Unbotmäßiger Unfug

In Berlin ist demnächst wieder Abgeordnetenhauswahl. Als Erklärung für Leute, die in richtigen Bundesländern wohnen: Das ist sowas Ähnliches wie eine Landtagswahl. Dieses Ereignis evoziert natürlich, dass die Berliner Laternenpfähle vorher wieder weihnachtsbaummäßig behangen werden, die Volksparteien unten, Faschos und Idiotenparteien wie die AfD weiter oben, aus Abrissangst oder damit nicht so viel altes Gemüse ihr Ziel trifft.

Als wäre diese Verschandelung des Straßenbilds nicht schlimm genug – man nimmt die ganze Hundekacke und die zerbrochenen Sternburg-Pils-Flaschen ja kaum noch war – sind die Botschaften auch so simpel-runtergedummt wie eben nur möglich. Ja, ich weiß, ist jetzt nichts Neues, aber die Tatsache, dass ausgerechnet die CDU mit ihrem Slogan „Mehr Polizei, mehr Überwachung“ (so oder so ähnlich ging der) noch die konkreteste Wahlbotschaft aushängen lässt, ist schon traurig. Sonst haste überwiegend die ewiggleichen geschoppten Fressen, die Seriösität und Willen zum Anpacken, also jetzt nicht so Brüderle-mäßig, sondern politisch willensstark, suggerieren sollen. Die Piraten machen da etwas mehr auf funkypunky, mit Dreadlocks und Keith-Flint-im-Firestarter-Video-Style (Damit wollt ihr ernsthaft gewählt werden? Lol.) sonst gibt’s da aber keine Varianz. Vielleicht noch so Drei-bis-Fünf-Wort-Slogans. Sich verarscht fühlen würde sich ja niemand mehr, wenn da einfach nur „Sicherheit“ auf nem Plakat stehen würde und sonst nix. Oder noch besser: „sicher“, denn Adjektive sind das, was auf das Emotionszentrum des Hirns, wie das jetzt genau heißt habe ich vergessen, am besten wirkt. Adjektive sind auch das, was einen schlechten Text am besten charakterisiert, wenn sie gehäuft auftreten und unnötig eingesetzt werden. Adjektive zu verwenden sollte streng reglementiert, die Nutzung von Adverbien sogar verboten werden, aber das ist mein persönlicher Kreuzzug.

lederer-real

Die Plakate der Linken sind teils ja trotz wenig Engagement im Interpunktionsbereich fast noch sympathisch (Gutmenschen Bild von Pflegekräften im Einsatz mehr davon), wäre da nicht diese fette Impact-Typographie in Weiß auf Knallrot, also irgendwo schon am NPD-Style oder dem „Bild“-Schriftzug anbiedernd. Auch auf dem Linke-Plakat mit dem Konterfei von Klaus Lederer: natürlich Adjektive. Eines davon ist aber fast schon verrückt in seiner Muffig- und allgemeinen Unbekanntheit: unduldsam. Was soll das denn bitte bedeuten, unduldsam? Ist das sowas wie unbeugsam, unbequem oder sogar ungeduldig? Versteht doch keine Sau, Klausipausi! Ich hätte nachgucken können, hatte aber keine Lust. Stattdessen habe ich in meinem inneren Fundus kurioser Worte gewühlt, um zwei weitere abgefahrene u-Adjektive zu ergänzen und daraus einen Verbesserungsvorschlag einzureichen. Wenn schon irre, dann richtig. Bitteschön:

lederer

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