meist manchmal, selten oft

Archiv für das Schlagwort ‘Wirtschaft’

Eben mit einem halben Ohr aus dem Radio gehört: “Anleger und Händler bezeichneten die Aktienkurse als ‘grotesk’.” Jetzt wird da gesagt, dass es am Donnerstag schneien werde. Es sind seltsame Zeiten – holla, die Waldfee.

Tja, die Kursverluste. Ich nehme an, langsam dürfte man sich auf dem Börsenlaminat an die “Talfahrt” gewöhnt haben. Muss man ja, sonst kommt der Herzkasper ganz bestimmt. Theorie: Das Stimmungsbild ist die erste Ableitung der Kurskurve. Aber wie bringt man die Frankfurter Fußsoldaten trotz des Pragmatismus dann überhaupt noch in die Wallung? Indem man die Börse entert. Lob an attac, die – das muss man ja auch mal sagen – mit der NPD überhaupt nichts gemein haben. Die haben mit einer kleinen Gruppe eine Börsenführung für eine lässige Störaktion genutzt, welche Erinnerungen weckt und die n-tv Tante ganz schön konsterniert zurückließ.


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[via mspro]

Vintage Car PhoneJunge, Junge — 17000000 Kundendaten sind T-Mobile “entwischt”. Das sind sechs Nullen hinter der Siebzehn. Ich finde es ehrlich gesagt befremdlich, dass die Telekom bereits versichert, dass die Daten nicht gekauft worden wären, obwohl sie noch nicht einmal den zuständigen Datendieb erwischt haben. Man könnte langsam eine Tageszeitung eröffnen, die ausschließlich mit Datenpannen-Berichterstattung befüllt wird[1]. Das jüngste Datenloch bei der Telekom etwa erschüttert mal wieder alle. Alle! ALLE!!!1 Ganz besonders die Granden in der großen Koalition, die publikumswirksam ausgerechnet als Gralshüter des Datenschutzes wahrgenommen werden wollen:

(SPD-Innenausschuss-Vorsitzender) Edathy forderte ebenfalls eine “Meldepflicht für Unternehmen” bei Datenmissbrauch und plädierte auch dafür, “Kundendaten in Unternehmen nur noch verschlüsselt zu speichern und eine automatische Protokollierung jedes Datenzugriffs vorzuschreiben”.

Moment mal, eine Meldepflicht für solche Fälle gibts noch nicht? Ach, dann weiß also auch der Verbraucher nicht, wenn die eigenen Adressdaten in den Händen zwielichtiger Gestalten sind? Ganz genau.

Ein zweiter Aspekt mit Änderungsbedarf sei die fehlende Benachrichtigungspflicht. Nach geltender Rechtslage müssten die Betroffenen nicht unbedingt benachrichtigt werden, wenn ihre Daten gestohlen würden.

Edathys Forderung danach, dass Kundendaten verschlüsselt werden müssen, ist sicher richtig, aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Natürlich würde es ein gewisses Mehr an Sicherheit gegenüber solchen Kräften bringen, die von externer Stelle an die Daten gelangen wollen (lies: Hacker), aber bei einem Unternehmen, das vertrauliche Daten öffentlich zugänglich und unverschlüsselt speichert, ist eh Hopfen und Malz verloren (vgl.: Beate Uhse-Gate, PricewaterhouseCoopers-Gate). Da hilft kein Gesetz, keine Strafe, das wird’s geben, so lange man SQL und PHP an der Volkshochschule lernen kann. Ein Unternehmensinterner mit ausreichenden Befugnissen — und ich nehme stark an, dass ein solcher für das T-Leak verantwortlich ist — jedoch kann auch auf verschlüsselte Daten zugreifen. Und das dürften einige sein, wenn man sich vor Augen hält, dass bei Telekommunikationsanbietern jeder Call Center-Mitarbeiter Zugriff auf sämtliche Benutzerdaten, sogar auf Rechnungsdaten und Kontoverbindung, haben dürfte. In vielen englischsprachigen Ländern wird die Kundenbetreuung bereits ins Ausland ausgelagert. Hierbei ist Kontrolle zwangsläufig noch weniger möglich, mal ganz abgesehen davon, dass deren rechtlicher Status auch eher eine Grauzone sein dürfte. Kurzum: Man muss sich meines Erachtens nicht wundern, wenn Telco-Kundendaten in dunkle Kanäle geraten.

