Das gibt’s ja nicht, wer hätte denn damit rechnen können:
Hard-Drive-Partys, so heißt das neue Schreckgespenst der Musikindustrie. Hinter diesem Begriff verbergen sich Partys, bei denen die Gäste den Inhalt ihrer mobilen Festplatten austauschen. Und das können ohne weiteres 500 Gigabyte werden, denn so groß sind mittlerweile handliche und kostengünstige Geräte. Zehntausende oder sogar Hundertausende Songs wechseln dann mitunter den Besitzer.
Süddeutsche: Millionenspiel bei Bier und Wein [via]
Gerade keine Lust, meine alten Beiträge zu durchwühlen, in denen ich prognostizierte, dass bei wachsender Filesharing-Prohibition die Kids eben auf dem Schulhof ihre mobilen Festplatten tauschen. Und es kommt ja noch dicker, denn auch Handys haben immer dickere Kapazitäten nebst Bluetooth und WLAN-Modulen. Da muss nur mal ein Hersteller die softwareseitigen Einschränkungen wie bei iPhone und Zune-Player in die Tonne kloppen und da lässt sich gar nix mehr kontrollieren.
Ich glaube aber eher, dass the next big Filesharingtechnik F2F- also Friend-to-Friend-Darknets sein werden, wie etwa in Alliance oder RetroShare. Das sind im Prinzip klassische Peer2Peer-Netzwerke, allerdings mit der Einschränkung dass nur mit Benutzern, denen man explizit vertraut, getauscht werden kann. Dritte kommen nur rein als Freunde von Freunden (Alliance) oder per Turtlehopping (Daten nehmen Zwischenstationen, RetroShare). Beide Programme funktionieren, sind jedoch noch längst nicht perfekt. Aber lass da mal die große Killerapplikation kommen.
Conclusio: Filesharing lässt sich nicht eindämmen, weder technisch noch mit Propaganda dem moralischen Zeigefinger. Es ist längst Teil der Alltagskultur geworden. Es wird Zeit für “Gesundschrumpfung” und neue Geschäftsmodelle, Industrie.
Kleine Erklärung: Den folgenden Text verfasste ich letzte Nacht für die Gulli:News. Leider hatte ich das — mea culpa — in unserem Kommunikationskanal versäumt zu erwähnen, mein geschätzter Kollege 020200 saß nämlich an einem Artikel zum gleichen Thema und war zudem schneller im Veröffentlichen. Was ich leider erst bei fortgeschrittenem Artikelstatus merkte. Damit meine Dublette nicht ungenutzt vergammelt, veröffentliche ich sie hier. Resteverwertung quasi.
Während hierzulande bis dato erst wenige Anbieter von Internetanschlüssen aufgefallen sind, die ihren Kunden die Geschwindigkeit bei Traffic-intensiven Anwendungen wie P2P herabstufen, ist die Diskussion in den USA dank Comcast und Co. in vollem Gange. Jetzt wirft Google sein Gewicht in die Waagschale und will Kunden mit einem speziell entwickelten Programm unterstützen, ihre Provider auf Trafficbremsereien zu überprüfen.
Google ist schon seit längerem dafür bekannt, klare Statements in puncto Netzneutralität zu machen. Mit dem neuen Tool lassen die Webdienstleister Taten folgen. Richard Whitt, als Senior Policy Director für Ankündigungen von Google verantwortlich, erklärte auf einer Podiumsdiskussion am 12. Juni an der Santa Clara University in der Nähe von San Francisco, Kalifornien:
Wir versuchen Tools, Software-Tools zu entwickeln, die den Menschen ermöglichen, herauszufinden, was mit ihren Breitbandanschlüssen passiert, damit sie ihre Provider wissen lassen können, dass sie mit dem, was sie bekommen, nicht glücklich sind – dass sie denken, dass sich bei bestimmten Diensten eingemischt wird.
