meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Musik’

Als der Berliner Rundfunk direkt nach “Life is Life” noch den anderen fussballstadionkompatiblen Gassenhauer, nämlich “We will rock you”, in die Welt schmoss, war man kurz geneigt zu vergessen, dass die Playlist vom Computer-gestützen Zufallsverfahren aus einem Pool von etwa einhundertfünfzig Tracks generiert ward. Die Chance für diese Kombination hatte eins zu einhundertneunundvierzig gestanden. Konnte das noch ein Zufall sein?

Egal. Ich wusste übrigens gar nicht, dass Prinzessin Stephanie von Monaco neben dem irgendwie ja dann doch coolen Irresistible noch Lieder hatte. Hatte sie aber, nämlich viele. Die gucken wir uns hier auf den Abend gerade auf YouTube an (“Mach mal Young ones everyone an, mann!”), und eins ist scheeler als das an. Die Kommentare meiner Liebsten (“Ich habe keinen Respekt mehr vor dem Adel”) heben diese Qual allerdings in den erträglichen bis albern-zotigen Bereich. Völlig umkommentiert kann man das Video zu “Flash”, sozusagen das Flash-Video, der monegassischen Kurfürstin betrachten, um sich währenddessen das eine oder andere Schmunzeln wegen der Frisuren, des merkwürdigen Texts, der Band, der kabellosen Instrumente, der komischen Musketier-Zwischenbilder usw. nicht verkneifen zu können/wollen:

Ein sehr schlimmes Detail am Rande sei hier noch verewigkeitet. Genau sowas, wie das was da in dem Video herumscharwenzelt, kommt kleidungstechnisch gerade wieder in Mode. Mark my words: Ab Herbst sieht man in Berlin-Mitte Schulterpolster.

Bin ja gerade mittelschwer begeistert von A Golden Pony Boy. Okay, der Bandname ist albern, aber schöne Musik machen die Herrschaften. Kommen aus Berlin, klingt ein bisschen wie Death Cab for Cutie und Maximilian Hecker, die Stimme des Sängers erinnert mich an die der viel zu früh verblichenen I Was A Cub Scout. Hier ein Video, in dem Anfangs auch am Bersarinplatz rumgefahren wird, wo ich bis vor Kurzem ja quasi um die Ecke von wohnte.

Meine Güte, die Burschen sind erst 19. Daher sind die hier vorgetragenen Gefühle auch kein Kitsch, sondern Authentizität, weil man in dem Alter ja nur entweder emotional verarmt oder emotional überschwappend sein kann. Trotzdem befremdlich, die Arbeit von so viel jüngeren Menschen gut zu finden, aber so fühlt sich ja auch jeder über-35-jährige Sonnabends im Fußballstadion. Wem’s gefällt: Ein Album gibt’s von A Golden Pony Boy noch nicht, aber ‘ne EP. Mein Exemplar des nämlich “Fame to the Fameless” heißenden Werks bezog ich über diesen 10€-Musik-Download-Gutschein, als DRM-freie MP3s. Man darf sich aber auch andere Musik aussuchen.

(Disclaimer: Ich schreibe beruflich für das unten verlinkte Blog, wir kriegen da Geld für, wenn ihr euch bei dem Musikdienst anmeldet. Ist aber seriös, das Ding. Vista Bescheid.)

Bin bezüglich der A-HA-meets-Roadmovie-Ästhetik des Musikvideos nicht im Reinen mit mir, aber dieses Lied von der anderen Seite des Pingpongballs (Neuseeland) ist einfach super und mein Ohrwurm des Tages. Mit guter Popmusik kriegste mich eigentlich immer.

Und mal wieder eine Band, die ich viel zu spät entdecke. Hab ja auch erst vor nem halben Jahr gemerkt, wie geil Bloc Party ist. Tja, so ist das halt.

<a href="http://nerdkern.de/track/guter-text">Guter Text by Nerdkern</a>

Das Lied steht unter einer CC-Lizenz. Und… Genau, guter Text.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Da hätte Gabor Steingart bestimmt kein Verständnis für. Und Helge sowieso nicht.

Der Titel hat absolut nix mit dem Inhalt zu tun, ich fand ihn bloß schön und wollte ihn für irgendwas verwenden.

MGMT, das steht für “Management”, waren meine Sommerhitband. Wirklich schnieke Platte haben die gemacht: Oracular Spectacular. Trash und Ohrwurm in trauter Zweisamkeit, das ist mein Ding.

Jetzt gibt es ein neues Video von MGMT, welches Remineszenzen an ABBA, Breakdance und die Mini-Playback-Show vereint. Meine Freundin findet, man müsse Walzer dazu tanzen. Weil das so nett verstörend ist, präsentiere ich es hiermit: The Youth. Biddeschön.


