meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘SPD’

Wolfgang Clement Einsamkeit

Hier kommt auch schon das zweite Stück aus meiner Reihe “Wahlplakate, die ich gerne sehen würde”. Zeit, darauf hinzuweisen, dass ich mich mit genannten Parteien und abgebildeten Personen nicht zwingend identifiziere. Außerdem stehen alle Werke, so wie der überwiegende Restteil des Blogs unter einer CC-Lizenz, Klauen ist also erlaubt. Ich bin mir hinsichtlich der Rechtslage mit fremden Logos und Fotos unsicher, deswegen stehen die Bilder erstmal unter keiner freien Lizenz.

Hubertus Heil twittert vom Parteitag der US-Demokraten und die Medien zerreißen sich das Maul darüber. Mir ist das ziemlich wurscht, “sollerdoch” meine Attitüde, ich muss ihn ja nicht followen. Bemerkenswert daran finde ich allerhöchstens mich, wie ich erst beim zweiten Drüberlesen folgenden Tweet korrekt rezipierte:

Hubertus Heil twittert

Liegt es nur an meiner Müdigkeit oder habt ihr da zuerst auch “Stalin” gelesen?

… oder: Warum sich die SPD Siegburg mal nach einer neuen Werbeagentur umschauen sollte. [via sOjahund bei twitter]

//edit: Das Bild kursiert jetzt seit einigen Tagen durchs Web und etliche Kommentare dazu haben einen Impetus, den ein Kommentator bei F!XMBR so formuliert:

Das Bild ist unanstössig. Es ist einfach nur ein Bild. Wer hier etwas sieht oder fürchtet, trägt es in sich.

Und das ist natürlich der totale Schwachsinn. Mag sein, dass unsere Gesellschaft in puncto Pädophilie so stark übersensibilisiert ist, dass so manche Aktion, Pose oder Symbolik viel zu schnell in diese Richtung interpretiert wird (und daran schließen sich auch Stigmatisierungen an, unter denen viele Unschuldige zu leiden haben) — EuRo hat das in einer Episode aus der Kindheit seiner Tochter ganz gut verdeutlicht. Aber diese Schere im Kopf, dieses Überinterpretieren, tragen die meisten von uns mit sich rum, dieses Wahlplakat zeigt das ganz gut. Na und? Lasst uns drüber diskutieren, lasst uns mal über die eigenen Pawlowschen Reflexe nachdenken. Nur ist es ziemlich widerlich, jedem, der beim Betrachten dieses Bilds eine Assoziation mit Pädophilie hat, von einem abgehobenen Standpunkt aus Geisteskrankheit bzw. eine eigene, tatsächliche Pädophilie zu attestieren. Mit solchen moralischen Überfliegern lässt sich nicht diskutieren, denn sie verschlimmern das Problem der Überinterpretation sogar maßgeblich. Mein Punkt war, dass das der Werbeagentur hätte klar sein müssen, dass mit dem Motiv bestimmte Assoziationen geweckt werden — es trotzdem auf ein Plakat zu drucken, war schlichtweg blöd.

Otto Schily und Wolfgang Clement waren auf der selben Schule wie ich. Allerdings ein paar Jahrgänge über mir. Sonst verbindet mich mit den beiden nichts. Warum, führt Sebastian von und zu Alarmschrei lesenswert aus.

SPD: Logo_neueinen verdienten Veteranen wie Albrecht Müller vor den Kopf stößt. Müller hatte schon im Wahlkampfteam von Willy Brandt mitgewirkt, verdingt sich heute als Buchautor, ist ein kluger Volkswirtschaftler mit Bodenhaftung (soweit ich das beurteilen kann, habe ihn mal live gesehen und viel von ihm gelesen) und macht zusammen mit Wolfgang Lieb die NachDenkSeiten. Inhaltlich nehmen sie dort unter anderem die merkwürdig geschichtsvergessene Metamorphose der SPD zu einer, in Teilen, elitären, sozialspalterischen Partei mit Tendenz zum Wirtschaftstotalitarismus auseinander. Weißt schon, das was man heute neoliberal nennt. Dieses Engagement ist der Führung wohl zuviel. In der SPD-Mitgliedzeitschrift “vorwärts” ist eine Anzeige für das von Müller und Lieb herausgegebene “Kritische Jahrbuch 2007″ abgelehnt worden, wie’s scheint auf Geheiß von ganz oben.

