meist manchmal, selten oft

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Terrorgefahr Public Viewing
Terrorgefahr “Public Viewing”. Bild: tetedelacourse (cc)

Heute spielen die Türken gegen Schland. Dabei ist natürlich von Terror Massenzusammenkünften auszugehen. Am besten dürfte sein, man geht heute gar nicht auf die Straße, wenn man der US-Botschaft glauben schenkt:

Menschenmassen, die bisherige Deutsche oder Türkische Siege gefeiert haben, blockierten bereits Straßen und schüttelten Autos, welche versuchten, durch sie hindurchzukommen. Wir erinnern die Amerikanischen Bürger daran, dass selbst Massenzusammenkünfte und Demonstrationen, die eigentlich friedlich sein sollen, konfrontativ werden und möglicherweise in Gewalt ausarten können. Amerikanische Bürgern sind daher aufgefordert, Gegenden solcher Demonstrationen zu vermeiden und Vorsicht walten zu lassen, wenn sie sich in der Nähe solcher Umgebungen befinden. Amerikanische Bürger sollten sich mit Hilfe der Medienberichterstattung über örtliche Ereignisse auf dem Laufenden halten und sich stets ihrer Umgebung gewahr bleiben. (Übersetzung: ich)

Also, liebe US-Bürger: Heute abend stets das Transistorradio am Ohr (wegen Public Viewing-Gefahr, Ausschreitungen), keinen Döner kaufen (biologische Waffen, Gammelfleisch) und vor allem: Nicht in Kreuzberg oder Neukölln aufhalten (Stau, Schleudertrauma)!

[via Hauptstadtblog, Frederic bei twitter]

… macht doch mal bessere Vorschläge!

(Im Video steht falsch “Außenminister”. Es müsste “Innenminister” heißen.)

handcuffs
Foto: mayu^^ (cc)

Spricht einer von euch entrosteter Latein als ich und kann mir sagen, ob der Satz “Ceterum censeo gentrificationem esse exclamanda”, der so oder ähnlich ab heute meinen Blogfooter zieren wird, grammatisch in Ordnung ist? Das soll soviel heißen wie “Im übrigen bin ich der Meinung, dass Gentrification ausgerufen werden muss”, ist ein bißchen albern und hat hiermit Schrägstrich hiermit zu tun. Ich mag mich vor den Ermittlungsbehörden ja nicht mit falschen AcI oder Gerundiva blamieren, also los – sprecht.

Der Satz steht da nur symbolisch. Das ist der Ausdruck meines kleinen Protests (trotz, normalerweise, Mitmachaktionsmuffligkeit) gegen eine Sache, von der die meisten schon gehört haben dürften, die aber, finde ich, auch in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss. Dass jemand eingebuchtet wird aufgrund absolut fadenscheiniger Indizien, dass da Paragraph 129a und die Definition von Terror momentan so gedehnt wird, dass man bereits als entschiedener Gegner von Komplettüberwachung verdächtig ist, dass willkürlich Verdächtigungen und Durchsuchungen stattfinden und allerlei mehr – das hat für mich in der Tat nicht alleine etwas mit Studienfach-Solidarität gegenüber Andrej H. zu tun, sondern einer grundsätzlichen Angst um westliche Werte rechtsstaatliche Prinzipien, wie die Unschuldsvermutung, den Schutz vor Willkür und Gesinnungsjustiz. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist wichtig. Terror ist schlimm, aber nicht alles ist Terror. Wenn sich die gegenwärtige Zersetzung eines gesunden Grundvertrauens zwischen Staat und Bürger sowie der strukturellen Trennung der drei Gewalten im gleichen Maße fortsetzen, wäre das ein Kantersieg für die, denen die Maßnahmen ursprünglich gelten sollten.

… und hier ist die Zusammenfassung meines Aufenthalts in alphabetisch geordneten Schlagwörtern, mit Fotos gewürzt und auf der Wahrheit beruhenden Anekdoten verfeinert.

