In Frankreich wird eine neue Behörde gegründet, die Filesharing verfolgen soll. Bei mehrfacher Zuwiderhandlung sollen Internet-Anschlüsse sanktionierend gekappt werden. Applaus gab’s von der Contentmafia Contentindustrie, die die entsprechenden Entscheidungen freilich massiv angeschoben hatte. Als Zuckerbrot für den redlichen Untertan gibt’s ein Verbötchen von DRM. Mehr bei der Tagesschau und gulli.
Ich glaube nicht, dass sich Filesharing, trotz solch enormer politischer Eingriffe, noch in irgendeiner Weise eindämmen oder gar wirkungsvoll verhindern lässt. Eher dürften sie befördern, dass die User auf anonyme Systeme wie ANts P2P und MUTE oder in Freundesnetzwerke wie ExoSee und AllPeers (das seit meinem enttäuschten Resumée von vor einem Jahr ziemlich poliert wurde) wechseln, mal ganz abgesehen von den guten alten transportablen Festplatten, deren Kapazität sich auch nicht verringert. Was bleibt ist ein fader Eindruck davon, wie viel Einfluss Lobbyisten auch in Frankreich haben (Verweis auch nochmal auf das Verbot in Frankreich, Software zu programmieren, die zum illegalen Tauschen urheberrechtlich geschützten Materials verwendet werden könnte), welche Gängelung und Kriminalisierung der Bürger im Namen der Wirtschaft möglich sind und welch größenwahnsinniger Freak zu sein Sarko immer wieder zu beweisen imstande ist.
[Update:] Heise berichtet auch. Interessant, neben den nun staatlich forcierten, aber bereits heute veralteten Techniken zur Filesharing-Filterung, die die Provider einsetzen sollen, ist Sarkos Militär-/ Kriegsmetaphorik:
Wie der französische Präsident Sarkozy am gestrigen Freitag sagte, sehe er die Vereinbarung zwischen dem Staat, den Internetprovidern und den Contentanbietern einen “entscheidenden Schritt für den Fortschritt des zivilisierten Internet”. Hier gebe es eine “neue Grenze”, ein “neues Reich zu erobern”. Wenn man nicht handeln würde, entstehe mit den Breitbandverbindungen für die Filmindustrie dieselbe Gefahr des wirtschaftlichen Niedergangs wie für die Musikindustrie. Man riskiere, eine “wirkliche Kulturzerstörung” zu unterstützen, wenn man nicht mit “intelligenten Mitteln” einschreite.
Ein kleiner Napoleon, oder?
Heimlich, still und leise hat jene mir nachwievor allerliebste OpenSource-Filesharing-Applikation den halbjahrzehntesten Geburtstag begangen und ich find’s ein bisschen schade, dass dafür nicht wenigstens ein kleines Feature in den Tagesthemen oder so gebracht wurde. Wichtig genug und Kultur pflügend wäre eMule schon. Aber is’ ja auch klar, ne? Kann man ja auch für illegale Sachen benutzen.
Ich persönlich befürchte, dass ich ohne das geliebte “Eselchen” nachwievor TV schauen müsste, um die Bedürfnisse nach audiovisueller Zerstreuung befriedigen zu können. Fatal, pervers, verständlich: Auf mich wirkt alles, was da kommt, wie ein Hypnotikum, von dem ich den Blick nicht abwenden kann, selbst Ilona Christen Oliver Geissen (Gibt’s den noch?) und Cobra Ölf. Mit Filesharing hingegen sehe ich viel selektiver fern: Interessante Dokus, auch mal was auf Englisch usw. Allein die Tatsache, dass die Daten so langsam herein “tröpfeln”, macht das Programm, das ich mir zusammenstelle, mittelbar. Ich bin so frei zu konstatieren dass der eigentliche Schöpfer des YouTube-Effekts eMule war. Und bitte nicht verdrängen: Die Lahmarschigkeit von eMule und anderen Clients in diesem hervorragend organisierten Netzwerk ist eine Stärke. Nur dadurch ist sichergestellt, dass einzelne Files länger im Netzwerk überleben, als das z.B. bei BitTorrent der Fall ist. Dadurch hat man eine enorme Varietät an Daten und findet auch mal obskures Zeugs. eMule ist frei, unsabotierbar, solidarisch und robust – darauf heb ich die Flasche mit meinem Männertagseierlikör.
Übrigens ist eine neue Version draußen. 0.48a, mit erweitertem Vista-Support. Ich warte jedoch noch ein Weilchen, bis die hyperaktive Modder-Community die neue Basis einarbeitet. Der/die Mod ScarAngel ist hierbei seit Jahr und Tag das Produkt meiner Wahl.