Nicht falsch verstehen, ein Zugriff in bestimmten Grenzen für die Mitarbeiter von Telekom & Co ist nützlich, etwa um Rechnungsangelegenheiten zu besprechen. Jedoch greift hier die gute alte Regel “Der beste Datenschutz ist der, Daten nicht zu erheben” nicht, denn die Telcos brauchen nunmal diese Daten. Die einzige Art, wie potentiellen Missbrauchsfällen zumindest im Ansatz begegnet werden kann, ist den Zugriff auf sensible Daten weitestmöglich einzuschränken und genau zu protokollieren, wer wann worauf zugegriffen hat. Trotzdem bleibt das Risiko von Datendiebstählen groß, ich mutmaße mal, dass die jüngsten Fälle sich in Zukunft häufiger in ähnlichen und größeren Ausmaßen wiederholen werden.

Was mich auf die Palme bringt ist, wenn sich jene Politiker jetzt in puncto Datenschutz profilieren wollen, die Onlinedurchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriff und das weite Feld der Maßnahmen durchwinken, die vor einigen Jahren undenkbar waren, heute aber als wichtige Mittel im Kampf gegen einen diffusen Begriff von Terror durchgewunken werden. Wasser predigen, Schnaps kippen! Ich warte ja nur darauf, dass irgendein parlamentarischer Naseweis öffentlich erklärt, man könne Datenmissbrauchsfälle dank der Vorratsdatenspeicherung zukünftig viel besser verfolgen.

Ach übrigens…

Freiheit statt Angst-Flyer

Bild “Car Telephone”: Brian Josefowicz (cc)

  1. Wer Gefallen an dieser Vorstellung findet und ausreichend Frustrationsresistenz besitzt, kann sich ja mal den englischsprachigen Datenpannenaggregator PogoWasRight anschauen [zurück]

T-Bet

Yeah, eine coole Idee der Firma “Coole-Fun-T-Shirts”, die sonst eher Bud Spencer-Konterfeis und Bruce Willis-Sprüche auf ihre Nickis dampfen. So ‘ne Soli-Wear hätte es auch schon beim Völkermord in Somalia, dem 11. September und meinetwegen auch dem Holocaust geben sollen. So kann man schön stylisch zeigen, dass einem das nicht egal ist, alles. 15 Euro ist doch auch kein Preis für die Freiheit der Tibeter, da bleibt sogar noch was übrig für den Bono-Gedächtnis-Cowboyhut.

Anchormen
Foto: laffy4k (cc)

Es ist doch auffällig, wie sehr sich das Spektrum der politischen Diskussion bei uns verändert hat: Wenn es in den späten sechziger Jahren “links” war, über die Enteignung von Springer, über die öffentliche Kontrolle der Grossbanken nachzudenken und die in der UNO diskutierte Neue Weltwirtschaftsordnung zu begrüssen, wird heute schon als “links” verschrien, wer die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes für Ältere verlängern will. Wir sind uns gar nicht bewusst, in welchem Ausmass hier eine Gehirnwäsche stattgefunden hat, die Themen jenseits des neoliberalen Mantras einfach nicht mehr zulässt. (…)

Meinungsumfragen gehören heute zum alltäglichen Handwerkszeug von Politikern. So wie die Fernsehforschung der GfK inzwischen sekundengenau die Präferenzen des TV-Publikums abbildet und damit Einfluss nimmt auf das vermeintlich werbefreie redaktionelle Programm, so helfen Meinungsumfragen den Politikern, ihre Verlautbarungen möglichst nahe am Mehrheitsgeschmack auszurichten. So sehen denn auch die Wahlprogramme der “Volksparteien” aus – überall die gleichen Formeln, überall die gleichen Widersprüche, überall der gleiche Anspruch, die Mitte zu repräsentieren. Der eigentliche politische Auftrag der Aufklärung war gerade das Gegenteil: die Schwachen vor der Ausbeutung durch die Starken zu schützen. Das kommt heute in den Medien nicht mehr vor. (…)

