meist manchmal, selten oft

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Tja, da sterben nun schon zwei Söhne des Landes ehrenhaft im Gefecht und — was ist? Man hat kein Lichtbild des heldenhaften Kämpfers, das patriotisch genug aussähe, um es der Öffentlichkeit daheim zum Betrauern darzulegen. Es fehlt die Fahne! Und wie sieht denn die Uniform aus? Gut, dass es Lieutnant Photoshop gibt. Der schneidet flugs den Kopf des einen im Irak gefallenen aus und montiert es auf dem Körper des anderen. Oder beide Köpfe auf den Körper eines ganz anderen. Weiß man nicht, steckt man nicht drin. Semper Fi! [via]

Tempelhof: Platz der Luftbrücke und Flughafengelände
Foto: jaywaykay (cc)

Heute ist Wahltag. Auch die in diesem Haushalt lebenden Personen werden Kabine und Urne beehren. Um aus dem Wahlgeheimnis keine Mördergrube zu machen: Wir stimmen gegen den Erhalt des Flughafens Tempelhof.

Ich selbst kann nicht behaupten, dass das Ding im Herzen, oder vielleicht eher: der Milz Berlins, mich ganz kalt ließe. Umme Ecke, also quasi direkt daneben habe ich zwei Jahre meines Lebens gewohnt, in einer Wohnung, deren Auslegware grasgrün war. Ich erwähne das nur, weil das wohl die für mich prägnanteste Assoziation zu Tempelhof (dem Stadtbezirk) bleiben wird. Den Fluglärm überhört man wirklich mit der Zeit, man stumpft da ab wie ein Bestatter bei der Leichenpediküre. Kann mir vorstellen, dass der Lärm den Anwohnern eine Zeitlang sogar fehlen würde. Direkt am Zaun neben dem Flugfeld küsste ich einst eine längst verblichene Liebe zum ersten Mal, viele Male fuhr ich mit der S-Bahn von Neukölln zur Zivildienststelle in Tempelhof, mich stets aufs Neue wundernd, dass sich direkt am Flughafen etliche Leute freiwillig in zahlreichen Kleingartenkolonien ansiedelten. Mehr als einmal lief ich am Flughafen entlang und ergötzte mich an der Lichterflut, die nachts auf dem Rollfeld herrscht. Die immensen Dimensionen des Flughafengeländes weiß man, so finde ich, nur abzuschätzen, wenn man ihn einmal komplett zu Fuß umrundet hat.

Ja, ich wünsche mir, dass dieser Ort erkennbar erhalten bleibt. Auch die hässlichen “Germania”-im-Geiste-Prachtbauten aus der Nazi-Ära kann man meinetwegen stehen lassen. Aber herumbrummende Flugzeuge will ich da tatsächlich keine mehr haben.

«Tempelhof» weiterlesen

Vor allem nicht denen im Staatsdienst. FAZ: 3,2 Millionen Arbeitslose gelten nicht als arbeitslos. Na sowas. Neu ist das nicht, aber die vom Aufschwung am Arbeitsmarkt Besoffenen krakeelen halt meist lauter.

[Hinweis:] Dieser Beitrag war ursprünglich im “Watchblog Islamophobie” erschienen, welches mittlerweile eingestellt worden ist. Ich habe den Artikel in mein privates Blog gespiegelt, damit er nicht verloren geht. –Der Admin, Januar 2008

Erinnern wir uns zurück: Vor ziemlich genau acht Monaten gab es den letzten großen medial entfachten Sturm der Entrüstung in muslimischen Ländern, damals anlässlich der Regensburger Rede von Papst Benedikt. Der Mord an einer Ordensfrau in Somalia, dessen Motive nach wie vor ungeklärt sind, wurde ohne viel Federlesens als Reaktion auf die Rede gebrandmarkt. Neben den üblichen Protesten radikaler Geistlicher bestimmten Bilder von Strohpuppen und Fahnen verbrennenden Demonstranten die Berichterstattung in westlichen Ländern. Und die westliche Welt fühlte sich bestätigt in der Einsicht, mit der “dauerbeleidigten muslimischen Welt” sei seit dem Karikaturenstreit einfach kein Dialog möglich, der “Clash of Cultures” vorprogrammiert.

