Ubi sunt gaudia?

hejab
Foto: princess hijab (cc)

Ich bin gestern mal wieder mit der U-Bahn nach Neukölln gefahren. Bei jenen circa 30 Prozent der auf Höhe Moritzplatz/Kotti zahlreich mitreisenden pubertierenden Mädchen, welche ein Kopftuch trugen, hatte ich zum wiederholten Mal den Eindruck, dass die normative Knute, unter der sie da auf spindeldürren Staken stehen, weniger das Elternhaus als eher der von Bravoviva überbrachte Zeitgeist ist. Denn genauso wie die Freifrisuren wissen diese Mädels, dass man sich modisch und figurbewusst anzuziehen hat, unter drei Pfund Makeup nix geht und man sich mit Kaugummiblasenknallen, vor allem über Lautstärke Selbstbewusstsein schafft. So weit, so nervig, so — für diese Altersklasse — normal. Mal platt bipolar: Das Problem mit dem Hijab haben nicht die, das haben wir. Das sollten sich die momentan ja aus dem Boden sprießenden einseitig auf „den“ Islam fixierten Frauenrechtler mal hinter die Lauscher schreiben.

Ach ja, segensreiche Moderne, Großartigkeit der westlichen Zivilisation: Katholen blasen zur Exorzismus-Offensive, Schlecker in Fulda darf wegen Kirche keine Gummis verkaufen. Mein Lieblingssatz aus dem zweiten Artikel: „Bistumssprecher kann Erregung nicht nachvollziehen“. LOL, mir fielen die Bilder von der Wand. Es werfe im Clash of Cultures bitte der den ersten Stein, wer keinen an der Klatsche hat.

3 Kommentare

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  2. Apropos religiöse Verschleierung: Gestern war ich mal wieder in Paderborn. Da sieht man auch oft Damen auf der Straße, die ihr Haupthaar mit einem Schleier verhüllen. Der gehört zu ihrer Nonnentracht.

    btw: Religiöse Symbole werden immer dann am trotzigsten verteidigt, wenn ihre Symbolkraft sowohl von den Gläubigen als auch von ihren Gegnern (an)erkannt wird.

  3. Diese Kopftuchdiskussion ist so banal, dass man schnell vergisst, dass dahinter tatsächlich ein bedenklicher Trend steckt. Nämlich eine zunehmende Identifikation muslimischer Einwanderer in Deutschland mit ihrer Religion. Das kann ich als überzeugter Atheist natürlich nicht gutheißen.
    Ein richtiges Problem ist das aber hier wohl eher nicht. Anders als zB in Ägypten, Mona Eltahawy hat das mal ganz schön dargelegt.

    Aber hier? Is‘ halt Ghetto, irgendwie. Vor allem Symbol für Problem, aber selbst doch kein Problem.

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