meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Persönliches’

wumu1

«Gucken» weiterlesen

… wenn S. einen ihrer historischen Romane liest, dabei zwischendurch in der Wikipedia zum Wahrheitsgehalt des Geschilderten und der Beschreibung Protagonisten recherchiert – um sich anschließend darüber zu beklagen, dass sie “gespoilt” wurde.

Die Dame meines Herzens und ich ergänzen uns prächtig. Zum Beispiel wenn wir Hunger haben. Sie wirft die Nahrung in die Gefäße, kümmert sich um deren ausreichende Erhitzung und – stets vorzügliche – Bewürzung, ich lese ihr währenddessen ganze Bücher vor. Oder auch: Der eine reinigt die Katzenklos, der andere füttert die Viecher. Oder: Sie liefert den intellektuellen Anstoß für einen Blogeintrag, ich formuliere den Gedanken aus. Oder: Ich erledige die Kämpfe im Computerspiel (sie ist immer zu aufgeregt), sie kümmert sich um die Navigation (ich bin grundsätzlich orientierungslos).

Nur folgerichtig dies: Während ich die Musik der Band Voxtrot “bloß” sehr schön finde, gerät S. in Extase, wenn sie sie hört und kann jeden Text auswendig. Genau spiegelverkehrt verhält es sich mit der Band I Was A Cub Scout, die ich bereits ausgiebig empfahl. Da im November – welch Fügung des Glücks! – beide Kapellen spielen, am gleichen Orte zwar, jedoch an unterschiedlichen Tagen (Voxtrot: 10.11., IWACS: 26.11.), versteht es sich von selbst, dass wir einander zu den Events des Partners begleiten und je die hysterischen Schreikrämpfe des anderen gutmütig schmunzelnd über uns ergehen lassen.

«Beziehungsfördernde Symbiosen» weiterlesen

“Mit dem eisernen Besen kehren… Wenn ich das schon höre! Denkt an Göring!”

Ein Mann, ohne Anlass laut zu sich selbst, beim Fahrrad fahren auf menschenleerer Straße.

 

“Warum schießt der denn nicht??? Ich hab dem doch den Schießbefehl gegeben!!!”

Ich, beim Fußballspielen am Computer.

 

“Irgendwie konnte ich mich einfach nicht daran gewöhnen, dass das jetzt normal sein sollte.”

S. über die Zeit, da es plötzlich Talkshows gab, die die Allgegenwart von Männern mit Brustimplantaten aufgrund verlorener Wetten und Gliedmaßen-Amputationen als neuen Modetrend propagierten.

 

“Stachen zwei Profiboxer Friseur nieder? — Die Fäuste waren ihnen wohl zu schade!”

Überschrift eines Artikels in der heutigen Ausgabe der BZ.


Es gibt sicher viel zu sagen, über Fanta, die Coca Cola Company überhaupt, über Dosenrecycling und Packungsdesign. Das war aber alles nicht wichtig, als die angerostete Dose Fanta Pink Grapefruit, von Laub umrahmt, plötzlich vor meinen Füßen lag. Stattdessen eine Stippvisite in die Vergangenheit. Nie wieder eine Brause, die mir so geschmeckt hatte. Ich weiß noch, wie ich sie zum ersten Mal trank (Mitte der 90er, Hochsommer, Drusenberg, Markus und ich teilten uns die eine Mark Zwanzig am Büdchen) und wie zum letzten (2002, Spätsommer, Mariendorf, Balkon, eine längst vergangene Liebe brachte mir eine Flasche aus Dänemark mit). Die pinke Fanta ist für mich kein Getränk, kein Politikum, sondern ein Stück Kindheit. Insofern völlig okay, dass ich auf die verrostete Dose im Laub genau dort stieß, wo ich sie fast hätte erwarten müssen: Auf einem Friedhof.

… und dann war da noch neulich dieser etwa 10-jährige Schuljunge, der einen schon längst aus der Mode geglaubten “4YOU”-Schrank auf dem Rücken trug, an der Hand seiner Mutter, und vor sich hin die deutsche Nationalhymne krähte. Und zwar die falsche Strophe. “Beeil dich, wir kommen zu spät” murrte ihn die Mutter an. Ich schaute ihnen hinterher und war sprachlos.

… und dann war da noch der Moment vorhin, an dem Angela Merkel an mir vorüberschritt und ich die Chance hätte nutzen können, ihr etwas mit Gewicht und Substanz zu sagen – ich aber zu perplex war, auch nur einen Ton hervorzubringen.


