Verachtung

contempt
Foto: petulant_seraph (cc)

Die neue „Deutsche Zustände“-Studie von Wilhelm Heitmeyer, die sich mit gruppenbezogener Abwertung und Menschenfeindlichkeit befasst, ist veröffentlicht.

Während in der medialen Verarbeitung die Ergebnisse letztes Jahr eine Besorgnis erregende Zunahme der Islamophobie zentrale Beachtung fand, konzentriert sich die Aufmerksamkeit dieses Jahr auf die in der Studie neu integrierten Langzeitarbeitslosen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Abwertung dieser häufig falsch mit Hartz IV-Empfängern gleichgesetzten Gruppe zunimmt, je niedriger der soziale Status des Befragten. Es scheint ein starker Wille zur Distinktion „nach unten“ zu bestehen.

Ebenfalls beachtenswert ist die generelle Zunahme ökonomistischer Einstellungen, welche sich z.B. dadurch auszeichnen dass Menschen zuvorderst nach ihrem gesellschaftlichen Nutzen bzw. persönlichem Vorteil bewertet werden.

Der forcierte Übergang von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft zeigt sich darin, dass ökonomistische Prinzipien wie Effizienz und Nützlichkeit das soziale Leben durchdringen und andere, nicht marktrelevante Grundsätze wie Empathie und Fürsorglichkeit überformen oder gar zurückdrängen. Ökonomistisches Denken ist die subjektive Verankerung kapitalistischer Logik in der Gesellschaft. Das hat zur Folge, dass sich ökonomistisches Denken in breiten Bevölkerungskreisen entwickelt und verankert hat. Ein Indikator ist dabei der von den Menschen wahrgenommene Flexibilitätszwang. Damit meinen wir, dass auch die Elemente des gesellschaftlichen Zusammenlebens, etwa soziale Beziehungen, einer Gewinnkalkulation unterzogen werden. (Heitmeyer in der Zeit)