
The Graveyard ist kein Spiel. Klar, es gibt Steuerungsoptionen, Grafikeinstellungen und ein Ziel, zumindest halbwegs. Allerdings besteht das Ziel lediglich darin, den Avatar, nennen wir sie Oma Emma aus Övelgönne, an einem schwarzweißen Herbsttag zur Parkbank an der Friedhofskapelle und wieder zurück mäandern zu lassen. Die für Mac und PC herunterladbare Trial-Version enthält im Prinzip das gesamte Spiel, nur kann man in der 5 $ kostenden Vollversion zusätzlich jederzeit sterben.
S. findet’s albern und ich überlege, was mir das Programm sagen will. Auf eine Art rührt mich das “Spiel” an, auf der anderen Seite (oder vielleicht gerade deswegen) habe ich aufgrund der unfassbar behäbigen Gehgeschwindigkeit den Drang, zu fluchen und ragezuquitten[1] und fühle mich daran erinnert, wie es ist, vor 15:00 Uhr in unserem Edeka einkaufen zu gehen. Ich habe also meine Assoziationen (weswegen ich The Graveyard als Kunst sehen würde), aber die sind unangenehmer Art. Vielleicht ist dieses bizarre Programm in der Konzeptkunstecke moderner Galerien besser aufgehoben als auf meinem Computer.
(Gefunden im Blog “This Wasteland”, das zwar noch klebrig vom Fruchtwasser ist, aber bereits jetzt einen Platz in meinem Herzen erobert hat)
- “Ragequit” ist ein Begriff aus dem Onlineshooter-Jargon, der in etwa bedeutet: Aus Gründen aufgestauter Frustration den Server und/oder das Spiel ohne Federlesens zu verlassen [zurück]
Herrschaftszeiten, ich werde momentan nicht nur von Spamkommentaren nöliger Rentner überschwemmt, sondern — um gleich mal bei Wassermetaphern zu bleiben — YouTube spült mir gerade so viele schöne und schön schrullige Videos hervor, dass ich kaum an mir halten kann, sie hier kommentarlos zu embedden. Warum ich’s nicht tu: YouTube-Videos im Blog gehören sparsam, mit Bedacht, erläuterndem Kommentar und stets auch etwas verschämt gepostet, denn man will ja beim Leser den Eindruck aufrechterhalten, man sei nicht kreativ ausgeblutet, habe immer noch spannende Geschichten zu erzählen und durchlaufe auch mitnichten eine schreibfaule Episode. Heute aber ist mir dies alles “Ladde”. Flashvideomassaker!!!1
Jedenfalls… Globalisierung! Man hört ja ständig im Radio, dass Jet Set-Muttis ihre Bälger für die Konkurrenz auf dem internationalen Arbeitsmarkt rüsten, indem sie sie schon im Krippenalter mit Trainingsstunden in Mandarin konfrontieren. “Schina is’ eben ‘ne aufstrebende Industrienation, da passiert einfach grade wahnsinnig viel. Man muss da offen sein für neue Ansätze. Wir wollen, dass unser Leon optimale Schongsen später hat und lassen ihn deshalb eine Sprache lernen, die heute schon von einem Viertel der Menschheit gesprochen wird”. Totaler Schwachsinn, aber mich fragt ja keiner. Spitze hingegen, wie die Chinesen sich Englisch beibringen. Im TV, mit Sex & Crime! Na gut: Mit Aerobic & Crime! Bitte alle z’amm: Spare me my life! Spare me my life! [via]
«Learn English A Better Way. Kampfkunst gnadenlos. Flaniermeile zerbrochener Träume.» weiterlesen
… aber leider kennen die Anglophonen das Wort nicht im Zusammenhang mit Mobiltelefonen, deswegen lass ich das mal. Ist ja auch ein wirklich albernes Wortspiel. Stattdessen [Warnung, Spoiler!] hagelt es unverhofft ungeordnete Medienhinweise, aber erst später in diesem Eintrag.
Die Idee jedenfalls, verschlüsselte Bluetooth-Verbindungen zwischen Mobilfunkgeräten durch Schütteln in einer Hand aufzubauen erscheint mir nicht nur deswegen genial, weil es Datenabgleich und Filesharing sehr erleichtern würde, sondern weil darin durchaus das Potential zu einem neuen sozialen Ritus steckt. May Schütteln be the new Visitenkarte?
«Dieser Artikel hätte “Hand(y)shaking” heißen können» weiterlesen


