische Waffen, Gammelfleisch) und vor allem: Nicht in Kreuzberg oder Neukölln aufhalten (Stau, Schleudertrauma)!

[via Hauptstadtblog, Frederic bei twitter]

Hochglanz-Heer
Bild: moffi (cc)

Nun da die Bundeswehr mächtig in den Krieg drängt, darf man mal spekulieren, ob jemand sich in ein, zwei Jahren noch an Worte wie “Eine Ausweitung in den Süden kommt nicht in Frage. Das ist Konsens in fast allen Parteien” erinnern wird und was dabei “fast” bedeutet. Es ist unrealistisch zu glauben, dass Afghanistan in den nächsten 10 Jahren stabil wird, dass die NATO aufhört Forderungen zu stellen und ebenfalls, dass das Parlament zu diesem Schwachsinn von Bündnisverpflichtungen (Was ist eigentlich mit historischen Verpflichtungen?) irgendwann so einfach Stop sagen kann, wie es die Norweger tun. Das weiß auch die Heerführung, deshalb macht man’s wie bei den Amerikanern und rekrutiert neues Kanonenfutter ohne Umwege aus den abgehängten Schichten: Bei der zentralen Meldestelle des, nun ja: Heers der Arbeitslosen. Würg.

[Titel-Zitat: Fettes Brot]

Not to be German
Bild (selten ein passenderes gefunden): jksimpson (cc)

Einen klugen kleinen Eintrag hat La Deutsche Vita da verfasst, welcher der Frage nach den Konstruktionsmodi deutscher Identität nachgeht. Erst überraschende, dann aber schlüssige Conclusio: Die Entwicklung geht weg vom Konsens über Gemeinsamkeiten und bewegt sich zu einem darüber, wer, wie oder was man nicht sein will, welche Werte man nicht teilt.

Man definiert sich durch das, was man nicht ist oder nicht sein will. Und diese Form der negativen Identitätsbildung durch Ausgrenzung ist in Deutschland schon weiter fortgeschritten, als mancher annehmen möchte. So definieren sich die Deutschen immer häufiger dadurch, dass sie gegen etwas sind. Gegen Tierversuche, gegen Bürokratie, gegen militärische Interventionen oder gegen das Rauchen in der Öffentlichkeit. Das drückt sich nicht nur in der Werbung aus, wo fast nur noch mitgeteilt wird, was das jeweilige Produkt nicht ist (ohne Gentechnik, ohne Farb- und Konservierungsstoffe, ohne künstliche Aromen, strahlungsarm, ohne Zucker etc.), sondern auch in der Politik, wo Gebote immer mehr durch Verbote aller Art ersetzt werden. Dabei scheint der identitätsstiftende Gehalt eines Verbotes umso größer zu sein, je stärker es in die persönliche Privatsphäre eingreift. Verwundern muss das niemanden, denn nur wenn ein kollektives Verbot von jedem Einzelnen verinnerlicht wird, kann es identitätsstiftende Wirkung entfalten.

Ich frage mich ja, wie viele unterbezahlte Drehbuchschreiber jetzt, in diesem Moment, an ihrem Schreibtisch sitzen und versuchen, eine nicht vollständig unglaubwürdige Liebesgeschichte in einem ganz besonders dramatischen Waldbrand-Plot unterzubringen, inständig darauf hoffend, dass es diesmal zu mehr als einer dieser Sat.1- oder ARD-Katastrophenschinken-Produktionen reiche, vielleicht ja mal mit Special Effects von Industrial Light & Magic. Hilfreich wäre natürlich, wenn das noch nicht so fix zu Ende wäre mit den Brünsten, die Ereignisse der nächsten Tage sind also definitiv karriererelevant für diese Berufsgruppe. Da kann man ja von Glück sagen, dass unsere feine Regierung, immer noch pappsatt vom abendlichen Grillen in Meseburg, anstatt Hilfe zu leisten, eine Spritzpistölchenladung Pathostränen (Pathos: leider kein von der Feuersbrunst zerstörtes griechisches Dorf) und drei Transporthubschrauber zur Pollepenn… Pelloponn… nach Griechenland schickt. Hollywood, aufi geht’s!

P.S.: Nur nochmal verdeutlichend…

BildBildBild

versus

pel

pac

Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.