Das anarchische Element, der Ort des Widerstands ist heute das Internet. Allerdings: Da dort jeder und jede irgendeinen Quatsch als “Nachricht” einstellen kann, ist es mindestens ebenso schwierig wie in den konventionellen Medien, Relevantes von Irrelevantem, Aufhebenswertes von Belanglosem, Richtiges von Falschem zu unterscheiden. Wir haben also nicht nur das Problem des sog. “digital divide”, also des sozial ungleich verteilten Zugangs zu diesem Medium, sondern auch die Schwierigkeit der Internetnutzer zu entscheiden, was sie aus dem Meer der Belanglosigkeiten für wahr halten sollen. Es gibt nur zwei Wege, dieses Dilemma zu überwinden: Entweder man verbringt unendlich viel Zeit mit der Nachrichtenanalyse – oder man verlässt sich auf ein gänzlich antiquiertes Prinzip des Informationsaustauschs: Vertrauen in die Quelle. In jedem Fall kostet das Informieren über die Geschehnisse der Welt heute viel Zeit und viel Geld. Das können sich die meisten nicht leisten. … Informieren ist zu einem eigenen Beruf geworden, zu einem Privileg, das sich nur wenige leisten können. Wir leben, das ist nicht mehr zu übersehen, in einer manipulierten Gesellschaft.

Der Soziologe Bernd Hamm im TP-Gespräch über die ideologisch-politische Quasi-Gleichschaltung der Massenmedien. Interessanter, lesenswerter Artikel.

Zum zweiten Zitat möchte ich einwenden, dass sich auch “Bild” und ZDF durchaus noch auf die Seite des schwachen “kleinen Mannes” zu stellen bereit sind. Und zwar in jedem der unzähligen Ratgeber- oder Verbrauchermagazin-Formate. Nur sind diese Formate heute beinahe völlig austauschbar und politisch stets ungefährlich. Die Super-Nanny wird nie das Mantra der schulischen Leistungsbereitschaft in Frage stellen, ein Vergleich von Rentenzusatzversicherungen bestätigt im letzten Ende dieses System, Beiträge über Alltagsgefahren – vom Rauchen bis zum Killerspiel – sind populistisch und alarmistisch. In der Regel ist das Interesse hinter dieser Volksaufklärungsattitüde Bindung und Identifikation des Kunden mit dem Medium. Die Erziehung zum “mündigen” Konsumenten. Und natürlich Ablenkung von allem, was Relevanz haben könnte. Die Tatsache etwa, dass die öffentlich-rechtlichen Nachrichten und Informationsprogramme erst nachdem sie “durch” war, über die Vorratsdatenspeicherung umfassend zu berichten wusste, während das Thema vorher geradezu brüllend penibel vermieden wurde — im Gegensatz zu Knut-Schwachsinn und Vogelgrippe-Einzelfällen — finde ich frappant.

Im dritten Zitat hat Hamm eine Möglichkeit der Filterung übersehen: Die webgestützte kollaborative Erschaffung, Klassifikation und Bewertung von Nachrichten. Siehe Wikis, digg oder – weniger strukturiert – die Welt der Blogs und anderer partizipativer Internetmedien im Allgemeinen. Auch das funktioniert allerdings (noch?) nicht sonderlich, da sich der Großteil der Leute auch im Web nur für Mist interessiert. Da beißt sich der Hund in den Schwanz: Man kann keine Massenweisheit erreichen, ohne dass die Masse weise filtert. Das Ergebnis bleibt gleich.

sarko
Foto: Francois (cc)

In Frankreich wird eine neue Behörde gegründet, die Filesharing verfolgen soll. Bei mehrfacher Zuwiderhandlung sollen Internet-Anschlüsse sanktionierend gekappt werden. Applaus gab’s von der Contentmafia Contentindustrie, die die entsprechenden Entscheidungen freilich massiv angeschoben hatte. Als Zuckerbrot für den redlichen Untertan gibt’s ein Verbötchen von DRM. Mehr bei der Tagesschau und gulli.

Ich glaube nicht, dass sich Filesharing, trotz solch enormer politischer Eingriffe, noch in irgendeiner Weise eindämmen oder gar wirkungsvoll verhindern lässt. Eher dürften sie befördern, dass die User auf anonyme Systeme wie ANts P2P und MUTE oder in Freundesnetzwerke wie ExoSee und AllPeers (das seit meinem enttäuschten Resumée von vor einem Jahr ziemlich poliert wurde) wechseln, mal ganz abgesehen von den guten alten transportablen Festplatten, deren Kapazität sich auch nicht verringert. Was bleibt ist ein fader Eindruck davon, wie viel Einfluss Lobbyisten auch in Frankreich haben (Verweis auch nochmal auf das Verbot in Frankreich, Software zu programmieren, die zum illegalen Tauschen urheberrechtlich geschützten Materials verwendet werden könnte), welche Gängelung und Kriminalisierung der Bürger im Namen der Wirtschaft möglich sind und welch größenwahnsinniger Freak zu sein Sarko immer wieder zu beweisen imstande ist.

