… oder: Warum sich die SPD Siegburg mal nach einer neuen Werbeagentur umschauen sollte. [via sOjahund bei twitter]
//edit: Das Bild kursiert jetzt seit einigen Tagen durchs Web und etliche Kommentare dazu haben einen Impetus, den ein Kommentator bei F!XMBR so formuliert:
Das Bild ist unanstössig. Es ist einfach nur ein Bild. Wer hier etwas sieht oder fürchtet, trägt es in sich.
Und das ist natürlich der totale Schwachsinn. Mag sein, dass unsere Gesellschaft in puncto Pädophilie so stark übersensibilisiert ist, dass so manche Aktion, Pose oder Symbolik viel zu schnell in diese Richtung interpretiert wird (und daran schließen sich auch Stigmatisierungen an, unter denen viele Unschuldige zu leiden haben) — EuRo hat das in einer Episode aus der Kindheit seiner Tochter ganz gut verdeutlicht. Aber diese Schere im Kopf, dieses Überinterpretieren, tragen die meisten von uns mit sich rum, dieses Wahlplakat zeigt das ganz gut. Na und? Lasst uns drüber diskutieren, lasst uns mal über die eigenen Pawlowschen Reflexe nachdenken. Nur ist es ziemlich widerlich, jedem, der beim Betrachten dieses Bilds eine Assoziation mit Pädophilie hat, von einem abgehobenen Standpunkt aus Geisteskrankheit bzw. eine eigene, tatsächliche Pädophilie zu attestieren. Mit solchen moralischen Überfliegern lässt sich nicht diskutieren, denn sie verschlimmern das Problem der Überinterpretation sogar maßgeblich. Mein Punkt war, dass das der Werbeagentur hätte klar sein müssen, dass mit dem Motiv bestimmte Assoziationen geweckt werden — es trotzdem auf ein Plakat zu drucken, war schlichtweg blöd.
Weltfrieden ist, wie man ja weiß, nicht ohne bewaffnete Truppen zu erreichen. Da immer weniger junge Kerls sich jedoch in den Schützengräben des Planeten gegenseitig mit Splittergranaten, Mörsern, Streubomben, Bazookas, UZIs, Kalaschnikows und wie das Handwerksgerät der Bewehrten sonst noch heißen mag, gegenseitig bewerfen wollen, rückt auch das Ziel der Friedlichkeit zwischen den Völkern in immer weitere Ferne. Was also tun? In der Ukraine, man kennt und liebt sie für Beta-Carotin-gefärbtes Massenaufbegehren, Frisuren und einen Fußballspieler, hatte man eine Idee. Dem jungen Soldaten wird eine Werbespot-unterstützte Imagekur verpasst: Der Uberpimp, welcher schnieke Karren mit Sechsradantrieb fährt und häufiger der Vielweiberei als dem öden Kriegsgefecht frönt. Fazit: Fast so kuhl wie die estnische Werbung für Geflügelhackfleisch. Bestimmt wurden hernach die Verpflichtungsbüros gestürmt.
Auf der YouTube-Seite gibt es eine englische Übersetzung des Gesprochenen. Ich übertrag’s ins Deutsche, übernehme für die Richtigkeit aber teflon-like keine Haftung.
Mädel 1: Nimmst Du uns mit auf eine Fahrt mit dem BMW?
BMW-Fahrer: Sogar bis ans Ende der Welt.
Soldat: Hey, ich würde gerne etwas Wodka trinken, Mädels!
Mädel 1: Einen Moment …
Mädel 2: Wo lebst Du?
Soldat: Genau hier. Tagsüber auf der Arbeit, nachts in den Diskotheken.
Mädel 1: Welche Arbeit???
Soldat: Vertrag natürlich.
Blondine: Vertrag? Ehevertrag oder was?
Mädel 3: Der Armeeverpflichtungsvertrag, du Funzel.
BMW-Fahrer: He, wollten wir nicht eine Runde im Auto drehen?
Mädels: Vergiss es. Fahr doch alleine.
Erzählstimme: Es ist Zeit für neue Helden. Mit vertragsbasiertem Dienst in den ukrainischen Streitkräften.