Auch deutschen Kunden könnte dieses Programm Nutzen bringen. Zwar ist noch nichts vom so genannten “Traffic Shaping” im großen Stil bekannt, allerdings haben auch hierzulande schon Anbieter wie Kabel Deutschland, Strato und Tiscali die Nutzung von P2P-Tauschbörsen behindert. Man kann spekulieren, dass Google mit der Entwicklung solcher Programme durchaus opportunistisch handelt, denn mittlerweile produziert YouTube einen nicht unerheblichen Teil des weltweiten Traffics.
Es geht jedoch um weit mehr als Komfort und Geschwindigkeit beim alltäglichen Torrent-Download. Insbesondere der prominente und in den Tech-Blogs der Welt heiß diskutierte Fall des US-Amerikanischen Internetproviders Comcast ist mittlerweile synonym geworden mit eklatanten Eingriffen in Verbraucherrechte und Datenschutz. Provider, die bestimmte Protokolle wie BitTorrent drosseln, müssen den Netzverkehr ihrer Benutzer mittels Deep Packet Inspection analysieren. Auch wenn dabei zumeist argumentiert wird, dass man mit dieser Vorgehensweise die Leistung für alle Kunden auf gleichem, hohen Niveau halten will, kann einem als Kunden schon mulmig werden bei dem Gedanken, dass der ISP genau weiß, was man mit seinem Internetanschluss macht. Drosselungen sind aber auch auf globaler Ebene problematisch: Stichwort Netzneutralität Wenn es Kontrollinstanzen gibt, die entscheiden, welche Dienste und Protokolle bevorzugt und welche benachteiligt werden, wird das Internet nicht mehr in seinem Wesen frei und offen, also letzten Endes demokratisch sein.
Um das anhand eines Worst Case-Szenarios zu illustrieren: Heute würde “nur” BitTorrent gebremst, morgen IPTV bevorzugt, übermorgen gibt es ungedrosselte Premium-Internetzugänge für Leute mit dickem Geldbeutel und irgendwann wird aus ökonomischen oder politischen Gründen einem ganzen Land der Zugang zum internationalen Internet verwehrt. In dem Sinne ist diese die Verbraucher unterstützende Initiative Googles zu begrüßen.
[via BoingBoing]
Der Spiegelfechter hat eine hübsche Polemik über die Maßnahmen zum Schutz einer Gesellschaft geschrieben, die zuvor, scheint’s, hilflos röchelnd vor den Nikotinfaschisten im Staube kroch.
[Eine skurrile Situation], die in Niedersachsen schon Normalität ist: In einer neuerdings schlechter gefüllten Kneipe musste eine Trennwand gezogen werden, um den Rauchern ein Habitat zu schaffen. In dieser Rauchzelle sitzen Raucher und Nichtraucher eng beieinander und haben ihren Spaß so wie früher – der einzige Unterschied ist die schlechtere Luft, da sich der Rauch trotz Lüftung auf einen kleineren Luftraum verteilt, womit niemanden ein Gefallen getan wurde. Der große Nichtraucherbereich, samt Theke, ist fast menschenleer. Die wenigen Gestalten an der Theke bekunden auch, ihnen wäre es lieber, wenn wieder geraucht werden dürfte – die saubere Luft sei zwar nett, ersetze aber nicht die verlorene Gemütlichkeit und der neuerliche Separatismus der Masse spalte die Gesellschaft. Ist es das, was die Politik will?
In Frankreich wird eine neue Behörde gegründet, die Filesharing verfolgen soll. Bei mehrfacher Zuwiderhandlung sollen Internet-Anschlüsse sanktionierend gekappt werden. Applaus gab’s von der Contentmafia Contentindustrie, die die entsprechenden Entscheidungen freilich massiv angeschoben hatte. Als Zuckerbrot für den redlichen Untertan gibt’s ein Verbötchen von DRM. Mehr bei der Tagesschau und gulli.