[Update:] Heise berichtet auch. Interessant, neben den nun staatlich forcierten, aber bereits heute veralteten Techniken zur Filesharing-Filterung, die die Provider einsetzen sollen, ist Sarkos Militär-/ Kriegsmetaphorik:

Wie der französische Präsident Sarkozy am gestrigen Freitag sagte, sehe er die Vereinbarung zwischen dem Staat, den Internetprovidern und den Contentanbietern einen “entscheidenden Schritt für den Fortschritt des zivilisierten Internet”. Hier gebe es eine “neue Grenze”, ein “neues Reich zu erobern”. Wenn man nicht handeln würde, entstehe mit den Breitbandverbindungen für die Filmindustrie dieselbe Gefahr des wirtschaftlichen Niedergangs wie für die Musikindustrie. Man riskiere, eine “wirkliche Kulturzerstörung” zu unterstützen, wenn man nicht mit “intelligenten Mitteln” einschreite.

Ein kleiner Napoleon, oder?

rhcp
Foto: Janesdead (cc)

Californication - Western society’s pop culture and media encroachment and spread all over the world. In particular, the negative aspects of media and culture originating from within the United States’ 31st State: California. Ex. “Whats up with the californication in Germany today?” (Urban Dictionary)

Die Produzenten der ziemlich lässigen Fernsehserie Californication mit David “Mulder” Duchovny wurden jetzt von den Red Hot Chili Peppers verklagt. 1998 veröffentlichten sie ein wohlbekanntes Album unter diesem Namen, einer der Songs hieß ebenso. Serienjunkies zitiert Bandleader Anthony Kiedis

„Californication ist das Album der Band überhaupt. Wir haben davon immerhin 14 Millionen Stück verkauft und einen Grammy gewonnen. Sich einfach den Titel unseres Albums zu schnappen und damit irgendeine Fernsehserie zu machen und uns unserer Identität zu berauben ist einfach nicht richtig.“

und schreibt

Ziel der Klage ist es, die unberechtigte Nutzung des Titels dauerhaft zu verhindern und den Sender zu zwingen, alle mit ihr gemachten Gewinne abzutreten.

Markenrechtlich sicher vertretbar, wenn auch ziemlich peinlich ist der erste Teil der Forderungen. Kiedis sagt’s ja selber: 14 Millionen mal ist allein diese eine Platte verkauft worden, die Band dürfte ein für alle Mal finanziell ausgesorgt haben. Das Geseiher über Diebstahl von Identität ist nüchtern betrachtet ziemlicher Unsinn, denn jeder halbwegs normal denkende Künstler wäre froh, einen Begriff geschaffen zu haben, der über den Kontext der Musik hinaus Sinn und Verwendung erhält. So weit, so peinlich also.

Der zweite Teil der Forderung, nämlich sämtliche Gewinne der Serie einzufahren, lässt dann jedoch hervortreten, wes Geistes Kind die Herrschaften anscheinend sind: des Größenwahns und der Gier. Ich glaub, es hackt, alle Gewinne? A Watschn links, a Watschn rechts hätten die Herren verdient dafür. Es beweist in der Tat, dass Geld blöd macht und RHCP mittlerweile in einer Liga mit Metallica und U2 spielen. Ich mochte Californication (die Platte) damals sehr gerne, auch wenn mir das Radio-Airplay nach kurzer Zeit gehörig auf den Zeiger ging. Mit dieser Aktion haben sie bei mir jedoch auch das letzte Quentchen Symphatie verspielt. Californicate my ass.

Unternehmensberater wollen jetzt das Geheimnis der Pisa-Sieger herausgefunden haben. Die britische Niederlassung der weltweit operierenden Unternehmensberatung McKinsey hat nach einjähriger Untersuchung festgestellt: Es liegt an den Lehrern.

McKinsey plädiert entsprechend für besser ausgebildete Pädagogen. “How the world’s best performing schools systems come out on top” (“Wie die besten Schulsysteme an die Spitze gekommen sind”) heißt die jetzt vorgestellte Studie. Danach liegt der Grund für die besseren Leistungen der Schüler vor allem in der Qualität ihrer Lehrer. Die richtige Auswahl guter Lehrer und regelmäßige Weiterbildung gelten laut Studie als entscheidende Erfolgsfaktoren. Dabei ist es unerheblich, ob das Schulsystem ein- oder mehrgliedrig ist. Als Beleg gelten hier die beiden Siegerländer Finnland und Singapur. (…)