[via]
Der Orje spricht zum Kulle: Haste nich ‘ne Paech Brot-Stulle? (1989)
That you may have life and live it to the full. That is Jesus’ promise to you. (2007)
Nachdem ich in der Urlaubsvertretung für Pantoffelpunk die Besucher mit nordkoreanischem Propaganda-TV mutmaßlich leicht an-erschreckt habe, hier nun, für treue Citronengras-TV-Gucker, die wirklich erschütternden Videos. Bizarre Werbefilme aus Estland! Sie stammen von einem gewissen Harry Egipt, der Ende der 70er bis Anfang der 90er aktiv war und heute, so sagt man, einen gewissen Kultstatus innehat. Dank an das Osteuropablog für’s Entdecken und Bekanntmachen. Die Beschreibungen auf den jeweiligen YouTube-Seiten, das sei hier noch erwähnt, sind sehr informativ. Los geht es.
1. Werbung für Kaugummi. Aus dem Westen reverse-engineered, zeitweise aber wegen der moralzersetzenden Wirkung verboten.
(YouTube-Direktlink)

(groß?) Cokes neue Brause: Unter dem Pflaster, ja da liegt das Geld
Wir sahen ihn gerade noch wegfahren, diesen schwarzen Van, der entfernt an die Karre vom A-Team erinnerte. “Coke Zero” stand drauf.
Überall auf der Straße waren Stencils zu sehen, obiges eines davon. Die Menschen, die im Van saßen, mussten sie dahingesprüht haben*.
Ich werde jetzt nicht allzu viele Worte darüber verlieren, dass die Coca Cola Company in Kolumbien Gewerkschaftler ermorden und entführen lässt. Dazu sei an dieser Stelle nur auf den entsprechenden Spreeblick-Artikel und die Kampagnenwebsite killercoke.org verwiesen.
“Zero Kehrseiten” würde ich den indischen Bauern wünschen, deren Brunnen Coke leerpumpt. Diese müssen, ihrer Lebensgrundlage beraubt, bei Coke anheuern, allerdings ohne jegliche Arbeiterrechte, mies bezahlt und unversichert. Ein “Super Leben” hatten die Angestellten von Coke in einer sowieso schon strukturschwachen Gegend im Osten Deutschlands auch die längste Zeit gehabt, nämlich solange bis ihre Arbeitsplätze vom Mutterkonzern nach Polen verlagert wurden.
Ein paar nicht ganz so prominente Beispiele, wen und was die Herrschaften aus Atlanta auf dem Altar der Globalisierung schächten, finden sich in der interessantenen Dokumentation Nichts geht ohne Coca-Cola – Wie ein Konzern die WM dominiert. Der Titel ist etwas irreführend, es geht kaum um die WM.
Im direkten Vergleich mit Mord, Menschenrechtsverletzungen und Verarschung am Kunden (Bonaqua zum Beispiel ist Tafelwasser, also mit CO² versetztes Kraneberger Leitungswasser) ist diese Guerilla Marketing-Aktion höchstens blanker Hohn. Aber dennoch finde ich die Vorstellung ekelhaft, wie gelackte “Werbeprofis” an ihren Macintosh-Computern sitzen, sich Gedanken machen, was für ein Image das neue Produkt haben soll und welche Jugendkultur diesmal ausgeschlachtet werden soll, um das Gesöff begehrt zu machen.
Und wie schmeckt Coke Zero? Laut Riesenmaschine “wie ein Plastiklutscher mit Chemieunfallaroma”. Okay, ich trink eh nur noch in äußersten Notsituationen was von der Firma**.
Wer echte Street Art sehen will, hier drei Tip(p?)s:
* Oder es waren die evangelikalen Nachwuchschristen, die sich gerade in der Auferstehungskirche nebenan versammelt hatten. Dieses Wochenende war da offenbar Missionierungsworkshop, wie man am hysterischen Praise the Lord!- und Halleluja!-Gerufe hören konnte, das uns der Wind mehrmals mehrere hundert Meter bis auf den Balkon zutrug. Aber – nein – sowas würde ich nichtmal denen zutrauen.
** Nach mehr als vier Stunden auf der Arbeit, wenn all meine Körperteile kanonisch das Klagelied der Koffeinarmut singen und ich keine Zeit mehr hatte, mir vorher eine Vita Cola zu kaufen, dann – ja dann – greife ich gegen mein Gewissen zu Coke.