meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Propaganda’

Sehr gut: Die 15 britischen Marinesoldaten im Iran kommen frei. Jetzt sind die politischen Kommentatoren dran. Es klackert und rattert in den Redaktionsräumen der Republik. Denn am allerwichtigsten jetzt ist es, kurz in einem Halbsatz etwas Alibi-Erleichterung zu heucheln, um dann hurtig umzuschwenken und darauf hinzuweisen, dass es ja lediglich ein populistischer Akt des Gewaltherrschers und dämonisch bösen Ahmadinedschad sei. Ja nicht das mühsam aufgebaute Bild des Schurkenstaates Iran in deutschen Köpfen zum Bröckeln bringen. Dies war selbstverständlich kein Akt der Großherzigkeit, sondern politisches Kalkül. Wer ist am flinksten? Ich tippe auf SPON. Und verweise – mal wieder – auf den Spiegelfechter, der einen interessanten Brief von Monty Python-Mitglied Terry Jones in deutscher Übersetzung vorliegen hat. Ferner darf man gespannt sein, was die Soldaten, zuhause angekommen, zu erzählen haben.

[UPDATE:] Gewonnen!

Folgender Auszug aus einer Medienanalyse von Mark Terkessidis ist zwar schon fünf Jahre alt, eignet sich aber trotzdem gut als Erklärungsversuch für den aktuellen “SPIEGEL”.

1992 bezeichneten Daniel Cohn-Bendit und Thomas Schmid den “Umgang der Deutschen mit der moslemischen Minderheit” als “Nagelprobe” für die multikulturelle Gesellschaft. Schnell stellte sich heraus, dass der offenbar als Einheit betrachtete “Islam” als Problem definiert wurde. «Replik aus der Vergangenheit» weiterlesen

ronmdon
Foto: “Ronald McDonald / Stephen King’s ‘It’”: PartsnPieces (cc)

Ein ziemlich dicker Hund, den lobbycontrol.de da aufgedeckt hat: Die Frankfurter Rundschau gründet mit dem Projekt “FRiSCH” eine Initiative, mit der Schüler Artikel für die Zeitung schreiben. Soweit okay. Dabei werden sie journalistisch von einem “Projektbüro” begleitet. Etwas nebulös heißt es in der Selbstbeschreibung

Auf Wunsch organisiert unser Projektbüro für Sie Recherchetermine in Unternehmen oder kulturellen Einrichtungen. Hier können die Schüler hinter die Kulissen schauen, mit Experten diskutieren und sich über Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

“Recherchetermine in Unternehmen” bedeuten in diesem Zusammenhang PR-Termine bei McDonald’s, denn die Fast Food-Kette ist “Medienpartner” der Aktion und nie um gute PResse verlegen:

Für die aktuelle Beilage wurden die jugendlichen Reporter eingeladen, einen Blick „hinter die Kulissen von McDonald zu werfen“. Sie durften einen Tag Burger braten, den Weg der Fleischproduktion mitverfolgen und ein Interview mit dem Chef von McDonald`s führen. Bei diesem durften sie sogar die gewünschten „kritischen“ Fragen stellen nach niedrigen Löhnen und Mitbestimmung. Aber mit guter Rhetorik gelang es dem Manager, McDonald’s als soziales Unternehmen darzustellen, das seinen Mitarbeitern gerne höhere Löhne zahlt und mit seiner Ronald McDonald Stiftung die Welt verbessert. (lobbycontrol)

«Hamburger Rundschau» weiterlesen

pac

Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben. Sozial ist, was Arbeit schafft. Reformen. Kein Urlaub für Hartz IV-Empfänger. Mehr Eigeninitiative. Soziale Folgekosten. Reformen. Der Sozialstaat ist gescheitert. Harte Einschnitte. Mehr Marktwirtschaft. Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Reformen. Mitnahmementalität. Wir müssen uns den Anforderungen der Globalisierung stellen. Fußfesseln für Arbeitslose. Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen. Reformen. Deutschlands faulster Arbeitsloser. Die Zeiten ändern sich. Mehr Eigenverantwortung, weniger Staat. Wenn sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job. Soziale Hängematte. Schmarotzer. Reformen. Der Wohlfahrtsstaat vernichtet Arbeitsplätze. Keine Gegenleistung für die Gesellschaft. Einfach nicht marktfähig. Reformen. Es darf nicht der Eindruck entstehen, in Deutschland bekommt man als Arbeitsfähiger eine Grundsicherung und kann den ganzen Tag im Bett liegen bleiben.