Frankfurter Rundschau vom 8.11.2007: Gute Lehrer = gute Schüler. Studie lüftet Geheimnis des Lernerfolgs

Diesen Artikel und die Studie halte ich ja mal für groben Schwachsinn. Erstens stammen die Erkenntnisse von McKinsey, denen man nicht gerade besonderes Engagement in der Bekämpfung des Bildungselitarismus nachsagen kann. Soll heißen: Ein anderslautendes Ergebnis wäre bei dieser Urheberschaft schon sehr überraschend gewesen. Zweitens lässt sie außen vor, dass das dreigliedrige Schulsystem z.B. hierzulande sehr eng an die sozialen Schichten gekoppelt ist und damit soziale Ausgrenzungskriterien bereits systemisch greifen, bevor ein Lehrer nur ein Wort ggü. seiner Klasse geäußert hat. Da kann ein Lehrer noch so gut ausgebildet sein, wenn er an einer Hauptschule in einem großstädtischen Problemkiez unterrichtet, wird er an der Prognose Hartz IV für viele seiner Schützlinge nichts ändern können. Drittens ist es auch fragwürdig, dass die Unterschiede der kulturellen Rahmenbedingungen (etwa: Relevanz von schulischem Wettbewerb, Konsum, soziale Sicherheit und Mobilitä, Grad der Autorität des Bildungsverständnisses) in einer solchen Betrachtung einfach negiert werden können und auf eine einzige Größe, nämlich die Qualität der Lehrenden, runtergebrochen wird. Wobei Qualität in diesem Zusammenhang auch nur Fachwissen bedeutet und nicht soziale Kompetenz, weder beim Schüler noch beim Lehrer. Ein Mathepauker muss einem Zweitklässler nicht die Polynomdivision erklären, aber er muss erkennen und wissen was zu tun ist, wenn der/die Kleine ganz offensichtlich häusliche Misshandlungen ertragen muss. Dass genau das – die Vermittlung von einem ungleich höheren Maß an akademischen Wissen, verglichen mit grundsätzlichen pädagogischen Skills – das Problem in der deutschen Lehrerausbildung ist, durfte ich in unzähligen Fällen selbst erleben. Um das klarzustellen, meine Kritik soll nicht bedeuten, dass ich mich für weitere Verbeamtungen von Lehrern ausspräche. Nur finde ich die Kritiklosigkeit der FR gegenüber Unternehmensberatern, die mit ökonomoextremistischen Scheuklappen versuchen, die Welt zu erklären und das Ziel verfolgen, ihren widerlichen Börsianerjargon in alle Lebensbereiche zu drängen, sehr bedenklich. [via]

“Bitte denk doch endlich mal daran, den Deckel wieder auf die Zahnpastatube zu schrauben, Schatz.”

yellow spyIch hab’s heute erst gesehen. China! Spione! Hacker! Trojaner! Mir schwant… Es droht ein neues Buch vom Kampfzonenausweiter Steingart Gabor, gell? Falls ja, ist euch die Crosspromotion diesmal besonders gut geglückt, wenn sogar das Bundeskanzleramt mitmacht. Und gleich mal noch ein Lob hinterhergeschoben: Mit der neuen Titelstory ist euch mal wieder ein superber Eyecatcher gelungen. Solltet ihr demnächst mal gegen Entwicklungshilfe in Afrika polemisieren wollen, würde ich mich analog freuen, wenn mir vom Bahnhofskiosk die Schlagzeile “DIE BRAUNEN NEHMER – Wie Simbabwe deutsche Hilfsgüter einfach aufißt” entgegenlächelte.

Danke jedenfalls für diese Titelstory. Endlich mal ein klares leitmediales Statement in der aktuellen Rassismus-Debatte.

Leser, die sich über diesen Artikel ärgerten, mochten auch diese Artikel nicht:

Zwei Nachträge: Bei SpiegelKritik wird der Artikel entkleidet und – oho – es steckt drin, was draufsteht. Kunterbunt gemischte Ressentiments mit schlechter Rechercheleistung und berechtigter Kritik in einen Topf geworfen.

Hm, Oliver Gehrs ist mir in seinem wöchentlichen “Blattschuss”-Videopodcast hingegen etwas zu freundlich mit dem Ding.


(WatchBerlin-Direktlink)

Denn es gibt keinen sozialen Kahlschlag. Vielmehr steht Hartz IV für den großen Ausbau des deutschen Sozialstaats.

Holger Steltzner, ganz makro, in der FAZ. Neben Giordanos jüngstem Schriftstück mein Aufreger des Abends.