Während hierzulande noch über die Werbebepflasterung in Blogs gestritten wird, ist man in Brasilien weiter. In Sao Paolo nämlich hat man erkannt, dass nicht Werbung in Blogs das Übel ist, sondern Werbung an sich. Deswegen ist dort Außenreklame seit Anfang des Jahres im gesamten Stadtgebiet komplett verboten. kreativrauschen.de weiß zu berichten:
Die Werbeindustrie ist darüber natürlich wenig glücklich. Dalton Silvano, die eine Gegenstimme und selbst tätig im Werbegeschäft, meint dazu: “Ich denke die Stadt wird ein traurigerer, tristerer Ort werden. Werbung ist sowohl eine Kunstform, als auch, wenn man alleine im Auto oder zu Fuß unterwegs ist, eine Form der Unterhaltung, die hilft, Einsamkeit und Langeweile zu lindern.”
Die Bevölkerung begrüßt die Änderungen jedoch größtenteils. Dem Bürgermeister zufolge wurden vorherige Absprachen, die die Werbung unter Kontrolle halten sollten, nicht eingehalten. Die Stadt hätte nicht die Kapazitäten entsprechende Regulierungen im Detail zu kontrollieren. Also blieb nur ein vollständiges Verbot von Werbung.
- Bilder vom “Nichts” in Tony Marcos Flickr-Photoset “Sao Paolo No Logo”
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Bitte drücken sie auf “Play”. Dieser Gassenhauer stammt von PeterLicht und entspricht dem Timbre meiner Stimmung heute vormittag, nachdem ich zweimal hintereinander in Erbrochenes von Katzen trat.
Es ist Titel 1 von PeterLichts Platte “Vierzehn Lieder”. Sein ein Jahr altes Album “Lieder vom Ende des Kapitalismus” ist aber noch besser und für mich auch heute noch voller Ohrwürmer. Es erschließt sich inhaltlich durchaus, auch wenn bestimmt nicht jedermann die naiv-dadaistische Erzählweise gut finden mag. Aber da steckt richtig Revolutionslyrik drin. Bei – ausgerechnet – MySpace kann man reinhören (aber auch auf seiner eigenen Internetseite). Ich wiederhole mich, aber das ist ganz gewiss eine der besten Platten aller Zeiten.
PeterLicht hat auch ein Buch geschrieben: “Wir werden siegen – Buch vom Ende des Kapitalismus” das ich neulich bekam. Das ist so seltsam und gut, seltsamer und guter geht’s kaum. Prädikat: Prachtvoll! Jeder sollte es haben.
Ich habe neulich das erste Mal ein Buch per BookCrossing “freigelassen”. BookCrossing heisst: Ich habe ein Buch gelesen und “schenke” es der Allgemeinheit. Ich klebe einen Sticker mit dem Modus Operandi in das Buch und lege es an irgendeinem öffentlichen Ort ab. Das Buch wartet nun auf seinen Finder, jener liest den Sticker im Buch und weiß daraufhin: “Aha, dieses Buch darf ich lesen, soll es dann aber an jemand anderes weitergeben und möchte doch bitte im Internet eintragen, wo ich es gefunden habe und ob es mir gefiel.”
Wo sonst hätte ich nun das erste Buch besser in den Besitz der Allgemeinheit übereignen sollen als am Fuße des Redaktionshauses der merkwürdigen Kommunistenpostille “Neues Deutschland”? Auf einer Parkbank, um präzis’ zu sein. Jetzt bin ich gespannt, ob demnächst eine Mail aufschlägt, Betreff: The book you have registered has been read oder so. Einen Kullerkeks würde ich mich freuen. Wenn nicht, ist’s aber auch nicht schlimm, denn – und ich glaube ich habe hier die zentrale Problematik des BookCrossens entdeckt – natürlich mochte ich das Buch nicht die Bohne, das ich weggab. Gute Bücher behält man eben. Es handelte sich bei dem in die rohe Natur überlassenen Werk um “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod”, den ersten Abschnitt von Bastian Sicks Pedanteriemarathon (über das ich bereits ablästerte). Hoffentlich nimmt sich das Werk keiner der Leser zu sehr zu Herzen. Das Buch war jedenfalls weg, als wir nach einer dreiviertel Stunde die Stelle erneut passierten, an der das Buch auf der verwitterten Bank wie ein hellblauer Fleck Himmel inmitten einer dunkelgrauen Gewitterwolkenwand gelegen hatte.
- Selber Bücher befreien: BookCrossing.com (Englisch)
- Wikipedia: Bookcrossing
- Readers Edition: BookCrosser lässt Bücher frei
- Deutsche Hilfeseite: BookCrossers.de
- Prosperos Podcast zum Thema
Ich freue mich schon auf die Reaktion der CSU, wenn die herrliche neueste South Park-Folge etwa in einem Jahr im deutschen TV ausgestrahlt wird.
Piratenpartei-Schachspiel am Potsdamer Platz, mit menschlichen Figuren und Kunstblut – das klingt so lustig, ich glaub da gehe ich morgen hin.
