meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Propaganda’

Die evangelikalen Christen verstehen es recht geschickt, ihre restaurative Ideologie so zu verpacken, dass Jugendliche glauben, christlicher Fundamentalismus sei irgendwie hip. Da gibt’s Festivals mit christlichen Rockbands, Happenings und Events. Friede, Freude, Eierkuchen und tragt die Message of Jesus hinaus in die Welt. Knallhart wird dabei jedoch gegen Aufklärung, Evolution, Schwangerschaftsabbrüche und ein liberales Sexualitätsverständnis agitiert.

So verbirgt sich auch hinter der Stylo-Fassade der Website des evangelikalen Jugendevents “Christival” eben auch eine Veranstaltung mit dem Namen “Homosexualität verstehen”. In der Beschreibung heißt es:

«Hetero dank Jesus» weiterlesen

Deine jüngsten Anstrengungen in allen Ehren, mir die glitzernden und glühenden Vorteile des Elterngeldes auf die demographiegebeutelte Republikszukunft mit steuerfinanzierten pseudoredaktionellen Beiträgen für die, in ihrer Selbstprekarisierung nach jedem vorproduzierten Schnipsel greifenden, Medien näherzubringen.

Scheinst dabei ja prima bei der INSM-Schweinebande in die Lehre gegangen zu sein. Aber wäre es nach ökonomischen Gesichtspunkten nicht mittlerweile ratsam, gleich eine zentrale Stelle für solche Zwecke einzurichten? Sozusagen ein Propagandaministerium PR-Kompetenzzentrum? Da hätte die Wirtschaft gleich mal einen Ansprechpartner und ich ja auch. Vielleicht könnte ein solches Ministerium ja mal meine ganz persönlichen Zweifel am neuen Elterngeld ausräumen, welches arme Menschen dank um die Hälfte verkürzter Bezugsdauer wesentlich schlechter stellt als zuvor. Ist so ‘ne Sache, die ich nicht nachvollziehen kann. Noch! Du hast sicher deine Gründe und dann auch Begründungen dafür — Leuchttürme. “Fördern und Fordern”. Oder sowas.

Wer jetzt noch SPD/CDU/CSU wählt, entmündigt sich selbst. Drum sollte jeder, der heute Krokodilstränen wegen des Abbaus seiner Grundrechte weint, sich doch bitte auch noch im Jahr 2009 an das dieser Tage sehr präsente Gefühl der Ohnmacht erinnern, wenn er in der Wahlkabine steht. Nix hier mehr mit “taktisch wählen” oder “das geringere Übel”, das macht bloß alles noch schlimmer.

Und: Ziviler Ungehorsam fängt heute mit E-Mail-Verschlüsselung an. Macht euch damit vertraut, noch ist das legal.

… tanzen die Mäuse. Und wenn Scientology mal ausnahmsweise nicht am Alex ihre Rundum-Glücklich-Lebensoptimizer-Tests anbietet, denken die Jugendmissionare der evangelikalen Sekten anscheinend, sie könnten sich alles erlauben. Heute Abend stand ein Typ da und gab entrückt eine Mischung aus Singsang und Rap in sein Mikrofon zum Besten. Man hörte es schon von weitem beseelt hauchen, die Worte verstand man erst aus der Nähe. “Jesus (*jaul*hauch*stöhn*), du bist so (atonales, langgezogenes “o”) groß… Du kommst vom Himmel herab und rettest mich (*jaul*hauch*stöhn*). Yeah, oah hoah… Du bist ein Raumschiff…” Ein Raumschiff? Ich bezweifelte innerlich, dass der Heiland irgendeinem verlorenen Schäfchen damit nähergebracht würde. Ein Pulk von ca. 20 Punkern betrachtete, den Eingang des “Saturn” blockierend, das Szenario. Einige lachten laut. Vielleicht freuten sie sich aber auch bloß, dass zwei der ihren mit einem Kasten “Sternburg” in der Hand endlich vom Supermarkt zurückkehrten. Ich ging und kümmerte mich nicht weiter.

Nazi fragt. maloXP antwortet.

Für Paul

Was sich meine Regierung wohl mit dieser Werbekampagne gedacht hat? Ob es wirklich Leute in meinem Alter gibt, die denken: “Jippie Jay, entweder zwei Jahre länger knechten oder weniger Rente kriegen, dafür bin ich meinem geliebten Vaterland aber dankbar”? Nun, Seifenblasen und sattgrüne Wiesen (die anderen Motive sind auch nicht besser) erzeugen immerhin eine fluffige Stimmung inmitten des immer grauer werdenden Herbstes, da darf die Logik auch mal auf der Strecke bleiben.