Dank der Umstellung Berlins auf DVB-T und fehlendem Geld waren wir seinerzeit gezwungen, den Fernseher verstauben zu lassen und, später, wegzugeben. Erst dann begann ich, mich für Politik, abseits von Allgemeinplätzen und SPIEGEL-Propaganda zu interessieren. Wenn ich heute wo zu Besuch bin und ein Fernseher läuft, erkenne ich nachher, wie hypnotisch dieses Medium wirkt. Selbst den größten Scheiss, von Supernanny bis Bohlens Egowichse, tu ich mir an, weil’s kurzfristig unterhaltsam ist.

Es gibt so viele Möglichkeiten, diese Zeit besser zu nutzen.

Die TV-Macher sind sich dieses Effekts sicher bewusst und gestalten ihr Programm so, dass Inhalte stark vereinfacht dargestellt werden (wer fernsieht, will nicht denken). Eine Verzerrung der Realität findet statt, und die Medien wissen das auch für politische Zwecke zu missbrauchen.
Ein Beispiel: Bei den Ver.di-Streiks wurde jüngst in den Tagesthemen das Porträt einer Mutter skizziert, die aufgrund der Streiks ihr Kind nicht in den Kindergarten schicken konnte. Fast hätte sich Mutti extra einen (unproduktiven) freien Tag nehmen müssen, aber gottseidank war Omi ja da und hat sich um’s Töchterchen gekümmert. Motive für den Streik, die Art und Weise, wie sich Nullrunden oder Tariferhöhungen volkswirtschaftlich auswirken, die unter der Inflation liegen: Fehlanzeige. Stattdessen, ein emotionaler, einseitiger, subjektiver Teilausschnitt der Konsequenzen. Aber das ist eine Sprache, die jeder versteht.

Jetzt kommt’s: Vorhin habe ich auf InfoRadio (RBB-Nachrichtensender) ein Feature zu den CPE-Protesten in Frankreich und den damit einher gehenden Streiks gehört. Erzählt wurde von einer, namentlich genannten, jungen Mutter, die sich fast einen Tag frei nehmen musste, wenn sie ihr Kind nicht zur Oma hätte geben können.

Wer will mir erzählen, es stecke kein System dahinter?

Manipulation ist nicht bloßes Lügen. Es ist der Versuch, eine subjektive Ansicht, eine Meinung, als objektiv darzustellen. Das Instrumentarium ist vielfältig:
Auslassen bestimmter Teilaspekte eines Sachverhalts, Überbetonung anderer, suggestive Bilder, Untermauerung von Argumenten durch vermeintliche Experten, die Formulierung von Meinungen als rhetorische Frage, Statistiken (die häufig in beliebige Richtungen interpretiert werden können), emotionale Berichterstattung, das Präsentieren des “Gegners” auf herabwürdigende Weise (“Blaming”, “Bashing”), die Neudefinition positiv besetzter Begriffe (z.B. “sozial”, “Reform”), die negative Neudefinition von vom “Gegner” besetzte Begriffen (“Solidarität”, “Sozialstaat”), die Konstruktion eines “WIR” (damit gleichzeitig: Konstruktion eines “DIE”), eigentlich kontroverse Ansichten unkommentiert als evident – also in sich logisch und selbsterklärend – hinzustellen (Beispiele: In Berlin-Kreuzberg sei die Integration gescheitert, nachzulesen im SPIEGEL oder in der FAZ; Wir stünden vor einer demographischen Katastrophe, nachzulesen überall), und so weiter.

Wer das so nicht sieht, sollte sich wachen Auges mal mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschäftigen, die gute Kontakte in die Journalismusschmieden pflegt. Aber ein reflektierter Blick in BILD oder SPIEGEL reicht auch.

Anlass: René im Spreeblick-Blog: Die Rückkehr des Wortes.


Kleines Update: Auch der marktradikale Alibi-Grüne und INSM-Botschafter Oswald Metzger nutzt in seiner Propaganda-Kolumne seinem Blog bei Focus.de die Kindergarten-Mutti-Tränendrüsen-Argumentationslinie gegen die Streiks. Ach, wat isser doch bürgernah, der Ossi (“Ja, sind sie von Attac bezahlt?”). Nachtjall, ick hör Dir trapsen.