Mal abgesehen davon, wieviel es über unsere eigene Gelassenheit aussagt, wenn wir uns über irgendwo auf der Welt brennende Landesflaggen erregen, gab es damals auch interessante Stimmen zu dem Vorfall, die kaum bis gar nicht wahrgenommen wurden. Renée Zucker berichtete in der “Mediennachlese” im Berlin-Brandenburger “inforadio” aus Srinangar in Kashmir – der Stadt, deren Protestbilder seinerzeit die Medien dominierten:

«Doppelt reflexive Empörungsmechanismen: Einwurf zu den Rushdie-Protesten» weiterlesen

spiegel-dach
(Bild: F!XMBR)

Der SPIEGEL bleibt mit großem Vorsprung das Blatt, das die politische Debatte in Deutschland mehr als jedes andere bestimmt.

Aus dem Editorial des Spiegel vom 14. August 2006

Geglaubt hätt’ ich’s unbewiesen und “Schlimm genug” in meinen nicht vorhandenen Bart gegrummelt. Trotzdem: So einer gleißenden Selbstversicherung – die Formulierung allein! – an prominenter Stelle im Blatt haftet etwas Gewolltes und Unseriöses an. Als ob der SPIEGEL sich verteidigen müsste. Kann natürlich sein, dass ich da ein bisschen sensibel bin. Na schauen wir mal genauer hin. Weiter heißt es da:

Mit 1051 Zitaten war der SPIEGEL laut einer Erhebung des Bonner Instituts Media Tenor im ersten Halbjahr 2006 die meistzitierte unter 39 Publikationen. „Focus“ (605) und „Bild“ (601) kamen auf die Plätze zwei und drei.

Schade. Sich selbst ein Bein gestellt und den statistischen Taschenspielertrick entlarvt: Die Zitationsquote hat eben doch nichts mit Qualität zu tun, oder ist BILD etwa ein Qualitätsblatt?

Das Institut Media Tenor ist zudem in der Vergangenheit nicht gerade durch transparente Methoden der Datenerhebung aufgefallen. So heißt es beispielsweise in der ZAPP-Sendung “Datenmanipulation – Die Kampagnen des Medien Tenor” vom NDR:

Professor Michael Haller, Kommunikationswissenschaftler, sagt: “Herr Schatz manipuliert Daten.” Michael Haller darf das sagen, gedeckt durch ein Gerichtsurteil. Der Leipziger Professor wurde von “Medien Tenor” verklagt, nachdem er deren Arbeit als unseriös entlarvte. Er hatte durch eigene Analysen die Behauptung des “Medien Tenor” widerlegt, dass Zeitungen mit SPD-Beteiligungen in Einzelfällen tendenziöser berichteten als andere. Sein Urteil über die Arbeit des “Medien Tenor”: “Offensichtlich benutzt der Eigentümer des “Medien Tenors”, Herr Schatz, diese Daten in manipulativer Absicht, er will offensichtlich bestimmte Aussagen, die politisch sozusagen bedeutsam oder folgenreich sind, will er machen, und wenn das eben die Daten nicht hergeben, dann werden sie eben entsprechend manipuliert.”

Wie viel sind also Erhebungen von “Medien Tenor” wert?

Im wissenschaftlichen Beirat der Firma sitzt ein gewisser Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und auch privat anscheinend ganz gut bekannt mit SPIEGEL-Chef Aust.

Hier schließt sich auch der Kreis. Die mehr oder weniger bekannten Seilschaften zwischen den Chefs der FAZ, Bild (+ Welt) und des Spiegel sorgen dafür, dass man sich, gerade in politischen Themen, aufeinander bezieht: Durch gegenseitiges Zitieren.