meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Konsum’

Anchormen
Foto: laffy4k (cc)

Es ist doch auffällig, wie sehr sich das Spektrum der politischen Diskussion bei uns verändert hat: Wenn es in den späten sechziger Jahren “links” war, über die Enteignung von Springer, über die öffentliche Kontrolle der Grossbanken nachzudenken und die in der UNO diskutierte Neue Weltwirtschaftsordnung zu begrüssen, wird heute schon als “links” verschrien, wer die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere verlängern will. Wir sind uns gar nicht bewusst, in welchem Ausmass hier eine Gehirnwäsche stattgefunden hat, die Themen jenseits des neoliberalen Mantras einfach nicht mehr zulässt. (…)

Meinungsumfragen gehören heute zum alltäglichen Handwerkszeug von Politikern. So wie die Fernsehforschung der GfK inzwischen sekundengenau die Präferenzen des TV-Publikums abbildet und damit Einfluss nimmt auf das vermeintlich werbefreie redaktionelle Programm, so helfen Meinungsumfragen den Politikern, ihre Verlautbarungen möglichst nahe am Mehrheitsgeschmack auszurichten. So sehen denn auch die Wahlprogramme der “Volksparteien” aus – überall die gleichen Formeln, überall die gleichen Widersprüche, überall der gleiche Anspruch, die Mitte zu repräsentieren. Der eigentliche politische Auftrag der Aufklärung war gerade das Gegenteil: die Schwachen vor der Ausbeutung durch die Starken zu schützen. Das kommt heute in den Medien nicht mehr vor. (…)

Das anarchische Element, der Ort des Widerstands ist heute das Internet. Allerdings: Da dort jeder und jede irgendeinen Quatsch als “Nachricht” einstellen kann, ist es mindestens ebenso schwierig wie in den konventionellen Medien, Relevantes von Irrelevantem, Aufhebenswertes von Belanglosem, Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Wir haben also nicht nur das Problem des sog. “digital divide”, also des sozial ungleich verteilten Zugangs zu diesem Medium, sondern auch die Schwierigkeit der Internetnutzer zu entscheiden, was sie aus dem Meer der Belanglosigkeiten für wahr halten sollen. Es gibt nur zwei Wege, dieses Dilemma zu überwinden: Entweder man verbringt unendlich viel Zeit mit der Nachrichtenanalyse – oder man verlässt sich auf ein gänzlich antiquiertes Prinzip des Informationsaustauschs: Vertrauen in die Quelle. In jedem Fall kostet das Informieren über die Geschehnisse der Welt heute viel Zeit und viel Geld. Das können sich die meisten nicht leisten. … Informieren ist zu einem eigenen Beruf geworden, zu einem Privileg, das sich nur wenige leisten können. Wir leben, das ist nicht mehr zu übersehen, in einer manipulierten Gesellschaft.

Der Soziologe Bernd Hamm im TP-Gespräch über die ideologisch-politische Quasi-Gleichschaltung der Massenmedien. Interessanter, lesenswerter Artikel.

Zum zweiten Zitat möchte ich einwenden, dass sich auch “Bild” und ZDF durchaus noch auf die Seite des schwachen “kleinen Mannes” zu stellen bereit sind. Und zwar in jedem der unzähligen Ratgeber- oder Verbrauchermagazin-Formate. Nur sind diese Formate heute beinahe völlig austauschbar und politisch stets ungefährlich. Die Super-Nanny wird nie das Mantra der schulischen Leistungsbereitschaft in Frage stellen, ein Vergleich von Rentenzusatzversicherungen bestätigt im letzten Ende dieses System, Beiträge über Alltagsgefahren – vom Rauchen bis zum Killerspiel – sind populistisch und alarmistisch. In der Regel ist das Interesse hinter dieser Volksaufklärungsattitüde Bindung und Identifikation des Kunden mit dem Medium. Die Erziehung zum “mündigen” Konsumenten. Und natürlich Ablenkung von allem, was Relevanz haben könnte. Die Tatsache etwa, dass die öffentlich-rechtlichen Nachrichten und Informationsprogramme erst nachdem sie “durch” war, über die Vorratsdatenspeicherung umfassend zu berichten wusste, während das Thema vorher geradezu brüllend penibel vermieden wurde — im Gegensatz zu Knut-Schwachsinn und Vogelgrippe-Einzelfällen — finde ich frappant.

