meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Islamophobie’

[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008

Erinnern wir uns zurück: Vor ziemlich genau acht Monaten gab es den letzten großen medial entfachten Sturm der Entrüstung in muslimischen Ländern, damals anlässlich der Regensburger Rede von Papst Benedikt. Der Mord an einer Ordensfrau in Somalia, dessen Motive nach wie vor ungeklärt sind, wurde ohne viel Federlesens als Reaktion auf die Rede gebrandmarkt. Neben den üblichen Protesten radikaler Geistlicher bestimmten Bilder von Strohpuppen und Fahnen verbrennenden Demonstranten die Berichterstattung in westlichen Ländern. Und die westliche Welt fühlte sich bestätigt in der Einsicht, mit der “dauerbeleidigten muslimischen Welt” sei seit dem Karikaturenstreit einfach kein Dialog möglich, der “Clash of Cultures” vorprogrammiert.

Mal abgesehen davon, wieviel es über unsere eigene Gelassenheit aussagt, wenn wir uns über irgendwo auf der Welt brennende Landesflaggen erregen, gab es damals auch interessante Stimmen zu dem Vorfall, die kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Renée Zucker berichtete in der “Mediennachlese” im Berlin-Brandenburger “inforadio” aus Srinangar in Kashmir – der Stadt, deren Protestbilder seinerzeit die Medien dominierten:

«Doppelt reflexive Empörungsmechanismen: Einwurf zu den Rushdie-Protesten» weiterlesen

[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008

fingers crossedDas klang doch gleich merkwürdig: Die von “Politicallyincorrect” vor einer Woche aus obskuren Quellen aufgetane Nachricht, wonach ein Schweizer Hersteller eine ganze Sorte Klopapier (16.200 Rollen) aus den Läden entfernen ließ, weil eines der aufgedruckten Sternzeichen umgedreht auch “Allah” gelesen werden könnte, ließ die islamophoben Blogs und Foren glühen. Man kennt das: “So weit sind wir also schon!” “Einknicken!” “Wegen dieser doofen Dhimmis droht die dodale Muselmanisierung!” ätzt es von überall.

Aber wie groß ist der Wahrheitsgehalt dieser Meldung? Selbst wenn der Schweizer Großhändler “Migros” nun die PI-eigene Differenzlosigkeit von Respekt vor religiösen Gefühlen anderer und Unterwürfigkeit vor fremdkulturellen Assimilationsgelüsten teilte, dürften es doch eher profane Image- und Marktinteressen gewesen sein, die hierzu führten. Migros in einer offiziellen Stellungnahme: “Wir haben keine Fehler begangen”. Interessanter Staub, in dem da angeblich gekrochen wird.

Der dicke Hund an dieser Meldung jedoch ist, dass der Ursprung offenbar nicht, wie gemeldet, aus der “Tribune de Geneve” stammt und auch nicht “am Donnerstag” gemeldet wurde, sondern aus dem Jahr 2002 stammt. Da werden Erinnerungen wach. An Pluszeichen, Sparschweine und einige andere Legenden. Nun, PI, etwas quellenkritischer solltet ihr schon sein. Sonst dreht euch irgendjemand noch die Wiener Türkenbelagerung als brandaktuelle Top-News an.

Danke an das Fameless Blog [leider mittlerweile offline] für die Recherche.

[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008

BildIch werfe alle paar Tage einen Blick auf das sich selbst euphemistisch “pro-westlich” und “Islam-kritisch” nennende Weblog “Politically Incorrect”. Es ist ein merkwürdiger Drang, mich mit der Tatsache zu konfrontieren, dass nicht jede Ecke der deutschen Blogosphäre kuschelig liberal ist, sondern dass es hier und da knallhart rassistisch zur Sache geht, der mich dazu treibt, das immer wieder zu tun.

