Top 5

Müsste ich in Hornby-Manier jemals die Top 5 meiner ewigen Lieblingsplatten definieren, ich geriete in höchste Not. Wie legt man die bloß fest? Optionen gibt’s viele: Nach dem aktuellen Stand des Geschmacks, wie oft man eine Platte gehört hat, nach der Bedeutung in prägenden Lebensphasen (heute aber vielleicht nicht mehr), eine für jedes Genre, jede Dekade, eine je für Einzelkünstler, Band, Projekt, Compilation, Filmmusik…

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Wenn man sich schon nicht für einen Modus entscheiden kann, wird’s bei der Auswahl der Alben an sich noch schwieriger. Mal davon abgesehen, dass ich nie mitgezählt habe, ob ich bei Crash! Boom! Bang! tatsächlich am oftesten auf Play gedrückt habe (wovon ich trotzdem ausgehe), ich wüsste nicht, ob ich guten Gewissens heute noch Nevermind (Juveniler Initiationsfaktor, heute kommt mir Nirvana zu den Ohren raus), den Soundtrack von Braveheart (Musik, mit der ich Situationen assoziiere; die damals wichtig war, deren musikalischer Wert aber eher gering ist) oder Rival Schools‘ United by Fate (Soundtrack eines Sommers, danach nie wieder gehört) in so eine Liste aufnehmen könnte.

zitilites-1Auf jeden Fall wäre aber das fantastische Zitilites von der dänischen Band Kashmir aus dem Jahr 2003 dabei. So oder so. Zu Unrecht als Radiohead-Zitat verschrien, ruft es in mir so viele Bilder hervor, schafft es, mich in viele verschiedene Stimmungen zu versetzen und weiß mich einzuspinnen in die Nuancen der Instrumentierung, unterstützt durch eine unsagbar vielseitige Stimme von Kasper Eistrup. Ist es eigentlich rassistisch, zu sagen, diese Musik sei durch und durch skandinavisch? Hier ein Livevideo von Kashmir, The Aftermath @ Roskilde 2003. Klar, wenn man Heimspiel hat, darf’s auch mal Stadionrock sein.

Wenn man so eine blöde Top 5 Liste erstellt, sollte man vermutlich auf seinen Bauch hören. Ausgeglichener Stimmung sein. Ein Glas Wein trinken und dabei die MP3-Playlist durchwühlen. Die Liste auf eine Top 10 erhöhen. Vielleicht lässt man es aber auch einfach.