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iPhone App: Nearby Offenders

Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich:

Stell dir vor, du holst deinen Laberziegel aus der Tasche, die synergische Mischung aus GPS, Google Maps und RottenNeighbor zeigt dir an, dass in dem Haus da drüben unzweideutig ein Sexualstraftäter haust, du öffnest die eingebaute Social Networking-Funktion und planst komfortabel (Multitouch, UMTS, angepasster Handybrowser) mit anderen besorgten Bürgern einen Spontanpogrom in anderthalb Stunden, um die Welt mal wieder ein kleines bisschen besser zu machen.

Kommt, sowas. Ganz sicher.

Nun gibt es eine Sex-Offender-iPhone-App, mit Umgebungskarte und rot markierten Ortsmarkern überall dort wo Sexualstraftäter wohnen. Und was kann die?[1]

«Immer informiert mit der Sexualstraftäter-App fürs iPhone» weiterlesen

  1. von mir übersetzt [zurück]

<a href="http://nerdkern.de/track/guter-text">Guter Text by Nerdkern</a>

Das Lied steht unter einer CC-Lizenz. Und… Genau, guter Text.

Neihbourhood WatchErnst Corinth verweist in einem aktuellen TP-Artikel auf diverse Denunziationsportale im Web 2.0. Unter anderem auch (über einen älteren Artikel) auf die Seite RottenNeighbor (kein Link hier), wo jedermann seinem Ärger mit den lieben Nachbarn Luft machen kann. Egal ob einer den Müll schon rausstellt, obwohl die Müllabfuhr erst am nächsten Tag kommt, der Rasen trotz Wasserknappheit gesprengt wird, jemand Polizeibesuch hat oder ein “heroinabhängiger Looser” im Nachbarhaus wohnt — hier kann der besorgte Bürger der Welt mitteilen, welcher Vergehen sich der nette Kerl von nebenan schuldig macht. Diese Meldungen sind dank Städtesuchfunktion und Google Maps-Anbindung auch für jedermann mit Internetanschluss einsichtig. Allein das schon beängstigend genug, finden sich auf der Seite auch immer mehr Daten aus dem Ausland, natürlich auch Deutschland.

Gleicht man dieses Horrorkabinett mit der aktuellen technischen Entwicklung, ich sage nur iPhone 3G, ab, steht zu befürchten, dass sich solche Dienste demnächst auch als Location Based Service etablieren. Stell dir vor, du holst deinen Laberziegel aus der Tasche, die synergische Mischung aus GPS, Google Maps und RottenNeighbor zeigt dir an, dass in dem Haus da drüben unzweideutig ein Sexualstraftäter haust, du öffnest die eingebaute Social Networking-Funktion und planst komfortabel (Multitouch, UMTS, angepasster Handybrowser) mit anderen besorgten Bürgern einen Spontanpogrom in anderthalb Stunden, um die Welt mal wieder ein kleines bisschen besser zu machen.

Kommt, sowas. Ganz sicher.

Bild “Neighbourhood Watch-Sticker”: exfordy (cc)

Eine Amsel, dick
Bild: Lorenz Hausleitner (cc)

Seit ungefähr ganz lange hadere ich schon mit mir, twitter, diesen Microblogging-Dienst, auszuprobieren. Auf der Habenseite im inneren Zwiegespräch: dass einige Leute, auch solche denen ich ein gewisses Vertrauen entgegenbringe, es gut finden. Aus dem Rauschen filtert man ja manchmal sogar Stimmen, die von einer Kommunikationsrevolution sprechen. Hype? Naja, selbst das Kaffeekränzchen ist ja aufgeladen mit gesellschaftlicher und historischer Bedeutung.

Negativ anbringen würde ich, dass 140 Zeichen für eine Nachricht arg begrenzt sind. Ich bin einer, der auch SMS häufig mehrteilig versendet, weil ich auf gewählte Ausdrucksweise und Leerzeichen am richtigen Ort Wert lege. Und ein tweet hat ja nochmal zwanzig Zeichen weniger, was aber auch eine Herausforderung wäre. Ein anderer und wohl gewichtigerer Aspekt, der Bedenken in mir hervorruft ist das Problem meiner immer stärker fragmentierenden Off- und Onlinekommunikation. Neben Telefon, E-Mail, Social Networking, diversen Blogs und Kommentaren, behaupte.es (zwar formal ein Blog, aber irgendwo auch für sich stehend) habe ich mir jüngst auch einen jabber-Client und Skype eingerichtet. Dazu noch twitter? Herrschaftszeiten, wer soll denn da noch die Übersicht bewahren… Zu guter Letzt sind da noch die guten Gründe, die Chris von F!XMBR gegen twitter benennt: Die Gefahr, abzudriften in Belanglosigkeiten und Details aus dem eigenen Leben, die das Millionenpublikum im Internet nun wirklich nichts angeht. Diese Gefahr besteht freilich auch in normalen Blogs, ein gewisses Maß an Verantwortung gehört generell dazu, wenn man das Web mit den Ausdünstungen seiner Persönlichkeiten beglückt. Ich würde sicher nicht zu denen gehören, die der Welt mitteilen glauben zu müssen, eine neue Zahnpastasorte zu benützen.

Nach langem Hin- und Herwälzen dieser Punkt habe ich mich also entschieden, meiner Neugier nachzugeben. Ich starte einen Feldversuch, studiere Jans nettes Kompendium aus Wissenswertem über Twitter und füge mein bescheidenes Gemurmel in die Kakophonie des weltweiten Gezwitschers hinzu. Vorerst für eine Woche, mit eventuellem Ziehen einer Bilanz am Schluss. Wer will, kann ja mitmachen beim Testen und/oder mich “followen”:

twitter.com/fraencko