Zur Räson dieses Blogs gehört die prinzipielle Ablehnung des Islam, da er als unzivilisierte, blutrünstige, frauenverachtende (usw.) politische Ideologie gesehen wird, die die totale Unterjochung des Westens und Vernichtung der Juden anstrebe. Differenzierungen in fundamentalistische und gemäßigte Moslems gibt es im Weltbild von PI und seinen Kommentatoren nicht, also auch keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus. Ein Moslem ist erstmal nur ein Moslem, Abstufungen, andere Wesenszüge, Art der Religionsausübung, persönliche Biographien oder Charaktereigenschaften treten bei der Bewertung von Menschen dieser Religionszugehörigkeit, die oft “Musel” genannt oder ironisch als “Kulturbereicher” verhöhnt werden, völlig in den Hintergrund. PI misst jedem straffälligen Moslem mehr Beachtung zu als hunderten, die nie an Kriminalität nur dächten oder jedem Nicht-Moslem, der eine identische Straftat begeht. Berlin-Neukölln und Kreuzberg beispielsweise werden als Stadtteile geschildert, in die sich die Polizei nicht mehr hereintraue und in denen die Scharia herrsche. An all diesen Problemen und einer konstatierten zu islamfreundliche Haltung der Politik, seien zudem “die Linken” schuld – “Gutmenschen” wie die häufig verhöhnte Claudia Roth, die in ihrem “Dhimmitum” eine “Appeasement”-Politik verträten. Auch hier kennt PI keine Differenzierungen – Sämtliche Schattierungen des linken Spektrums, ob Grüne oder Linkspartei, Sozialist oder Umweltschützer, Globalisierungsgegner oder RAF-Terrorist, sie sind identisch in der Feindbild-Wahrnehmung der PI-Autoren und -Klientel. Diese Haltung fände Widerhall in den – natürlich – “links durchsetzten” Medien, die der für PI relevanten Religionszugehörigkeit eines Straftäters (wenn er Muslim ist) zu wenig Bedeutung beimäßen und diese Information aus Gründen der “Political Correctness” unter den Tisch fallen ließen. (Hierzu kritisch Quellen sammelnd: Limited)

«Von Ideal und Wirklichkeit. Heute: Die real existierende Meinungsfreiheit bei “Politically Incorrect”» weiterlesen

[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008

Wirft man einen Blick in die dunkleren Ecken des Internets, stößt man schnell auf Schulterschlüsse der besonderen Art.

In letzter Zeit formiert sich auch von “links” ein Widerstand gegen die Überfremdung des christlichen Europas durch Mohammedaner. Die naive Gutmütigkeit gegenüber dem Islam, das Verschweigen und Beschönigen von Problemen und Bedrohungen bis hin zum freiwilligen Rückzug, bevor der Feind überhaupt richtig angegriffen hat – all das geht auch einigen aufmerksamen und selbstbewussten Zeitgenossen zu weit, die sich ansonsten ausdrücklich von “rechts” distanzieren.

Ein Beispiel dafür ist die sehr viel besuchte Weltnetzseite “Politically incorrect”, die sich überwiegend mit dem Thema Muselmanisierung, Dhimmitum(*) und Islamversteherei in der brd beschäftigt – wo wir voll zustimmen können [...] Es ist auf jeden Fall zu begrüßen, dass der Widerstand gegen die muselmanische Bedrohung wächst, denn die Gefahr für unsere Heimat und Kultur wächst ebenfalls von Jahr zu Jahr, wenn wir den Spieß nicht endlich umdrehen und die Multikultischwuchteln entmachten und ihrer gerechten Strafe zuführen. Sie begehen schweren Landesverrat !

Aus einer Erklärung der NPD Göttingen.

Auch das Blog der NPD Barnim verweist erstaunlich oft auf PI-Beiträge. “Politically Incorrect” will nun gar nicht mit den National-”Demokraten” assoziiert werden. Da ist man ganz opportun und versucht sich — immerhin — mit einem nicht funktionierenden Link auf die eigenen Leitlinien von Symphatisanten dieser Art zu distanzieren. Wobei, Distanzieren ist vielleicht zuviel gesagt, eine Abgrenzung vom extrem rechten Spektrum findet man im PI’schen Selbstverständnis nicht. Einige der Kommentatoren geben einen kleinen Einblick, warum das so sein könnte:

«Wenn zusammenwächst, was zusammengehört: NPD kuschelt mit “Politically Incorrect”» weiterlesen