Ich glaube nicht, dass sich Filesharing, trotz solch enormer politischer Eingriffe, noch in irgendeiner Weise eindämmen oder gar wirkungsvoll verhindern lässt. Eher dürften sie befördern, dass die User auf anonyme Systeme wie ANts P2P und MUTE oder in Freundesnetzwerke wie ExoSee und AllPeers (das seit meinem enttäuschten Resumée von vor einem Jahr ziemlich poliert wurde) wechseln, mal ganz abgesehen von den guten alten transportablen Festplatten, deren Kapazität sich auch nicht verringert. Was bleibt ist ein fader Eindruck davon, wie viel Einfluss Lobbyisten auch in Frankreich haben (Verweis auch nochmal auf das Verbot in Frankreich, Software zu programmieren, die zum illegalen Tauschen urheberrechtlich geschützten Materials verwendet werden könnte), welche Gängelung und Kriminalisierung der Bürger im Namen der Wirtschaft möglich sind und welch größenwahnsinniger Freak zu sein Sarko immer wieder zu beweisen imstande ist.
[Update:] Heise berichtet auch. Interessant, neben den nun staatlich forcierten, aber bereits heute veralteten Techniken zur Filesharing-Filterung, die die Provider einsetzen sollen, ist Sarkos Militär-/ Kriegsmetaphorik:
Wie der französische Präsident Sarkozy am gestrigen Freitag sagte, sehe er die Vereinbarung zwischen dem Staat, den Internetprovidern und den Contentanbietern einen “entscheidenden Schritt für den Fortschritt des zivilisierten Internet”. Hier gebe es eine “neue Grenze”, ein “neues Reich zu erobern”. Wenn man nicht handeln würde, entstehe mit den Breitbandverbindungen für die Filmindustrie dieselbe Gefahr des wirtschaftlichen Niedergangs wie für die Musikindustrie. Man riskiere, eine “wirkliche Kulturzerstörung” zu unterstützen, wenn man nicht mit “intelligenten Mitteln” einschreite.
Ein kleiner Napoleon, oder?
… aber leider kennen die Anglophonen das Wort nicht im Zusammenhang mit Mobiltelefonen, deswegen lass ich das mal. Ist ja auch ein wirklich albernes Wortspiel. Stattdessen [Warnung, Spoiler!] hagelt es unverhofft ungeordnete Medienhinweise, aber erst später in diesem Eintrag.
Die Idee jedenfalls, verschlüsselte Bluetooth-Verbindungen zwischen Mobilfunkgeräten durch Schütteln in einer Hand aufzubauen erscheint mir nicht nur deswegen genial, weil es Datenabgleich und Filesharing sehr erleichtern würde, sondern weil darin durchaus das Potential zu einem neuen sozialen Ritus steckt. May Schütteln be the new Visitenkarte?
«Dieser Artikel hätte “Hand(y)shaking” heißen können» weiterlesen
Hng. Es brennt mir einiges auf der Seele, aber bevor ich losschreibe, muss ich mir diese Woche noch eine Hausarbeit aus der Milz leiern. Dies wollt ich aber zwischen den Zeiten loswerden:
Gestern Abend habe ich noch ein MP3-Album von einem auf ein anderes Mobiltelefon überspielt. Die Bedienung war friemelig – Bluetooth aktivieren, Dateien markieren, 10 Minuten übertragen, Ordner erstellen, Namen per T9 eingeben, Dateien dorthin verschieben – aber zum Schluss ist’s erfolgreich gewesen. Dabei der Anflug einer Ahnung, wie Filesharing in fünf Jahren aussehen könnte. Etwa: Dezentrale File-Suche per eMule-Java-Client auf OpenSource-Mobiltelefonen mit heute noch unfassbaren Flashspeicherkapazitäten und Mesh-Netzen per Bluetooth Schrägstrich hochbandbreitigem WLAN. Dagegen hilft dann auch keine Vorratsdatenspeicherung. Der Nutzer wird siegen.
