Ein wenig beachteter Nebeneffekt dieser ganzen Paid-Content-Soße, die sich dank trigami und Co. über viele deutsche Blogs ergießt ist, dass man sich auch als nicht mit dem Makel der monetären Unterwürfigkeit Behafteter mittlerweile fragt: Ja, glauben mir meine Leser das überhaupt noch, wenn ich ein Produkt/eine Platte/eine Website oder sonstwas lobe, dass das Lob aufrechten Herzens und ohne PR-Agentur im Hintergrund zustande gekommen ist, die mir für den ausführlichen Bericht nebst Deeplink für die Google-Plazierung ein paar räudige Euronen zahlt? Den Credibility-Schalk im Nacken spürte ich neulich etwa, als ich für 1000ff über eine, einfach nette, Filmcommunity berichtete und mich bei dem Gedanken ertappte “Hm, irgendwas Negatives muss doch auch zu finden sein damit man mir das auch abnimmt”. Und das ist nervig. Hört auf, Leute, eure Integrität für (so gut wie) nix in den Staub zu werfen, indem ihr euch bei geldgeilen Kapitalisten anbiedert – egal ob sie euch nun mit Weihnachtskalendern, Bestechungsgeldern oder anderem Tünnef ködern. Denn ich will wieder befreiter bloggen können. Danke.
Aber nun zu etwas komplett anderem. «Blöde Blogger, blöde Filme» weiterlesen

Ich bin etwas erschüttert darüber, dass die Star Trek Classic-Serie jetzt mit Digitalquark aufgehübscht wird. Ich war da ja eh nie so richtig Fan von, aber ich bin mir des Werts der Serie durchaus bewusst. Der liegt zwar auch darin, Science Fiction voran gebracht zu haben (nicht in den Feuilletons, dafür war James T. Kirk zu rüde, aber in den Herzen der Leute), vielmehr jedoch ein gesellschaftshistorischer Wendepunkt zu sein. Gene Roddenberry hat in Star Trek als erste Serie Japaner, Russen, und Amerikaner, Schwarze und Weiße in einer Crew zusammengeführt. Der erste Filmkuss zwischen einer Schwarzen und einem Weißen fand hier statt. Das war revolutionär Ende der 60er. Über die Effekte und wirklich merkwürdigen Handlungen können die meisten heute vermutlich nur noch lachen, daran ändern auch ein paar 3D-Animationen und Spratzeleffekte nix. Im Gegenteil, sie lassen in ihrer Deplaziertheit den Rest der Bilder nur noch anachronistischer und damit lächerlicher wirken. Zumal die Effekte ja auch nicht gerade taufrisch aussehen, sondern — da schließe ich mich sven k. an — wie aus Computerspielen der 90er Jahre abgefilmt.
Die Fans brauchen’s nicht, denn denen dürften die Effekte allerhöchstens egal sein, überwiegend jedoch sauer aufstoßen. Die schauen Star Trek TOS nämlich wegen der Nostalgie, der Kindheitserinnerungen oder wegen des Trash- und Kultfaktors. Diejenigen, die mit Star Trek bis jetzt noch nichts am Hut hatten, werden auch die neuen Effekte nicht überzeugen, denn dafür ist deren Qualität und die des Rests der Serie zu schlecht. Also: Cui bono?
Ein 4 Minuten-Video der neuen Effekte gibt es auf startrek.com.
… aber leider kennen die Anglophonen das Wort nicht im Zusammenhang mit Mobiltelefonen, deswegen lass ich das mal. Ist ja auch ein wirklich albernes Wortspiel. Stattdessen [Warnung, Spoiler!] hagelt es unverhofft ungeordnete Medienhinweise, aber erst später in diesem Eintrag.
Die Idee jedenfalls, verschlüsselte Bluetooth-Verbindungen zwischen Mobilfunkgeräten durch Schütteln in einer Hand aufzubauen erscheint mir nicht nur deswegen genial, weil es Datenabgleich und Filesharing sehr erleichtern würde, sondern weil darin durchaus das Potential zu einem neuen sozialen Ritus steckt. May Schütteln be the new Visitenkarte?
