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Bush-Bashing ist megaout. Den alten Mann in seinen verzweifelten Versuchen, das Bild von ihm in den Geschichtsbüchern doch noch ein wenig zu korrigieren, zu kritisieren haftet etwas Abgestandenes an. Allein der Name “Bush” reicht schon und man hört gar nicht mehr hin. Zumal die strahlende Lichtgestalt Barack Obama bereits jetzt der Präsident in den Herzen des kosmopoliten Teils der US-Amerikaner zu sein scheint. Und doch hat George Walker Bush einiges auf dem Kerbholz, das man nicht verdrängen sollte. Während in den USA der Irakkrieg, das ist zumindest mein Eindruck, im Grunde als taktisches Desaster gesehen wird und die Gesellschaft überwiegend nur die Opfer unter den US-Soldaten betrauert, sollte nicht verdrängt werden, dass 2002 / 2003 die Paralysiertheit als Folge der Anschläge des 11. September massiv instrumentalisiert wurde: Unter getürkten Gründen begann die Bush-Administration einen Krieg, der hunderttausende Todesopfer in der Zivilbevölkerung des Irak gefordert und ein ganzes Land in einen Zustand der Anarchie Anomie [1] getaucht hat. Eine Anarchie Anomie, die, bei aller Zurückhaltung, von vielen Irakern schlimmer empfunden wird als die Gräuel des Saddam-Regimes. Von den unermesslichen Schäden an den Kulturstätten, die durch den Krieg und Kunsträuber verursacht wurde, nicht zu sprechen[2]. Bush ist in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem bemitleidenswerten nassen Sack geschrumpft, der seiner Partei mutmaßlich auf Jahrzehnte hinaus Schaden zufügte, aber nicht mehr als fundamentalchristlich motivierter und von Ölfirmen geschmierter Machthaber, der einen unnötigen Krieg begonnen und die Sicherheitslage in der Welt durch den so befeuerten “Clash of Cultures” nachhaltig destabilisiert hat. Es mag pathetisch klingen, aber dieser Mann verantwortet den Verlust von Menschenleben. Und das nicht zu knapp.

Jürgen TodenhöferJürgen Todenhöfer, Manager, ehemaliger Richter und CDU-Abgeordneter, sowie Autor des Buches “Warum tötest Du, Zaid?” stellt in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung die meiner Meinung nach legitime Frage, warum gegen den sudanesischen Präsidenten al Baschir vom internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermittelt wird, nicht aber gegen die Drahtzieher des Irakkriegs, namentlich George Bush und Tony Blair. Das ganze in Form eines offenen Briefes an Chefankläger Ocampo in Den Haag, den ich hier in voller Länge wiedergebe.

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  1. Ich hatte hier den Begriff Anarchie falsch, nämlich im üblichen medial verzerrten Sinn, verwendet. Danke an Myrddin und Mo für die dringend notwendige Korrektur. [zurück]
  2. Um solche PR-Schäden in der Zukunft zu vermeiden arbeitet das Pentagon übrigens jetzt mit Archäologen zusammen. Momentan ist man dort auf der Suche nach jemanden, der ihnen die wichtigsten Kulturstätten des Iran mit den entsprechenden GPS-Daten auflistet. Hmnunja… [zurück]