Heimlich, still und leise hat jene mir nachwievor allerliebste OpenSource-Filesharing-Applikation den halbjahrzehntesten Geburtstag begangen und ich find’s ein bisschen schade, dass dafür nicht wenigstens ein kleines Feature in den Tagesthemen oder so gebracht wurde. Wichtig genug und Kultur pflügend wäre eMule schon. Aber is’ ja auch klar, ne? Kann man ja auch für illegale Sachen benutzen.
Ich persönlich befürchte, dass ich ohne das geliebte “Eselchen” nachwievor TV schauen müsste, um die Bedürfnisse nach audiovisueller Zerstreuung befriedigen zu können. Fatal, pervers, verständlich: Auf mich wirkt alles, was da kommt, wie ein Hypnotikum, von dem ich den Blick nicht abwenden kann, selbst Ilona Christen Oliver Geissen (Gibt’s den noch?) und Cobra Ölf. Mit Filesharing hingegen sehe ich viel selektiver fern: Interessante Dokus, auch mal was auf Englisch usw. Allein die Tatsache, dass die Daten so langsam herein “tröpfeln”, macht das Programm, das ich mir zusammenstelle, mittelbar. Ich bin so frei zu konstatieren dass der eigentliche Schöpfer des YouTube-Effekts eMule war. Und bitte nicht verdrängen: Die Lahmarschigkeit von eMule und anderen Clients in diesem hervorragend organisierten Netzwerk ist eine Stärke. Nur dadurch ist sichergestellt, dass einzelne Files länger im Netzwerk überleben, als das z.B. bei BitTorrent der Fall ist. Dadurch hat man eine enorme Varietät an Daten und findet auch mal obskures Zeugs. eMule ist frei, unsabotierbar, solidarisch und robust – darauf heb ich die Flasche mit meinem Männertagseierlikör.
Übrigens ist eine neue Version draußen. 0.48a, mit erweitertem Vista-Support. Ich warte jedoch noch ein Weilchen, bis die hyperaktive Modder-Community die neue Basis einarbeitet. Der/die Mod ScarAngel ist hierbei seit Jahr und Tag das Produkt meiner Wahl.
Interessant: Eine terroristische Organisation namens Daten-Antifa hat ein privates Polizeiforum gehackt. Sämtliche Threads und PMs sind “freigesetzt”.
Vielen Dank geht an dieser stelle an Bundesinnenminister Schäuble, der die legislative Grundlage für die hier angewandte Form der Online-Durchsuchung maßgeblich mit geschaffen hat.
Da die Auswertung der Daten aufgrund ihrer Masse noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird, haben wir uns dazu entschlossen den Bürgerinnen und Bürgern eine vorab Version in Form von SQL-Daten zu Verfügung zu stellen. Als bequemere Alternative stellen wir Ihnen eine ältere Version der beschlagnahmten Daten im HTML-Format zum Download bereit.
Generalbundesdatenantifaschist
Hagbard Celine
-
Einige knackige Beispiele für mögliche Peinlichkeiten gibt’s schon bei indymedia in den Kommentaren zu lesen.
Und da sieht man mal wieder, welches Potential P2P besitzt: Während die Download-Mirrors für die Datenbank (im SQL-Format) sowie die lesefreundlichere HTML-Version flott gesperrt wurden, gibt’s die Dinger wie selbstverständlich weiter im eD2K-Netz per eMule und aMule runterzuladen.
Disclaimer: Ich rufe natürlich ausdrücklich auf, das nicht zu tun. Man macht sich schließlich strafbar damit.
[via]
[UPDATE:] Nach genauerem Nachdenken habe ich mich entschlossen, noch klarzustellen, dass ich die Aktion keinesfalls in jedem Aspekt gutheiße. In dreierlei Hinsicht jedoch schon.
Erstens stellen u.A. die Kommentare bei indymedia durchaus anschaulich dar, wes Geistes Kind manche unserer Gesetzeshüter sind. Ich habe persönlich habe, hier in Berlin überwiegend positive Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Muss man auch mal sagen: Die meisten machen ihren Job gut. Aber die wenigen, die offensichtlich rassistischen, sexistischen, autoritären oder gewaltverherrlichenden Denkmustern aufsitzen, gehören nicht in die Exekutive. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, das auch die Belegschaft der Polizei nur ein Querschnitt der Gesellschaft ist.
