Es gäbe Längen drin, hat man mir gesagt. Egal. Hier mal wieder etwas aus dem Prosakeller, verfasst für unseren quietschfidelen Literaturzirkel. Ja genau.

Bild: arte_molto_brutta_2 (cc)
Herr Schlonzendorff betrat das Wartezimmer. Die Poster an der Wand zeigten diverse Ausprägungen gängiger Hautkrankheiten, wie er irritiert zur Kenntnis nahm. Dies musste wohl dem morbiden Humor des Herrn Doktor geschuldet sein. Jemand, der Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten war, musste schließlich einen morbiden Humor haben. Oder geistesgestört sein.
Das Wartezimmer war voll mit abblätternden Gestalten, zumeist bereits optisch als verrentet klassifizierbar. Her Schlonzendorff seufzte, meldete sein Eintreffen bei der Schwester und setzte sich. Warten. “Herr Schlonzendorff – bitte Kabine 4!” Die Wartezimmerkraft hatte eine Art, das R im Wort “Herr” zu rollen, es war eine Pracht. “Sicher wegen der Gewöhnung”, dachte er, griff sich zwischen die Beine, nahm den dort stehenden Rucksack aus Nappaleder und machte sich auf den Weg in besagte Kabine 4.