Traurig, liebe SPD. Ich hab mir ja einige Beulen aufgrund zu heftiger Tischkantenkollissionen geholt, bei dem was in den letzten Jahren von euch kam und was ihr mitgetragen habt. Aber das ist einfach nur noch armselig.

leisten

Münte tritt zurück. Im Zuge dieses staatsmännischen Aktes begrüße ich ganz ohne Hohn die Wiedereinführung der sozialen Schichten und freue mich darüber, dass Nicht-Werktätige wie in den guten alten Zeiten ein Anrecht auf Nahrung haben mögen.

Zum Reizthema “die Blödheit der SPD”, hier in Verbindung mit der Einführung der Vorratsdatenspeicherung, kam einer der schönsten Kommentare seit langem von Sebastian:

Ich habe die Unwählbarkeit meiner eigenen Partei bereits bei meinen “Genossen” (*lol* das könnten sie auch mal abschaffen) bereits zur Sprache gebracht und werde da auch vorerst drauf verzichten. Heute kam erst eine “Rettungsmail” einiger Abgeordneter bei mir an, in der sie sich dafür rechtfertigen, doch mit Ja gewählt zu haben, obwohl sie doch eigentlich dagegen sind *wind wind*
Einfach ätzend. Wenn ich erstmal dran bin *drohnen die Faust heb*

Kann die VDS nicht auch aus familiären Gründen zurücktreten?

Fabu steigt bei Spreeblick ins Boot. Klar, dass da einige unken (“Und wo bleibt das Niveau?”), ich find’s aber gut. Struktour.de ward arg vermisst in dieser kargen Hütte. Vielleicht findet nun ja auch Bronko ein neues Daheim?

Jahrelang habe ich meinen last.fm-Account stiefmütterlich behandelt. Zu Unrecht. Sehr cool finde ich gerade das Feature, dass man zu einem Konzert auf dem man war, Fotos bei Flickr hochladen kann und diese, sofern mit einem bestimmten Tag versehen, auch bei last.fm auftauchen. Ja, ich gestehe: Am Wochenende habe ich Konzertfotos (!) mit dem Handy(!!!) gemacht. Unverzeihlich eigentlich, aber ich habe versucht, dabei dezent zu bleiben. Im Gegensatz zu den blöden Fangirl-Puten, die sich erblödeten, Ju-Ess-Äi Ju-Ess Äi zu skandieren, was dann auch Ramesh, Voxtrot-Sänger, halbwegs befremdet zur Kenntnis nahm. “Anyone here from Texas?” fragte er darauf, selbst in Austin sesshaft und ich musste komischerweise an ein Lied aus GTA San Andreas denken: All my Exes live in Tex’s. Ansonsten war’s ein toller Abend. Vielleicht schiebe ich noch eine Konzertkritik nach.

War auch mal wieder nötig: WordPress- und Plugin-Updates bei Citronengras. Haben gut geklappt, mal abgesehen von einer Spotmilk-Version aus obskuren Quellen (offrizielle Seite ist down), die die Menü-Struktur im Adminbereich zerschlug, als ich auf die getunte Variante Blackmilk umschwang. Tip: Lieber die letzte offizielle Variante aus dem Wayback-Archive klauben. Wie dem auch sei, wenn Du deine Ohren auf die Schienen legst, magst Du aus der Ferne vielleicht schon etwas anrollen hören können, was wie ein neues Layout klingt.

p.s.: Ich habe erst im Nachhinein erfahren, wie schlecht es um Münteferings Frau steht. In diesem Zusammenhang erscheinen meine obigen Worte unangemessen. Tut mir leid.

Wer jetzt noch SPD/CDU/CSU wählt, entmündigt sich selbst. Drum sollte jeder, der heute Krokodilstränen wegen des Abbaus seiner Grundrechte weint, sich doch bitte auch noch im Jahr 2009 an das dieser Tage sehr präsente Gefühl der Ohnmacht erinnern, wenn er in der Wahlkabine steht. Nix hier mehr mit “taktisch wählen” oder “das geringere Übel”, das macht bloß alles noch schlimmer.

Und: Ziviler Ungehorsam fängt heute mit E-Mail-Verschlüsselung an. Macht euch damit vertraut, noch ist das legal.

Ist sie nicht hübsch?

bestie
[Siehe auch]