Zweitens: Datensicherheit. Glaube nie, dass irgendetwas, das Du ins Internet reintippst, -schickst oder -sprichst, nur für dich einsehbar wäre. Wissen wir alle, vergessen wir immer wieder. Ich auch.
Drittens, bei all den pikanten Privatgeschichtchen die da ans Tageslicht kommen mögen – deren Veröffentlichung moralisch verwerflich ist – sollten wir uns vergegenwärtigen, dass genau solche Daten zu sammeln und auszuwerten der Staat ebenso willens und im Stande ist – eben als “Kollateralschaden” zur Bekämpfung von Terror, Kinderpornographie, Steuerbetrug oder was sonst gerade Legitimationshoheit besitzt. Das ist nicht erst seit dem Bundestrojaner, der Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie und Schäubles Terrorpsychose so. Staatsanwälte sind heute äußerst nachlässig, was Genehmigungen für “große Lauschangriffe” angeht. Verdacht auf einen Verdacht? Tun Sie’s. Bedenke, dass es nicht einmal zwingend Du sein musst, der observiert wird. Vielleicht wird deine E-Mail schon deswegen gelesen, weil sie zwei, drei verdächtige Keywords enthält. Vielleicht wird dein Telefonat mitgeschnitten und dein Handy geortet, weil dein Gesprächspartner hin und wieder Gras verkauft. Und auch wenn immer wieder munter kolportiert wird, dass die Fahnder in Datenfluten ertränken, schreitet auch die Automatisierung von Datenorganisation und Analyse voran. Um den Bogen zurück zum gehackten Polizei-Board zu spannen: Während noch vor zwanzig Jahren eine ganze Brigade an Stasi-Graumännern die gesammelten “Erkenntnisse” tagelang hätte durchforsten müssen[1], könnte man heute die Datensätze mit Betriebssystem-eigenen Bordmitteln nach den wirklich interessanten Begriffen in Sekunden durchpflügen, egal ob es jetzt “npd”, “bimbo”, “schwul”, “terror” oder “korruption” ist. Nein, ich habe das nicht ausprobiert. Was ich sagen will: Wenn die Daten erstmal raus sind, sind sie raus. Und wer weiß, welche technischen Möglichkeiten in zehn Jahren herrschen, um die heute gewonnen Daten zu analysieren? Techniken, die angewandt werden können, werden angewandt, kannste Gift drauf nehmen. Wie man u.A. an den pfeilschnell offline gegangenen Mirrors der Boardarchive sehen kann, sind die Mechanismen effizient, aber diskret. Ich sag’s mal in aller Deutlichkeit: Paranoia sind angebracht – allerdings nicht die vor den bösen Terroristen…
- Musste Fox Mulder nicht auch mal als “Strafarbeit” beim FBI Telefongespräche abhören und ist daran fast zugrunde gegangen? [zurück]
Sie gibt sich echt Mühe, die Industrie, Filesharer weiter als Raubkopierer zu stigmatisieren. Und mit spektakulären Polizeiaktionen erzeilt sie ja auch kurzfristige PR-Erfolge. Allerdings leiden viele der Lobbyisten an gehörigem Realitätsverlust, wenn sie laut äußern, ein illegal heruntergeladener Song verursache einen Schaden von 150.000 $. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Konsument den Kulturindustriellen noch Glaubhaftigkeit oder gar moralische Integrität zurechnet. Ich denke, Kulturindustrie ist begrifflich bereits ein Widerspruch in sich und P2P wird ebenjene mittelfristig auf ein gesundes Maß eindampfen.