Im dritten Zitat hat Hamm eine Möglichkeit der Filterung übersehen: Die webgestützte kollaborative Erschaffung, Klassifikation und Bewertung von Nachrichten. Siehe Wikis, digg oder – weniger strukturiert – die Welt der Blogs und anderer partizipativer Internetmedien im Allgemeinen. Auch das funktioniert allerdings (noch?) nicht sonderlich, da sich der Großteil der Leute auch im Web nur für Mist interessiert. Da beißt sich der Hund in den Schwanz: Man kann keine Massenweisheit erreichen, ohne dass die Masse weise filtert. Das Ergebnis bleibt gleich.

ist ein Film von 1999. Was er enthält: Eine Milieubeschreibung inklusive Sozialkritik minus Smug, Hedonismus ohne romantische Verklärung des Drogenkonsums. Eine Geschichte von jungen Menschen, die zwischen dem drögen Masochismus alltäglicher Jobroutine und wochenendlichem Selbstvergessen in den Technoclubs von Cardiff pendeln. Hassen und betäuben, vielleicht ein bißchen lieben und das für Leben halten. Streben nach Bedeutung, Kampf gegen die Komplexe. Dabei ist Human Traffic schnell erzählt und detailliert. Aber nicht so stark in einer objektiven, über allen stehenden Realität behaftet, dass das Changieren der Erzählperspektive nicht in einem lustvollen Spiel inszeniert werden könnte und die Selbstbilder einer ja nun mal leider komplett heterogenen Generation[1] nicht ein paar ordentliche Hiebe in jene Gegend abbekämen, bei der ein Faustknuff ein amtliches Maß an Seitenstechen verursachen würde. Und oh die Farben, die Musik, das Lachen… Ein Film mit Seele. Einer meiner, wenn nicht der absolute meiner Lieblingsfilme. Diese Auffassung teilen leider viele nicht, denen ich den Film in der Videothek andrehe. Aber ich liebe ihn und es ist schon sträflich, dass ich das Ding in anderthalb Jahren Bloggen bis jetzt nicht einmal erwähnt habe.

Human Traffic @ Wikipedia DE Wikipedia EN IMDB Amazon

  1. Nein! ich hab’ das G-Wort gesagt!!!1 [zurück]

Atari pR0n

Zur Abwechslung mal etwas erheiterndes. Eine der aufregendsten Videospielerfahrungen meiner frühen Pubertät dürfte der “Qix”-Klon auf B.s Amiga 500 gewesen sein, bei dem man nach und nach anzügliche Bilder freispielte. Holla die Waldfee, wir waren eben jung und wussten es nicht besser. Aber “wtf”? Kläglich ist das im Vergleich zu dieser Geschichte… The Angry Video Game Nerd presents: Atari pR0n.

Eli & Alyx

CD-Rs: Colourful, but broken
Foto: raincrystal (cc)

Und wenn mich einst meine Urenkel fragen, wie das so war, damals in den Nullerjahren, werde ich ihnen sicher vom Sofa erzählen, das an dem Tag geliefert wurde, als die zwei Türme fielen und das anderthalb Jahre später, zu Beginn des Irakdesasters, schon total kaputt war (Qualität von “Höffner”), aber auch von dem leider nur anfangs merkwürdigen Gefühl das man bekam, wenn man einem lieb gewonnenen, aber lange nicht gehörten Album lauschen wollte, sich darum weder dafür entschied, die entsprechende CD (ein zu Recht längst vergessener Datenträger) in den dafür vorgesehenen Player zu legen (man hatte nämlich plötzlich einfach keinen mehr), noch jene CD schnell qua PC in ein digitales Format umzuwandeln (dazu müsste man sie erst finden, wer weiß ob die kopiergeschützt ist und das dauert ja auch), noch eine bereits archivierte Version vom Musikverzeichnis auf der irgendwo herumliegenden mobilen Festplatte anzuhören (funktioniert wegen Altersschwäche nicht immer und deren Netzkabel ist gerade am Drucker angeschlossen), sondern den Weg des geringsten Widerstands zu wählen und das Album flugs per DSL aus einem Filesharingnetz herunterzuladen. Oder ich empfehle meinen Urenkeln, einfach ins Archiv meines Weblogs zu schauen.

