
Und Du auch.
Frau von der Leyen erläutert, wes Geistes Kind diejenigen Spießgesellen unter uns sind, die die technisch ausgefuchsten Maßnahmen zum Filtern von Internetseiten zu umgehen imstande sind.
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Okay, mal ganz abgesehen davon, dass es eine etwas merkwürdige Aussage ist, dass 20 Prozent der Internetnutzer “zum Teil schwer pädokriminell” sein sollen, gibt unsere werte Familienministerin hier doch im Grunde unumwunden zu, dass die Website-Filterung überhaupt keinen Sinn hat. Denn wenn jemand schon seit Jahren in diesem “widerwärtigen Geschäft” aktiv ist und ohne Probleme trotzdem die gewissen Webseiten aufrufen kann — was soll dann diese Sperrmaßnahme überhaupt bezwecken? Den Otto-Normal-User schützen? Ein solcher wird wohl kaum durch Zufall auf einer Seite mit kinderpornographischen Inhalten landen. [Update:] Das gesamte Interview gibt es übrigens bei Radio Eins.
Whatever… da es nicht unsexy ist, auf der dunklen Seite der Macht zu stehen, hier noch eine Anleitung, dies zu erreichen:
[Interview-Snippet via Netzpolitik auf Twitter]
Okay okay, abseits von allen Plattheiten (für eine solche halte ich auch die “Stasi 2.0″-Parole und manch andere Plakatäußerung einiger sich für meinen Geschmack gelegentlich doch etwas zu militant gerierenden Datenschützer) ist der Zweck ein Richtiger: Morgen früh um Neune wird gegen den Windmühlenkampf der Ministerien gegen Kinderpornographie protestiert. Wobei “gegen gegen” hier nicht automatisch “für” heißt. Die Wahl der Mittel ist das Arsch, liebe Frau von der Leyen. Man schafft nicht einfach mal die Infrastruktur für Zensurvorhaben heran, nur um damit ein Phänomen zu bekämpfen, das man so gar nicht bekämpft bekommt. Aber bevor ich mich hier weiter verklausuliere, das Wichtigste noch mal prägnant zusammengefasst:
- Jemand, der im Internet – auf welchem Weg auch immer – versehentlich auf Kinderpornographie stößt, ist zu Recht wohl in der überwältigenden Zahl solcher Fälle angeekelt, wird davon nicht automatisch pädophil. Die Frage ist: Wovor will man eigentlich die Internetnutzer schützen?
- DNS-Filter können easy-peasy umgangen werden. In 27 Sekunden.
- Einfacher und effizienter könnten KiPo-Seiten per Abuse-Request beim Hoster gesperrt werden (viele Seiten liegen in Deutschland). Solche Maßnahmen finden nicht oder nur sehr zäh statt.
- Selbst Opfer von Kindesmissbrauch wehren sich gegen die Instrumentalisierung ihres Leidens für politische Zwecke
- Wer KiPo will, bekommt es sicherlich auch auf anderen Wegen (über Darknets, persönliche Treffen)
- Glaubt man RA Udo Vetter, existiert auch eine Kinderpornoindustrie nicht so, wie immer proklamiert wird
- Wer heute die Möglichkeit zum Sperren von Kinderpornoseiten schafft, sperrt morgen Warez- und Islamisten-Seiten, übermorgen vielleicht schon die von politisch unbequemen Parteien oder andere unliebsame Inhalte. Da muss man gar nicht ’33 bis ’45 heranzitieren: Wer garantiert, dass wir nicht in einigen Jahren Rechtspopulisten wie einen Jörg Haider oder Silvio Berlusconi auch in unserer Regierung haben, die diese Möglichkeit nutzen würden? VT? Pustekuchen.
Also: Ab ins Bett, morgen früh um Neun an der Friedrichstraße. Details gibts beim CCC, Aktuelles bei Twitter.
Die evangelikalen Christen verstehen es recht geschickt, ihre restaurative Ideologie so zu verpacken, dass Jugendliche glauben, christlicher Fundamentalismus sei irgendwie hip. Da gibt’s Festivals mit christlichen Rockbands, Happenings und Events. Friede, Freude, Eierkuchen und tragt die Message of Jesus hinaus in die Welt. Knallhart wird dabei jedoch gegen Aufklärung, Evolution, Schwangerschaftsabbrüche und ein liberales Sexualitätsverständnis agitiert.
So verbirgt sich auch hinter der Stylo-Fassade der Website des evangelikalen Jugendevents “Christival” eben auch eine Veranstaltung mit dem Namen “Homosexualität verstehen”. In der Beschreibung heißt es:
Deine jüngsten Anstrengungen in allen Ehren, mir die glitzernden und glühenden Vorteile des Elterngeldes auf die demographiegebeutelte Republikszukunft mit steuerfinanzierten pseudoredaktionellen Beiträgen für die, in ihrer Selbstprekarisierung nach jedem vorproduzierten Schnipsel greifenden, Medien näherzubringen.
Scheinst dabei ja prima bei der INSM-Schweinebande in die Lehre gegangen zu sein. Aber wäre es nach ökonomischen Gesichtspunkten nicht mittlerweile ratsam, gleich eine zentrale Stelle für solche Zwecke einzurichten? Sozusagen ein Propagandaministerium PR-Kompetenzzentrum? Da hätte die Wirtschaft gleich mal einen Ansprechpartner und ich ja auch. Vielleicht könnte ein solches Ministerium ja mal meine ganz persönlichen Zweifel am neuen Elterngeld ausräumen, welches arme Menschen dank um die Hälfte verkürzter Bezugsdauer wesentlich schlechter stellt als zuvor. Ist so ‘ne Sache, die ich nicht nachvollziehen kann. Noch! Du hast sicher deine Gründe und dann auch Begründungen dafür — Leuchttürme. “Fördern und Fordern”. Oder sowas.
- Telepolis: Schleichwerbung bei der Bundesregierung