Wirklich hervorragend, die Untersuchung “Deutsche Zustände 2006″ des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer (Zusammenfassung in der ZEIT), in dem die aktuellen Ausprägungen von Rassismus in Deutschland untersucht werden, den er zutreffend “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” nennt. Beklemmend finde ich, dass er meine subjektive Erfahrung und Deutung dahin gehend vollständig empirisch bestätigt. Heitmeyer benennt eine sprunghaft angestiegene irrationale Furcht vor allem vor Muslimen in den letzten Jahren, sowie erhöhte Empfänglichkeit für abgrenzend-verallgemeinernde Charakterzuweisungen auf ganze Volks-, Religionsgruppen und Ethnien, die durch Faktoren wie Patriotismuskampagnen (“Du bist Deutschland”, “gesunder” Patriotismus bei der WM), Wohnen in strukturschwachen, ländlichen Regionen und die Zugehörigkeit zur Mittelschicht verstärkt werden. Abgrenzung nach “unten” sei dabei ein Motiv für Letztgenannte. Das Interview mit Heitmeyer in der taz ist in Bezug auf die gesellschaftlich absolut salonfähige Islamophobie ebenfalls aufschlussreich:

Leute, die Vorurteile haben, (springen oft). Heute sind sie gegen Juden, morgen gegen Homosexuelle. Es nutzt nicht viel, nur Antisemitismus oder Rassismus abzufragen. Man muss alles – also das, was wir “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” nennen – in den Blick nehmen.

und

(…) normalerweise gilt: je höher die Bildung, umso weniger Abwertung. Das stimmt in Bezug auf Obdachlose, Homosexuelle, Juden, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Rassismus. Nur beim Islam ist das anders. Dort schützt Bildung weniger vor der generalisierten Abwertung der Kultur des Islam.

Manchmal stelle ich mir vor, dieser Tage ein türkischstämmiger Muslim zu sein. Alle würden von mir verlangen, irgendeine ominöse Leitkultur zu akzeptieren. Ständig müsste ich mich rechtfertigen, Muslim zu sein und ständig würde ich mit Argusaugen betrachtet – ich könnte ja ein Terrorist sein. Die wenigen in meinem Kiez die “Deutsch” aussehen, leben mir genausowenig ein auf Toleranz basierendes Wertesystem vor wie meine Eltern. In der Schule bin ich von vornherein auf Arbeitslosigkeit programmiert. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgendjemandem in diesem Land etwas wert bin, so sehr ich mich auch anstrenge. Denn jeder, der mir auf der Straße entgegenkommt, sieht in mir – nein, nicht den jungen Mann, nein, nicht den Hip Hopper, nein, auch nicht den hedonistischen Konsummaterialisten. Für mich gibt es im Alltag ausserhalb meiner Community nur eine Kategorie: Türke. Oder Moslem, was im Prinzip gleichbedeutend ein negatives Attribut ist. Der einzigen Weg, den ich beschreiten kann, ist der innerhalb meines Milieus, denn jahrzehntelang wurde es politisch versäumt, dieser Entwicklung zur Parallelgesellschaft entgegenzuwirken. Und heute wagt es irgendein FAZ-Feuilletonist, ein CSU-Mann, der noch schlechter Deutsch spricht als ich oder ein Brandenburger Neonazi, von mir Integration zu verlangen?

Man kann es durchaus mit der Angst bekommen, in Deutschland zu leben. Diese Studie ist sehr gut und zeigt zudem warum die Soziologie eben doch nicht so lebensfern ist. Davon abgesehen finde ich, dass eine Betrachtung der Medien in dem Mosaik fehlt. Das Bild von Migranten, Juden, Muslimen, Homosexuellen, etc. wird maßgeblich von ihnen bestimmt, gerade in Gegenden und Milieus, die keinen persönlichen Kontakt zu genannten Gruppen, sei es aus Gründen der Distinktion oder schlicht der Wohnumgebung, haben. Und wenn der SPIEGEL bspw. vom Islam sehr ausführlich, aber grundsätzlich in negativen oder abwertenden Kontexten berichtet, sieht man auch einen Ausgangspunkt für solche Meinungen, die sich mehr und mehr im Mainstream verhärten.