«Dieser Artikel hätte “Hand(y)shaking” heißen können» weiterlesen
ist ein Film von 1999. Was er enthält: Eine Milieubeschreibung inklusive Sozialkritik minus Smug, Hedonismus ohne romantische Verklärung des Drogenkonsums. Eine Geschichte von jungen Menschen, die zwischen dem drögen Masochismus alltäglicher Jobroutine und wochenendlichem Selbstvergessen in den Technoclubs von Cardiff pendeln. Hassen und betäuben, vielleicht ein bißchen lieben und das für Leben halten. Streben nach Bedeutung, Kampf gegen die Komplexe. Dabei ist Human Traffic schnell erzählt und detailliert. Aber nicht so stark in einer objektiven, über allen stehenden Realität behaftet, dass das Changieren der Erzählperspektive nicht in einem lustvollen Spiel inszeniert werden könnte und die Selbstbilder einer ja nun mal leider komplett heterogenen Generation[1] nicht ein paar ordentliche Hiebe in jene Gegend abbekämen, bei der ein Faustknuff ein amtliches Maß an Seitenstechen verursachen würde. Und oh die Farben, die Musik, das Lachen… Ein Film mit Seele. Einer meiner, wenn nicht der absolute meiner Lieblingsfilme. Diese Auffassung teilen leider viele nicht, denen ich den Film in der Videothek andrehe. Aber ich liebe ihn und es ist schon sträflich, dass ich das Ding in anderthalb Jahren Bloggen bis jetzt nicht einmal erwähnt habe.
Human Traffic @ Wikipedia DE Wikipedia EN IMDB Amazon
- Nein! ich hab’ das G-Wort gesagt!!!1 [zurück]

Hiro trifft auf seinen Vater. Der wird gespielt von George Takei.

Als die Familie wegfährt, sieht man kurz das Nummernschild des Autos.
Eine von Max Goldts interessanten Textsammlungen nennt sich “‘Mind-boggling’ – Evening Post“. In einer Passage befasst sich der Autor mit Buchrückenaufschriften, die aus Rezensionen des Buches extrahiert, ja – meist aus dem Zusammenhang gerissen werden. Deswegen auch der Titel des Buches. Da vorhin in der Videothek, in der ich für mein täglich Zubrot arbeite, vormittagsbedingte Kundenleere herrschte, sammelte ich von Langeweile getrieben vergleichbare Fragmente, die auf DVD-Covern abgedruckt sind. Listenartig präsentiere ich nun also stolz:
Rezensionszitate auf DVD-Hüllen, die mich definitiv davon abhalten, einen Film anzuschauen. Und warum.
“Dieser Film hat das Humor-Niveau von Notting Hill und den Kuschelfaktor von Pretty Woman.” – Bild am Sonntag
Mal abgesehen von den lachhaften Bewertungskategorien und der Tatsache, dass die “BamS” diesen Film für ihre Klientel offenbar als passend einstuft, finde ich das Genre der RomKom eh komplett entartet. Man muss sich das mal vergegenwärtigen: Die bringen seit Jahrzehnten den gleichen Film, leicht variiert, heraus und es gibt dennoch jede Menge Frauen, die das anschauen. Nicht trotz, sondern wegen Hugh Grant! Klischee, ich weiß. Aber nichts ist sexistischer als die empirische Realität.
“Spannung und Splatter – und davon jede Menge” – Deadline
Ich glaube, es ist ein veritabler Trick zur Bewerbung eines Filmes, einfach ein Zitat mit bunten Blumensträußen an Lobeshymnen zu erfinden, dazu eine auch mit intensiver Recherche nicht nachvollziehbare Quellenangabe. Beispielsweise so: “Citronengras.de ist das beste Weblog, das mir jemals unter Jehovas strenger Gunst zu lesen erlaubt ward. Lesenswert – auch für Nicht-Zugehörige der Kleintierzüchterszene.” – Jonathan Humperdinck. Derlei dürfte hier geschehen sein.
“Bestes Knallkopfkino” – joy
Eddie Murphy verkleidet sich als dicke Frau, Teil 27. Zusammen mit Robin Williams bringt traurige Kinderaugen wieder zum strahlen und Mischformen dieser beiden Genres eine kundenmagnetische Bank.
“Perfektes Gute-Laune-Kino!” – TV Spielfilm
Bei einer RomKom? Da müsste schon einiges geschehen. Etwa: Plötzliches Auftauchen eines Werwolfs.