(Mixwit-Direktlink)

Vor einiger Zeit schrieb ich über jene abgefahrenen Begegnungen, die das Universum in all seinen Krümmungen immer wieder für einen in schicksalshafter Weise bereithält, nämlich: Merkwürdige Zufälle. Damals ganz vergessen hatte ich die Episode, bei der ich irgendwann 2006 morgens schlaftrunken auf meine U-Bahn wartete, die mich zur Uni, beziehungsweise zur Regionalbahn zur Uni, bringen sollte. Und wer stand da, an meiner U-Bahnstation? Mein allererster Gruppenleiter, der mich fünfzehn Jahre zuvor in die Welt der Pfadfinderei einführte. Ich hatte ihn viele Jahre nicht gesehen, das letzte Mal an einem ganz anderen Fleckchen Deutschlands (Bayern) und zudem ist der Ort meiner ersten Pfadfindergruppe (Ruhrgebiet) schätzungsweise 600 Kilometer entfernt. Tjaja, Sachen gibts…

BioShock Screenshot
Screenshot: Andrew* (cc)

Noch so eine Geschichte wiederfuhr mir soeben. Da ich vor kurzem in Computerdingen schwer aufgerüstet habe, nahm ich die Gelegenheit wahr, endlich einmal BioShock zu spielen. Ein Shooter, der in einer bizarren 50er Jahre-Unterwasserwelt spielt, die aufgrund des Bedürfnisses einiger gegründet wurde, eine scheinbar entideologiserte Umwelt zu schaffen, in der beispielsweise die medizinische Forschung keine Grenzen mehr kennt: Genetical Enhancements, Eugenik und sowas. Irgendwann springen sich alle an die Gurgel und wir dürfen aufräumen. Das Spiel schafft es in der mehr oder minder zerstörten, düsteren Welt eine sehr beklemmende, oft gruselige Stimmung zu erzeugen. Was ich besonders toll finde ist, dass mir die reichhaltige und tatsächlich sinnhafte Hintergrundgeschichte nicht sogfältig drapiert wie ein Steakhausschnitzel neben Erbsen und Kartoffeln vorgesetzt wird, sondern dass ich mir alles aufgrund vieler einzeln verstreuter Indizien zusammensetzen muss. Also — falls jemand BioShock noch nicht kennt: Spielt das Spiel, es ist ein Erlebnis. Björn hat das BioShock im Agitpopblog vor einigen Monaten ausführlicher beleuchtet, mitsamt einiger Kritikpunkte die ich nicht teile, aber ich habe ja noch nicht einmal die erste Hälfte durch.

Jedenfalls wollte ich auf den merkwürdigen Zufall hinaus, genau. Gestern bewarb ich an dieser Stelle das tolle Schellack-Musikarchiv von Cliff Bolling. Zur Anteaserung band ich zwei der — gefühlt — Millionen Songs unten im Artikel zum Soforthören ein. Der eine davon, After the Ball is Over, hat in diesem Haushalt einen gewissen Stellenwert wegen der, ebenfalls tollen, TV-Serie Carnivàle. Dort ward eine Folge danach benannt und das Lied darin gesungen. Das andere Lied hörte ich mir nur wegen des Titels an, Bei mir bist du schön, denn es kommt ja nicht so häufig vor, dass ein anglophoner Song einen deutschen Titel hat. Es blieb von den etwa anderthalb dutzend Liedern, die ich daneben abspielte, am meisten hängen. Ihr kennt das ja, ein Ohrwurm. Ich entschied mich also, es hier zu posten. Nun lief ich vorhin durch eine Bar in BioShock. Und auch wenn sie halb verwüstet und kein Vergleich zur plüschigen Atmo einer von Kruder & Dorfmeister beschallten Lounge in Berlin Mitte war, funktionierte die Hintergrundbeschallung noch. Und welches Lied kam? Dreimal darfste raten…

Innerhalb von 36 Stunden stoße ich also gleich zweimal in völlig unterschiedlichen Kontexten auf einen Jahrzehnte alten Swing-Song aus den USA. Ich glaube zwar nicht an irgendwelche schicksalshaften Verwebungen, die mich jetzt dazu treiben würden, den Liedtext minutiös zu analysieren, aber ein neuer Punkt auf meiner Liste bemerkenswerter persönlicher Koinzidenzen ist’s schon.

Schellackplatte
Bild: takomabibelot (cc)

Cliff Bolling aus Oregon sammelt Schellackplatten. Da die Musik der Öffentlichkeit auf herkömmlichem Wege nicht mehr zugänglich ist, digitalisiert er nach und nach sein Archiv und stellt die Musik als MP3 ins Web. Trotz tausender Songs habe es bisher noch keine Copyrightbeschwerden gegeben.

musikarchiv

Bollings Archiv ist leider nicht gerade hübsch, etwas unübersichtlich nach Titeln geordnet und listet auch die Jahreszahlen nicht auf. So bleibt einem nur, sich mehr oder weniger blind durch die schiere Masse an Jazz, Swing, Country und was noch so in den 30ern und 40ern angesagt war, zu wühlen. Macht aber nix, denn es geht ja um die Musik und mit der kann man sich stundenlang beschäftigen. Darunter befinden sich übrigens auch Songs von Louis Armstrong und Nat King Cole. Tip: Mit dem delicious Playtagger-Bookmaklet[1] kann man sich die Tracks direkt auf der Webseite anhören.

Anspieler:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

International Novelty Orchestra: After the Ball is Over (Download)

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Benny Goodman: Bei mir bist du schön (Download)

[via Gulli]

  1. den Link unter “Browser button” in die Favoritenleiste des Browsers ziehen [zurück]

Cover von Peterlicht - Melancholie und Gesellschaft

Ein kleiner Musiktip: Man kann das “Trennungslied” von PeterLicht, ein Vorgeschmack auf das am 5. September erscheinende Album “Melancholie und Gesellschaft”, als MP3 kostenlos in guter Qualität herunterladen. Dazu einfach hier bei Motor Music den Code “lipemo” eingeben. Langjährige Leser dieses Blogs wissen, dass ich ein Faible für den Kölner Liedermacher mit der naiv-weisen antikapitalistischen Attitüde habe und leiten daraus ab, dass ich mich auf die neue Platte wie Bolle freue.