
Wofür wohl “und mehr” steht?
Ab und zu hört selbst Klein-Blogistan den Schuss. So wie damals Spreeblick den Jamba-Stein rollend gemacht hat, deckt jetzt hackmeck (zusammen mit seinen Wiki-Mitstreitern) einiges um die kriminellen Machenschaften von Call-In-TV-Sendern wie 9Live auf. Alles Informationen, die schon da waren – hier aber in einer aggregierten Form, dass sich einem die Haare sträuben. Man sollte es lesen, sich die Videos anschauen und sich ein Urteil jenseits von “Wer da anruft ist zu blöd und selbst schuld” bilden.
Wer sind die Opfer dieser Sendungen? Die selben, die sich auch bei den Astro-TV-Sendungen das Blaue vom Himmel herunterlügen lassen: Vor allem arbeitslose Hartz-IV-Empfänger und Rentner, die am Rande des Existenzminimus leben. Nicht wenige haben sich durch die Shows schon hoffnungslos verschuldet. Oft fehlt den Anrufern auch ein soziales Umfeld, die Sendungen werden von Morgens bis Abends gesehen, die stets freundlichen Moderatoren fungieren als Familien- und Freundes-Ersatz.
Weiterlesen im FUCKUP Weblog. Abzock-TV: Call-In-Shows bei 9Live & Co
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Ich kenne niemanden unter 25, der Kontoauszüge sammelt und einheftet. Und doch habe ich mit der Muttermilch der Sozialisation injiziert bekommen, dass man sie nicht einfach wegschmeißt. Deswegen fliegen meine Kontoauszüge in der ganzen Wohnung umher.
Der Nutzen dieser Berge von Thermopapier leuchtet mir nicht ein. Auf der einen Seite sind da diese Massen an Papier, für die weißichwieviele Bäume gefällt werden müssen. Auf der anderen Seite die freundlichen Tussen von der Sparkasse, die einem bei einer Neuverhandlung des Dispositionsrahmens Anlageberatung mit einem schnellen Blick in ihren Computer vorhalten können, für welchen Unsinn man vor dreieinhalb Monaten Geld ausgegeben hat.
Kontoauszüge sind ein ärgerlicher Anachronismus. Schafft die Dinger endlich ab!

Ich bin mir nicht sicher, was mir mehr Sorgen macht – Die Frage, welche Daten die Schufa so alles von mir hat und in meine “Score” einfließen lässt – oder die schmierige Glätte, mit der sich Schufa-Chef Rainer Neumann aus allen möglichen Kritikansätzen so herauswindet, dass sie diesen obskuren Verein in einem guten statt schlechten Licht dastehen lässt. Ein PR-Profi offenbar.
Zum Interview mit Rainer Neumann in der Berliner Zeitung (18. August 06)

(groß?) Cokes neue Brause: Unter dem Pflaster, ja da liegt das Geld
Wir sahen ihn gerade noch wegfahren, diesen schwarzen Van, der entfernt an die Karre vom A-Team erinnerte. “Coke Zero” stand drauf.
Überall auf der Straße waren Stencils zu sehen, obiges eines davon. Die Menschen, die im Van saßen, mussten sie dahingesprüht haben*.
Ich werde jetzt nicht allzu viele Worte darüber verlieren, dass die Coca Cola Company in Kolumbien Gewerkschaftler ermorden und entführen lässt. Dazu sei an dieser Stelle nur auf den entsprechenden Spreeblick-Artikel und die Kampagnenwebsite killercoke.org verwiesen.
“Zero Kehrseiten” würde ich den indischen Bauern wünschen, deren Brunnen Coke leerpumpt. Diese müssen, ihrer Lebensgrundlage beraubt, bei Coke anheuern, allerdings ohne jegliche Arbeiterrechte, mies bezahlt und unversichert. Ein “Super Leben” hatten die Angestellten von Coke in einer sowieso schon strukturschwachen Gegend im Osten Deutschlands auch die längste Zeit gehabt, nämlich solange bis ihre Arbeitsplätze vom Mutterkonzern nach Polen verlagert wurden.
