meist manchmal, selten oft

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genderkram

Ich finde das zwar nicht, aber der Makler durchaus, der uns die gerade bezogene Wohnung angetragen hat, wie er uns in einem bizarren OffTopic-Moment versicherte: Männer sind keine Männer mehr! Sondern Memmen. Übersetzt: Wo früher der Conan-Schlüpper das männlich-prachtvolle Gemächt kaum im Zaum zu halten vermochte, packt der metrosexuelle Mann von heute seine nicht vorhandenen Testikel in mehrfach stoßdämpfende Pampers mit DryWeave-Oberfläche, um ja nicht in Verdacht zu kommen, man besitze einen nur geringfügig höheren Härtegrad als angespülte Ostseequallen.

Ich halte das für übertrieben. Neulich habe ich einen 200-Kilogramm-Schrank aus dem 19. Jahrhundert fast allein, naja, zu zweit, durch zwei Treppenhäuser gehievt (nicht mein Umzug), ich traue mich mittlerweile auch mit Schlag zu bohren und wenn wir einkaufen sind, trage ich zumeist nicht nur den Wasserkasten, sondern auch noch alle anderen Getränke. Heißt: Ich fühle mich in manchen Situationen schon als Mann im klassischen, vulgo: prähistorischen, Sinne. Gleichzeitig habe ich durchaus meine Probleme mit klassischen Rollenverteilungsmustern, insbesondere wenn sie quasinatürlich legitimiert werden. Auf der einen Seite finde ich den emotionsverleugnenden Hellersdorf-Reflexmachismo zum Kotzen, auf der anderen den Achtzigerjahre-Raubtierfeminismus nach Art einer Alice Schwarzer ziemlich albern. Nur, wo positioniert man sich in der Genderfrage glaubensmäßig, mit Mitte, Ende zwanzig, als nach dem Selbstverständnis liberal Aufgeklärter — eine Identität, deren Zusammenzimmerung Jahrzehnte gedauert hat? Es ist ein Dilemma, Entrinnungstaktiken rar gesät und ich habe noch keine richtige Antwort.

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