konkurse

Insolvenzen

plus7

(Das Portal) ist ein konzeptionell und grafisch originelles Produkt, das klare Usability mit intuitiven und kreativen Elementen verbindet.

Wahnsinn, welch Bullshit. Wenn in einer Projektbeschreibung schon Vokabeln wie “originell” verwendet werden müssen und die “klare Usability” mit “kreativen Elementen” angepriesen wird, dann kann ich mir ansatzweise vorstellen, wie es ist, Personalchef zu sein und Bewerbungsmappen durchzuackern. Misstraue jedem Restaurant, deren Speisekarte den Salat als “knackig” oder gar “besonders knackig” ausweist, so steht es bei Max Goldt geschrieben und er hat recht damit.

Diese Sache hier ist aber trotzdem gut. Ab übermorgen kann man online arte schauen. Zwar nur einige Sendungen des Portfolios und nur das Programm der letzten sieben Tage, aber die Qualität scheint recht ordentlich zu werden. Ich wette zudem einen besonders knackigen Kopfsalat, dass es in kürzester Zeit Greasemonkey-Scripts oder Firefox-Plugins zum Download der Videos geben wird. Das wäre doch mal wirklich originell.

[via: gulli | phlow]

… und hier ist die Zusammenfassung meines Aufenthalts in alphabetisch geordneten Schlagwörtern, mit Fotos gewürzt und auf der Wahrheit beruhenden Anekdoten verfeinert.

 

abfertigungshalle

Amok

möchte ich laufen, wenn bei der Gepäckausgabe am Flughafen die Leute mitsamt ihrer kompletten Familie und quergestelltem Koffer-Kuli (das sind die riesigen Einkaufswagen-ähnlichen Gefährte, auf die man das zu 90% sowieso unnötig in den Urlaub mitgebrachte Zeug stapelt, um daraufhin derlei vollgepackt das wegen der willkürlichen Richtungsänderungen unsteuerbare Gefährt in die Hacken ausnahmslos jeder am Wegesrand stehenden Omi fährt) das Laufband blockieren. JA SACHT MA, HERRSCHAFTEN, ISCH GLAUBET HACKT! Da naht schon mein Gepäck und ich komme nicht dran, weil ihr hier rudelweise Maulaffen feilhaltet und euch breitmacht als gäb’s niemand anders auf der Welt? Argh!

Ich konnte die Aufregung über blöd geparkte Autos (“Wenn der da nicht so stünde, könnten da zwei andere reinpassen”) nie nachvollziehen. Bis dato.

 

«Ich war in Spanien» weiterlesen

Hng. Es brennt mir einiges auf der Seele, aber bevor ich losschreibe, muss ich mir diese Woche noch eine Hausarbeit aus der Milz leiern. Dies wollt ich aber zwischen den Zeiten loswerden:

Gestern Abend habe ich noch ein MP3-Album von einem auf ein anderes Mobiltelefon überspielt. Die Bedienung war friemelig – Bluetooth aktivieren, Dateien markieren, 10 Minuten übertragen, Ordner erstellen, Namen per T9 eingeben, Dateien dorthin verschieben – aber zum Schluss ist’s erfolgreich gewesen. Dabei der Anflug einer Ahnung, wie Filesharing in fünf Jahren aussehen könnte. Etwa: Dezentrale File-Suche per eMule-Java-Client auf OpenSource-Mobiltelefonen mit heute noch unfassbaren Flashspeicherkapazitäten und Mesh-Netzen per Bluetooth Schrägstrich hochbandbreitigem WLAN. Dagegen hilft dann auch keine Vorratsdatenspeicherung. Der Nutzer wird siegen.