“Aufwendig … in Szene gesetzt.” – Videowoche
Die drei Pünktchen nach dem ersten Wort machen mich misstrauisch. Was in diesem Zitat wohl ausgelassen wurde? Vielleicht ja “schneiderte man diesem Würstchen von Hauptdarsteller im Vorfeld Kettenhemd, schmiedete Schwert und Helm – und trotzdem ist die Mittelalter-Atmo des Films unfassbar mies”.
“Ein nihilistischer Wutschrei.” – Total Film
Gleichbedeutend mit: “Trotz seiner dauerprovokanten Handlung und extremen Bilder handelt es hier um einen Film, der ähnlich öde ist wie die typische postmoderne Inszenierung eines klassischen Theaterstücks. Die Hülle dieses Films im Regal eignet sich allerdings gut, um potentiellen Sexualpartnern zu imponieren”.
“Große Stars, tolle Effekte – was will man mehr?” – Bild
Eine Handlung.
Die Schlußszene vom “Dschungelbuch” in 14 copyright infringements Sprachen nacheinander.
YouTube-Direktlink (Da stehen auch die Texte.)
Muss man extra erwähnen, dass dort ein nicht sonderlich modernes Frauenbild transportiert wird? Na gut, jetzt hab ich’s eh schon getan. *distanzier*

(Bild: ikea.de)
Was habe ich mich seinerzeit darüber echauffiert, als bekanntgegeben wurde, dass Henryk M. Broder den Börne-Preis bekommt. Ein Preis, verliehen von Jury aus einem einzigen Menschen, nämlich dem Focus-Cheffaktenforderer, 20.000 € wert. Nachdem ich heute den guten Hintergrundartikel zu dieser Veranstaltung in der jungen Welt las und erfuhr, welche Seilschaften dort im Hintergrund agieren, welche Machtspielchen auf dem Rücken von Ludwig Börnes Namen ausgetragen werden, änderte ich meine Meinung jedoch. In diesen Morast gehört er meiner Meinung nach rein, der Herr Broder, der in seiner Dankesrede an Herrn Markwort ein Ende der Toleranz forderte und Hass auf Muslime meinte.
Neulich habe ich übrigens einen guten Film gesehen, der mich auch Herrn Broders Persönlichkeit ein bisschen besser nachvollziehen ließ (ohne, dass ich den Film komplett auf ihn beziehen würde). Es handelt sich um Hirschbiegels “Ein ganz gewöhnlicher Jude”, den psychologischen und persönlichen Monolog eines im Nachkriegsdeutschland geborenen Juden, eine Schilderung wie es denn so ist, mit all diesen Erwartungen aus Familie und Gesellschaft aufzuwachsen, mit der Verantwortung für eine Identität, für die er sich nie entschieden hatte, die er aber auch nicht ablegen kann, mit den mittelbar, aber überdeutlich merkbaren Nachwehen des Holocaust. Es ist nur folgerichtig, dass Henryk M. Broder diesen Film verabscheut, ihm genau das vorwirft, was der Hirschbiegel-Film kritisch bearbeitet: Klischees über Juden, verkrampfter Versöhnungskitsch[1] und Gutmenschentum Smug[2]. Dass da ein, aus verständlichen Gründen, verbitterter Mensch gezeigt wurde, mag für Herrn Broder vielleicht deswegen nicht sichtbar sein, weil sich der Protagonist des Films darin in einem noch nicht ganz so fortgeschrittenen Stadium befindet wie der Spiegel-Rezensent.
- Komisch: An anderem Orte äußert HB ein besonderes Faible für Kitsch. [zurück]
- Zum Begriff: Smug Alert! [zurück]
Nachgereicht zum G8-Gipfel: Ich muss sagen, dass ich ziemlich geschockt bin von den Bildern aus “Gipfelstürmer – Die blutigen Tage von Genua”. Ich hatte das so krass gar nicht in Erinnerung. Eine Ironie des Schicksals, dass diese Exzesse staatlicher und polizeilicher Gewalt, die hochgradig politisch forciert waren, von einem anderen Gewaltexzess, dem des 11. September 2001, überschattet und in der Öffentlichkeit nie richtig aufgearbeitet wurden. Endlich habe ich diesen Film mal gesehen, man sieht Heiligendamm doch mit anderen Augen. [via]

