Tanztee mit Bier-Eis

Mein Bloguntertitel „Erkenntnislobbyismus und Quatsch“ kommt mir mittlerweile etwas ausgelutscht vor, da muss ich demnächst mal dran feilen. Vielleicht ändere ich ihn in „Wenn ich mal Zeit und Bock habe, veröffentliche ich hier was“, „Lediglich ein Eintrag von fünf angefangenen wird publisht“ oder „Nur noch online aus Nostalgie und Prokra Trödelbock“. „Erkenntnislobbyismus“ und „Quatsch“ decken ja auch kaum das ab, was ich hier zukünftig vermehrt einzupflegen gedenke: Nämlich Haushaltstipps! So etwas gibt es meines Wissens noch kaum in der deutschen Blogosphäre. Gemeint sind damit phantastische Aphorismen wie „Die Axt in der Küche erspart das Buttermesser“, „Wer brät, tranchiert nicht“ oder „In der Not trinkt der Bauer Essigwasser“. Aber auch bebilderte Anleitungen werden auf citronengras.de zukünftig Platz finden, dabei natürlich stets im künstlerischen und/oder politischen Kontext. Im Prinzip also alles beim Alten, nur mit einem Tick, einem Schuss, einem Quentchen Hauswirtschaftslehre. Einen ersten Einblick in das neue Konzept gewähre ich nun.

Die Frage, mit der ich mich beschäftige, lautet: Wie stellt man Bier-Eis her? Die Voraussetzungen sind zunächst gering. Als erstes besorgt man sich Bier. Das kann in einem Supermarkt geschehen, aber auch Spätis, Büdchen, Trinkhallen, Dönerläden, düstere Kaschemmen und edle Lokalitäten verkaufen solches (Tipp: Edeka). Wichtig ist das Behältnis: es darf sich weder um eine Blechdose noch eine Plastikflasche (hier und da sagt man „Plasteflasche“) handeln. Glas ist King.

Dann stellt man es in das Tiefkühlfach. Zu beachten: Die Flasche muss geschlossen sein, genascht wird nicht! Jetzt lässt man die Flasche 24 Stunden im Tiefkühlfach liegen. Um der Nervosität währenddessen Herr zu werden, empfiehlt es sich gleich komplett zu vergessen, dass „da ja noch was war“. Einfach sich selber für etwa zehn Minuten vorgaukeln, dass man das Bier nur für eine kurzfristige Schockfrostung („Bier — bewusst [und kühl] genießen!“) bei Minusgraden einlagert und dann nicht mehr dran denken. Moderne Handys haben ja so Terminkalenderfunktionen. Die stellt man sich einfach auf einen Tag später und fertig ist die Laube.

Wenn der Fernsprechziegel schellt, ist es soweit: Mit großen Augen und klopfendem Herzen öffnen wir das kalte Grab längst vergessener TK-Erbsen und fast leerer Speiseeispackungen und freuen uns über die abstrakten Formen, die der gefrorene Schaum, umhüllt von geborstenem Glas, im Eisschrank angenommen hat. Fantastisch: Es ist Bier! Irgendwie. Noch. Aber auch Kunst! Bier-Eis eben. Wer will, kann mal dran lecken, aber empfehlenswert ist das nicht.

Hmmm, Bier!

Bierschaumpilz

Chaosbier

Mein nächster Beitrag handelt dann vielleicht davon, wie man das Tiefkühlfach entklebrigenderweise von den Artefakten des Kunstprojekts befreit. Das muss ich allerdings erst noch selbst herausfinden.

Hat nichts zu tun mit dem, was da oben steht: Es ist ja jetzt Wochenende und viele von euch gehen sicher gleich zum Schwof zum Tanztee im Gemeindehaus. Darauf wollen euch Bratze musikalisch einstimmen. Meine Damen und Herren, liebe Kinder, ein Abgesang auf das „Web 2.0“: Hightowers Herz.


(YouTube-Direktlink)

6 Kommentare

  1. Na lecker. Dieses „Rezept“ werde ich den Eisdielenbesitzern meiner näheren Umgebung schnellstmöglich empfehlen müssen. Was die sich für einen Umsatz entgehen lassen!

    (Der beste Bloguntertitel aller Zeiten bleibt aber: „Hoffentlich kann man das später noch ändern“.)

  2. Haushaltstipps, jetzt geht das hier auch schon los. Im Forum meines Freundeskreises, welches früher dazu diente, Partys zu planen und Roadtripps Revue passieren zu lassen, sind heute Themen dran wie „Ich habe Plastik auf der Herdplatte, wie kriege ich das runter“. Irgendwie deprimierend.

    Was das selbsthergestellte Eis angeht: Das hat mir mal eine schlaflose Nacht bereitet nach der Konfirmation meiner Schwester. Nachts gab es auf einmal eine Schiesserei in unserer Straße, ein Knall nach dem anderen, ich hatt wirklich Schiss. Am nächsten morgen waren es dann doch nur geplatzte Wasserflaschen auf dem Balkon. Aber gruselig war’s trotzdem.

  3. @ Simon: Empfehl mal, das ist eine Marktlücke. Nach Bierwurst, Bierteig und, äh, Bierbongs ist Bier-Eis die neueste Spezialität auf dem Markt der Hopfenkaltschalenkuriosita.

    @ Sebastian: Hm, das könnte man als Motiv für einen asiatischen Gruselfilm verwenden. Übrigens finde ich Haushaltstipps sehr erquickend! Thematisch kann das gar nicht genug in Alltag und Kommunikation einfließen. Verkalkte Wasserkocher werden wieder wie neu, wenn man sie in Essigessenz badet.

  4. also biereis ist jetzt nicht so die neue erfindung. meine damalige eisdiele des vertrauens hatte das schon vor 6 jahren mal. schmeckte äußerst seltsam, so milch(!)speiseeis mit biergeschmack…

  5. Biereis wird genießbar, wenn man das Bier vor dem Einfrieren in geeignete (offene) Gefäße gießt (Eisstiel nicht vergessen) und darin mit reichlich Zucker mischt.

  6. Nochnhaushaltstipp zum Enteisen: Niemals (in Worten: NIEMALS!, in Zahlen: NULL!) Messer oder andere spitze Gegenstände benutzen. Ich habe derwegen schon zwei WG-Kühlschränke beerdigen müssen.

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