Ein paar nicht ganz so prominente Beispiele, wen und was die Herrschaften aus Atlanta auf dem Altar der Globalisierung schächten, finden sich in der interessantenen Dokumentation Nichts geht ohne Coca-Cola – Wie ein Konzern die WM dominiert. Der Titel ist etwas irreführend, es geht kaum um die WM.
Im direkten Vergleich mit Mord, Menschenrechtsverletzungen und Verarschung am Kunden (Bonaqua zum Beispiel ist Tafelwasser, also mit CO² versetztes Kraneberger Leitungswasser) ist diese Guerilla Marketing-Aktion höchstens blanker Hohn. Aber dennoch finde ich die Vorstellung ekelhaft, wie gelackte “Werbeprofis” an ihren Macintosh-Computern sitzen, sich Gedanken machen, was für ein Image das neue Produkt haben soll und welche Jugendkultur diesmal ausgeschlachtet werden soll, um das Gesöff begehrt zu machen.
Und wie schmeckt Coke Zero? Laut Riesenmaschine “wie ein Plastiklutscher mit Chemieunfallaroma”. Okay, ich trink eh nur noch in äußersten Notsituationen was von der Firma**.
Wer echte Street Art sehen will, hier drei Tip(p?)s:
* Oder es waren die evangelikalen Nachwuchschristen, die sich gerade in der Auferstehungskirche nebenan versammelt hatten. Dieses Wochenende war da offenbar Missionierungsworkshop, wie man am hysterischen Praise the Lord!- und Halleluja!-Gerufe hören konnte, das uns der Wind mehrmals mehrere hundert Meter bis auf den Balkon zutrug. Aber – nein – sowas würde ich nichtmal denen zutrauen.
** Nach mehr als vier Stunden auf der Arbeit, wenn all meine Körperteile kanonisch das Klagelied der Koffeinarmut singen und ich keine Zeit mehr hatte, mir vorher eine Vita Cola zu kaufen, dann – ja dann – greife ich gegen mein Gewissen zu Coke.
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“Bleistift rulez! Bleistift rulez!”
“Ich bleib beim Kugelschreiber.”
“Aber der schmiert doch immer ab.”
“Der Kuli ist dafür aber billiger. Und wenn er leer ist, kann ich einfach die Mine auswechseln.”
“Einen Bleistift musst Du nur anspitzen und er funktioniert einfach!”
“So schwer ist der Kuli auch nicht zu verwenden. Ich drück einfach nur auf’n Knopf und dann kann ich damit schreiben.”
“Ich will gar nicht schrieben, ich will ja zeichnen.”
“Kruzitürken, warum machst Du mich dann an?”
“Weil: Bleistift rulez!”
Normale Konsumartikel als Identitätsstifter finde ich albern. Bei Arbeitsgeräten wird’s dann aber absurd. Und doch… (die Kommentare!)
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Wenn Du von ganz unten kommst
ist Gewinnen nicht alles …
(bedeutungsschwangere Pause)
Es ist das Einzige.
Gesehen auf dem DVD-Cover von “Friday Night Lights”.
Oje, jetzt gibt’s diese tollen MP3-Player schon seit einiger Zeit – und jetzt darf ich, V for Verbraucher, sie nicht mehr betanken. Das Aushebeln von Kopierschützen ist jetzt nämlich nicht mehr Bagatellbulette, sondern ein Verbrechen höheren Ranges.
Was nu?
- Verzweifeln?
- Statt “Mit dem Mofa nach England” mal mit dem Laptop nach Frankreich – Parkbank in Paris, den Tramper-Rucksack mit dem Gros sämtlicher erworbenen kopiergeschützten CDs gebuckelt und im rechtlich unfragwürdigen Milieu nach und nach in MP3 umwandeln? Wird ja auch gerade Frühling, ich seh da eine Marktlücke für die Tourismusindustrie!