 

abfertigungshalle

Amok

möchte ich laufen, wenn bei der Gepäckausgabe am Flughafen die Leute mitsamt ihrer kompletten Familie und quergestelltem Koffer-Kuli (das sind die riesigen Einkaufswagen-ähnlichen Gefährte, auf die man das zu 90% sowieso unnötig in den Urlaub mitgebrachte Zeug stapelt, um daraufhin derlei vollgepackt das wegen der willkürlichen Richtungsänderungen unsteuerbare Gefährt in die Hacken ausnahmslos jeder am Wegesrand stehenden Omi fährt) das Laufband blockieren. JA SACHT MA, HERRSCHAFTEN, ISCH GLAUBET HACKT! Da naht schon mein Gepäck und ich komme nicht dran, weil ihr hier rudelweise Maulaffen feilhaltet und euch breitmacht als gäb’s niemand anders auf der Welt? Argh!

Ich konnte die Aufregung über blöd geparkte Autos (“Wenn der da nicht so stünde, könnten da zwei andere reinpassen”) nie nachvollziehen. Bis dato.

 

«Ich war in Spanien» weiterlesen

24“24″ ist eine großartige Serie. Alleine die Tatsache, dass die Dramaturgen, Produzenten und Drehbuchschreiber in jeder einzelnen Folge einen Spannungsbogen von dieser Intensität hinkriegen und gleichzeitig die nächste Folge so anteasern, dass man sie zwangsläufig schauen muss , ist ein Kunststück. Im Sommer vor zwei Jahren erwischten S. und ich uns dabei, trotz brüllender Hitze mehrere Tage hinter dem Fernseher zu verbringen und die ersten drei Staffeln hintereinander wegzukonsumieren.

Die vierte Staffel, einige Monate später, brachen wir aber mittendrin ab. Als Grund anzuführen, dass wir nicht mehr in der Materie waren wäre zu kurz gegriffen. Vielmehr stellte sich ein merkwürdiges Unbehagen ein, abseits der Ebene Unterhaltung: Dass hier das Bild einer Realität konstruiert wird, in der die Geheimdienste eine Art Schattenregierung darstellen, die nur aufgrund interner Querelen nicht die eigentlichen Machtfaktoren im US-amerikanischen Politikgefüge sind. Aber auch dass diese Serie normativ wirkrn soll: Folter ist erstens legitim zum Erlangen von wichtigen Erkenntnissen im Kampf gegen den Terror, von dem wir zweitens ja ständig umgeben sind.

«XXIV» weiterlesen

terror!

Gestern Abend um 21:45 Uhr gab es eine Programmänderung in der ARD. Statt

Die Angstindustrie

Vogelgrippe, Sars [...] verursachen Hysterie und Aktionismus. Der Staat verpulvert Milliarden für die deutsche Vollkasko-Mentalität, denn Risiken werden maßlos überschätzt. [...] Gleichzeitig fahren sich die Deutschen ohne Tempolimit zu Tode, saufen und rauchen bis zum Infarkt.[...] Provokante Doku zu den Irrungen der Risikobewertung.

wurde das hier ins Programm gerückt:

Wettlauf gegen den Terror

[...] Die Bevölkerung ist aufgeschreckt und verunsichert, und die Polizei befindet sich in einem verzweifelten Wettlauf gegen den Terror.
Angst und Verunsicherung herrscht auf allen Seiten. Bei dem ‘Normalbürger’, dass ihm etwas passieren kann, bei den Sicherheits-kräften, dass sie etwas übersehen, und bei den Ermittlungsbeamten, dass sie zu spät kommen könnten.
In einer aktuellen Dokumentation schildern Reporter, wie sich Behörden, Terrorismusexperten, Sicherheitsunternehmen von Bahn und Flughäfen auf die neue Bedrohungssituation einstellen und wie die Bundesbürger mit der Angst vor dem Terror umgehen. [...] (Quelle)

[via TP-Artikelforum]

Da hat aber jemand Humor.

Die (Britische, d. Übers.) Außenministerin Margaret Beckett erklärte gegenüber der BBC, dass das Ziehen einer Verknüpfung zwischen Regierungspolitik und Terrorbedrohung der ‘schwerstmögliche Fehler’ wäre. Solche Ansichten seien “Teil einer gestörten Weltsicht, einer gestörten Sicht des Lebens. Lassen sie uns die Schuld da suchen, wo sie hingehört: Bei Menschen, die ausschließlich unschuldiges Leben nehmen wollen.” *

The Guardian: Beckett weist Verknüpfung zwischen Außenpolitik und Terrorismus zurück (Beckett rejects link between foreign policy and terrorism), 13. August 2006.


