Unsichtbare Mauern


Foto: FREEPAL (cc)

Schade, dass die deutschen Medien sich wieder in diesem doofen Metageblubber verlieren: Der Bischof ist Antisemit – Die Medien, die drüber berichten sind antisemitisch – Keiner ist hier antisemitisch – Schuld sind die Palästinenser – Schuld sind die Israelis – Schuld sind die Deutschen – Ungeheuerliche Entgleisung – Arroganz – Verharmlosung des Holocausts – Der Bischof hat ganz recht – Nö – Doch – Bla…

Mich interessiert der nahe Osten sehr und ich habe da auch meine Positionen. Aber das möchte ich jetzt mal beiseite schieben. „Wissen wir eigentlich etwas über die Repressalien, die die Palästinenser erfahren?“ fragte Bischof Friedhelm Hofmann von Würzburg kürzlich auf der Nahostreise der Deutschen Bischofkonferenz. Mich dem katholischen Würdenträger ausnahmsweise anschließend: Ich fühle mich von den deutschen Medien im Prozess der Meinungsbildung behindert, weil ich tatsächlich so gut wie nie Inhaltliches zur gegenwärtigen Situation Palästinas in den auflagenstarken Zeitungen und Magazinen lesen kann. Im TV ist es sicher ähnlich. Nochmal, konkret und wertfrei: Wie sind sie denn überhaupt, die Zustände im Gazastreifen und im Westjordanland, liebe Medien? Ich will ja nur den Ist-Zustand, ohne Interpretationen oder Begründungen – die verursachen nur Zoff. Es ist schon auffällig, dass selbst der Qualitätsjournalismus, der sich sonst doch in jeder Region „embedded journalism“ leistet, an dem Problem scheitert, Reportagen aus den palästinensischen Autonomiegebieten zu senden, die eigentlich nicht so schwer zugänglich sein sollte – schließlich kommen da sogar klimatisierte Tourbusse mit alten deutschen Männern rein, die lustige Hüte tragen. Oder hat meine Wahrnehmung bloß einen Knick?