Trennen, was verbindet

emule
Foto: arboltsef (cc)

In Japan ist es jetzt amtlich: Filesharern wird die Leitung gekappt. [via]

Am Freitag wurde bekannt, dass die vier Webprovider im Lande übereingekommen sind, den Benutzern gewaltsam die Internetleitung zu kappen, von denen man weiß, dass sie zum wiederholten Male Winny[1] und andere Filesharingprogramme benutzt haben, um illegal Spielesoftware und Musik zu kopieren. …

Darauf zurückzugreifen, Copyright-Verletzern die Internetverbindung aufzukündigen, wurde schon vorher in Betracht gezogen. Es wurde jedoch nie Gebrauch davon gemacht, weil die Angst bestand, diese Praxis würde Verletzungen der Privatsphäre und der Telekommunikationsfreiheit beinhalten.

Dennoch haben die ISP-Organisationen es (jetzt) Quellen zufolge als möglich eingestuft, bestimmten Benutzern die Verbindung zu trennen oder die Providerverträge aufzukündigen, wenn sie – mit Hilfe von Copyright-bezogenen Organisationen – als außerordentlich schamlose Missetäter identifiziert werden.
(Übersetzung von mir)

Na wie nett von der Contentindustrie, dass sie gleich die Ermittlungsarbeit gegen die außerordentlich schamlosen Missetäter übernimmt. Es soll ja keinesfalls der Eindruck entstehen, die Politik bliebe von der Wirtschaft unbeeinflusst, ganz besonders auch in puncto Bürgerrechte. Nein, das ist kein japanisches Phänomen, vergleichbare Tendenzen gibt’s auch in Frankreich, Australien und in Großbritannien, das kann jetzt weltweit molto fix gehen.

Was soll’s? Ich schätze, das ist jetzt der Startschuss für eine wirkliche „Volks“-Darknet-Software. Oder P2P über Bluetooth-Geräte. Vor knapp zehn Jahren kam Napster. Wer weiß, wo Filesharing im Jahr 2018 steht? Bald passen ganze Musiksammlungen auf daumennagelgroße Chips, eine ganze Videothek auf eine Festplatte — Wer will all die Schulhöfe kontrollieren? Wer denkt, Filesharing wäre noch aufzuhalten, leidet an Realitätsverlust. Solche Maßnahmen wie die in Japan beschleunigen die Entwicklung nur.

  1. ein in Japan beliebtes Filesharingtool [zurück]

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