videothek

Eine von Max Goldts interessanten Textsammlungen nennt sich “‘Mind-boggling’ – Evening Post“. In einer Passage befasst sich der Autor mit Buchrückenaufschriften, die aus Rezensionen des Buches extrahiert, ja – meist aus dem Zusammenhang gerissen werden. Deswegen auch der Titel des Buches. Da vorhin in der Videothek, in der ich für mein täglich Zubrot arbeite, vormittagsbedingte Kundenleere herrschte, sammelte ich von Langeweile getrieben vergleichbare Fragmente, die auf DVD-Covern abgedruckt sind. Listenartig präsentiere ich nun also stolz:

Rezensionszitate auf DVD-Hüllen, die mich definitiv davon abhalten, einen Film anzuschauen. Und warum.

 

“Dieser Film hat das Humor-Niveau von Notting Hill und den Kuschelfaktor von Pretty Woman.” – Bild am Sonntag

Mal abgesehen von den lachhaften Bewertungskategorien und der Tatsache, dass die “BamS” diesen Film für ihre Klientel offenbar als passend einstuft, finde ich das Genre der RomKom eh komplett entartet. Man muss sich das mal vergegenwärtigen: Die bringen seit Jahrzehnten den gleichen Film, leicht variiert, heraus und es gibt dennoch jede Menge Frauen, die das anschauen. Nicht trotz, sondern wegen Hugh Grant! Klischee, ich weiß. Aber nichts ist sexistischer als die empirische Realität.

 

“Spannung und Splatter – und davon jede Menge” – Deadline

Ich glaube, es ist ein veritabler Trick zur Bewerbung eines Filmes, einfach ein Zitat mit bunten Blumensträußen an Lobeshymnen zu erfinden, dazu eine auch mit intensiver Recherche nicht nachvollziehbare Quellenangabe. Beispielsweise so: “Citronengras.de ist das beste Weblog, das mir jemals unter Jehovas strenger Gunst zu lesen erlaubt ward. Lesenswert – auch für Nicht-Zugehörige der Kleintierzüchterszene.” – Jonathan Humperdinck. Derlei dürfte hier geschehen sein.

 

“Bestes Knallkopfkino” – joy

Eddie Murphy verkleidet sich als dicke Frau, Teil 27. Zusammen mit Robin Williams bringt traurige Kinderaugen wieder zum strahlen und Mischformen dieser beiden Genres eine kundenmagnetische Bank.

 

“Perfektes Gute-Laune-Kino!” – TV Spielfilm

Bei einer RomKom? Da müsste schon einiges geschehen. Etwa: Plötzliches Auftauchen eines Werwolfs.

 

“Aufwendig … in Szene gesetzt.” – Videowoche

Die drei Pünktchen nach dem ersten Wort machen mich misstrauisch. Was in diesem Zitat wohl ausgelassen wurde? Vielleicht ja “schneiderte man diesem Würstchen von Hauptdarsteller im Vorfeld Kettenhemd, schmiedete Schwert und Helm – und trotzdem ist die Mittelalter-Atmo des Films unfassbar mies”.

 

“Ein nihilistischer Wutschrei.” – Total Film

Gleichbedeutend mit: “Trotz seiner dauerprovokanten Handlung und extremen Bilder handelt es hier um einen Film, der ähnlich öde ist wie die typische postmoderne Inszenierung eines klassischen Theaterstücks. Die Hülle dieses Films im Regal eignet sich allerdings gut, um potentiellen Sexualpartnern zu imponieren”.

 

“Große Stars, tolle Effekte – was will man mehr?” – Bild

Eine Handlung.