Wirklich hervorragend, die Untersuchung “Deutsche Zustände 2006″ des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer (Zusammenfassung in der ZEIT), in dem die aktuellen Ausprägungen von Rassismus in Deutschland untersucht werden, den er zutreffend “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” nennt. Beklemmend finde ich, dass er meine subjektive Erfahrung und Deutung dahin gehend vollständig empirisch bestätigt. Heitmeyer benennt eine sprunghaft angestiegene irrationale Furcht vor allem vor Muslimen in den letzten Jahren, sowie erhöhte Empfänglichkeit für abgrenzend-verallgemeinernde Charakterzuweisungen auf ganze Volks-, Religionsgruppen und Ethnien, die durch Faktoren wie Patriotismuskampagnen (“Du bist Deutschland”, “gesunder” Patriotismus bei der WM), Wohnen in strukturschwachen, ländlichen Regionen und die Zugehörigkeit zur Mittelschicht verstärkt werden. Abgrenzung nach “unten” sei dabei ein Motiv für Letztgenannte. Das Interview mit Heitmeyer in der taz ist in Bezug auf die gesellschaftlich absolut salonfähige Islamophobie ebenfalls aufschlussreich:

Leute, die Vorurteile haben, (springen oft). Heute sind sie gegen Juden, morgen gegen Homosexuelle. Es nutzt nicht viel, nur Antisemitismus oder Rassismus abzufragen. Man muss alles – also das, was wir “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” nennen – in den Blick nehmen.

und

(…) normalerweise gilt: je höher die Bildung, umso weniger Abwertung. Das stimmt in Bezug auf Obdachlose, Homosexuelle, Juden, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus und Rassismus. Nur beim Islam ist das anders. Dort schützt Bildung weniger vor der generalisierten Abwertung der Kultur des Islam.

Manchmal stelle ich mir vor, dieser Tage ein türkischstämmiger Muslim zu sein. Alle würden von mir verlangen, irgendeine ominöse Leitkultur zu akzeptieren. Ständig müsste ich mich rechtfertigen, Muslim zu sein und ständig würde ich mit Argusaugen betrachtet – ich könnte ja ein Terrorist sein. Die wenigen in meinem Kiez die “Deutsch” aussehen, leben mir genausowenig ein auf Toleranz basierendes Wertesystem vor wie meine Eltern. In der Schule bin ich von vornherein auf Arbeitslosigkeit programmiert. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgendjemandem in diesem Land etwas wert bin, so sehr ich mich auch anstrenge. Denn jeder, der mir auf der Straße entgegenkommt, sieht in mir – nein, nicht den jungen Mann, nein, nicht den Hip Hopper, nein, auch nicht den hedonistischen Konsummaterialisten. Für mich gibt es im Alltag ausserhalb meiner Community nur eine Kategorie: Türke. Oder Moslem, was im Prinzip gleichbedeutend ein negatives Attribut ist. Der einzigen Weg, den ich beschreiten kann, ist der innerhalb meines Milieus, denn jahrzehntelang wurde es politisch versäumt, dieser Entwicklung zur Parallelgesellschaft entgegenzuwirken. Und heute wagt es irgendein FAZ-Feuilletonist, ein CSU-Mann, der noch schlechter Deutsch spricht als ich oder ein Brandenburger Neonazi, von mir Integration zu verlangen?

Man kann es durchaus mit der Angst bekommen, in Deutschland zu leben. Diese Studie ist sehr gut und zeigt zudem warum die Soziologie eben doch nicht so lebensfern ist. Davon abgesehen finde ich, dass eine Betrachtung der Medien in dem Mosaik fehlt. Das Bild von Migranten, Juden, Muslimen, Homosexuellen, etc. wird maßgeblich von ihnen bestimmt, gerade in Gegenden und Milieus, die keinen persönlichen Kontakt zu genannten Gruppen, sei es aus Gründen der Distinktion oder schlicht der Wohnumgebung, haben. Und wenn der SPIEGEL bspw. vom Islam sehr ausführlich, aber grundsätzlich in negativen oder abwertenden Kontexten berichtet, sieht man auch einen Ausgangspunkt für solche Meinungen, die sich mehr und mehr im Mainstream verhärten.