In Gefahr: Unsere Freiheit
(Installation, Foto: switch_1010)

Dieses Zitat als Reaktion auf den Brief der muslimischen Communities in Großbritannien ist bezeichnend. Bis dato war die offizielle Begründung für die Frage, warum “die” “das” denn machen, also die Terroristen Selbstmordattentate verüben, der Hass, der heilige. Sie hassen uns einfach. Für unsere Freiheit.

Das konnte man so hinnehmen, musste man aber nicht. Hatte man bis dato an öffentlicher Stelle angezweifelt, dass die Gründe von Terroranschlägen solch einfach gelagerte sind, wurde man lediglich von den üblichen Gossenpolemikern als Gutmensch oder Terroristenversteher beschimpft. Nun aber hat die Himmelsrichtung der Meinungsfreiheit in seiner Anti-Terror-Rhetorik eine neue Qualität erlangt: Nun werde ich nämlich auch von staatlicher Seite als geisteskrank tituliert, wenn ich äußere, dass ideologisch verbrämte (verzweifelte) Menschen furchtbare Dinge tun als Antwort auf nicht minder ideologisch verbrämte furchtbare Dinge, die Staaten vollbringen – die aber legitim sind, eben weil es “nur” Staaten sind.

Kurze Unterbrechung. Das Wahrheitsministerium informiert über den Televisor.

Emphatie ist gefährlich! Wer versucht, sein Gegenüber oder den islamistischen Gegner zu verstehen, riskiert die innere Sicherheit und Ordnung des Landes. Die Bombardierungen Afghanistans, der Krieg im Irak und die Zerstörung des Libanon waren notwendige Akte der Selbstverteidigung. Ein Zusammenhang zwischen diesen und den Terroranschlägen ist nicht zu sehen. Die sind böse, wir verteidigen uns nur.

Die Überwachungskameras, die zentrale Speicherung der aus der Bibliothek ausgeliehenen Bücher und die Protokollierung der Orte, an denen sie mit ihrem Auto gewesen sind, dient ihrer eigenen Sicherheit! Bitte melden sie verdächtige Umtriebe in Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz und der Familie. Es dient der Verteidigung der Freiheit und dem Kampf gegen den Hass.

Terror ist nur solange irrational, wie keine Auseinandersetzung mit den Ursachen stattfindet. Nur so kann er seine dämonische Wirkung, nämlich Angst, behaupten. Was wir kennen, macht uns keine Angst und kann bekämpft werden.

Freilich wissen das die Machthaber. Eine kluge und reflektierte Bevölkerung jedoch ist das größte Übel, welches es für dieses geben könnte: Wenn Menschen erkennen, dass Länder wie, lass es Schweden sein, aus gutem Grund nicht angegriffen werden, könnte ja die eigene Unfehlbarkeit in Frage gestellt werden. Und der Verlust der eigenen Autorität, bei den nächsten Wahlen vielleicht sogar der Macht wäre viel schlimmer als das eine oder andere kollaterale Opfer.

Ich möchte es mal ganz deutlich ausdrücken: Die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Israel verhalten sich aussenpolitisch momentan so dumm wie es gar nicht dümmer geht. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand erkennt man, dass das Weltbild der El-Qaida (Al-Kaida?) nur gestärkt wird durch Denkverbote und Beschneidungen der Bürgerrechte, durch rücksichtsloses Bombardieren und Töten unschuldiger Menschen und die vorbehaltlose Unterstützung israelischen Staatsterrors**.

Terror – sicher – furchtbare Sache. Aber sind die hier verlorenen Menschenleben mehr wert als die unzähligen namenlosen, im Rahmen so genannter Verteidigungsaktionen westlicher Staaten getöteten?




* (…) Foreign Secretary Margaret Beckett told the BBC that drawing a link between government policy and the terror threat would be the ‘gravest possible error’. She said such suggestions were ‘part of a distorted view of the world, a distorted view of life. Let’s put the blame where it belongs: with people who only want to take innocent lives.’

** Zu dieser Formulierung, die mir sicher harsche Kritik einbringen wird, habe ich mich durch die aktuellen Ereignisse, aber auch durch den hervorragenden Film Peace, Propaganda and the Promised Land inspirieren lassen.

stirn

Der Terror ist der,
der der der der
das Unternehmen leitet



Aus Es bleibt uns der Wind (Du bist richtig hier) von PeterLicht