Die Ausdauer und Vehemenz, mit der im Moment diverse klassische Medien, allen voran die Süddeutsche Zeitung gerade versuchen, eine vermeintliche Irrelevanz von Blogs zu belegen, stellt ja bereits einen Widerspruch in sich dar. Dem entspricht die diffuse Stoßrichtung der Kritik, wie sie etwa der Medienwissenschaftler Geert Lovink, der sogar ein Buch über ebenjene Irrelevanz geschrieben hat, im ZEIT-Interview äußert: Sind es nun die profanen Inhalte (Katzenblogging) oder die Ünüberschaubarkeit einer Kakophonie aus vielen Millionen Stimmen, die Blogs so unzumutbar machen? Zum ersten Ansatz kann man einwenden, dass es schon einen Grund gibt, warum Menschen digital ihr Mittagessen, ihre ganz persönliche politische Philosophie oder den Zustand ihres Stuhls thematisieren. Mag sein, dass es ein naives Geltungsverlangen ist. Ein ähnliches vielleicht, das uninteressante Menschen in die zahlreichen uninteressanten Reality-TV-Formate drängt. Man muss das nicht gut finden, aber es ist falsch, diese Kritik an ein spezifisches Medium oder ein Buzzword wie das Web 2.0 zu knüpfen. Denn es sind die Menschen, die sich zum Horst machen und Horst-Blogs neben Talk- und Castingshows nur eine mögliche Ausprägung der durchaus kritikwürdigen öffentlichen Ausstellung von Doofheit in weiten Teilen der konsumistischen Unterschicht.
