Archiv für das Schlagwort ‘Literatur’
Wenn ich Personalchef wäre, würde ich jemanden, der mir so ein Bewerbungsschreiben schickt, sofort einstellen. Ich bin aber kein Personalchef und werde nie einer sein.
… wenn S. einen ihrer historischen Romane liest, dabei zwischendurch in der Wikipedia zum Wahrheitsgehalt des Geschilderten und der Beschreibung Protagonisten recherchiert – um sich anschließend darüber zu beklagen, dass sie “gespoilt” wurde.
Dass man bei YouTube jetzt auch mehrere Videos hintereinander in Form von Playlists embedden kann, ist toll. Oder ging das immer schon und mir ists nie aufgefallen? Ich nutze jedenfalls die Gelegenheit, mal Peterlichts Lesung bei der Verleihung des Bachmannpreises einzubinden, mit anschließender Diskussion. Den Text der Rede findet man bei Lui Basset. “Ein YouTube-Video”, mag da mancher ironisch sich ereifern, “Wie kreativ!” Mir ist das egal, Peter ist super.

Auch ein Herman
Über Eva Hermans Geschlechterrollenrevisionismus habe ich mich vor anderthalb Jahren mal in einem Kommentar im FUCKUP-Blog ausgelassen. Muss ich dazu noch etwas ergänzen? Eigentlich nicht, denn das Thema ist ja auch schon wieder “durch” auf der Karte der Tagesaktualitäten, aber trotzdem – ich finde, da muss noch etwas Mostrich meinerseits drauf.
Grundsätzlich vertritt Eva Herman – mit einem “r” und einem “n” – also die Position, es gäbe eine metaphysisch (weiß nicht ob sie das religiös oder genetisch begründet) legitimierte Geschlechterordnung und jemand – natürlich die doofen 68er – trügen Schuld am Fall jener Mauer zwischen den durch die Evolution unverrückbar eingepflegten spezifisch männlichen und weiblichen Verhaltensweisen.
Das ist nicht nur völliger Blödsinn, das ist auch eine komplett illiberale Einstellung. Denn Herman plädiert somit nicht für die Wahlfreiheit des Lebensstils, sondern für Unterordnung in eine externe Ordnung. Frauen sollten ihr zuliebe nicht die Möglichkeit haben – platt ausgedrückt – sich für den Herd zu entscheiden, sondern hätten sich gefälligst in die Vorbestimmung zu fügen. Dass sie das als Normativ versteht, verkleidet sie passabel, aber die Militanz, mit der sie den (bei weitem nicht optimalen) Status Quo der Gleichstellung von Frauen und Männern angreift, enttarnt’s doch.

Aus der Abteilung “Disney-Comic-Zitate, die es in meinen Alltagssprachgebrauch geschafft haben”. Ich bin eindeutig primär sozialisiert worden von Micky Maus-Heften. Hier übrigens auch noch in einer Zeichnung von Don Rosa, dem ganz sicher besten Comiczeichner aller Zeiten. Was der Mann zeichnet, ist mehr als Popkultur, das ist große Kunst.