Ich als Filesharer habe durchaus ein schlechtes Gewissen, wenn ich lese, dass Tapete oder GHvC unter großen Problemen leiden, da gibt’s kein Vertun. Aber warum finde ich auf keiner Website eines Labels oder einer Band eine Art Ablass-Button, über den ich per PayPal oder so zumindest einen Soli-Beitrag leisten kann, wenn mir etwas gefällt? Glauben die, das wäre eine indirekte Entkriminalisierung? Nun, in kaum einem anderem Fall als beim Filesharing gibt es eine so offensichtliche Diskrepanz zwischen dem (Un-)Rechtsempfinden der Bürger auf der einen Seite und dem von Gesetzgeber und Industrie auf der anderen. Egal, wie man dazu stehen mag: Filesharing existiert, es ist nicht wegzusanktionieren, es soll sogar Polizisten geben, die sich ihre Musik saugen. Illegale Downloads werden immer einfacher, sicherer, schneller und der Aktionismus der Lobbyisten beschleunigt diese Vorgänge nur noch mehr. Der Katzenjammer aus der Richtung der Kulturindustriellen wäre heute vielleicht etwas leiser, wenn man sich von Anfang an an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet hätte. Das bedeutet: Ein Modell wie die Kulturflatrate nicht per se abzulehnen, Kopierschutzmechanismen und DRM-Systeme zu vermeiden, die aus Medien unabspielbaren Datenmüll machen, kurzum: das Scheitern vieler legaler Downloadangebote nicht auf die “Piraten” zu schieben sondern darin die eigenen Unzulänglichkeiten erkennen. «Saugen 2007» weiterlesen
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die bislang größte Razzia gegen Benutzer des eD2K-Netzwerkes hat heute morgen stattgefunden. Die Schlagzeilen in der etablierten Presse sind natürlich ein Schlag ins Gesicht für alle, die legales Filesharing betreiben und tragen gut dazu bei, Filesharing weiter als grundsätzlich illegale Grauzone des Internets zu stigmatisieren.
Am besten informiert ist mal wieder gulli.com. Dort und bei heise kann man die Entwicklungen vermutlich am besten weiter verfolgen.
Betroffene sollten sich bei netzpolitik.org melden.
Ansonsten: Ich habe vernommen, dass ein gewisser Schutz gegen Download-”Spionage” von guten eMule-Mods wie Xtreme und ScarAngel ausgeht, die die aktuellste Version der Dynamic Leecher Protection und der IPfilter.dat (etwa wöchentlich in eMules Config-Verzeichnis speichern) haben. Dazu kann man auch noch PeerGuardian installieren.
Die ganz Paranoiden können dazu noch, etwa mit Sentry, Teile der Festplatte per Passwort sichern (selbst nicht getestet).
Trotz allem gilt: Endgültige Sicherheit vor Strafverfolgung bringt das alles nicht.
//edit:
Bitte auch lesen: F!XMBR zum Thema
[UPDATE:]
Heise weist darauf hin, dass die IP-Adressen der geschnappten Dateitauscher (“Diebe”, “Piraten”) von einem Server stammten, der mit einer dafür entwickelten Software die angebotenen Dateien mitloggte.
eMule läuft übrigens auch sehr gut ohne Serververbindung. Die Quellen bekommt man fast genauso schnall dank des dezentralen KAD-Netzes und Quellenaustausch.
Optionen -> Verbindung -> Häkchen bei “eD2K” weg
Es dürfte schwierig für die IFPI werden, zu beweisen, dass der Inhalt der Dateien tatsächlich dem Dateinamen entspricht. Im eD2K-Netz sind Datei (Hash) und Dateiname nämlich grundsätzlich voneinander getrennte Informationen.
Ein Beispiel:
So könnte man über die eD2K-Suche vielleicht etwa eine Datei finden, die den Namen “Geiles_neues_Album_von_dieser_finnischen_Rockband_da.rar” trägt, in Wirklichkeit aber das Urlaubsvideo der Familie Müller auf den Kanaren als DivX-AVI ist*.