+++ WARNUNG +++ WARNUNG +++ WARNUNG +++
Nerd-Kontent
+++ WARNUNG +++ WARNUNG +++ WARNUNG +++

Vorgestern Nacht habe ich mich – endlich – von schätzungsweise 80% meines über die Jahre angesammelten Elektronikschrotts getrennt. Neben diversen Boards, Grafik- und Soundkarten, unfassbaren Mengen an IDE-Kabeln und einer 400 MB-Festplatte, habe ich somit auch eine Voodoo 1 und eine Voodoo 2 in den Orkus gejagt. Diese Hardware war vor einem knappen Jahrzehnt der heißeste Scheiß für Computerspieler. Zu einer normalen Grafikkarte hinzugesteckt (ideal dafür die legendären Matrox-Karten Mystique und Millenium), bekam man plötzlich nicht für möglich gehaltene 3D-Effekte (weichgezeichnete Texturen!) und -Performance in Spielen vor den Latz geknallt.

Meine Lieblingsspiele vor etwa acht Jahren waren Jedi Knight, Need for Speed 2 SE, Quake, Diablo, das göttliche Earthworm Jim 2 (Ach Shiny, what hast thou done?), Command & Conquer, Civ 2, Duke Nukem 3D und vor allem Carmageddon – das einzige Spiel, dass ich mir jemals zum Vollpreis kaufte und, trotz massiv entschärfter deutscher Version, -sowas-von- liebte. Mit der Beerdigung dieser alten Hardware trenne ich mich auch von der lange gehegten Vorstellung, ich könnte mir nochmal einen “neuen” alten Rechner mit dem Kram zusammenbasteln. Und den alten Spielen. Und DOS. Naja, was solls… Solange bei den Spielen, denen ich mich heute zuwende ab und zu eines so zu faszinieren weiss, wie es Fahrenheit gerade tut (ich weiß, auch schon alt), brauch ich die janz ollen Kamellen – da bin ich recht herzlos – auch nicht mehr.

 

duke
vorher | nachher

Und damit dieser Artikel nicht ganz ohne Mehrwert dasteht: Es gibt Leute, die alles möglich aus dem guten alten Duke Nukem 3D machen, dessen Quellcode und Engine nun schon seit einiger Zeit offen sind. Sie portieren es für Windows, Linux, MacOS, FreeBSD und sogar PalmOS, implementieren 3D-Grafikbeschleunigung, zeichnen hochaufgelöste Texturen und erstellen echte 3D-Modelle für Waffen und Gegner. Im Prinzip programmieren die immer noch zahlreich vorhandenen Fans so das “wahre” Duke Nukem Forever. Come get some.

Ein Killerwal verfehlt beim Killversuch einen Jungen in Rocker-Pose nur knapp

Die Frage, ob man fremdgesteuert ist (Gott, Schicksal oder so), oder tatsächlich Wahlfreiheit bei Entscheidungen besitzt, beschäftigt nicht nur en-Vogue-Wissenschaftler aller Coleur (Theologen, Neurobiologen, Philosophen, etc.) bereits seit Jahren, sondern auch mich im gerade angefangen habenden Semester. Die Philosophen sind ein Völkchen, heidewitzka… Was bringt denn eine solche Frage, wenn sie eh keine praktische Relevanz hat? Ob ich einen freien Willen habe oder nur den Eindruck von einem solchen ist doch letztlich Ladde.

Und nein, natürlich haben wir keinen freien Willen. Ansonsten würden wir im Hochsommer alle nackt herumlaufen. Die Oktroy-Wirkung von Moden, Gesetzen, impliziten Regeln und so weiter, sprich: die ganze Bandbreite an Einschränkungen, die uns “die” Gesellschaft auferlegt und die immer wieder im Widerspruch zu den eigenen Trieben (call it Verlangen or Wünsche) steht, wird viel zu selten in solche Betrachtungen mit einbezogen. Es geht ja um Freiheit. Freiheit hier (Braveheart), Freiheit da (Irak), Freiheit überall (FDP). Der Begriff ist ausgeleert worden und zu einem Fetisch verkommen. Zeitgeist-Quark. Na egal, mal sehen was das Seminar bringt.

P.S.: Versteht jemand den Bildwitz oben? Ich hab mir echt Mühe gegeben beim Ausdenken.


Foto: deadeyebart.

An des heut’gen Schlafes Rand
versag ich mir der Würde Tand

Im Rachen dieser Weltgeschichte
ist kein Platz für Himmelsdichte

Bloß die Stärke einer Nacht
hat uns neu zusamm’gebracht

Es gibt sehr viele Hirnbetäuber
in Bayern beispielsweise Stoiber

Und rate mal – zu dem Verdruss
kommt noch hinzu – es ist jetzt Schluss.*

 

* Weil ich jetzt nämlich ins Bett muss, um mich langsam mal wieder mit dem Uni-Rythmus (Rhythmus? Rythmus? Rüttmuss!) akkli zu matisieren und nicht noch mehr Wirrniss in ein sonst doch so messerscharf veranstaltetes Weblog zu bringen.