das ist ja schön, dass ihr Broders Dünnpfiff auch noch staatlich substituiert. Habt ihr auch was von Carl Schmitt da? [via]
Die Vögel im Baum,
sie kapitulieren.Die Füchse im Bau,
sie kapitulieren.Die Wölfe im Gehege,
sie kapitulieren.Die Stars in der Manege,
sie Kapitulieren.Alle, die die Liebe suchen,
sie müssen kapitulieren.Alle, die die Liebe finden,
sie müssen kapitulieren.Alle, die disziplinieren,
sie müssen kapitulierenAlle, die uns kontrollieren,
sie müssen kapitulieren.Alle, die uns deprimieren,
sie müssen kapitulieren.Lasst uns an alle appellieren!
wir müssen kapitulieren.
Soeren Onez warf mir jüngst ein sogenanntes Stöckchen zu. Und auch, wenn ich so etwas öffentlich immer verurteile, wegen des Schneeballsystems und so, finde ich so Stöcke klammheimlich ja doch ganz nett. Durch den fest gesteckten Rahmen der vorgegebenen Fragen bieten sie einen Rahmen und Ventil für die zwangsweise in Konflikt stehenden zentralen Fragen des Bloggens: Die nach der Privatsphäre (“Wieviel gebe ich von mir preis?”) und der nach der Eitelkeit (“Wie stelle ich mich so dar, dass der Leser denkt, ich sei eine arschcoole Sau?”), aus der man ja durchaus auch Motivation schöpft. Darum pfeife ich jetzt mal die Kredibilität und beantworte einige Fragen nach Literatur. Zwei davon erfinde ich frech hinzu, weil ich sie interessant finde. Los also. «Bücherstock» weiterlesen
“Es hieß Reason und auf seine Art war es sensationell.”
“Worum ging’s?”
“Naja, es war ‘ne Art back-to-front-Programm. Es ist komisch, wieviele der besten Ideen einfach eine alte von hinten nach vorn umgekrempelte Idee sind. Verstehen Sie, es sind bereits etliche Programme geschrieben worden, die einem helfen, zu Lösungen zu kommen, indem man alle zweckdienlichen Fakten richtig ordnet und analysiert, so daß sie dann wie von selbst auf die richtige Lösung deuten. Der Haken daran ist, daß die Lösung, auf die alle richtig geordneten und analysierten Fakten deuten, nicht unbedingt die Lösung ist, die man haben will.”
“Jaaaaa…”, hörte er Regs Stimme aus der Küche.
“Also, Gordons wunderbarer Einfall war, ein Programm zu entwickeln, das es einem erlaubte, schon vorher genau anzugeben, zu welcher Lösung man gelangen möchte, und ihm erst dann alle Fakten einzugeben. Die Aufgabe des Programms, die es mit absoluter Leichtigkeit zu lösen vermochte, war schlicht die, plausible Reihen logisch klingender Schritte zu vollziehen, um die Voraussetzungen mit der Schlußfolgerung zu verbinden.
Und ich muss sagen, es funktionierte prächtig. Gordon konnte sich fast sofort einen Porsche kaufen, obwohl er vollkommen pleite und ein saumäßiger Fahrer war. Selbst sein Bankmann fand an seinen Argumenten nichts auszusetzen. Auch als Gordon den Wagen drei Wochen später zu Schrott fuhr.”“Großer Gott. Und hat sich das Programm gut verkauft?”
“Nein, wir haben nie auch nur ein Stück verkauft.”
“Sie erstaunen mich. Für mich klingt die Sache nach einem großen Knüller.”
“War sie auch”, sagte Richard langsam. “Das ganze Programm wurde mit Sack und Pack vom Pentagon aufgekauft. Durch das Geschäft erhielt WayForward ein sehr gesundes finanzielles Fundament. Sein moralisches Fundament dagegen ist etwas, wofür ich meine Hand nicht ins Feuer legen möchte. Ich habe neulich eine ganze Reihe der Argumente analysiert, die zugunsten des Star Wars-Projekts vorgebracht werden, und wenn man weiß, wonach man suchen muß, ist das Algorithmenschema völlig klar.
Und zwar dermaßen klar, daß, wenn ich einen Blick auf die amerikanische Verteidigungspolitik der letzten paar Jahre werfe, ich glaube, ziemlich sicher sagen zu können, daß die US Navy die 2.00 Version des Programms benutzt, während die Air Force aus irgendeinem Grund nur die Beta-Test-Version von 1.5 besitzt. Komisch, wirklich.”
Aus Der elektrische Mönch von Douglas Adams
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Bitte drücken sie auf “Play”. Dieser Gassenhauer stammt von PeterLicht und entspricht dem Timbre meiner Stimmung heute vormittag, nachdem ich zweimal hintereinander in Erbrochenes von Katzen trat.
Es ist Titel 1 von PeterLichts Platte “Vierzehn Lieder”. Sein ein Jahr altes Album “Lieder vom Ende des Kapitalismus” ist aber noch besser und für mich auch heute noch voller Ohrwürmer. Es erschließt sich inhaltlich durchaus, auch wenn bestimmt nicht jedermann die naiv-dadaistische Erzählweise gut finden mag. Aber da steckt richtig Revolutionslyrik drin. Bei – ausgerechnet – MySpace kann man reinhören (aber auch auf seiner eigenen Internetseite). Ich wiederhole mich, aber das ist ganz gewiss eine der besten Platten aller Zeiten.
PeterLicht hat auch ein Buch geschrieben: “Wir werden siegen – Buch vom Ende des Kapitalismus” das ich neulich bekam. Das ist so seltsam und gut, seltsamer und guter geht’s kaum. Prädikat: Prachtvoll! Jeder sollte es haben.
