Hallo ihr Designertürklinken!
Neulich bin ich mit Sebastian um die Häuser gezogen. Er hatte ‘ne Lesung in Berlin und ich bot ihm Obdach. Denkwürdig war wohl, wie wir die hässlichste Straße Berlins entlangflanierten, uns eine Frau Vaginasynonyme hinterherspie und Sebastian in seiner norddeutsch-schwäbisch-trockenen Art meinte: „Berlin halt.“ Ich brachte ihm auch das Björn Grau’sche Axiom bei, nach dem jeder Weg innerhalb Berlins exakt eine Dreiviertelstunde benötigt. Das stimmt, egal von wo nach wo. Björn Grau und andere Twitterer und Blogger trafen wir dann auch abends bei der Jour Fitz-Lesung (Seite ist gerade kaputt). Es war voll und interessant und alles schwankte. Mehr lest ihr beim Sebastian.
An diesem Tag, vielleicht war es auch der nächste, stellte Sebastian, vielleicht war es auch ich, fest, dass man beim Twitter-Favorisierungsaggregator favstar.fm, vielleicht war es auch favotter, fast ausschließlich mit schlechten Wortspielen nach oben kommt. Traurig, ist jedoch so: Liste der letzten deutschsprachigen Tweets mit mindestens 10 Favs. Here’s the thing: Heute morgen beim Zähneputzen fiel mir ein ganz besonders schlechtes Wortspiel ein. Ich streng mich da gar nicht an, das überkommt mich eben manchmal. Dieses Wortspiel war so mies, so unterirdisch schlecht, so dermaßen bei-uns-auf-Arbeit-muss-man-dafür-Geld-in-die-Phrasendrescherkasse-werfen, so komplett den-kannste-nichtmal-laut-aussprechen, dass ich beschloss, die Probe auf’s Exempel zu machen. Ich bin noch nie einer Peinlichkeit aus dem Weg gegangen und twitterte es also, das Wortspiel aus der Hölle.
Im Zuge des merkwürdigen und selbst meinem Geschmacksempfinden etwas zu verquasten Grußworts Christian Klars an die Rosa Luxemburg-Konferenz kam es neben den üblichen Söderismen (also Stammtischbla) zu sehr vielen schlechten Wortspielen in den Medien: Klartext, Ja nee is’ Klar, Alles klar, Herr Klar? und sogar Klar kommt der Klar klar. Als ob Journalisten und Blogger sich geradezu überbieten wollten, einen Nachweis für die eigene Witzischkeit zu erbringen. Da finde ich die Genitivkanonaden des inhaftierten Mörders glatt gehaltvoller.
Das einzig hübsche Bonmot in der jüngeren Diskussion stammt ausgerechnet von Petra Pau:
“Christian Klar sollte die Möglichkeit bekommen, sich seine Weltanschauung wieder durch Anschauung der Welt zu bilden.”
[via]
//edit: Warum ich oben “ausgerechnet” schrieb weiß ich bei genauerem Nachdenken auch nicht mehr. Ich weiß eigentlich gar nichts über Frau Pau und habe dementsprechend auch keine Basis für ein Urteil über sie. Entschuldigung.