hat 24 Stunden lang gezeichnet, jede Stunde eine Zeichnung. Das Ergebnis findet sich in seinem Blog. Hier geht’s los und hier endet’s.
Jetzt schlägt’s dreizehn. Der Staatsschutz ermittelt und ermittelt (und wird nicht kompetenter). Das Ziel ist diesmal eine Gießener Punkband.
Die Punkformation [Mono für Alle] aus Gießen stand aufgrund von kritischen Texten etwa beim Lied “Hallo Verfassungsschutz” schon einmal im Zentrum der Aufmerksamkeit der bayerischen Staatsschützer, welche die Löschung der Songprosa von der Homepage der Musikgruppe verlangte. Nun meldet MfA, dass auch die Staatsanwaltschaften Stuttgart und Gießen seit knapp einem Jahr gegen sie aufgrund des Lieds “Amoklauf” ermittle. Demnach soll der mit dem Fall beauftragte Staatsschutz das Umfeld der Bandmitglieder observiert, Schulakten durchforscht und Konzertveranstalter kontaktiert haben. Zudem habe sich ein Fahnder mit einer extra angelegten E-Mail-Adresse im Fanklub von MfA angemeldet. (…) Laut der inzwischen erfolgten Akteneinsicht starteten die Verdachtsmomente im Dezember 2006, als die Polizeidirektion Waiblingen auf den Song “Amoklauf” gestoßen sei und diesen in einer E-Mail an die Stuttgarter Staatsanwaltschaft als “sehr aggressiv und aufreißerisch” beschrieben haben soll. (…) Der Fall wandert an die Staatsanwaltschaft Gießen weiter, welche den Staatsschutz mit weiteren Ermittlungen beauftragt. Dieser unterstellt der Band ein “extrem konspiratives Vorgehen”, da es “keinerlei Anhaltspunkte zur Identifizierung der Mitglieder” gebe. (…) Erst acht Monate nach dem Beginn der Ermittlungen kommen die Staatsschützer laut der Akte auf die Idee, eine Whois-Abfrage über die Domain der Band-Webseite zu stellen.
(heise online 16.11.2007, Hervorhebung von mir)

Zur Abwechslung mal etwas erheiterndes. Eine der aufregendsten Videospielerfahrungen meiner frühen Pubertät dürfte der “Qix”-Klon auf B.s Amiga 500 gewesen sein, bei dem man nach und nach anzügliche Bilder freispielte. Holla die Waldfee, wir waren eben jung und wussten es nicht besser. Aber “wtf”? Kläglich ist das im Vergleich zu dieser Geschichte… The Angry Video Game Nerd presents: Atari pR0n.
Dass man bei YouTube jetzt auch mehrere Videos hintereinander in Form von Playlists embedden kann, ist toll. Oder ging das immer schon und mir ists nie aufgefallen? Ich nutze jedenfalls die Gelegenheit, mal Peterlichts Lesung bei der Verleihung des Bachmannpreises einzubinden, mit anschließender Diskussion. Den Text der Rede findet man bei Lui Basset. “Ein YouTube-Video”, mag da mancher ironisch sich ereifern, “Wie kreativ!” Mir ist das egal, Peter ist super.

Bitte mal laut lesen, am besten mit viel Pathos:
Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist DAMALS eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben…
Vielen Dank für das Transkript an Stan in den Kommentaren beim Spiegelfechter. Das war’s dann aber bis auf weiteres auch mit Nachrichtensprecherinnencontent. Hält man ja nicht aus in der Birne auf lange Sicht, diesen Quark.
Nach acht Tagen des Durchackerns ist es nun der Moment gekommen, innezuhalten, durchzuatmen und zu reflektieren… Sehr gut thematisch passt dazu diese freche Melodei, die ich jetzt bereits seit Tagen im Ohr habe, auch mal fröhlich vor mich hinpfeife (Ein Mindestmaß an kritischer Distanz beim Hören wird empfohlen, damit der Tisch nicht einkracht):
[via]

Band gründen, Musik schreiben, Album aufnehmen, mastern, MySpace und Blog einrichten, T-Shirts drucken, CDs brennen, Konzert spielen, Band auflösen. Alles an einem Tag. Eine herrliche Idee, sie nennt sich Blitzpop und die Ergebnisse sind hier und hier zu betrachten.
Anspieler: “Es gibt kein Fortschritt” auf der Myspace-Seite