- CDs versehentlich so unsachgemäß lagern, dass sie mit herkömmlichen Mitteln ehwieso nicht mehr abspielbar sind. Ja, wieso denn das?
Zumindest für die letzten beiden genannten Taktiken gibt es da eine Möglichkeit. Zuerst sollte man wissen, dass Kopierschutzmaßnahmen für CDs reichlich unausgefuchst sind. Das Ding ist, es gibt noch Player von vor 20 Jahren, einer Zeit, in der an Kopierschütze noch längst nicht zu denken war. Damals gab’s zwar schon Auf-MC- und Radiomitschnittpiraterie, aber komischerweise hat die Industrie damals das enorme kriminelle Potential von Musikliebhabern noch gründlich unterschätzt. CDs müssen also auch auf alten Playern laufen, die mit Kopierschützen nicht umgehen können.
Es gibt höchstens rudimentäre Behinderungen, eine kopiergeschützte CD auszulesen und gegebenenfalls umzuwandeln. Das erste sind kleine Programme, die sich im Datenteil einer CD befinden können, und bei Installation das ordnungsgemäße Auslesen der Scheibe blockieren. Lustig: Oft sind diese Programme nur in Windows-Versionen auf den CDs vorhanden. Nicht zuletzt dank des riesigen Medienskandals um Sonys XCP-Rootkit, bei dem es sich eigentlich um genau so einen kleinen “Blockierer” handelte, der sich aber zum Scheunentor für Viren entpuppte, ist vielen Verbrauchern bewusst, dass sich solche kleinen Satansbraten von Progrämmchen besser gar nicht erst von selbst installieren. Was soll ich sagen – die CD-Autostartfunktion abschalten mit, z.B., XP-Antispy sollte man sowieso.
Das andere ist ein manipulierter TOC. TOC heißt Table of Content, also Inhaltsverzeichnis. Darin stehen Informationen über Länge, Start und Ende der Tracks sowie Titelinformationen. CD-Player lesen den TOC überwiegend nicht aus, viele (aber nicht alle) Autoradios und Laufwerke schon.
Die Industrie kam auf die Idee, TOCs so “umzuschreiben”, dass sie fehlerhafte Informationen enthalten. Mit dem Ergebnis, dass – wie erwünscht – die CDs in Laufwerken nicht mehr abgespielt werden können. Doch: Denkste! Einige CD-/DVD-Laufwerke lesen ihn einfach nicht aus. Dieses Feature ist legal, darf aber nicht beworben werden. Linux schert sich sowieso einen Dreck um den TOC, Macs genauso. Aber auch unter Windows gibt es eine Möglichkeit.
Das Programm Exact Audio Copy ist dafür gedacht, defekte – also zerkratzte CDs – so weit wie möglich zu “retten” und in ein Audioformat nach Wahl umzuwandeln. Dazu kann ein beliebiger Encoder verwendet werden, der extern eingebunden werden muss. Für MP3 z.B. ist der Lame-Codec empfehlenswert. Zur Routine gehört, neben dem mehrfachen und verlangsamten Auslesen von fehlerhaften Stellen auf der CD, auch den TOC zu überlesen.
EAC ist nicht gerade einfach zu installieren und zu konfigurieren, aber dafür gibt es auch umfangreiche Tutorials online. Und: einmal installiert, ist das Tool wahrhaft mächtig. Mit einer Online-Verbindung kann man sich sogar die lästige Eingabe von CD- und Tracktiteln ersparen, da sich das Programm die Informationen eigenständig aus der freedb-Datenbank holt.
Der Gesetzgeber gibt nicht an, ob ein fehlerhafter TOC tatsächlich einen wirksamen Kopierschutz darstellt, da er ja nicht auf sämtlichen Betriebssystemen und auch nicht in allen Laufwerken wirksam ist. So ist das Auslesen und Umwandeln einer CD mit EAC (ein Programm, dessen Hauptzweck Datenrettung ist) meiner Meinung nach immer noch eine rechtlichen Grauzone. Das sollte man ausnutzen.