Warum sollte das Urlaubsvideo von jemandem umbenannt worden sein? Nun, vielleicht wollte Familie Müller einfach nicht, dass jemand Fremdes das Video sieht, der auf’s Geratewohl nach “Urlaubsvideo” sucht. Darum haben sie Dateinamen und -endung einfach geändert und den eD2K-Link mit dem falschen Namen an Freunde und Verwandte geschickt und zusätzlich den echten Dateinamen per Mail – mit dem Hinweis, dass die Datei erst nach dem Herausnehmen aus dem Share zurück-benannt werden sollen. Soll’s geben.
Mir ist so etwas mal in negativer Hinsicht passiert: Ich wollte ein Video eines deutschen Komödianten herunterladen und habe versehentlich einen Kinderporno erwischt. Hab’s natürlich sofort gelöscht – aber hätte jemand diese Datei mitgeloggt, wäre ich vielleicht drangewesen (hab’s aber auch gemeldet).
Die IFPI müsste jetzt also alle Dateien selbst erst mal herunterladen und sichten (die liegen nämlich nicht auf den Servern), eh sie verifizieren kann, was da eigentlich wirklich drin ist. Denn: In dubio pro reo.
[2. UPDATE:]
Von vertraulicher Seite ist mir zugetragen worden, dass es sich bei dem Server der IFPI sehr wahrscheinlich um folgenden gehandelt hat:
Elite : dark-force-elite.org
IP:85.25.134.173, Port:4661Zur Sicherheit sollte man aber am besten gleich alle deutschen Server aus der Serverliste löschen. Damit die nicht wieder hinzugefügt werden:
Unter Optionen -> Server ->
- “Serverliste beim Programmstart aktualisieren”
- “Server-Adressen vom verbundenen Server…” und
- “… von verbundenen Clients beziehen”
aus.
Wenn man wirklich nicht auf den Server-Connect verzichten will, kann man ein paar gute auch per Hand hinzufügen: Als sicher gelten nach wie vor z.B. die Donkey Server 1 und 2. Hier kann man sie direkt via eD2K-Link in eMules Serverliste eintragen.
In eMule gibt es die Einstellung, dass jeder die angebotenen Dateien sehen kann. Diese sollte man grundsätzlich unter Optionen -> Dateien -> “Freigaben sichtbar für:” auf “Niemanden” stellen.
Und noch was: Das Anbieten von 8000 MP3-Dateien via eMule ist nicht nur in rechtlicher Hinsicht fahrlässig, sondern auch technisch blöd. Dabei wird unnötiger Overhead erzeugt und viele Server weigern sich eh, so viele Daten zu indizieren. eMule ist eine Tauschbörse, die auf größere Dateien ausgerichtet ist, weswegen in Puncto Musik sowieso eher ganze Alben in Archivformaten getauscht werden.
[3. UPDATE:]
(Beim nächsten Mal mach ich einen neuen Artikel auf – versprochen
Höchst interessant: golem.de interviewt einen Anwalt, der auf Schadensersatzansprüche der Industrie spezialisiert ist. Auch er sieht die Musikindustrie in der Beweispflicht und erklärt, dass einzelne Dateien keine ausreichender Beleg für eine Copyrightverletzung aller angebotenen Daten sind, von denen schließlich nur der Dateiname bekannt ist.
[4. UPDATE:]
(Ich hau’s doch noch mal hier rein)
Falls hier ein falscher Eindruck entstanden ist:
Niemand ist sicher, geloggt zu werden und Post vom Staatsanwalt zu bekommen. Man kann aber gewisse Maßnahmen ergreifen, um die Risiken zu verringern.
Aber auch folgendes möchte ich unterstreichen:
Paranoia sind unbegründet. Noch geht man in der Masse der Filesharer, auch der deutschen, unter.
Und noch eine Klarstellung: Bevor ich die vermutete IP des Servers aus Hürth wusste, stand sie schon im offiziellen eMule-Board.
* Das ist übrigens auch der Grund, warum im eD2K-Netz so viele Fake-Dateien unterwegs sind.