Sie gibt sich echt Mühe, die Industrie, Filesharer weiter als Raubkopierer zu stigmatisieren. Und mit spektakulären Polizeiaktionen erzeilt sie ja auch kurzfristige PR-Erfolge. Allerdings leiden viele der Lobbyisten an gehörigem Realitätsverlust, wenn sie laut äußern, ein illegal heruntergeladener Song verursache einen Schaden von 150.000 $. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Konsument den Kulturindustriellen noch Glaubhaftigkeit oder gar moralische Integrität zurechnet. Ich denke, Kulturindustrie ist begrifflich bereits ein Widerspruch in sich und P2P wird ebenjene mittelfristig auf ein gesundes Maß eindampfen.
Ich als Filesharer habe durchaus ein schlechtes Gewissen, wenn ich lese, dass Tapete oder GHvC unter großen Problemen leiden, da gibt’s kein Vertun. Aber warum finde ich auf keiner Website eines Labels oder einer Band eine Art Ablass-Button, über den ich per PayPal oder so zumindest einen Soli-Beitrag leisten kann, wenn mir etwas gefällt? Glauben die, das wäre eine indirekte Entkriminalisierung? Nun, in kaum einem anderem Fall als beim Filesharing gibt es eine so offensichtliche Diskrepanz zwischen dem (Un-)Rechtsempfinden der Bürger auf der einen Seite und dem von Gesetzgeber und Industrie auf der anderen. Egal, wie man dazu stehen mag: Filesharing existiert, es ist nicht wegzusanktionieren, es soll sogar Polizisten geben, die sich ihre Musik saugen. Illegale Downloads werden immer einfacher, sicherer, schneller und der Aktionismus der Lobbyisten beschleunigt diese Vorgänge nur noch mehr. Der Katzenjammer aus der Richtung der Kulturindustriellen wäre heute vielleicht etwas leiser, wenn man sich von Anfang an an den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet hätte. Das bedeutet: Ein Modell wie die Kulturflatrate nicht per se abzulehnen, Kopierschutzmechanismen und DRM-Systeme zu vermeiden, die aus Medien unabspielbaren Datenmüll machen, kurzum: das Scheitern vieler legaler Downloadangebote nicht auf die “Piraten” zu schieben sondern darin die eigenen Unzulänglichkeiten erkennen. «Saugen 2007» weiterlesen
Dredg – Same ol’ Road
All you need is a modest house
in a modest neighbourhood
in a modest town
where honest people dwell
Ein Song in dem es darum geht, dass auch ein “normales” Leben seine Vorzüge besitzt. Kleinstadt, Haus, Chillen im Garten. Vielleicht eine heimliche Sehnsucht vieler, die gerne das Attribut “spießig” auf andere verwenden. Es gibt ja auch nichts spießigeres. Ehrlichkeit zu sich selbst ist nicht einfach, aber möglicherweise ist es das, was ich anstreben sollte in dieser Zeit, in der ich alles machen kann, aber nichts machen will weil mich die schiere Anzahl an Möglichkeiten überfordert. Ach und das klingt doch auch schon wieder nach Subkulturromantik mit dem Sich-selbst-treu-bleiben. Das Video stammt übrigens von American McGee, der bei id Soft für Doom und Quake verantwortlich war. Sonderlich spektakulär ist es nicht. Abgrenzung als Lifestyle wird übrigens allerspätestens mit neonfarbenen Leggings peinlich. Soll aber wieder Mode sein.

Heute Abend um 22:30 kommt auf 3sat der japanische Film “Nobody Knows”.
Vier Kinder wachsen allein mit ihrer Mutter auf. Sie werden strikt von der Außenwelt abgeschlossen und gehen auch nicht zur Schule. Sie ziehen häufig um und lernen kaum andere Menschen kennen. Ihre Existenz wird – bis auf die des ältesten Sohnes – vor den Nachbarn geheim gehalten. Manchmal ist die Mutter für ein paar Tage fort. Man spürt, dass da ein dunkles Geheimnis ist, von dem die Kinder nichts wissen, das aber ihr Leben bestimmt. Eines Tages verschwindet die Mutter wieder einmal. Sie lässt nur etwas Geld und eine kurze Notiz an den ältesten Sohn zurück, dass er sich um seine Geschwister kümmern soll. Zuerst ahnen die Kinder nichts Böses, doch dann dämmert ihnen allmählich, dass sie allein gelassen worden sind. [Quelle]
Mein Herz brannte, als ich diesen Film sah. Absolute Empfehlung.

Neulich am Herrmannplatz gesehen, keine Kamera dabeigehabt, hier wiedergefunden. Die lieben Kleinen kleben übrigens, mit wechselnden Sprüchen, z.B. in Berlin, Griechenland, Portugal und dem Vatikanstaat (“I was an apostol, too”). Sehenswert, nicht nur für Leute mit StreetArt-Faible -> attack what?