Ach Moment… Die Entscheidung, das Renteneintrittsalter zu erhöhen war ja auch unumgänglich, gell? Schließlich – so hört man dieser Tage oft – wird das Volk immer älter, aber die Löhne steigen nicht. Mindestlöhne könnten daran etwas ändern? “Nööööö!” schreien die von INSM, Bertelsmann und wie das Drecksgesindel heißt, das uns regiert und fordern ungeniert weiter mantraartig Senkungen der Lohnnebenkosten. Zu denen gehört schließlich auch die Rentenversicherung, dessen Anpassungen über das genial einfache Umlageverfahren geregelt ist und – damit hatte Norbert Blüm recht – die Rente eigentlich rundum absichert. Bloß verstößt das gegen die Interessen von Arbeitgebern (“Was? Zwei Cent die Stunde mehr, bloß für die blöde Rentenkasse? Wohl noch nie was vom globalen Wettbewerb gehört?”) und einer bestens an der german angst vor der demographischen Apokalypse verdienenden Privatversicherungswirtschaft. Und da liegt der Hundt begraben: Lieber subventioniert Vater Staat private Zusatzrenten und schaufelt so mit am Grab eines guten solidarischen Prinzips als dass er der Kaste aus gut bezahlten Einflüsterern mal den gepflegten Tritt in den Allerwertesten verpasst, den sie moralisch verdient hätte. Sozialstaat ist ja auch megaout, gell? Findet auch Paul: Mehr Elite, mehr Eigenverantwortung und so, das bringt ihm auch Klassenlehrerin Frau Müller bei, die immer schön das kostenlose Lehrmaterial von der INSM benutzt. Der Markt wird’s richten. Alles. Selbst den Hunger in den Klassenzimmern der Republik. Paul darf weiterhin Seifenblasen auf seiner grünen Wiese platzen lassen, denn er hat das Glück einen reichen Daddy zu haben, so dass ihm in seiner Zukunft das Schicksal des Pöbels als Opfer der demnächst wiedereingeführten Sklaverei erspart bleibt.

yellow spyIch hab’s heute erst gesehen. China! Spione! Hacker! Trojaner! Mir schwant… Es droht ein neues Buch vom Kampfzonenausweiter Steingart Gabor, gell? Falls ja, ist euch die Crosspromotion diesmal besonders gut geglückt, wenn sogar das Bundeskanzleramt mitmacht. Und gleich mal noch ein Lob hinterhergeschoben: Mit der neuen Titelstory ist euch mal wieder ein superber Eyecatcher gelungen. Solltet ihr demnächst mal gegen Entwicklungshilfe in Afrika polemisieren wollen, würde ich mich analog freuen, wenn mir vom Bahnhofskiosk die Schlagzeile “DIE BRAUNEN NEHMER – Wie Simbabwe deutsche Hilfsgüter einfach aufißt” entgegenlächelte.

Danke jedenfalls für diese Titelstory. Endlich mal ein klares leitmediales Statement in der aktuellen Rassismus-Debatte.

Leser, die sich über diesen Artikel ärgerten, mochten auch diese Artikel nicht:

Zwei Nachträge: Bei SpiegelKritik wird der Artikel entkleidet und – oho – es steckt drin, was draufsteht. Kunterbunt gemischte Ressentiments mit schlechter Rechercheleistung und berechtigter Kritik in einen Topf geworfen.

Hm, Oliver Gehrs ist mir in seinem wöchentlichen “Blattschuss”-Videopodcast hingegen etwas zu freundlich mit dem Ding.


(WatchBerlin-Direktlink)

Denn es gibt keinen sozialen Kahlschlag. Vielmehr steht Hartz IV für den großen Ausbau des deutschen Sozialstaats.

Holger Steltzner, ganz makro, in der FAZ. Neben Giordanos jüngstem Schriftstück mein Aufreger des Abends.

schach

Der Libanonkrieg ist ein Jahr vorbei. Mich hat der seinerzeit sehr mitgenommen, mehr sogar als der US-Angriffskrieg im Irak ’03 – da verzweifelt man, wundert sich über die Kälte, mit der die Leute die Vernichtung von Lebensgrundlage, Lebensraum und Leben im allgemeinen euphemistisch als wie auch immer geartete Notwendigkeit auffassen (“Kollateralschäden”) und verliert schon einmal die Contenance.

Ich schrieb Dinge, die jemand, der es so verstehen wollte in einfachen Gut-Böse-Schemata auffassen konnte und – so kommt eins ganz schnell zum anderen – mir X-ismus oder Verharmlosung von Y unterstellt. Diese Beißreflexe sind nicht nur albern, sondern auch deswegen gefährlich, weil es die Geisteshaltung, die man legitimerweise so umschreibt, profanisiert. Es war eine Diskussion mit erschreckend bipolaren Sichten in den Politikteilen, Feuilletons und Leserbriefspalten, den Webforen letzten Sommer und es wurde auf beiden Seiten scheußlicher Unfug geschrieben, oft persönlich und emotional (was in solchen Diskussionen kein Prädikat ist), undifferenziert, die Sachverhalte ausblendend, die nicht ins eigene Bild passten und ohne ausreichend informiert zu sein. Ich nehme mich davon nicht aus – auch wenn ich mich bemüht habe, die Sachverhalte nicht zu einseitig zu betrachten war ich doch borniert. Relativ neu in der Materie des nahen Ostens, suchte ich nach Antworten für das was ich nicht fassen konnte, nach Entgegnungen auf Argumente die so metaphysisch schienen, dass ein einfaches “Nein, das ist menschenverachtender Bullshit” nicht gereicht hätte.

«Patt» weiterlesen

kapitulation

das ist ja schön, dass ihr Broders Dünnpfiff auch noch staatlich substituiert. Habt ihr auch was von Carl Schmitt da? [via]

Die Vögel im Baum,
sie kapitulieren.

Die Füchse im Bau,
sie kapitulieren.

Die Wölfe im Gehege,
sie kapitulieren.

Die Stars in der Manege,
sie Kapitulieren.

Alle, die die Liebe suchen,
sie müssen kapitulieren.

Alle, die die Liebe finden,
sie müssen kapitulieren.

Alle, die disziplinieren,
sie müssen kapitulieren

Alle, die uns kontrollieren,
sie müssen kapitulieren.

Alle, die uns deprimieren,
sie müssen kapitulieren.

Lasst uns an alle appellieren!
wir müssen kapitulieren.

(Tocotronic)