Und der Liberalismus so zum Kapitalismus: …

Bin eben durch Zufall auf einen sehr interessanten, wenngleich bereits etwas älteren, Artikel gestoßen.
Fredmund Malik im „Manager Magazin“: Muss der Kapitalismus vor den Kapitalisten gerettet werden? (27.4.2005)

„Wir haben längst nichts mehr, was in einer sinnvollen Weise als Kapitalismus bezeichnet werden kann. Wir haben etwas Schlimmeres, nämlich einen primitiv-vulgären Geldökonomismus, das heißt, ein Wirtschaftsdenken, das alles auf nur gerade eine Größe reduziert, nämlich Geld. Geld, und nicht Kapital ist es, was Denken und Handeln dominiert.“

„Der echte Liberalismus schreibt niemandem vor, wonach er sich zu richten hat. Kein echter Liberaler hat je, wie viele Neoliberale es tun, Individualismus mit Egoismus verwechselt. Der Liberalismus ist im Gegenteil das einzige System, das es den Menschen freistellt, sich so zu verhalten, wie sie es wollen und jene Ziele anzustreben, die sie selbst wählen. Die Vorteile der Marktwirtschaft hängen nicht davon ab, dass sich die Menschen egoistisch verhalten. Jeder darf sich so altruistisch verhalten, wie er nur will.“

„Niemand hat deutlicher gesagt, als der große Liberale und Nobelpreisträger, Friedrich von Hayek, dass letztlich alle Ziele nicht-ökonomischer Natur seien. Wir würden viele einflussreiche Gegner, zum Beispiel Künstler, zu Befürwortern eines freien Wirtschaftssystems machen können, wenn wir von ihnen nicht ständig verlangten, alles rein ökonomischer Ratio unterzuordnen. Was der Liberalismus aber verlangt, ist, dass jeder für seine Handlungen einzustehen hat. Das muss auch für Manager gelten.“

„Man darf den Markt nicht überfordern, und man darf den Menschen nicht ständig predigen, die Marktwirtschaft sei das Beste aller Systeme. Wer so spricht, tut es aus einer privilegierten Position oder aus Unkenntnis. Das Gegenteil kommt den täglichen Erfahrungen der Mehrheit der Menschen näher. Eine Marktwirtschaft ist brutal, unerbittlich, gnadenlos und im Alltagsverständnis der Menschen ungerecht. Die großen Liberalen wussten das: Die Marktwirtschaft ist nicht das beste System, sondern ein miserables – nur sind alle anderen Systeme noch viel schlechter, wie die Geschichte bewiesen hat.“

Was soll man sagen? Schön, dass es noch ernstzunehmende Ökonomen (neben Albrecht Müller natürlich) gibt. Ein sehr schöner Artikel, der ein bisschen Mut macht – obwohl er vermutlich ungehört verhallt ist.
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